Trennung trotz Depression?

    • (1) 20.12.13 - 10:05

      Hallo,

      ich habe hier ja schon ein paarmal gepostet – die letzten Monate habe ich mit meinem arbeitsunwilligen Mann und mit dem Gedanken an die Trennung gerungen, bis ich schließlich so weit war und sie vollzogen habe. Seitdem ist mein Mann in ein ziemliches Loch gefallen, was an sich nicht anders zu erwarten war. Er war inzwischen beim Arzt, ist an einen Psychotherapeuten weiter überwiesen worden und nimmt nun Psychopharmaka. Immerhin nimmt er nun endlich Hilfe in Anspruch, wozu ich ihn schon lange gedrängt habe, denn es war offensichtlich, dass er irgendwie festhängt und selbst nicht weiterkommt. Er hat sich nicht um die Jobsuche gekümmert, aber auch sonst um nicht viel – klar, mal hier und da die Spülmaschine ausgeräumt oder Getränke geholt nach Aufforderung, aber keine Initiative oder eigene Verantwortung in irgendeiner Form.
      Jetzt hat er also eine Diagnose: Depression. Dass er sich endlich Arbeit sucht, ist natürlich nun vollends ausgeschlossen, und auch darauf, dass er sich eine Wohnung sucht, werde ich nun wohl lange warten müssen (oder selber machen, wie immer…).

      Ich habe nun große Probleme, mit dieser Diagnose umzugehen. Es ist mir völlig klar, dass das eine Krankheit ist, für die er nichts kann, genauso wenig wie ich für meine Erkältung. Trotzdem kann ich mich nur schwer von dem Vorwurf an ihn freimachen, dass er mich hängenlässt mit unseren zwei kleinen Kindern, dass ich alles alleine machen muss und nie eine Stütze habe, auch nicht emotional, dass er keine Verantwortung übernimmt für unser Leben und unsere Kinder und nicht an unsere Zukunft denkt. Ich denke immer wieder, dass ihm die Diagnose nun vielleicht sogar gelegen kommt, als Freifahrtschein, erstmal weiter nichts tun zu können, weil er ja nun offiziell nicht kann. Es ist ja auch nicht so, dass er den ganzen Tag deprimiert in der Ecke sitzt. Er geht viel raus mit seinen Freunden, ist auch ganz gut am Feiern, und an unserem Alltag, den ich schmeiße, will er teilnehmen. Nur dafür tun will er nichts. Ich finde es einfach nicht richtig, ihn jetzt so leicht aus der Verantwortung zu entlassen.

      Hat jemand von Euch auch solche Erfahrungen gemacht?

      • (2) 20.12.13 - 11:22

        Hallo,

        leider habe ich auch keine Erfahung, denn eigentlich sind wir noch einen schritt weiter hinten. Ich denke auch, dass mein mann leichte Depressionen hat. Es äußert sich so wie du es beschrieben hast.

        Ich denke auch darüber nach mich zu trennen, denn mein Mann will keine Hilfe von außen annehmen. Ich bin aber mit der Situation schon lange sehr unglücklich.

        Auch ich habe 2 kleine Kinder. Ich scheue vor der Entscheidung, werde sie aber irgendwann treffen müssen. Mal sehen, was in den Ferien passiert.

        Mein Rat, lass dich nicht festbinden. Hol dir hilfe, denn auch Angehörigen von Depressiven Menschen steht hilfe zu. Vielleicht findest du dann deinen weg.

        Gruß & Erfolg

        Hi.
        Ich bin geschieden und letztendlich der entscheidende Grund weswegen meine Frau und ich uns getrennt haben waren meine Depressionen (bipolare Störung).

        Sie hat lange mit mir gemeinsam versucht, unser Familienleben wieder auf die Kette zu bekommen aber wir mussten schließlich einsehend ass es so (vor allem für unsere drei Kinder) nicht mehr tragbar ist.

        Und ja. Depression ist eine Krankheit. Und viels was "normal" erscheint und machbra wird plötzlich zu einer Riesenhürde. Normale Erledigungen können sämtliche Kraft rauben und einen völlig fertig machen. Man muss dagegen an...arbeiten. kämpfen. Medikamentös, mit Therapie, mit Hilfe der Familie. Es ist kein einfacher Weg und auch kein kurzer und e sist gut wenn das Umfeld mit Verständnis reagiert.

        ABER an Depressionen zu leiden bedeutet nicht, aus der Verantwortung entlassen zu werden.

        Ich denke, das beste was du tun kannst ist, dir zu überlegen was du von deinem (Ex-)Mann unter diesen Bedingungen erwartest und erwarten kannst und anschließend, das ganze mit deinem (Ex-)Mann zu besprechen. Abzugleichen. Versuchen rauszufinden was er leisten kann ohne mit Vorwürfen zu begegnen wenn er bei einigen Dingen das Gefühl hat, sie pberfordern sie ihn.

        Reden, reden, reden. Das ist das Wichtigste!

        • Lieber süddeutscher,

          Das von einem Mann mit Deinem Hintergrund zu lesen hat wirklich gut getan. Das Thema Verantwortung ist es, worauf es mir wirklich ankommt, und es gab bisher wenige Momente, in denen ich nicht das Gefühl hatte, dass die Diagnose Depression eigentlich alle Verantwortung auf mich lädt. Es ist gut zu hören, dass es so nicht sein muss.

          Ich hoffe dass es Dir heute besser geht.

          Alles Liebe,
          Meike

      (5) 25.12.13 - 15:51

      Ich habe nun leider selbst sehr schmerzhafte Erfahrungen damit machen müssen und ich kann nur sagen: Wenn du irgendwie das Gefühl hast, dein Mann nutzt diese Krankheit als Ausrede, um keine Verantwortung übernehmen zu müssen: Bring dich in Sicherheit!!!

      Ich habe in meinem Leben schon genug mit psychisch kranken Menschen zu tun gehabt und ich bin selber auch schon mal in dieser Situation gewesen, als junges Mädchen. Aber im Gegensatz zu vielen anderen habe ich daran aktiv gearbeitet und bin daher auch bisher relativ stabil durch das Leben gekommen, wenn es auch nicht immer leicht war und ich auch nicht alles erreichen konnte, was ich mir vorgenommen habe.

      Aber auch mit Depressionen kann man nicht umherlaufen und überall verbrannte Erde hinterlassen. Und wenn es nur die Tatsache ist, dass man rechtzeitig Bescheid sagen muss, wenn man die Verantwortung nicht übernehmen kann, damit die Aufgaben und Entscheidungen ggf. an jemanden anders deligiert werden können.

      Und diese Pflicht hat man umso mehr, wenn man Kinder hat, die dem Ganzen hilflos ausgeliefert sind.

      Dann solltest du die Trennung vollziehen und evtl. aber die Scheidung noch hinauszögern.Es sagt ja auch keiner, dass man sich scheiden lassen muss, während der Mann noch in Behandlung ist. Aber man muss das auch nicht nicht bis zum Untergang mit ihm gemeinsam durchziehen. Er hat die Diagnose, er hat Möglichkeiten, sich helfen zu lassen. Und du bist für ihn nicht verantwortlich, denn er ist ja kein unmündiges Kind.

      Ich kann leider inzwischen von drei Fällen berichten, wo sich die Männer kurz vor oder kurz nach der Trennung in eine Depression/Klinikbehandlung geflüchtet haben, um ihrer Verantwortung für die Kinder und der Unterhaltspflicht nicht nachkommen zu müssen. Es scheint mir ein probates Mittel zu sein, um einen Mangelfall zu konstruieren, da man im Krankengeld lange nicht leistungsfähig ist und dann an die Ehefrau keinen oder nur wenig Unterhalt zahlen muss.

      • (6) 26.12.13 - 13:45

        Hopsi, danke für Deine Antwort.

        Im Prinzip denke und empfinde ich genau so: Es kann einfach nicht sein, dass so eine Diagnose als Freifahrtschein genutzt wird, ohne Rücksicht auf Verluste.

        Auch ich habe in den letzten Jahren einiges an Rückschlägen und Problemen zu bewältigen gehabt und habe das auch momentan wieder. Es ist einfach nicht in Ordnung, dass eine Person sich hier aus allem ausklinkt und die anderen können sehen wie sie klarkommen.

        Irgendwie frage ich mich auch, wie weit es mit dieser Diagnose überhaupt her ist. Seine Unfähigkeit, etwas zu tun, beschränkt sich nämlich nur auf die für ihn unbequemen Bereiche, wie z.B. seine Jobsuche oder aktuell den Papierkram mit dem Arbeitsamt von wegen Krankengeld. Auch eine eigene Wohnung kann er sich momentan auf keinen Fall, er hat ja Depressionen. Dass für mich und meine Kinder die Situation schier unerträglich angespannt ist, interessiert ihn dabei nicht. Andererseits hat er gerade seine Familie in Irland besucht, einen (nebenbei bemerkt für uns nicht gerade billigen) Trip schön selbst organisiert und dann jeden Abend dort gefeiert. Über die Feiertage lässt er sich's hier richtig gut gehen, meine Mutter und ich bekochen die Großfamilie, und er lehnt sich zurück und genießt. Er ist fröhlich und lustig, schwätzt mit allen und macht seine Witze wie immer. Es tut mir leid, das sieht mir alles überhaupt nicht nach Depression aus. Ich fühle mich langsam so verarscht!

    (7) 02.01.14 - 02:42

    Hallo Makeike,

    ich habe mich hier grade angemeldet um auch antworten zu können. Der Eintrag ist zwar vom 20.12., aber vielleicht liest du es ja dennoch.

    Zuerst kann ich es natürlich voll und ganz nachvollziehen, wenn du dich von deinem Mann im Stich gelassen fühlst und grade wenn Kinder im Spiel sind darf bzw sollte er sich nicht der Verantwortung entziehen!

    Zu der Depression folgendes, da sollte man grundliegend unterscheiden, vorallem da Ärzte diese Diagnose teilweise ziemlich schnell aussprechen.
    Zu meiner Erfahrung, ich habe leider seit August '13 schwere Depressionen, war auch in einer teilstationären Klinik für 3 Monate und bin weiterhin in therapeutischer Behandlung, allerdings hat sich mein Zustand noch nicht viel gebessert. Bei mir war es zu Beginn so, dass ich mich komplett abgeschottet habe, während meines Klinikaufenthalts meinen Mann verlassen habe(6 Jahre zusammen,1 Jahr verheiratet), ausgezogen bin und mich von sämtlichen sozialen Kontakten bis auf wenige zurückgezogen habe.
    In der Klinik wurde gesagt, dass man viel Unternehmen soll, wenigstens das machen soll was einen früher "Spaß" gebracht hat. Heißt sich ablenken. Wenn ich deine Zeilen lese kommt mir dies auch so vor.

    Man sitzt wenn man Depressionen hat nicht unbedingt in einer Ecke und ist nur betrübt rund um die Uhr, falls es soweit kommen sollte, wäre eine Einweisung notwendig. Das Problem bei Depressionen ist, dass außenstehende dies nicht sehen und größenteils noch weniger nachvollziehen können. Eine Erkältung geht nach ein paar Tagen weg, bei Depressionen unterscheidet man zunächst generell depressiv oder depressive Phase sowie leichte bis zur schweren Depressionen.
    Worauf ich nun hinaus will ist folgendes, ich bereue zutiefst wie ich mich in den ersten ca. 3-4 Monaten meinen Mann gegenüber verhalten habe, ich habe Dinge vom Stapel gelassen die ich nicht nieder schreiben will. Ich bereue meinen Entschluss der Trennung . Ich habe anfangs Tagebuch geschrieben und als ich letzte Woche gelesen habe , habe ich mich selbst nicht wiedererkannt.
    (Mein Mann und ich nähern uns Gott sei Dank wieder an)

    Vielleicht steckt dein Mann grade in der Phase, dass er versucht alles zu verdrängen und einfach seinem "Spaß" nachzugehen, ohne sich über mögliche Folgen Gedanken zu machen.
    Mir hilft es mich für irgendwas, seien es Kleinigkeiten, aufzuraffen , wenn ich den Tagesablauf durchstruckturiere.Vielleicht wäre das ja eine Möglichkeit wie es für euch alle funktioniert, indem du dich mit ihm hinsetzt und ihr eine komplette Woche gemeinsam durchplant(vom aufstehen bis zum abend).

    Ich wollte dir mit meiner Antwort nicht zu nahe treten, ich kann deine Seite gut verstehen, aber es gibt nun mal immer 2 und wenn die Liebe da ist wünsche ich dir dass alles bei euch gut wird.

    Liebe Grüße

    • (8) 02.01.14 - 20:44

      Danke bibi,
      Bei uns geht das Ganze ja nun schon ziemlich lange - ungefähr ein Jahr. Für mich jedenfalls fühlt sich das an wie eine Ewigkeit und nicht wie eine Phase, auf deren Ende ich in aller Seelenruhe warten kann, gerade auch wegen der Kinder.

      Es ist mir auch klar, dass man als Außenstehender einen Depressiven oft nicht verstehen und sein Verhalten nicht nachvollziehen kann. Aber das kann ja eben einfach nicht bedeuten, dass wir alles hinnehmen und bis zum bitteren Ende damit leben müssen!
      Übrigens war mein Mann inzwischen nochmal beim Arzt, und angeblich ist jetzt wieder alles in Ordnung. Ich kann nur sagen, das kommt mir alles schon wieder sehr dubios vor. Heute Depression, dreimal zur Therapie, alles wieder in Butter. Ja klar.

(9) 04.01.14 - 01:39

Hallo, ich habe genau das gleiche durch wie du. Ich habe damals auch zwei Beiträge verfasst.

http://www.urbia.de/forum/27-trennung/4299523-trennung-wegen-psychischer-probleme-und-suizidversuch/27659798

http://www.urbia.de/forum/27-trennung/4303526-haertefallscheidung/27695065

ich habe es zwischenzeitlich nochmal mit ihm versucht, aber mich jetzt endgültig getrennt. Er ist heute aus der Klinik entlassen worden, wohnt jetzt bei seinen Eltern und hat bereits einen neuen Mietvertrag unterschrieben. Grund zur endgültigen Trennung war, dass er ewig sagte, ihm gehts besser, alles im Griff und kurz vor der Entlassung ist plötzlich doch alles sch... und er bleibt länger. Jetzt wo ich mich getrennt habe, meinte er das war gut, weil er alles nicht ernst genommen hat und dachte es geht schon irgendwie weiter. Klar, ich hab ja immer alles gemacht. Hab mich um ihn wie um ein drittes Kind gekümmert. Das hat mich so irre gemacht. Ich habe aus Vernunft gehandelt. Die Kinder bekommen die Spannung mit und ich muss mich um die Beiden und um mich kümmern. Er muss was für den Weg daraus tun. Wenn nicht, kannst du nichts machen. Dann wirds immer schlimmer. Ich war bei profamilia für mich und sie hat mich in meiner Entscheidung bestärkt. Jetzt merke ich auch, wie gut es mir geht. Ich habe den Kopf frei. Sie meinte dort auch, dass ich schon co abhängig bin, weil ich mich so in der Pflicht gefühlt habe. Er denkt immer noch es wird wieder. Und, weil er das denkt lässt er schon wieder alles schleifen. Die Psychologin meinte, er muss unbedingt gleich nach Entlassung arbeiten gehen, um nicht wieder ins Loch zu fallen. Er geht heute zum Arzt und lasst sich den ganzen Januar krank schreiben. Damit er Zeit hat die Wohnung zu machen meinte er. Der spinnt. Also du siehst, mein Mann hat es nicht mit mir geschafft und jetzt kümmert er sich immer noch nicht richtig. Willst du dein ganzes Leben zurück stecken, alles allein machen, trotz Beziehung und nichts zurück bekommen? Ich nicht, mir sind die Kinder auch zu wichtig. Ich will sie so einem Stress und der Unbeständigkeit nicht aussetzen. Alles Gute für dich.

  • (10) 04.01.14 - 07:29

    Hallo Bongo,
    Da hast Du ja noch ein ganzes bisschen mehr durch als ich... Ich wünsche Dir viel Kraft für die nächste Zeit und hoffe, Du findest für Dich und Deine kleinen einen guten Weg.

    Für mich steht die Trennung inzwischen fest. Am Montag gehe ich mir für meinen Mann eine Wohnung anschauen. Das muss ich selbst machen, da er sonst behaupten wird, es sei ein Dreckloch, das ihm nicht zugemutet werden kann. So hat er es auch bei allen Stellenangeboten gemacht, die ich ihm vorgelegt habe, ist alles nie gut genug für ihn.

    Zu seiner Depression: irgendwie kann ich das alles noch immer nicht glauben. Es ist tatsächlich so, dass es ihm augenscheinlich bestens geht. Er geht raus und trifft sich mit Freunden, will hier am Familienleben teilnehmen und alles machen, was er sonst auch gemacht hat. Nur auf keinen Fall Arbeit suchen oder sich in irgendeiner Form um irgendetwas kümmern. Das kann ich schön alles allein machen.

    Ich habe inzwischen Kontakt zu seiner Familie in Irland aufgenommen, zu denen er selbst nur unregelmäßig Kontakt hat und die nur ein sehr unvollständiges Bild von unserem Leben haben - für ihn ist ja alles ok, und so berichtet er das dort auch. Seine Schwestern haben zu meiner Schilderung seines Verhaltens in unserem Eheleben nur folgendes zu sagen gehabt: ja, wir kennen unseren Bruder. Niemand war überrascht zu hören, dass er sich so verhält, weil er es so wohl schon immer gemacht hat. Deshalb glaube ich auch nicht, dass es an einer Depression liegt, dass er sich hier um nichts kümmert. Das ist einfach seine Art zu leben.

    Und mit der kann ich nicht leben. Ich möchte bei allem, was ich zu unserer Beziehung und zu unserem Familienleben beitrage, auch irgendwann einmal etwas zurückbekommen. Das werde ich von ihm aber nie. Und deshalb steht für mich die Entscheidung inzwischen fest.

    • (11) 04.01.14 - 10:37

      Hallo, das freut mich, dass du eine Entscheidung für dein Leben getroffen hast. Hört sich für mich auch nicht nach Depressionen an. Mein Mann hat nichts mehr gemacht. Überhaupt nichts. Ich wünsche dir einen schönen Start für die Zukunft. Mir gehts jetzt auch super. LG

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