Mein ganz persönlicher Alptraum

    • (1) 25.02.13 - 00:12

      Mein Mann und ich haben heute beschlossen, uns nach fast 15 Jahren Beziehung und fast 8 Jahren Ehe zu trennen. Der Anlass war, dass er im Streit eine Grenze überschritten und was zu mir gesagt hat, dass ich ihm wohl nie verzeihen werde.

      Der Streit war eigentlich belanglos und blöd, aber mein Mann hat ein Problem. Es ist nämlich so, dass er schon lange, lange unter Depressionen leidet und auch bereits eine Therapie angefangen hat und diese aber nach 2 Jahren abgebrochen hat, weil er meinte, die würde ihm gar nichts bringen. Die Gründe für seine Depressionen liegen vor allem darin, dass er ein liebloses, gewalttätiges Elternhaus hatte, beide Eltern hatten ein Alkoholproblem und beide sind manchmal einfach grundlos ausgerastet und haben sich gegenseitig und die Kinder geschlagen.

      Als wir dann ein paar wurden hatte er vor, ganz anders als sein Vater zu werden und hat mich dann auch recht liebevoll behandelt. Nur, wenn er was getrunken hat, wurde er aggressiv, aber hat mich NIE angerührt. Aber für mich war sein Verhalten im Suff schon sehr befremdend, so dass ich nicht damit klarkam. Er hatte dafür Verständnis und hat dann auch mit dem Alkohol aufgepasst, dass er rechtzeitig aufhört, bevor er richtig betrunken ist.

      Dann wurde ich schwanger und wir haben geheiratet und mit dem Kind kamen wohl traumatische Erinnerungen an seine eigene Kindheit wieder hoch. Jedenfalls fingen da die Depressionen an und er hatte total Angst, dass er wie sein eigener Vater wird, weil er auch diese Wut in sich aussteigen gefühlt hat. Aber da konnte ich mich auf ihn verlassen, dass er mich und das Kind nie geschlagen hat. Allerdings heißt das nicht, dass er nicht aggressiv war. Er hat dann halt rumgeschrieen. Und mir gegenüber hat er halt vor allem verletzende Dinge gesagt. Und dann kamen wieder diese Phasen von Schuldgefühl und Reue, wo er mich wieder auf Händen getragen hat und versucht hat, alles wieder gut zu machen und sich total geschämt hat. Ich denke, dass man mal ausflippt, wenn die Kinder noch klein sind und man Schlafmangel hat usw., kann schon mal vorkommen. Aber das war dann schon mehr, als sich nur im Ton zu vergreifen.

      Während der Therapie wurde es dann besser und wir haben dann noch ein zweites Kind geplant, aber als ich schwanger wurde, wurde er wieder so komisch und so total gemein einfach. Und er war einfach nur genervt und hat mich auch kaum noch unterstützt. Die gesamte Vorsorge bis auf den 1. US habe ich auch allein gemacht.

      Dann der Super-GAU: Unser Baby (das übrigens kerngesund und komplikationslos auf die Welt kam) wurde zum Schreikind. Und ab da ging es wirklich bergab. Ich habe mir dafür die Schuld gegeben und gedacht, dass ich eine schlechte Mutter bin, weil ich mein Kind nicht beruhigen kann. Ich bin dann mit dem Baby zur Schreiambulanz gegangen. Und da habe ich schon das erste Mal laut ausgesprochen, dass ich glaube, dass mein Mann sich immer mehr zurückzieht. Es war so, als ob die Kinder mein Problem wären und er mir einen großzügigen Gefallen tut, wenn er sich auch mal drum kümmert. Ich habe das gar nicht verstanden, denn immerhin waren das unsere über alles geliebten Kinder. Er sprach manchmal über sie, als ob sie nur noch eine lästige Pflicht wären.

      Im dem Zeitraum hat er auch die Therapie abgebrochen. Und danach kam dann diese Phase, wo er abwechselnd aggressiv und depressiv war. Dann wurde er auch so paranoid und hat anderen Menschen ständig Böses unterstellt. Er hat auch meine Freundinnen schlechtgeredet und gemeint, dass die mich nur ausnutzen wollen und sich hinter meinem Rücken über mich lustig machen.

      Und die Sprüche wurden immer heftiger. Er hat dann so komische Sachen gesagt wie, dass ich ihn ans Haus fesseln würde und er mich ständig um Erlaubnis fragen müsste und dass ich ihn damit kastrieren würde. So halt, dass man ständig das Gefühl hatte, er will nur noch weg. Aber ist dann auch nicht gegangen, sondern war dann im Alltag eine zeitlang ganz normal. Und wenn ich dann eine Kleinigkeit zu kritisieren hatte wie "Du hast beim Einkaufen die Butter vergessen" konnte das sein, dass er total ausgeflippt ist. Man wusste nie, wann und warum.

      Er hat mich dann halt beschimpft und gedemütigt. Wobei ich sagen muss: die ersten Male ist man noch erschüttert, aber der Mensch gewöhnt sich ja an alles.

      Nun muss ich dazu sagen, dass ich die ersten Jahre eigentlich ein ganz tolles und liebevolles Elternhaus hatte, aber als ich dann 9 Jahre alt war, hat sich mein Vater umgebracht. Er ist sehr jung gestorben und war von einem zum nächsten Tag (aus meiner Sicht) einfach weg. Danach ging es meiner Mutter natürlich lange nicht gut und das war auch keine schöne Zeit.

      So, und heute hat mein Mann in einem völlig belanglosen Streit zu mir gesagt:"Oder willst du mich etwa auch in den Selbstmord treiben, so wie es deine Mutter mit deinem Vater gemacht hat?!" :-( Da habe ich zu ihm gesagt:"Ich hoffe, du dir ist klar, dass ich das nie verzeihen werde und dass ich nicht mehr länger deine Frau sein kann. Jetzt ist einfach meine absolute Schmerzgrenze überschritten."

      Er ist dann wortlos aufgestanden und abgehauen. Später kam er heulend zurück und hat sich 1000x entschuldigt usw. Aber für ist jetzt klar, dass es jetzt überhaupt kein Zurück mehr gibt.

      Ich habe mich die ganze Zeit an der Illusion festgehalten, dass wir eine Chance haben, weil mein Mann mich und die Kinder nicht schlägt. Aber irgendwie ist mir heute klar geworden, dass es trotzdem genau das Gleiche in grün ist und mein Selbstvertrauen genauso am Boden liegt. Ich habe Angst, dass ich das Leben mit 2 Kindern alleine nicht schaffe, aber ich glaube, genau das wollte er erreichen, damit ich ihn nicht verlasse.

      Ich sterbe gerade innerlich und habe das Gefühl, ich kann weder vor noch zurück. Ich fühle mich so allein und gleichzeitig verantwortlich dafür, dass unsere Ehe gescheitert ist. Ich wollte nie eine allein erziehende Mutter sein und will eigentlich auch nicht, dass meine Kinder als Scheidungskinder aufwachsen müssen.

      Aber es tut so unglaublich weh! Ich weiß nicht, ob sich das jemand vorstellen kann...#heul

      Und dann denke ich wieder: Wie dämlich kann man sein, so jemanden zu heiraten?? Wenn man seine Familie ansieht, weiß man doch, was man kriegt. Aber ich bin halt so (naiv) wie die Frau von Robert Enke, die ja auch gesagt hat:"Ich hab gedacht, mit Liebe kann man alles schaffen." Aber gegen Depressionen ist man als Ehefrau einfach machtlos. Und das ist so heftig, dass ich nun schon zum 2. Mal so erleben muss. #heul

      Ich weiß echt gerade gar nicht weiter...:-(

      • Hallo,

        ich sehe es auch so. Man kann ja wirklich viel sagen, auch im Streit. Was einen verletzt. Aber das was er gesagt hat ging zu weit und das könnte ich nie vergessen und verzeihen. Weiß ich nicht. So etwas sagt man auch nicht im Streit. Er hätte voher überlegen sollen was er sagt und hinter wieder tut mir leid. Sicher tut es ihn vielleicht leid. Aber die Worte sind nun mal ausgesprochen und sitzen nun in deinen Kopf fest. Zu mal das damals eine schwere Zeit für dich und deine Mutter war, als deine Vater/ihr Mann sich um gebracht hat.

        >>>>Und dann denke ich wieder: Wie dämlich kann man sein, so jemanden zu heiraten?? Wenn man seine Familie ansieht, weiß man doch, was man kriegt.<<<<<

        Mag sein aber gegen seine Gefühe ist man machtlos

        Wünsche dir alles gut für die Zukunft.

        Seine letzte Aussage war unterste Schublade, ich kann verstehen das sie das Fass zum überlaufen gebracht hat.

        Fühl Dich gedrückt.

        Hallo,

        wie heißt es doch so schön:"Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht."

        Dieser Satz deines Mannes hat sich ins Hirn gebrannt und es gibt dinge wenn sie ersteinmal ausgesprochen sind dann kann man sie nicht mehr zurücknehmen. Da hilft auch keine Entschuldigung mehr.

        Unter Umständen hilft ihm die Trennung vielleicht sogar. Denn nun muss er sich damit auseinandersetzen wer er ist und wie er sein Leben zukünftig weiter gestalten möchte.

        Ich selber habe immer wieder mit depressiven Phasen zu kämpfen und da dass bei uns ein Familienproblem ist kann ich auch beide seiten verstehen. Ich bemühe mich sehr wenn ich im Loch hänge mich nicht gehen zu lassen. Soll heißen ich kämpfe mich jedesmal zurück ins Licht und versuche weder meinen Partner noch meine Kinder hängen zu lassen. Dafür hole ich mir Hilfe und ich spreche auch ganz offen darüber. Das macht es für mich leichter und auch für mein Umfeld. Da er sich wohl momentan nicht helfen lassen will ist es auch nicht damit zu entschuldigen das er krank ist. Nur weil einer krank ist hat er nicht das Recht das Leben eines anderen herabzuwürdigen.

        Steh zu deinem Entschluss, du bist nicht die erste die ihren Mann verlässt und vielleicht wacht er dadurch auf holt sich Hilfe und kann dann ein besserer Vater sein als er es jetzt ist.

        Liebe Grüße
        Corinna

        • Als ich meinen ersten Freund hatte, mit dem ich 2 Jahre zusammen war, habe ich durch Zufall herausgefunden, dass er schon seit 3 Monaten etwas mit einer anderen hat. Unsere gemeinsamen Freunde wusste das alle und haben schön dichtgehalten. Ich habe an einem Tag meinen Freund und die Hälfte meines Freundeskreises verloren und mein Vertrauen in die Liebe. Ich dachte wirklich, ich würde das nie verkraften!

          Ich habe sehr, sehr lange deswegen gelitten. Ich hatte zwar ganz oberflächliche Beziehungen, die so ein paar Wochen gedauert haben, aber ich konnte mich nie so ganz drauf einlassen.

          Meinen Mann habe ich dann ein paar Jahre später ganz zufällig in dem Semesterferien in einer anderen Stadt auf einer Party getroffen und ich hatte sofort das Gefühl, dass wir eine Verbindung haben. Ich hatte auch überhaupt keine Angst und ich wusste auch sofort, dass wir beide ein Paar werden, obwohl wir an dem Abend nur geredet haben. Dann haben wir uns ein paar Wochen später getroffen und sind dann zusammengekommen. Ich war die Ruhe selbst und ich habe da schon irgendwie gewusst, dass wir irgendwann mal heiraten würden.

          Aber dennoch habe ich immer gewusst, dass irgendwas an diesem Mann kaputt ist. Als ich dann seine Familie besser kennengelernt habe, wurde es mir dann klar. :-(

          Dennoch habe ich ihn ja geliebt. Man macht ja nicht mit jemandem Schluss, nur weil man die Schwiegereltern nicht leiden kann. Aber uns beiden war schon immer klar, dass wir aus völlig verschiedenen Welten kommen. Und so richtig krass offensichtlich wurde es dann, als wir Eltern wurden. Je mehr ich meinen Kindern eine schöne Kindheit ermöglichen wollte, desto krasser wurde mein Mann darauf gestoßen, wie lieblos seine eigene war. Und in diesem Konflikt bin ich seit 7 Jahren gefangen und es KOTZT MICH AN!! :-[

          #sorry Wenn ich das mal so in aller Deutlichkeit sagen muss. Ich habe damit gar nichts zu tun, ich habe nichts falsch gemacht und trotzdem muss ich die ganze Zeit darunter leiden. Und ich bin sein einziger Blitzableiter für diesen ganze Frust, für den ich nicht mal was kann. Und ich kann und will auch nicht für alle Ewigkeiten Verständnis für ihn haben. Haben die Kinder und ich den kein Recht, glücklich zu werden? Müssen wir jetzt leiden, nur weil er auch gelitten hat?

          • Nein du musst nicht leiden weil dein Mann keine schöne Kindheit hatte. Ich habe gelernt das man irgendwann erwachsen wird und in der Lage sein muss zu erkennen das es Dinge gibt die nicht schön waren aber ICH treffe nun die Entscheidung wie ich es mache und ICH kann ganz bewusst entscheiden das ich es so wie ich es schlecht gefunden haben nicht machen möchte.

            Dein Mann hat das offensichtlich nicht erkannt. Meine Mutter wurde als Kind vom Nachbar missbraucht und hat schlimme schlimme Dinge erlebt. Nie hat sie dieses Böse an uns Kinder weitergegeben. Das hätte niemandem was gebracht.

            Dein Mann tut mir leid denn er kann das nicht sehen und offensichtlich kann oder will er auch nicht an sich arbeiten. Es ist natürlich auch viel einfacher es laufen zu lassen anstatt an sich zu arbeiten denn das ist manchmal echt hart. Und es gibt Dinge da muss man als Erwachsener auch mal drüberstehen und sich selber sagen: war doof aber ich will nicht das sich jemand anderes deswegen auch doof fühlt.

            Du scheinst ein belastbarer Mensch zu sein und wenn du nun das Gefühl hast das du gehen möchtest solltest du es tun solange du die Kraft dafür hast. Es ist ja nicht ausgeschloßen das er doch noch erkennt was er an dir hat aber wie es so oft ist ,man muss es erst verlieren bevor man erkennt was man hat.

            Such dir Hilfe und sprich mit jemandem das tut gut. Alles in sich zu halten wirkt sehr zerstörerisch und dann hast du irgendwann keine Kraft mehr um für deine Kinder da zu sein.
            Das wäre schade

      Hallo,

      zieh die Trennung durch.

      Dein Mann wird sich nie ändern, er wird dich immer wieder demütigen und verletzen. Und das Schlimmste daran ist, deine Kinder bekommen alles mit und sehen eine hilflose Mutter, die das alles "erträgt".

      Erspar dir und deinen Kindern so eine Zukunft.

      Wünsche dir viel Kraft.

      Liebe Grüße

      (8) 25.02.13 - 12:38

      Hallo,
      eigentlich warst du nicht "dämlich" beim heiraten, sondern die Probleme sind ja eher entstanden, durch die Kinder. Zumindest so habe ich dich verstanden. Es tut mir leid, was du durch machen musst derzeit. Aber die Kinder haben für immer und ewig euch beide als Eltern. Ich würde dringend eine Trennung durchziehen, aber im Interesse der Kinder solltet ihr unbedingt alle eine Therapie gemeinsam machen.

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