Schamgefühl wegen gescheiterter Ehe - kennt Ihr das?

    • (1) 12.01.14 - 21:00

      'n Abend!

      Ich weiß ganz genau, dass unsere Trennung richtig ist, dass es vorbei ist und auch nicht mehr wird. Ich sehe das ganz klar, bin damit sehr bei mir selbst und schaue nach vorn.

      ABER ich habe ein gewisses Schamgefühl mir und der Welt gegenüber wegen meines "Scheiterns". Also dass das Lebensmodell, was ich ich damals bejaht hatte, nicht hingehauen hat. Die Rechnung nicht aufgegangen ist, die heile/ vollständige Familie nicht geklappt hat etc. Stattdessen nun "Ex-Mann", Scheidung, neuer Lebensabschnitt und was auch immer noch kommt.

      Kennt Ihr sowas? Dass Ihr wisst, die Entscheidung war richtig - aber es bleibt ein schlechtes Gefühl, das normale und als gut und richtig geltende Leben nicht hinbekommen zu haben...

      Bleibt so ein Gefühl immer? Findet man sich damit ab? Findet man es irgendwann gut so? Gibt es etwas, was man gegen so ein Schamgefühl tun kann? Was sind Eure Erfahrungen?

      LG, Nele

      • Hallo Nele,
        mir geht es gerade ähnlich. Mein Mann und ich haben uns auch, einvernehmlich sogar, getrennt. Wir wissen das es so nicht mehr geht und das das die beste Entscheidung für uns ist.
        Aber bei dem Gedanken es unseren Familien zu sagen bzw es in die Öffentlichkeit zu bringen wird mir ganz schlecht!!!

        Hab da irgendwie ein total "schlechtes Gewissen" oder wie du es beschreibst "Schamgefühl"!!!!

        Schon komisch!
        Ich hoffe das hört auf und ich kann mich mal auf das neue Leben "freuen"!!!

        Ach du scheiße - du trennst dich??? Hab schon lang nichts mehr von dir gelesen, aber immer mit Interesse und früher eben viele Beiträge! Sorry, war jetzt keine Antwort auf deine Frage.

        Aber ich kann das total gut nachvollziehen - wobei ich nicht weiß ob man es Scham nennen soll. Ist es nicht eher Trauer über das "Scheitern"? Gut wenn man natürlich so eine Vollblutmama und Vollblutehefrau ist/war fühlt man sich natürlich in bestimmten Kreisen,die einen eben nur so kennen, irgendwann nicht mehr wohl bei diesem ganzen vermeintlichen Glück der anderen, das -bye the way- oft genauso brüchig ist wie das eigene... Vor wem schämst du dich denn? Hast du das Gefühl vor deinen eigenen Plänen versagt zu haben - spielt die Herkunftsfamilie da eine Rolle?
        Von wem ist die Trennung ausgegange?
        Also ich denke mal ein Stachel bleibt irgendwo immer, ist ja auch irgendwie normal, nach Jahren ist es aber eher so eine Art Narbe, die nur noch manchmal weh tut.
        Ob das vorbeigeht? Denke schon - und hier bei Urbia ja besonders schnell - da ist der eine ja noch nicht ausgezogen da steht schon der nächste auf der Matte und schwanger ist man auch schon...
        Ich sprech jetzt nicht aus eigener Erfahrung - bin nämlich zu feige mich zu trennen, jedenfalls zur Zeit, aber ich war schon mal beim Anwalt und hatte auch schon nach Wohnungen geguckt - und da war auch dieses Gefühl - jetzt bist du total gescheitert, aus meiner Familie hat sich niemand getrennt und und und. Jetzt im Moment würde ich es nicht mehr so sehen, das Ausharren hat andere Gründe.
        Ich wünsch dir jedenfalls viel Kraft, und so wie ich dich aus deinen Beiträgen "kenne" - ernsthaft, reflektiert und lebendig, schaffst du das, ganz sicher! Viel Glück und alles Liebe.

        • Hi!

          Die Trennung ist final von ihm ausgegangen... aber ich habe meinen großen Teil dazu beigetragen. Ich bin nur nicht so feinfühlig und daher hat er es wesentlich eher gemerkt.

          Ich habe mich weiterentwickelt (er nennt es: verändert) und daher ist er nicht mehr der Mann, der zu mir passt. Es waren am Anfang schon einige Kompromisse da, aber auch viele Gemeinsamkeiten - aber nun habe ich noch einmal riesen Sprünge gemacht und da kann er nicht mehr mitgehen, ohne sich komplett zu verbiegen.

          Die Herkunftsfamilie ist ein Trümmerhaufen #schwitz Daher habe ich es nicht... bzw. höchstens das Gefühl, es besser und reflektierter machen zu müssen.

          Tja, es ist so ein Gefühl des Scheiterns, Versagens, wie auch immer. Vor mir selbst und vor der Gesellschaft. Bislang ging es bei mir eigentlich stetig bergauf...

          Und wie geht es bei dir weiter? Willst du nun mit ihm zusammen bleiben um es oberflächlich betrachtet "richtig" zu machen? Oder fehlt noch die endgültige Gewissheit, dass es aus ist?

          LG, Nele

          • Hmm, so wie du es beschreibst ist es ja oft. Die großen Sprünge bei dir - die waren beruflicher Natur oder? Was macht ihr mit den Kids - die sind ja relativ klein wenn ich mich recht erinnere...

            Wie es bei mir weitergeht? Ich will es nicht oberflächlich richtig machen, aber mich hindern derzeit handfeste Gründe. Ich weiß auch nicht ob eine Trennung nicht noch schlimmer ist.

            Habs grad bei ner Bekannten gesehen - die nimmt ihren jetzt wieder zurück, weil sie nicht in der Lage ist, die äußeren Umstände bei der Trennung zu wuppen, und ich meine nicht dass sie doof ist - sondern es ist einfach den Umständen geschuldet - und sie will nicht "zum Amt" - was ich gut verstehen kann. Und wie sie so trocken sagte: die Typen die vielleicht auf den jetzigen folgen würden - also die, die man am Wochenende oder so irgendwo "aufgabelt" sind ja auch nur so "abgelegte", die nur f....n wollen. Ich seh das ganze kritisch, sehs ja bei Freundinnen die Singles sind und ohne Kinder - ist nicht grad ein Ponyhof da draußen.

            Ich plane im Moment nix - ich versuch mein Ding zu machen, eben in allen anderen Bereichen.

      Hallo,

      ich hab mich nach unserer Trennung auch sehr geschämt. Warum genau, kann ich bis heute schwer erklären. Da kamen einfach viele Dinge zusammen.

      Irgendwann war das Gefühl aber vollkommen weg. Jetzt bin ich sehr, sehr stolz auf mein heutiges Leben. Ich denke inzwischen gerne an meine Ehe und die vielen gemeinsamen Jahre zurück. Es ist einfach ein abgeschlossenes Kapitel meines Lebens, das mich geprägt hat und zu mir gehört.

      Geholfen hat wohl nur die Zeit.

      Viele Grüße
      die Landmaus

    • Ja, das kenne ich absolut. Bei mir hat das ganz klar damit zu tun, dass mein Noch-Mann und ich beide Scheidungskinder sind bzw. er aus anderen Gründen keine wirklich intakte Familie hatte. Uns war immer klar, dass wir es schwer haben würden, aber wir haben uns eben wirklich sehr geliebt und wir mussten das einfach trotzdem versuchen. Ich war auch immer bereit, diverse Hilfsangebote und Beratungen in Anspruch zu nehmen. Aber spätestens in dem Moment, wo unsere erste Tochter auf die Welt kam, kamen bei ihm die alten Familienprobleme wieder hoch. Der Kontakt zu seinen Eltern und den Geschwistern wurde immer schwieriger, bis er ihn letztlich ganz abgebrochen hat.

      Er hatte eine ambulante Gesprächstherapie angefangen, aber die hat er dann unterbrochen und nicht wieder aufgenommen. Ich hatte das Gefühl, er möchte sich mit der Vergangenheit nicht mehr auseinandersetzen, weil es einfach zu schmerzhaft für ihn war. Aber es wurde immer schlimmer mit ihm.

      Ich habe mich abgekämpft, diesen Plan A aufrecht zu erhalten, aber ich habe irgendwann begriffen, dass ich alleine keine Chance habe. Er muss selber erst ganz unten ankommen, damit er begreift, dass er wirklich Hilfe annehmen muss. :-(

      Man heiratet ja, um auch in guten wie in schlechten Zeiten füreinander da zu sein. Ich habe große Schuldgefühle, weil ich ja weiß, dass er Depressionen hat und dass es sich dabei um eine Krankheit handelt. Aber bevor ich selber draufgehe, muss ich alleine schon wegen der Kinder so egoistisch sein, und sehen, dass wir irgendwie durchkomme.

      bei uns ist es mein noch mann der sich sehr schämt.
      weil er genau weiss das er von allen um die ohren gehauen bekommt.
      das er mich mit den 3kids-3j und 1j und einen extrem frühchen welches morgen nach hause darf#freu aleine lässt.
      aber ich finde es lächerlich,wenn eine beziehung nicht mehr funzt.
      keine zärtlichen gefühle mehr verhanden sind ist es besser sich im guten zu trennen.
      und immer noch als fam.zusammenzuhallten.
      als wenn man so lange wie möglich daran fässt hällt und dan den karren immer weiter in den dreck fährt,sodass später nur noch hasst über ist.
      UND DAS finde ich extrem peinlich,eine schlammschlacht in der eine ex partner über den anderen lästert.wenn es geht noch vor den kindern und die selben darunter leiden.

      (9) 13.01.14 - 10:11

      Danke für Eure Antworten!

      Ja, es ist wohl so eine Mischung aus Scham vor sich selbst über das Versagen und der Gesellschaft gegenüber, weil man das, was als gut und richtig angesehen wird (bürgerliche Familie mit leiblichen Kindern) nicht auf die Reihe kriegt :-(

      LG, Nele

      Hallo Nele,
      ja, das kenne ich. Als ich mich vor etwas über 2 Jahren von meinem Exmann getrennt habe, ging es mir ganz ähnlich. Das Gefühl des Scheiterns, des "was hab ich / was haben wir nur falsch gemacht, wie konnte uns das passieren?".

      Als die Trennung dann durch war, es den Kindern erklärt war, als das neue Leben beginnen konnte, war ich unheimlich erleichtert. Aus meiner Umgebung kam damals vielfach: "Ja, endlich, das wurde auch Zeit!" Ich war selber ganz erstaunt, dass unser Ehekonstrukt nach außen wohl schon lange nicht mehr funktioniert hat.
      Lediglich Leute, die uns nicht so nahe standen, waren etwas überfahren von diesem "Scheitern".

      Allerdings habe ich immer den Kopf hoch gehalten. Und dieses neue Leben angenommen und gemeistert. Teilweise bin ich wirklich über mich hinaus gewachsen und darauf auch sehr stolz.

      Wir sind jetzt knapp einen Monat geschieden. Dieser Tag war nochmal schlimm. Weil es einem eben nochmals vor Augen geführt wird, dass man versagt hat. Als die Richterin im Scheidungsverfahren uns beide fragte, ob wir unsere Ehe für unwideruflich gescheitert erklären.. das ging schon durch, sag ich dir.

      Und das, obwohl ich seit mehr als einem Jahr wieder glücklich vergeben bin und es mir wirklich in allen Lebensbereichen extrem gut geht.

      Dieses "gescheitert" hat mir doch ein flaues Gefühl im Magen gemacht, obwohl meinem Exmann gegenüber wirklich kein Funken Gefühl mehr da ist.

      Sei stark und sei gewiss, dass dein Leben jetzt zwar anders, aber auf Dauer ungleich entspannter und fröhlicher sein wird. Du kannst jetzt wieder nach vorn schauen. Diese Ausstrahlung wird auch deine Umgebung an dir wahrnehmen und die meisten werden sagen: was für eine starke Frau, DIE hat sich was getraut!

      Ich war überrascht, wie viele Bekannte danach zu mir kamen und mich fragten, wie ich das alles hinbekomme. Da wurde mir bewusst, dass extrem viele Beziehungen nur noch aus Gewohnheit, Angst vor dem Neuen und Scham bestehen. Und ich war froh, dass ich mich davon frei gemacht hatte, während andere aus Unsicherheit an einer lieblosen Beziehung festhalten.

      Alles Gute Dir!
      Nina

      • Das hört sich gut an bei dir! Danke fürs Mut machen!

        Ich hänge ja aktuell noch etwas in der Luft und muss mich neu aufstellen... kann mir auch gar nicht vorstellen, dass ich irgendwann einen Mann finde, mit dem es wirklich passt #schwitz

        Bei uns war es übrigens anders: Wir galten als das Traumpaar #hicks Die Leuten fallen reihenweise vom Stuhl...

        Ja, den Kopf halte ich auch hoch. Und versuche, auch wirklich so rational wie möglich da heranzugehen. Schon der Kinder wegen, aber auch, damit ich klar denken kann und nach vorn aus der Beziehung gehen kann.

        LG, Nele

    "Kennt Ihr sowas? Dass Ihr wisst, die Entscheidung war richtig - aber es bleibt ein schlechtes Gefühl, das normale und als gut und richtig geltende Leben nicht hinbekommen zu haben..."

    Nein,kenne ich nicht.
    Mich von meinem Mann zu trennen war damals mit das Beste was ich je in meinem Leben gemacht habe.

    (13) 13.01.14 - 23:26

    Hallo Nele

    ein Gefühl des Scheitern hatte ich die ersten 3 Jahre schon,
    ein Gefühl der Scham überhaupt nicht.
    Ich hatte allgemein nachvollziehbare Gründe, wurde eher bewundert für meinen Mut mit drei recht jungen Kindern und in meinem Alter ( Mitte 40) neu anzufangen und mehr als gute finanzielle Verhältnisse hinter mir zu lassen.
    Was viele Jahre blieb war unterschwellig ein schlechtes Gewissen meinen Kindern gegenüber.Auch das verging im Laufe der ersten 4 bis 5 Jahre.
    Ich hatte das Glück nochmal eine Familie gründen zu können.
    Letztendlich habe ich genau das bekommen , was ich mir immer gewünscht habe.

    Sicher bekommt ihr das besser hin, als mein Ex-Mann und ich damals.
    Nichts ist schlimmer für die Kinder wie ein Rosenkrieg und wenn die Eltern um sie kämpfen.

    #klee

    L.G.

    Schamgefühl? Keine Sekunde lang. Ich habe hauptsächlich Ärger empfunden. Ärger, dass das alles so gekommen ist und nicht so, wie erhofft, erwünscht, erträumt. Das Gefühl, es selbst verbockt zu haben. Und hinter her der Stolz, es heraus geschafft zu haben, auf eigenen Füßen zu stehen und mich nicht habe klein machen lassen.

    Am besten du änderst deine Einstellung von dem, was du bis jetzt für normal, gut und richtig angesehen hast und siehst, dass eigentlich ganz andere Dinge normal, gut und richtig sind. Dann verschwindet auch dein Schamgefühl

    Hallo Nele....

    Das Gefühl vergeht, glaub mir.

    Anfangs ist es schwer, grad wenn der Termin der Scheidung anberaumt wird.
    Man steht dem Mann gegenüber dem man einst das JA Wort gegeben und ewige Treue geschworen hat.

    Ich hatte mit der Ehe lange angeschlossen, aus dieser Ehe existieren 3 wunderbare Kinder.
    Von denen möchte der Vater jedoch nichts wissen.
    Sie waren und sind ihm egal, wichtig für ihn ist nur, nichts zahlen zu müssen.

    Als der Termin der Scheidung war, lief alles an mir wie ein Film vorbei, die Höhen und Tiefen.
    Wir standen uns wie fremde gegenüber.

    Klar wäre mein Wunsch auch gewesen, eine glückliche Familie zu sein.
    Es war nie mein Wunsch dies alles hinzuwerfen.

    Aber es war die beste Entscheidung !!!

    Ich dachte auch, ich habe versagt, es ist alles gescheitert was ich immer wollte, 8 Jahre Ehe einfach so WEGWERFEN, 3 wundervollen Kindern den Vater nehmen.
    HORROR !!!

    Oft genug hielt er den 2 großen vor, eure Mutter will euren Vater nicht mehr bei sich haben.

    Aber zwischen wollen und können war ein riesengroßer Unterschied.

    Es war die beste Entscheidung die ich treffen konnte, so traurig es klingt, und so Leid es mir für die Kinder tat.

    Obwohl ich mir geschworen habe, mich so schnell wieder auf einen Mann einzulassen.
    Änderte sich das ganze sehr schnell.

    Nun weiß ich, was ich all die 8Jahre vermisst habe,

    was ich verpasst habe und wie schön das Leben wirklich ist.

    Ich habe einen wunderbaren Mann an meiner Seite, der meine Kinder voll und ganz ins Herz geschlossen hat, der für uns da ist und in ein paar Tagen bekommen wir unser 1tes gemeinsames Baby. #verliebt

    Das alte Leben, die Gedanken an die Ehe, sind WEG als wäre da nie was gewesen.
    Die Person die sich einst mein Mann und Vater meiner Kinder nannte,
    ist ein Mensch wie jeder andere, der irgendwo auf der Welt rum irrt.

    Ein Leben , als hätte wir uns nie gekannt.

    LG semmelhase

    Für mich war es am Anfang auch komisch. Unsere Eheprobleme hab ich jahrelang runtergespielt und nach außen immer die heile Welt presentiert. Aber ich konnte einfach nicht mehr wo ich wusste das es da ständig andere gab und ja ich hab mich auch geschämt das die heile Welt nun kaputt war, aber als er sich nach über einem Jahr endlich mal zum ausziehen bewegt hat und ich die Scheidung eingereicht habe und einen neuen Partner gefunden habe, dann hat sich das ganz gut gelegt .

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