Sohn (13) treibt mich oft in den Wahnsinn

Hallöchen ihr Lieben,

Ich bin langsam am verzweifeln mit meinem Sohn (13).
Kurz zur Vorgeschichte: Ich bin alleinerziehend seit 9 Jahren, der Kontakt zum Vater besteht eigentlich seit knapp 2 Jahren nur noch am Geburtstag und zu Weihnachten. Weder mein Sohn noch mein Ex-Mann zeigen großes Interesse füreinander (mein Sohn war irgendwie immer der Störenfried bei seinem Vater wenn er dort war).
Leider habe ich kurz nach der Geburt eine Angststörung entwickelt, die mich dermaßen eingeschränkt hat, dass ich der Meinung bin das mein Sohn durch wenig Kontakt zur Außenwelt das Soziale nie richtig gelernt hat.
Er ist eigentlich ein Einzelgänger, ganz selten hat er mal Besuch.
Nun zum eigentlichen Problem:
Er ist einfach nur respektlos und ständig schlecht gelaunt. Sein Tag sieht so aus, dass er morgens in die Schule geht (3 Tage bis 15:30 Uhr) und die Zeit danach nur in seinem Zimmer am PC verbringt. Er kommt höchstens zum Essen holen raus und das war’s meist schon.
Ich habe ihm das leider immer erlaubt, da ich oft nicht so wirklich in der Lage war bzw unmotiviert war und dieser Auseinandersetzung einfach aus dem Weg gegangen bin.
Ja es war falsch, dass weiß ich aber ich kann’s nicht mehr ändern.
Ich verlange wirklich nicht viel von ihm, aber er schafft es nichtmal, sich täglich die Zähne zu putzen, mal irgendetwas im Haushalt zu helfen, nicht rumzubrüllen beim zocken oder dergleichen.
Schlimm finde ich auch dieses respektlose Verhalten, Besuch (auch Oma und Opa) nicht zu begrüßen. Oftmals sagt er nicht mal Hallo, auch zu mir nicht. Oder beim losgehen zur Schule gibt’s auch kein Tschüss.
Sprech ich ihn drauf an, gibts nen bösen und genervten Spruch.
Wir leben eigentlich nur in einem Haushalt, aber irgendwie nicht miteinander.
Habt ihr Tipps oder Ideen wie ich vielleicht wieder mehr Bezug zu ihm bekommen kann?
Bitte keine bösen Kommentare, ich weiß das ich viele Fehler gemacht habe,

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Erziehungsberatungsstelle aufsuchen,würde ich dir empfehlen. Gerade weil die Situation durch deine Erkrankung nochmal schwieriger ist. Für Teenager/Pubertierende braucht es Nerven aus Drahtseilen, die hast du laut deiner Aussage gar nicht,deswegen Hilfe suchen vor Ort!

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Hey, danke für deine Antwort.
Ich wollte den Text nicht so Mega lang machen…Erziehungshilfe war ich bereits schon mal. Sogar bei einer Therapeutin war er. Aber da hat er zum Schluss nicht mehr wirklich mitgemacht und eher geschwiegen, dass die Therapeutin keine weiteren Stunden mehr beantragt hat weil er sowieso nicht mitmacht 🙄

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Ja therapeutisch kann nur bei mitwirken gearbeitet werden. Was hat die Beratungsstelle denn empfohlen? Denn eigentlich geht es ja darum, dass DU besser mit deinem Pubertier umgehen lernst. Er wird sich jetzt mit seinen ganzen Hormonen nicht ändern😉

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Hallo

+ Er geht zur Schule

An jemanden ran kommt man nur positiv. Egal an welchen Menschen, auch an Dich. So auch an den Sohn. Daher: Loben, stolz sein, dass er in die Schule geht entweder trotz schlechter Noten oder, dass er auch noch passable Noten zusätzlich hat. Ihn fragen wie es in der Schule war, ohne zu kritisieren. In fragen was er am Computer so spielt, was er daran so toll findet. Ohne ihn zu kritisieren. Ob es auch Freunde von ihm spielen, vielleicht Klassenkollegen.

Abwarten ob es sich etwas entspannt. Dann eventuell sagen, dass man sich wegen der Zahngesundheit Sorgen macht. Zähneputzen und mit Mundspülung Gurgeln dauert nur ein paar Minuten und die Zähne hat er viele Jahrzehnte. Gute und gesunde Zähne sind sehr wichtig. Aber auch hier, nicht kritisierend, sondern helfend. Generell ist es aber schwer, eine Person da heraus zu bekommen.

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Ja, ich bin ja schon froh das er zur Schule geht. Seine Noten sind sogar recht ok. Ich lobe ihn dauernd wenn er ne gute Arbeit mit nach Hause bringt, irgendwas toll macht usw. Aber das möchte er einfach nicht hören. Er mag das nicht, warum auch immer.
Bei den Zähnen ist es einfach so ne Sache. Der Zahnarzt und auch der Kieferorthopäde sagen jedes Mal das er viiiiel besser putzen muss. Er nickt dann immer und macht es am Ende wieder nicht. Ich möchte aber auch mit seinen fast 14 Jahren nicht jeden Tag daneben stehen müssen. Ich verstehe einfach nicht wie er so mit dem Thema umgehen kann

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Jeder hört das Lob gerne. Jeder, selbst dann wenn er es "ab tut". Da würde ich auf jedenfall weiter machen. Ich würde auch Interesse an dem Spiel zeigen das er spielt, ihn einiges darüber fragen ohne ihn zu kritisieren. Alleine schon aus dem Grund, dass ich mehr darüber weiß was er macht, was ihn antreibt das zu machen. Damit es für mich als Vater möglich ist, einen Plan zu erstellen, wie ich seine Zeit reduzieren kann. Wenn er damit jetzt aufhören würde, würde er in ein extrem tiefes Loch fallen, das will er verständlicherweise nicht. Daher braucht er einen Vorteil wenn er die Spielzeit reduziert, ohne in ein Loch zu fallen.

Hat er nach dem Zäheputzen auch eine Gurgellösung? Die gibt es in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, da gurgelt man 30-60 Sekunden (je nach Produkt), hilft also sicherlich auch. Vielleicht einfach einkaufen und ihm sagen, dass es die gibt und seine Zähne länger schön sind, wenn er nach dem Zähneputzen noch 30 Sekunden gurgelt.

Auch das mit dem Essen auf das Zimmer bringen würde ich reduzieren bis einstellen. Dass man ihn also sagt, dass das Essen fertig ist, ich habe aber keine Zeit es ihm zu bringen, wenn er es sich bitte holt. Später ihn mal fragen, ob er nicht am Tisch essen will.

Also alles in kleinen Schritten. Begleitet von Lob, aber auch mehr über das Computerspiel zu erfahren.

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Hey!

Noch eine Stimme für Familienhilfe. Vielleicht gibt es eine männliche Bezugsperson für ihn.

Übers Jugendamt meckern gerade die, die die Schuld für Probleme nicht bei sich sehen.

Liebe Grüße
Schoko

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Ich fühle mich mal nicht angesprochen das ich über das JA mecker, denn ich habe ja keine Erfahrung mit denen sondern einfach nur Mutmaßungen durch andere.
Das Problem sehe ich darin, dass er vermutlich keinen an sich ran lässt.
Und sein Vater halt auch nicht mehr greifbar für ihn ist, weil es ihn scheinbar nicht interessiert und jegliche Schuld und Last auf mich abgewälzt wird

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Nee, du hast ja noch keine direkte Erfahrung mit dem Jugendamt gemacht.
Die Familienhelfer sind schon ausgebildet, auf reservierte Kinder zuzugehen.

Ich kenne es so, dass eine Mutter meckerte, weil ihr Kind aus der Familie genommen wurde. Es gab aber eine laaange Vorgeschichte und die Mutter war angezählt. Das erfuhr ich vom Familienhelfer. So. Dann kam der Tag X, an dem ich ihn anrufen musste, weil etwas passiert ist. Der Familienhelfer kam nun mit Vertretern des JA in die Schule, sie beratschlagten sich und das Kind kam direkt in Obhut. Wer war schuld? Natürlich ich und das Jugendamt.
Die Frau wusste, dass das Jugendamt reagieren wird, sobald es einen Anlass gibt. Sie hat die Auflagen nicht umgesetzt, wodurch das Kind gefährdet wurde. An ihre Nase packte sie sich nicht. Schuld waren Jugendamt und Schule.

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Hm, ich finde das Verhalten tendenziell normal für Jugendliche. Nicht für alle. Viele haben in der Teenagerzeit mal Phasen, in denen sie die Hygiene vernachlässigen oder in denen sie vor allem vor dem PC hängen - GERADE, wenn sie wenige Freunde zu Hause haben! Was sollen sie denn machen, am PC haben sie eventuell auch Kontakte zu Freunden, zu anderen Gamern etc.!

Auch das Nichtgrüßen kann einfach eine Marotte sein - man hat es sich abgewöhnt und jetzt immer den Stress, dass es gefordert wird.

Allgemein würde ich mal eine Weile den Druck raus nehmen und ruhig, sachlich, respektvoll in einer ruhigen Minute (bspw. beim Abendessen) mit dem Sohn reden. Sagen, was im Haushalt nötig zu machen wäre. Dass du dich freuen würdest, wenn er grüßt, weil du dich sonst ignoriert fühlst. Fragen, was er so für Hobbys hat, was er am PC macht, ob es noch andere Dinge gäbe, mit denen er seinen Tag verbringen könnte, ob er noch andere Interessen hätte.

Beim PC/ Medien bin ich immer zwiegespalten. Wenn der Sohn jeden Tag in seinem Zimmer klassische Literatur oder Fachbücher lesen würde, würde das eher positiv aufgenommen. Da er nun mal aber am PC sitzt, wird es kritisch beäugt. Meine Erfahrung (persönlich + Umfeld) war immer, dass es Zeiten intensiver Mediennutzung gab und andere Zeiten, in denen man fast gar keine Medien nutzte und z.B. wieder viel draußen war. Aber je mehr Druck gemacht wird, desto eher versperrt man sich doch gegen Argumenten und desto wichtiger wird jede Minute, die man alleine in seinem Zimmer und vor dem PC verbringen kann.

Und ja, einige Menschen BRAUCHEN das Alleinsein im Zimmer auch. Nicht nur, aber auch, vor dem PC.

Dein Sohn treibt dich auch nicht in den Wahnsinn, das schafft er ja gar nicht, weil er die meiste Zeit allein verbringt, sondern du treibst dich mit deinen Sorgen selbst in den Wahnsinn.

Frage doch mal deinen Sohn, was passieren müsste, damit er eine halbe Stunde oder eine Stunde mit dir zusammen im Wohnzimmer verbringt oder draußen. Unter welchen Bedingungen das für ihn denkbar wäre. Gemeinsam seine Lieblingsserie schauen? Gemeinsam Sport machen? Mal zum Essen gehen? Woran hätte er Lust? Könnte man z.B. sonntags gemeinsam brunchen gehen - schön ausschlafen und dann um 13 Uhr oder so erst losgehen? Oder sonntagabends irgendwo einen Snack essen gehen? Was würde ihn da interessieren?

Bedenke, 13 ist das Alter, in dem die Eltern langsam uncool werden, also würde ich ihn nicht zu Aktivitäten zwingen, die ihm vor seinen Freunden peinlich sein könnten, bzw. gemeinsam Lebensmittel zu kaufen.

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Das Ding ist halt, dass ich ihn wirklich zu nichts motiviert bekomme.
Und diese Nichtachtung mir gegenüber ist wirklich nicht schön.
Grad waren wir bei einem Arzttermin und mussten vor der Tür noch warten. Egal was ich zu ihm sage, er ignoriert mich, guckt mich nicht an und antworten tut er auch nicht. Ich komme mir da immer ziemlich blöd vor. Habe schon Phasen gehabt wo ich ihn dann auch ignoriert habe aber dann kommt mein schlechtes Gewissen wieder durch, weil ich einfach nicht so sein kann.
Klar, er ist nicht mehr im Kuschelalter aber ein wenig respektvoller Umgang (da gehört für mich auch das begrüßen und bei Fragen antworten) dazu.
Hätte ich mich damals so meinen Eltern gegenüber verhalten, wäre aber Holland in Not gewesen.
Ich denke mir immer, ich lass ihn machen und er wird schon kommen wenn was ist, aber das ist irgendwie nicht der Fall.

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In dem Fall würde ich ihn den Termin allein wahrnehmen lassen.

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Vorweg, keiner kann was dafür, wenn er krank wird, das ist einfach so.

Trotzdem möchte ich vorsichtig fragen, seit wann du wieder stabil bist. Denn ich sehe da jetzt zwei Punkte.

Einmal die Pubertät selber, ja...was du da beschreibst, das kennen sicherlich sehr viele Eltern mit Kindern in dem Alter. Rückzug, schlechte Laune, Rebellion....und wenn es nur um die Zähne geht, alle und alles ist doof.

Auf der anderen Seite eure/deine Vorgeschichte, wo der Junge nun mal viel auf sich selber gestellt hat und da viele Muster verinnerlicht hat. Rückzug ist für ihn also nicht nur ein "Pubertätsding", sondern viel mehr.
On the Top landet er beim Therapeuten, in dem Alter können sie die Tragweite nicht greifen, bei ihnen kommt nur an "mit mir stimmt was nicht". Das er dort dicht gemacht hat, das kann ich nachvollziehen....denn längere Zeit hat ja bei euch(!) was nicht gestimmt und er soll das jetzt "ausbaden". Achtung...das sind reine Teeniegedanken, die natürlich von denen Erwachsener maximal abweichen!

So, der Punkt, das du wieder stabil genug für ihn warst und das Ruder wieder an dich nehmen wolltest, kam dann irgendwann. Und das kann ihn durchaus überfordert haben, denn die Zeit davor ist nun mal nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Und richtig, man kann sie nicht zurückdrehen. Von daher ist die Vergangenheit eben Vergangenheit, die losgelöst vom Alltag eben auch aufgearbeitet werden muß.

Jetzt in der Gegenwart sagt mir mein Bauchgefühl, das ihr einfach den Bezug zueinander verloren habt (so siehst du das ja auch). Den gilt es vorsichtig wieder aufzubauen, in einer der denkbar schlechtesten Altersphase eines Kindes. Paaren, die sich aus den Augen verloren haben, denen rät man zur Paartherapie. Ich kenne mich da wirklich nicht aus. Würde man das bei euch dann Familientherapie nennen? Kann man mit einem 13jährigen Kind noch eine gemeinsame Kur machen? Ihr beide braucht eigentlich den Raum und die Zeit um euch wieder anzunähern, er muß wieder lernern, das er auf dich zählen kann.

Eigentlich gehört ihr beide für ein halbes Jahr auf eine einsame Insel....ich weiß, vollkommen hollywoodmäßig und unrealistisch. Von daher denke ich, das eine gemeinsame Therapie realistischer ist....so das er auch spüren kann, das nicht er alleine das Problem ist. Und ich denke, das auch dort aufgedröselt werden kann, was nun typisch Teenie ist und was mit eurer Vergangenheit zusammenhängt. Oder ob er einfach ein Eigenbrödler ist.

Aktuell erwartest du etwas von ihm, das er längere Zeit nicht mit dir erlebt hat...er hat gelernt sich zurückzuziehen, jetzt soll er nett sein, weil es dir wieder gut geht. Das funktioniert nicht, er ist kein kleines Kind mehr. Er kann deine Forderungen zur Zeit nicht erfüllen.....warum das so ist, das müsst ihr gemeinsam rausfinden.

Bearbeitet von Butterstulle
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toll geschrieben