Kind rastet ständig aus

Hallo, ich bin neu hier und weiß mir leider auch kaum mehr zu helfen.
Mein Sohn ist 5 Jahre alt und ein Energiebündel. Er kann ein sehr liebes Kind sein , jedoch wird sein Verhalten immer schlimmer. Sobald er etwas möchte und ein "nein" kommt, wird lauthals geschrien, geweint und provoziert was das Zeug hält. Er diskutiert auch jede Menge wobei man bei dem lauten Geschrei kaum etwas versteht. Ich habe bereits mit ruhigem zureden versucht ihm Verständlich zu machen, dass ich sein Geschrei nicht gut finde und er doch bitte anständig mit mir reden kann und wir so vielleicht zu einer Lösung des Konfliktes kommen. Natürlich hat es nichts gebracht. Ich würde konsequent ignoriert oder ausgelacht. Irgendwann wurde dann auch ich lauter doch auch das hatte keinerlei Wirkung auf ihn , genauso wenig Konsequenzen, welche ich ihm angedroht hatte, würde er mich weiterhin anschreien. Ich bin langsam wirklich am Ende meiner kräfte und langsam nagt es sehr an mir. Ich fühle mich als wäre ich eine schlechte Mutter oder würde mit meinem eigenem Kind nicht zurecht kommen :(
Er ist auch generell sehr laut und hat sehr viele Flusen im kopf. Habt ihr irgendwelche Tips ? Kennt ihr das von euren Kindern und habt ihr nen guten Rat für mich , wie ich ihn etwas ruhiger bekomme und dieses Geschrei endlich weniger wird ?(logischerweise passiert so etwas nicht von heute auf morgen, ich weiß das es ein langer Weg ist)
Ich danke euch schonmal für eure Antworten.

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Wie sehen die Konsequenzen denn aus?

Sonnige Grüße

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Konsequenzen waren und sind, dass ich ihn in sein Zimmer bringe und ihm sage, dass er nicht zu uns kommen soll bevor er sich nicht ausgebockt hat und wir ruhig reden können. Ich musste ihm auch seine Lieblingssendung verbieten, die er abends vor dem zu Bett gehen schauen darf (er hat abends immer (außer er rastet wieder aus) seine halbe Stunde, wo er Fernsehen darf ). Außerdem hab ich "Oma Tage", die er so liebt abgesagt und ihn in die "Stille Ecke" gesetzt. Tja bringt irgendwie alles nichts. Es scheint ihn nichtmal zu interessieren, denn er weint zwar , weil das alles Dinge sind, die er seeehr gern hat aber er verzichtet dann lieber darauf, als sich zu beruhigen und vernünftig zu reden :/

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Für mich klingen die Konsequenzen nach Strafen. Also eine konsequenz beim schreien ist, mir dröhnt der Kopf ich kann dir nicht zu hören oder sowas.

Hast du das schon immer so gehandhabt?

Für mich klingt das stark nach fehlender Selbstregulation. Also er ist wütend und weiß nicht wie er damit umgehen soll. Da ist ein langer Prozess und muss gelernt werden und kommt nicht einfach so. Siehe Post von unten.

Vielleicht hilft es in ruhigen Moment Strategien gemeinsam zu entwickeln z.B. stampfen, Rückzug (aber selber) zu finden, die es dann zu üben gilt. Denn sowas ist sehr schwer.

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Naja, was passiert denn wiklrich, wenn er genug motzt und meckert? Kommt er damit schlußendlich zum Ziel?

Mit 5 haben sie eigenltich schon gelernt, was "Nein" bedeutet und das meckern und diskutieren eben nicht zum Ziel führen. Sofern die Erwachsenen eben früher standhaft beim "Nein" geblieben sind.

"Ich habe bereits mit ruhigem zureden versucht ihm Verständlich zu machen, dass ich sein Geschrei nicht gut finde und er doch bitte anständig mit mir reden kann und wir so vielleicht zu einer Lösung des Konfliktes kommen."
Das wird er wissen, die Frage ist doch aber.....hat er noch keine ausreichende Impulskontrolle oder kam er bisher mit seinem Verhalten durch? Ruhiges zureden ist in beiden Fällen nicht zielführend. Sondern klare Reaktionen, wie sehen deine denn aus?

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Zum Ziel kommt er, trotz dessen, dass es mich sehr belastet, nie. Er schreit dann eben bis zur erschöpfung. Allerdings lasse ich ihn auch schreien, weil er eben nicht seinen Willen bekommt. Ich dachte ja auch, dass irgendwann der Impuls kommen müsste, wo er versteht, dass er mit seinem Geschrei im Grunde nur das Gegenteil von dem erreicht was er will, doch bisher kommt dafür keinerlei Einsicht. Konsequenzen folgen, er macht es trotzdem jedesmal wieder.

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Dann sprich mal den Kinderarzt an.

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Wenn du ihm Grenzen setzt und er dann schreit/weint, dann will er dich nicht ärgern/beleidigen, sondern ist einfach sehr frustriert und wütend.
Versuch doch mal, es nicht als Angriff zu werten. Es geht nicht gegen dich, sondern es sind Gefühle, die raus müssen. Es ist doch okay und normal, wütend zu sein, wenn man sich etwas wünscht und es nicht bekommt. Er scheint noch Schwierigkeiten zu haben, seine Wut zu regulieren, quasi "einen Kanal zu finden". Unterstütz ihn dabei, es zu lernen. Ihn zu bestrafen ist jedenfalls nicht das, was ihm hilft..
Er kann nicht "vernünftig mit dir reden", wenn er wütend ist. Das können sogar sehr viele Erwachsene nicht. Stell dir vor, du bist sauwütend - was wünschst du dir von deinem Gegenüber? Sicher nicht, ignoriert oder bestraft zu werden.

Bearbeitet von EsIstWieEsIstx2
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Prinzipiell ist es halt ein Stück weit normal. Was glaubst, warum Mütter ihre Kinder raus auf die Straße geschickt haben. 😂 Dort konnten sie die Energie untereinander und im Freien austoben. Da war aber auch draußen viel mehr Platz für sie. Und dort guckte auch nicht ständig ein Erwachsener.
Also: raus mit dem Jungen. Toben lassen, wo es keinen stört. Freiheit für die Flusen lassen.
Ansonsten ist Wut schneller da, wenn die Grundbedürfnisse nicht gestillt sind: Nahrung, Schlaf und Bindung. Wenn hier gar nichts mehr geht, ist es meist Suche nach Bindung. Es hilft vorlesen, reden, zusammen was Kreatives machen - also richtig zusammen, nicht nebenher.
Reduzierung von Süßem und Medien nimmt häufig auch ein bisschen Sprengkraft raus. Gibt es sonst schwelende Konflikte?
Viel Erfolg und gute Nerven! Es ist halt eine Achterbahnfahrt. Manchmal gelingt es besser, manchmal saust man in die nächste Senke.

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Ich finde deine Konsequenzen die du setzt sehr unangebracht sie sind nicht logisch und eigentlich liebesentzug.

Vielleicht liegt genau da der Hund begraben.

Vielleicht ist es ein wortwörtlicher Schrei nach aufmerksamkeit.

Ich finde den Ansatz ruhig zu bleiben gut.
Solange er tobt und schreit, verstehst du ihn einfach nicht. Du bleibst bei ihm, sagst du verstehst kein Wort und lässt ihn austoben. Dabei brauchst du natürlich einen öangen Atem erstmals und musst dich abgrenzen.
Danach hörst du zu was er zu sagen hat, bleibst aber bei deinem Nein, dann wenn es notwendig ist. Hat er vernünftige argumente kannst du auch mal reflektieren und nachgeben oder kompromisse machen.

Wenns beim Nein bleibt, ihm anbieten, dass ihr dafür jetzt erstmal gemeinsam etwas spielt.

Alles Liebe!

Bearbeitet von xanthippe96
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Du hast schon ganz gute Tipps bekommen. Begegne deinem Kind nicht auf dem selben Level. Er merkt er bewegt was mit seinem Verhalten und zudem ist er einfach überfordert mit deiner Entscheidung. Gib ihm den Rahmen wütend zu sein und zu schreien, das ist ja eine Bewältigungsform, wenn auch keine sehr angenehme für dich. Er muss das einfach noch lernen. Kinder finden es richtig doof nicht ihre eigenen Entscheidungen treffen zu dürfen, das bleibt meist auch bis sie volljährig sind. Sprich mit ihm warum du nein sagst, schlag ihm eine Alternative vor, frag ihn was ihm helfen kann damit er sich besser fühlt, ob er traurig ist und du ihn trösten kannst. Frag ihn ob er Aufmerksamkeit möchte, biete ihm einfach mal etwas Trost an. Es ist nicht leicht immer durch die Gefühle zu kommen. Die einen können das mit 5 schon sehr gut, die anderen erst mit 8. Je lauter er wird, desto ruhiger werde du. Hör ihm zu. Vielleicht kannst du ihn auch mit einem Spiel etwas ablenken, so dass er wieder lacht. Da ist der Kummer manchmal auch schnell vergessen.

Ganz liebe Grüße

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Da mich das ziemlich an meinen Sohn erinnert: lass ihn mal auf ADHS testen. Oder liest dich zumindest da ein und such dir ein paar Verhaltensmaßnahmen raus.
Und besorg dir ein dickes Fell und einen langen Atem. Tipps von Eltern, deren Kinder so nicht sind, helfen da leider wenig. Es gibt keine natürlichen Konsequenzen für ein Kind, das sich gerade gar nicht regulieren kann und dich damit im Laufe der Zeit über deine Grenzen bringt. Allerdings helfen auch Strafen nichts und mit zunehmendem Alter immer weniger.
Der Tag war eigentlich toll und jetzt kommt eine einzige negative Situation und schon ist die Welt Scheiße? Da lässt sich mit Vernunft halt schlecht ran gehen...

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Hallo kannst du was empfehlen oder ein paar verhaltensmaßnahmen aufführen?

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Ich kann z.B. die App ADHS Kids von Beltz empfehlen .
Gut häppchenweise aufbereitet.

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Ich finde, es ist schnell gesagt, dass man das Kind mit Liebesentzug bestraft.
Unser Großer hat teilweise auch enorme Ausraster, das ist weder für uns, noch für ihn toll. Und ja, wir schicken ihn auch in sein Zimmer. Und er darf erst raus, wenn er sich beruhigt hat. Das ist Schutz für uns alle. Denn wie soll ein Kind denn aufnahmefähig sein, wenn es so tobt? Ich lese nirgends, dass du ihm vorschreibst, dass er in einer bestimmten Zeit wieder ruhig sein muss. Also hat er doch seine Zeit, um wütend zu sein. Nur darf er mit 5 auch lernen, dass andere es verletzt und sie es deshalb nicht abkriegen möchten.
Bei unserem Großen hat es auch geholfen, ihn klar zu fragen, was wir denn mit ihm machen sollen, wenn er so ausrastet. Er hat direkt gesagt, er will dann Arbeitsblätter machen, das würde ihn beruhigen. Und so hat er nun eine ganze Mappe voll arbeitsblätter, rund um Mathe, Deutsch und logisches Denken. Wenn er ausrastet und schreit, schicke ich ihn in sein Zimmer, mit der Bitte, ein Blatt zu machen. Wenn er es fertig hat, können wir nochmal reden.
Der Weg dahin war aber hart. Ich wusste mir irgendwann nicht mehr zu helfen und habe ihm ganz ehrlich gesagt, was die nächsten Schritte wären, wenn wir das zuhause als Familie nicht schaffen. Zu diesem Zeitpunkt war er 6 Jahre alt. Ich habe ihm ehrlich erzählt, dass wir uns dann Hilfe von außen holen müssen und wenn wir den Schritt tun, es gut sein kann, dass wir dann nicht mittendrin aufhören können - und das durchaus auch bedeutet, dass er dann für eine unbekannte Zeit in eine Einrichtung muss, wo er untersucht wird und ihm geholfen wird. Da ich selbst kurzzeitig aus anderen Gründen in eine solche Einrichtung als Kind musste und Kinder mit ähnlich aggressiven Verhalten kennen gelernt habe, habe ich sehen können, dass er nahe an sowas dran ist. Natürlich habe ich ihm damit nicht gedroht, falls das jetzt jemand meint. Ich habe ihm gesagt, das ich ihn über alles liebe, aber ich auch verzweifelt bin, weil ich nicht mehr weiter weiß und ich nun auf seine Hilfe angewiesen bin, damit das nicht notwendig ist.
Bei ihm hat das einen Schalter umgelegt. Natürlich rastet er noch immer aus. Aber er gibt sein bestes, seine Wut nicht an uns auszulassen. Er macht seine Blätter, er schreit in seinem Zimmer. Und kommt danach auch wieder zu uns und sagt, er ist nun ruhiger und ist bereit zu reden. Dann kann er sich auch erklären.
Ich muss mir zum größten Teil keine Sorgen mehr machen, dass er uns oder sein geschwisterkind angeht, schreit und schlägt.

Natürlich ist es leicht gesagt, das man sein Kind in der Wut begleiten und ihm zeigen soll, wie es damit umgeht. Aber es gibt Kinder, bei denen funktioniert das nunmal nicht.
Bei uns steht die Frage im Raum, ob er Asperger ist. Andere vermuten ADHS. In jedem Falle würde ich einfach mal mit dem Kinderarzt reden, wenn ihr das Gefühl habt, das euer Kind deutlich über den normalen Ausrastern liegt. Und dem Kind gegenüber ehrlich sein, wenn es so schlimm ist. Auch die Eltern dürfen sagen, dass man nicht mehr weiter weiß. Und dann fragt ihn, wie er sich das denn vorstellt. Und ihm auch erklären, was eure Aufgabe als Eltern ist - ihr seid ja keine Ja-Sager.

Bearbeitet von Ehrlichsein