Mein Vater ist Alkoholiker

    • (1) 30.08.15 - 15:18

      Hallo, dieser Beitrag wird etwas länger.

      Schon in meiner Kindheit hat mein Vater immer heimlich abends getrunken.
      Er verträgt nicht viel, daher nur Bier. Aber davon jede Menge.

      Er war oftmals so betrunken, dass er nicht mal mehr das Bett gefunden hat
      und einfach schon im Bad auf dem Boden oder in der Badewanne

      eingeschlafen ist.
      Meine Mutter macht das nun mehr seit 27 Jahren mit. Sie belastet
      das sehr. Jahrelang hat sie versucht auf ihn einzureden, ihn zu entwöhnen.
      Mal nett, indem sie mit ihm die Bierflaschen weggekippt hat, mal im
      Streit (und dann die ganze Nacht durch). Sie hat ihn blamiert, indem sie vor mir gestritten haben oder indem sie ihm Fotos gezeigt hat, wie er betrunken in der Wanne liegt.
      Es funktioniert nichts. Er ist sogar so frech und behauptet einfach, dass
      er nichts trinkt oder wenn er schon etwas betrunken ist (man sieht ihm einfach
      schon die erste Dose/Flasche im Gesicht an), dass er nicht getrunken hat.
      Ich weiß bei seiner Dummheit auch nicht, ob er sich nicht sogar selbst
      damit belügt.

      Ich verstehe nur auch nicht warum er trinkt. Er verdient auf seiner Arbeit wirklich gut,
      und das, obowhl er auch viel frei hat, ein schönes Haus, eine eigentlich tolle

      Familie. Er hat Hobbies, und seine Kollegen schätzen ihn. Es geht ihm wirklich gut!!
      Er braucht es nicht, aber gerade wenn es ihm gut geht, greift er abends (so vermute
      ich) erst recht noch mal heimlich als Belohnung (!) zur Flasche.

      Wie gesagt, meine Mutter belastet das sehr. Sie will keinen Alkoholiker als Mann. Sie
      ist total verzweifelt und sagte mir, (ich bin vor drei Jahren zum studieren ausgezogen)
      wäre ich nicht da, hätte sie ihn schon längst verlassen. Eine Zeit lang konnte ich
      die Situation einfach verdrängen. Nur heute hat sie ihn mittags (!) schon wieder

      erwischt. Er bat sie " nicht vor meiner Tochter", was sie erst recht ausgenutzt hat, um ihn bloß zu stellen.
      Ich verstehe sie da sehr gut, aber ich glaube, wenn ich ihr rate, sich von ihm zu trennen, wird sie nur noch verzweifelter werden. Denn das würde bedeutetn, dass zum einen die finanzielle Sicherheit wegbrechen würde (meine Mutter arbeitet zwar auch, aber Papa war halt schon immer der Hauptverdiener), aber sie müsste auch aus unserem großen Haus raus und ihre ganzen zusätzlichen Finanzen selbst regeln. Auf Urlaub müsste sie verzichten (zumindest den, den sie sich immer augemalt hat) und sie wäre natürlich erstmal alleine. Es würde alles wegbrechen, was sie sich mit der Zeit aufgebaut hat! Sie geht mittlerweile auch auf die 60 zu, also ist sie auch schon etwas älter und sieht keinen Ausweg mehr aus ihrer Situtation. Sie war schon immer sehr tough und auch sehr selbstständig, nur in dieser Situtation halt überhaupt nicht. Die Angst, keine Unterstützung mehr von Niemandem zu bekommen, ist wahrscheinlich zu groß. Ihre Mutter ist auch nicht gerade nett zu ihr. Ihr Vater ist tod. Da ist sonst wirklich niemand mehr, außer ich. Und ich dachte vor einigen Jahren, dass ich all dem entkommen kann, wenn ich endlich studiere und mich in meinem eigenen Leben zurecht finde. Dem war dann natürlich nicht so. Ich fühle mich mit dafür verantwortlich, bin aber selbst total hilflos. Meinem Vater ist nicht mehr zu helfen. Der ist absolut nicht einsichtig- nie gewesen.

      Es muss also noch irgendeinen anderen Ausweg aus alldem geben. Sie ist schon lange nicht mehr mit ihm glücklich, nur was soll ich ihr raten? Was kann ich tun?

      Hat jemand anders auch Erfahrungen mit einer Unglücklichen Ehe, aus der ein Partner vielleicht raus möchte, aber das Gefühl hat, es nicht zu können. Die Trinkerei ist schon sehr belastend. Man kann sich mit ihm ja auch nicht zeigen. Aber einfach nur noch zusehen geht auch nicht mehr. Ich bin um jeden Rat dankbar.
      Vielen Dank fürs Lesen!!

      • (2) 30.08.15 - 19:45

        Meine Mutter ist auch Alkoholikerin (allerdings seit über 30 Jahren trocken). Mein Vater hat sie verlassen als wir noch kleine Kinder waren.

        Du schreibst, dass Dein Vater Alkoholiker ist, Du aber nicht verstehst, warum er trinkt.
        Alkoholiker bedeutet Alkoholabhängigkeit, d.h. er kann gar nicht anders. Trotz Job, Haus usw,

        Du schreibst, Deine Mutter hätte ihn längst verlassen wenn Du nicht da wärst. Nun bist Du zu Hause ausgezogen, aber sie ist immer noch da.

        Deine Mutter ist Co-abhängig, d.h. sie ist abhängig vom Abhängigen. Das ist eine nicht ungewöhnliche Entwicklung.

        Versuche sie zu einer Selbsthilfegruppe von Angehörigen von Alkoholkranken zu bewegen (z.B. Al-anon). Das wird ihr gut tun und sie wird sich mit der Zeit von Deinem Vater lösen können.
        Urlaub, Haus, gutes Geld sind vorgeschoben. Das alles ist nichts gegen sie Qual, mit einem Süchtigen zu leben.

        (3) 31.08.15 - 10:18

        "Ich verstehe nur auch nicht warum er trinkt."

        Das ist schlichtweg eine Krankheit. Mehr gibt es da auch nicht zu verstehen.
        Als solche kann sie möglicherweise behandelt werden (Garantie gibt es nie), aber eine Grundvoraussetzung ist die Mitwirkung des betroffenen.

        (4) 01.09.15 - 00:28

        Meine Mutter hat auch jahrelang getrunken und es nicht überlebt. Wenn er also nicht damit aufhört, wird er früher oder später sterben und dann steht deine Mutter allein da und muss allein zusehen, wie sie zurecht kommt. Irgendwann wird das mit dem Alkohol so schlimm, dass er eh nicht mehr arbeiten kann und auch da würde es finanziell schlechter werden für deine Eltern. Dessen sollte sie sich bewusst sein.

        Wenn sie ihn noch liebt und sie ihm helfen will, hilft vielleicht nur der große Knall. Alkohol oder Scheidung! Bei einem Verwandten von mir hat dieses Ultimatum dazu geführt, dass er von dem Zeug loskam.

        Wenn Sie doch lieber die Trennung will:
        Wie wäre es denn, wenn du deiner Mutter organisatorisch unter die Arme greifen würdest, damit sie sich traut, den schweren Schritt zu gehen. Klar, du hast dein Studium, aber für sowas bleibt schon die Zeit. Spreche da aus eigener Erfahrung. Oder sie zieht zu dir?! Wäre das eine Option?

        Alles Gute für euch!

      • (5) 01.09.15 - 13:58

        Hallo.

        Du schreibst, wenn du nicht wärst, wäre sie schon längst weg. Du bist aber nicht mehr da und sie ist immer noch bei ihm. Also schiebt sie dich vor. Wenn sie wirklich das nicht mehr mitmachen wollte, dann geht sie. Denn sie kann ihn nicht überzeugen, er muss es selber begreifen bzw. wollen. Aber ich denke mal, dass deine Mutter auf nichts verzichten möchte und deshalb dieses noch duldet. Und genau DAS weiß dein Vater auch. Wenn sie was ändern möchte, dann setzt sie ihm die Pistole auf die Brust. Sieht er das nicht ein bzw. nimmt es nicht in Angriff, soll sie ausziehen. Ich glaube, erst dann erkennt er den Ernst der Lage.

        Alles Gute.

        LG

        PS: Du solltest dich da raushalten und auch nicht schuldig fühlen. Vielleicht lässt du sie erst mal bei dir mit einziehen, wenn möglich.

        (6) 01.09.15 - 22:52

        Hey!

        Mein Vater ist ein trockener Alkoholiker seit 7 Jahren. Er war ein Quartalstrinker, also nicht täglich, aber wenn, dann richtig, bis zum völligen Kontrollverlust.
        Meine Kindheit war dadurch nicht immer schön und ich musste oftmals der "Erwachsene" sein, obwohl ich noch ein Kind war. Meine Eltern haben oft gestritten, wir Kinder viel geweint.

        Oft habe ich die ganze Nacht am Bett meines Vaters gesessen, weil ich Angst hatte dass er erbricht und dadurch erstickt und bin am nächsten Tag in die Schule.
        Meine Mutter und ich mussten ihn oft krank melden, wir waren beide Co-Abhängig.

        Irgendwann lag er sturzbrtrunken im Keller, die Augen starr aufgerissen und reagierte nicht mehr. Meine Schwester fand ihn, rief mich überfordert an und ich rief sofort den Krankenwagen. Er kam in die Klinik und musste Gespräche mit Psychiatern führen, einige aus dem Dorf bekamen das alles mit und seitdem, trinkt er nicht einen Schluck Alkohol mehr, er hat nie eine Therapie gemacht und trotzdem klappt alles super.

        Ich hoffe für uns alle dass das so bleibt.
        Dieser Schock ihn vermeintlich leblos dort liegen zu sehen, war das schlimmste und zugleich beste was uns hätte passieren können. Ohne diese Blamage für ihn würde er, da bin ich mir sicher, immer noch trinken.

        Liebe Grüße

      • (7) 08.09.15 - 22:48

        deine mutter ist co-abhängig und nicht in der lage, sich zu trennung. dazu noch benutzt sie dich als schutzschild und begründung und das finde ich wirklich schlimm. sie zieht dich in ihreabhängigkeit hinein, nicht von ungefähr ist alkoholismus eine familienkrankheit. du kannst nichts machen, solltest dich aber mental von jeglicher verantwortung distanzieren. nach 27 jahren wird deine mutter ohne externe hilfe niemals die trennung vollziehen. ich glaube auch nicht, dass sie das wirklich will, denn alles finanziellen konsequenzen hätten in fast 3 jahrzehnten beiseite geschafft werden können, indem sie ihr eigenes geld verdient hätte. auch jetzt wäre das für mich kein grund, bis zu wessen tod auch immer zu bleiben. deine mutter ist genauso abhängig wie dein vater und tough sicher nicht, wenn sie nicht ihrer kinder zuliebe eher ausgestiegen ist. auch du brauchst vllt jetzt schon hilfe, weil alles abhängig in dieser konstellation sind.
        alles gute!
        v

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