Ab welchem Alter Kindern die Wahrheit über die Welt erzählen

Hallo zusammen,
Meine älteste Tochter ist vor kurzem 4 geworden und ich stelle mir zunehmen die Frage, ob ich auf alle Fragen ihrerseits die reine Wahrheit erzählen soll. Also wir lügen unsere Kinder jetzt eigentlich nicht an, aber es gibt ja so kleine Notlügen, oder Verharmlosungen, bzw. Kindgerecht angepasste Antworten auf die Fragen des Lebens.
Man versucht ja für Kinder eine "heile Welt" zu schaffen, weil sie ggf. mit manchen Ängsten noch nicht umgehen können.
Ich bin mir nicht sicher, ob hier klar wird wie ich das meine. Ich mache daher mal ein Beispiel:
Kind fragt: Was ist ein Panzer.
Ungern möchte ich als Antwort geben. "Das ist ein Kriegsgerät zum Zerstören und Häusern und töten von Menschen".
Aber eines Tages muss ich ja mal mit der Wahrheit rausrücken. Die Frage ist, wieviel Wahrheit verträgt ein Kind in welchem Alter? Wir wollen unsere Kinder zu aufgeklärten und selbständigen Menschen erziehen, aber nicht unbedingt mit Themen, die sie noch nicht verarbeiten können ohne ggf. unnötige Ängste zu entwickeln belasten.
Wie löst ihr dieses Dilemma, bzw. ab welchem Alter sollte man damit anfangen den Kindern reinen Wein über die Welt und wie sie ist einzuschenken?

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Ich habe so was noch nie gehört. Ehrlich jetzt. Denkst du dir Lügen aus um dein Kind in Watte zu packen? Vor was willst du es schützen? Vor der Wahrheit?
Waffen haben nur ein Ziel. Egal ob sie als jagdwaffe dienen oder eben ein Soldat verwendet. Es gibt viele Kriege auf der Welt. Und ja… hier wusste mein damals knapp 4 jähriger auch, dass es Krieg in der Ukraine gibt.
Du bastelst dir selbst Probleme wenn du Geschichten erfindest. Wie erklärst du Bettler auf der Straße? Hältst du deinem Kind die Augen zu?
Also sicherlich muss man nicht ins Detail gehen… aber Fakt ist, es gibt Krieg, es gibt Waffen und es gibt verdammt viel Mist auf der Erde. Genauso wie es viele böse Menschen gibt… Im rosaroten Zuckerturm zu leben… weil man angeblich das Kind schützen will, birgt für mich eine absolute Gefahr. Ganz klar, dass Kinder wissen sollen, dass sie mit fremden nicht mitgehen, dass Ihnen bewusst ist, das nicht jeder Mensch ihnen was gutes will und da draußen eben auch kriege herrschen.

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Alle anderen die hier geantwortet haben, kennen das Problem und haben schon davon gehört. Ich bezweifle, dass du dein Kind nicht anlügst. Oder gibt es bei Euch keinen Weihnachtsmann, keinen Osterhasen? Schade!
Bettler auf der Straße erkläre ich ganz normal. Das sind Menschen, die nicht genug haben um über die Runden zu kommen.
Das Thema mit dem Panzer war nur ein Beispiel. Weiter unten siehst du ein Beispiel von einem Sexshop. Es gibt 1000 Dinge, die man mit 4 Jahren nicht im Detail erklärt haben muss. Ich lese hier aus den meisten Antworten heraus, dass die Meisten hier die Strategie anwenden nur die Hälfte zu erzählen, was ich vermutlich in Zukunft auch so tun werde. Aktiv anlügen und Murks zu erzählen, das habe ich noch nie gemacht. Du scheinst mich völlig falsch verstanden zu haben. Es sei denn deine 4-jährigen wissen bereits, dass es keinen Osterhasen gibt und was man mit Sexspielzeug so macht und warum....
Um wieder auf das Waffenthema zu kommen: Die nächste Frage wäre "wofür braucht man das". Und irgendwann kommt der Punkt, da muss ich erklären, dass es menschen gibt, die andere Menschen töten wollen....

Bearbeitet von manicou537
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Ein Krieg wird nicht geführt mit dem Ziel, andere Menschen zu töten. Das passiert, wenn man Krieg führt, klar, ist aber nicht Ziel der Sache.

Deshalb: Panzer werden im Krieg genutzt und ja, die können abseits von Straßen fahren und schießen und verletzen/töten die gegnerischen Soldaten. Krieg führt ein Land in der Regel, um seine Macht auszuweiten und andere Länder zu erobern. Das ist ganz furchtbar und doof und es ist schrecklich, dass es das gibt und das dabei Menschen, auch Unschuldige, sterben. Deshalb bin ich sehr froh, dass bei uns kein Krieg ist. Da füge ich dann noch hinzu, dass ein Krieg bei uns auch super unwahrscheinlich ist und dass sie sa keine Angst haben müssen (so zur Beruhigung🙈).

Ansonsten: Thema: nie mit Fremden mitgehen. Warum nicht? Sind die böse? Was passiert, wenn ich doch mitgehe? Für mich viel schwieriger zu beantworten, weil ich nicht will, dass meine Kinder Angst vor der Welt haben.

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Hallo,
das ist echt schwierig.
Aber in Deinem Beispiel ist eine mögliche Antwort, dass ein Panzer ein geländegängiges Fahrzeug ist, welches Soldaten im Einsatz benutzen. Der Einsatz kann ja auch, so wie es schon vorgekommen ist, eine Hilfe bei Katastrophen oder Unwetter sein. Mit viel Glück reicht die Antwort erst mal aus.
Ansonsten haben wir immer versucht, alles möglichst kindgerecht zu erklären. Auch wenn uns unser Großer damals in Schwitzen gebracht hat, als in unserem Ort ein Sexshop aufgemacht hat und dieser genau auf dem Weg zum Kindergarten lag. Er wollte auch unbedingt wissen, was da denn für ein Laden aufgemacht hat, denn im Schaufenster standen u.a. Schaufensterpuppen mit äußerst knappen Dessous, also eher einem Hauch von nichts. Er war dann damit zufrieden, dass man da Unterwäsche für Frauen kaufen kann....war ja nicht so ganz gelogen....und er war mit seinen damals 4 oder 5 Jahren mit der Antwort zufrieden.
Ansonsten muss man wirklich gucken, wie weit die Kinder sind und was sie verkraften können. Da ist ja auch jedes Kind anders. Und man muss ja auch nicht alles bis ins kleinste Detail erklären. Oft reicht eine einigermaßen gute knappe Erklärung aus, Hauptsache es kommt nicht die Antwort: Dafür bist Du noch zu klein....
LG
Elsa01

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Ich verstehe dich gut. Ich lege viel Wert darauf, unsere Kinder nicht anzulügen. Gleichzeitig ist unser knapp 4-Jähriger bei allem was mit Konflikten zu tun hat sehr sensibel. Ich hatte ein ähnliches Dilemma, als er Fragen zu Gefängnissen hatte.
Mein Vorgehen ist bisher, dass ich mich selbst bremse, weil ich im Kopf schon 3 Schritte weiter bin. Das Kind fragt nach einem Panzer und ich denke ich muss Krieg erklären. Tatsächlich ist unser Sohn aber sehr fahrzeuginteressiert und würde eigentlich nur technische Details hören und Bilder sehen wollen. (Falls überhaupt das Fahrzeug gemeint ist und kein Tierpanzer.) Wenn dann weiterführende Fragen kommen, würde ich diese trotzdem beantworten. Dabei aber nicht zu weit ausholen und auf die Signale des Kindes achten. Unser Sohn hört auf zu fragen, wenn es ihm zu viel wird.

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Meine Fragt halt leider weiter. Was ist ein Panzer: Ein Fahrzeug für Soldaten.
Was ist ein Soldat, was macht ein Soldat.....
Und dann wird mir echt warm und ich muss überlegen.

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Du weißt nicht was ein Soldat und was ein Soldat macht? Du lebst in DE und wir haben eine deutsche Armee, du weißt nicht, wie man kindgerecht einen kompletten Berufsstand erklärt?

Ein Soldat ist jemand der unserem Land dient, da gibt ganz viele Unterschiede von Arzt bis Fahrer aber der Arbeitgeber ist eben Deutschland (mehr oder weniger).

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Also bei dem Panzerbeispiel hätte ich die erste Hälfte des Satzes schon gesagt - und das mit den Menschen weg gelassen.
Generell würde ich niemals lügenhaft in Watte packen aber bei ganz krassen Sachen doch eher kindgerecht umschiffen und die Hälfte erzählen.

Die Ängste und ähnliches werden doch viel schlimmer, wenn ab einem bestimmten Alter dann ALLES komplett ungefiltert auf sie einstürmt.
Ich habe übrigens auch nie das Radio ausgemacht, wenn Nachrichten kamen, wie das wohl manche machen.

Das "läuft nebenbei" - und wenn es eine Frage gibt, passend antworten würde ich schon von kleinan aufrecht erhalten. also sogar noch kleiner als 4 Jahre.

Klar, sind tote Großeltern "im Himmel" und man erzählt nicht, wie die da verbrannt werden oder in der Erde verwesen ... das gute MIttelmaß ist schon nötig, aber niemals zu arg beschönigen (wie bei solch einer nicht persönlichen Panzerfrage)
Da fällt mir immer mein 4-jähriger Sohn ein, der den Metzger immer genau gefragt hat, wo das Stück fleisch vom Schwein denn herkommt. -- das fand ich skuril -- aber es hat ihn interessiert...

Trotzdem waren lange die Bullen hinter der Metzgerei auch "zum Milchgeben" da , genauso, wie die Hasen im Stall dahinter halt Stallhasen waren .... und nicht wirklich, das, was er nächste Woche in der Theke liegen sieht... --- einfach mit Fingenspitzengefühl an einzelne Themen.

So alles über einen Kamm scheren kann man doch eh nie.

Bearbeitet von tr357
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Das mit den Großeltern im Himmel ging in unserem Fall fast nach hinten los.
Sie hatte schonmal überlegt, wenn sie aus dem Fenster springt und dann stirbt, dann kommt sie ja in den Himmel und kann Opa besuchen. - Gaaaanz doof!
Ich komme hier vermutlich um die "verwesen auf dem Friedhof"-Nummer nicht drumherum.

Bearbeitet von manicou537
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Unter der Voraussetzung, dass ihr eurem Kind sowas mitgeben wollt. Die Seele/Geist etc. geht zu Gott/ in den Himmel/ wird ein Schmetterling und der Körper wird in die Erde gebettet, in einem besonderen Bett, das nur die bekommen, die für immer schlafen.

Man kann Kinder an die Hand nehmen und ihnen ein Grab erklären.
Treffen können wir die Toten nur in Gedanken/Gebet und nicht mehr persönlich.

Gibt auch tolle Bücher dazu.

Kinder gehen mit dem Tod meistens viel unbefangener um als Erwachsene.

Ich habe das Gefühl, dass du eher eine mega Negativeinstellung hast (Panzer sind böse; Soldaten sind anscheinend auch nicht positiv besetzt; Sterben allgemein (auf dem Friedhof verwesen- um diesen Vorgang kindgerecht zu erklären, nimm König der Löwen (wenn wir sterben, werden unsere Körper zu Gras…))).

Bearbeitet von Olaffan
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Ehrlich gesagt würde ich dem Kind die Frage beantworten, ABER auch nicht mehr antworten, als überhaupt gefragt wurde. Du willst dein Kind ja mit sinnlosen Informationen belasten. Warum?

Du kannst also deinem Kind nicht mitteilen, dass ein Kampfpanzer (das ist doch sicher das Wort, was du beschreiben willst) neben der dicken Panzerung (die übrigens aus dem Tierreich stammt … schau mal zur Schildkröte), noch Waffen mit sich führt?

Hast du noch nie beobachtet, wie die Kids im Kindergarten, natürlich immer wenn die Erzieherin nicht hinschaut, schnell aus den Lego-Steinen eine Waffe basteln und sich gegenseitig erschiessen? Glaubst du ernsthaft die Kids wissen nicht, was das ist? Beim Fasching sieht sie doch auch die Kostüme der anderen Kids.

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Tatsächlich kamen wir noch nicht an den Punkt. Ich habe weder auf dem Kinderfasching letzten Sonntag eine Pistole gesehen, noch gibt es solche Spielereien im Kindergarten (Waldkindergarten, 90% Mädels).
Aber alt genug wäre sie meines Erachtens. Ich tu mich aber mit manchen brutalen Themen einfach schwer. Sie ist gerade in einer Phase, in der sie Ängste entwickelt. Jetzt zu erzählen, was Mord und Totschlag ist geht mir nur schwer über die Lippen und ich finde dafür auch keine kindgerechte Beschreibung.

Bearbeitet von manicou537
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In erster Linie habe ich da lange so verfahren wie bei anderen Themen auch. Kurze Antworten und nur so lange wie gefragt wird.
Beim Panzer: das ist ein Gerät der Armee. Punkt. Was macht er?: Schießt Raketen auf Ziele. Punkt. Geht da was kaputt? Ja, Häuser.
Ich muss nicht die Wirkung dieses Gerätes nicht erläutern, schon gar nicht in allen dramatischen Fassetten.

Zumindest nicht mit 4.

Kriegsgeräte haben wir thematisiert, als mein Kind unbedingt ne Nerf wollte. Da haben wir schon ein ernstes Gespräch über Waffen geführt und das diese töten. Da war mein Kind aber schon älter.

Ich glaube man bewegt sich in kleinen Schritten. Kind schnappt was auf und fragt vielleicht. Dann antworte ich und je älter das Kind wird, desto mehr fragt es auch und verarbeitet gesagtes auch. Jetzt ist mein Kind 9 und natürlich führen wir dann andere Gespräche, aber immer auf seinem Niveau. Nur weil er z.B. was über den 2. Weltkrieg wissen will, schauen wir nicht Schindlers Liste.


Kurz: ich verharmlose nicht, aber muss auch nicht alles bis ins schlimmste Detail präsentieren. Das kommt von ganz allein.

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Wir erzählen unseren Kindern von Anfang an, was sie verstehen.

Unsere Söhne haben einen 2. Vorname von meiner Familie. Sie wissen, dass die Menschen in der Schoa gestorben sind.
Unser 1. Sohn ist 8 Jahre alt. Er weiß: Sein 2. Vorname ist Jakob, weil der Bruder von meinem Großvati Jakob war. Er durfte im Krieg nicht in den Bunker gehen und dann wurde er von einer Bombe getroffen.
Unser 3. Sohn ist 3 Jahre alt. Er weiß: Johann war der Bruder von meinem Großpapa. Er wurde eingesperrt, weil er ein Jude war und dann wurde er deshalb umgebracht. Er weiß nicht, was Gaskammer ist und wie es war, in einem Lager zu wohnen.

Wir gucken unsere Söhne ganz genau an. Dann wissen wir, was sie verstehen.
Meine Großmuttchen sagt immer: Ein Kind fragt, was es verstehen kann. Du musst nur antworten, was das Kind fragt.
Was ist ein Panzer?
Ein Panzer ist wie ein Auto für den Krieg. Damit kann man auch neben der Straße fahren. Und man kann ihn auch anders benutzen. Zum Beispiel wenn ein Hochwasser war wie an der Ahr und alles kaputt ist. Dann kann der Panzer da gut fahren.

Vielleicht reicht das. Vielleicht fragt dein Kind weiter. Dann antwortest du weiter.

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Mit 8, keine Frage. Da darfs meiner Meinung nach sogar die ungefilterte Wahrheit sein (kindgerecht beschrieben).
Ob ich mit 3 erzählen mehr erzählen würde, als dass Johann "nicht mehr lebt", weiß ich ehrlich gesagt nicht. Dass Leute sich gegenseitig umbringen, kann ich eigentlich gar nicht wirklich erklären, da ich selbst nicht weiß, warum Menschen sowas tun...

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Wir haben erklärt, was unser Sohn gefragt hat.
Er hat auch gefragt, warum früher so viele Menschen die Juden nicht mochten. Da habe ich auch gesagt, dass ich es nicht weiß.

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Tatsächlich hab ich auch bei kleinen schon ehrlich aver ein bisschen etwas verschweigend geantwortet . Ein Panzer ish etwas, was im Krieg benötigt wird. Waffen sind zum schiessen da, damit werden andere verletzt (man muss ja noch nicht von töten sprechen bei 4 jährigen und man kann anmerken, dass die Pistolen etc die Kinder haben, einfach Spielzeug sind).
Sexspielzeug- da wurde mein dildo einfach mal zu einem lustigen Dekoobjekt, dass mir jemand mal geschenkt hat , bei nem vibrator würd ich wohl sagen, Massagestab für erwachsene . Ich habe einfach auch immer betont, dass es unterschiede gibt bei Dingen für kinder und für erwachsene, das kennen die ja. Der Kaffee ist morgens auch schon für erwachsene , aber einen warmen Kakao oder Tee könnte ein Kind haben

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Da ich beruflich viel mit Ängsten von Kindern (normalerweise etwas älter) zu tun hatte, muss ich eines dazu einwerfen: Kinder nehmen viel mehr auf, als man oft annimmt. Es ist gar nicht ungewöhnlich, dass ein kleines Kind z.B. etwas von einer großen Bombe (Atombombe) mitbekommen hat und deshalb diffuse Ängste hat oder die Diskrepanzen mitbekommt (Eltern machen sich Sorgen, sagen aber das Gegenteil). Aus beidem können ganz wilde Vorstellungen entstehen. Wahrscheinlich wurden die Panzer von Nachrichten und Gesprächen aufgeschnappt, d.h., es geht um die Frage, was da passiert.

Die meisten Punkte kann man tatsächlich gut kindgerecht aufbereiten, wenn man sie vereinfacht (in verständlichere Konzepte übersetzt) und gleichzeitig kann man viele Ängste abmildern, wenn man dazu sagt, dass das Kind und die Familie ja gut geschützt sind.

Zu Panzern würde ich z.B. erklären, dass das große Autos sind, die Menschen wehtun und sie auch beschützen können und deshalb die Erwachsenen so lange schon darüber streiten, ob sie einem befreundeten Land in Not geschickt werden sollen. (Tod wird wohl noch nicht verständlich sein, aber wehtun/schützen/Freundschaft/Not schon)

Und dann kann man sagen, dass für das Kind und die Familie aber keine Gefahr besteht, und ganz viele Menschen gemeinsam den Wunsch haben, diesem Land zu helfen.
Vielen Kindern tut es dann auch gut, zu überlegen, was sie tun können ect.