Fragen zu Trennungsformalitäten

    • (1) 04.09.15 - 15:31

      Hallo an alle,

      ich habe mich von meinem Mann getrennt. Wir wollen uns im guten einigen, d. h. alles ohne Anwalt regeln.

      Nun einige Fragen:
      Wo und wie "beantrage" ich das Trennungsjahr? Es muss doch sicherlich irgendwo nachgewiesen werden, ab wann die Trennung stattfindet.
      Kann jeder sein eigenes Vermögen behalten oder muss das aufgeteilt werden? Wir sind immer gut gefahren, dass jeder seinen "Überschuss" an Geld für sich zur Verfügung hat und wir hätten das auch gern zur Trennung so. Wir haben keinen Ehevertrag.
      Können wir uns auf den Kindesunterhalt selbst einigen? Ich würde ihm das gegenzeichnen, damit ich ihn dann nicht auf zu geringe Unterhaltszahlung verklagen kann. Muss das ein Notar beurkunden?

      Bevor hier einige schreiben wir sollen uns anwaltlich beraten lassen, greift in diesem Falle unsere Familienrechtsschutzversicherung? Übernimmt die also einiges an Beratungskosten?

      Gibt es sonst noch wasa zu beachten?

      Vielen Dank für eure Ratschläge

      • Hallo,

        das, was alles friedlich regelt, ist eine Scheidungsfolgenvereinbarung. Da könnt ihr notariell absichern, wann der Trennungszeitpunkt sein soll, wie ihr Hausrat, Familienwohnung, Vermögen aufteilt oder ggf. den Verzicht auf Zugewinnausgleich erklären. Ihr könnt euch auch auf eine Unterhaltszahlung einigen. Sowie klären, wie der Umgang mit den Kindern aussehen soll bzw. wo sie leben sollen.

        Dabei gilt es zu beachten, dass ihr zwar völlig frei in der Gestaltung eurer Unterhaltsvorstellungen seid, allerdings nur, solange dadurch keine Bedürftigkeit entsteht, die die sozialen Kassen auffangen müssen. Wenn Du oder die Kinder bedürftig werdet und er weniger zahlt, als er zahlen müsste, dann wäre der Vertrag, weil er zu Lasten Dritter geht, nichtig.

        Die Familienrechtschutz hat i. d. R. solche Streitigkeiten untereinander ausgeschlossen und wird die Kosten nicht übernehmen.

        Wenn ihr eine solche Scheidungsfolgenvereinbarung abgeschlossen habt (der Notar ist neutral), reicht es, wenn sich dann einer von euch einen Anwalt nimmt und die Scheidung beantragt.

        LG

        Du teilst dem Finanzamt mit, das ihr getrennt seid und ab nächstes Jar getrennt veranlagt werdet. Wenn du/er ausziehst, meldest du dich um, fertig.

        Wie schon geschrieben: Wie ihr Finanzen und Vermögen aufteilt, ist ganz eure Privatangelegenheit, solange keiner von euch beiden finanzielle Unterstützung beantragen muss.

        Das Trennungsjahr beantragst du bei deinem Mann ;-). Du sagst ihm einfach, daß ihr ab jetzt getrennt seid. Im Internet gibt es ein Formular für das Finanzamt. Das füllst du aus und teilst so auch offiziell dem Finanzamt deine Trennung mit. Da ist nur eine Unterschrift nötig. Das Finanzamt ändert dann automatisch die Steuerklassen beider Eheleute im nächsten Jahr. Zu eurer eigenen Sicherheit könnt ihr euch ja kurz nach der Meldung mal einen Ausdruck eures Datenblattes von Elstam schicken lassen.
        Bei Kindern ist das immer so eine Sache. Sobald Kinder involviert sind, informiert unser Amtsgericht automatisch IMMER das Jugendamt. Das ist einfach ein Angebot, kein Zwang. Möglich wäre jetzt, dass dein Mann zum Jugendamt geht und dort die Titulierung des Kindesunterhalts vornehmen lässt - es ist eben kostenlos, das ist der Vorteil. Beim Notar kostet die Titulierung selbst auch nichts, aber es kommen Schreibgebühren, Porto,...
        Wieviel ihr dort festlegen lässt, ist eure Sache. Es muss tituliert werden, was ihr (bzw. dein Mann) wollt und nicht, was irgendein Notar oder Jugendamtmitarbeiter will.
        Ihr könnt es so behalten, wie ihr wollt. So ein Notar ist unheimlich teuer. Überlegt euch gut, ob das nötig ist. Ich habe den Notar für die Scheidungsfolgevereinbarung gebraucht wegen dem Unterhalt für mich - das war der einzigste Grund. Der Rest, was da drin steht waren Kleinigkeiten. Deswegen hätte ich nie dieses Geld ausgegeben. Wir waren uns auch in allem einig, aber den Unterhalt könnte ich nicht einfach per Handschlag besiegeln.
        Wichtig ist einfach, dass ihr alles allein regelt vor dem Scheidungstermin. Und dann, naja ab der Klage brauchst du sowieso einen Anwalt. Das hat nichts mit Beratung zu tun, sondern damit, dass die Scheidungsklage nur ein Anwalt einreichen darf. Einer von euch Beiden MUSS also anwaltlich vertreten sein. Der Andere darf vor Gericht ohne Anwalt dann keine Anträge mehr stellen. Das muss euch klar sein. Es ist also schon eine Portion Vertrauen.
        Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Scheidung teurer war als die Hochzeit - und das obwohl es eine einvernehmliche Scheidung war und wir echt alles selbst gemacht haben.

        • @kati543
          Wir sind uns im großen und ganzen auch einig, nur fehlt gegenseitig das Vertrauen, dass das dann auch so durchgezogen wird. Und wie ist das dann wenn wir vorm Scheidungsrichter stehen und wir nichts schriftlich vereinbart hätten? Ich meine Zugewinnausgleich ist doch, dass Vermögen und auch Rentenansprüche geteilt werden? Oder nicht?
          Wir besitzen kein besonders großes Vermögen, nur erspartes. Keine Immobilie, nichts.

          Das ich für die Scheidungsklage einen Anwalt brauche, ist mir bewusst und dass dieser bezahlt werden will, auch. Reicht es, wenn einer einen Anwalt beauftrag, wenn die Scheidung beiderseits gewollt ist?

          Neulich waren wir bei der Lohnsteuerberatung. Die gute Frau meinte, man könne die Lohnsteuerklasse (in unserem Falle 4/4) bis zur Scheidung belassen. Dann hab ich ja aber auch keinen Nachweis, dass wir getrennt lebend sind.
          Da fällt mir doch grad ein, wenn wir uns angenommen für die Scheidung Zeit lassen und nur getrennt leben...wie ist das dann, wenn einer einen Kredit nimmt. Muss der Noch-Ehegatte im Ernstfall dafür bürgen?

          Ich habe von nichts eine Ahnung und weiß jetzt schon nicht wo ich anfangen soll.#schwitz

          • Die gute Frau in der Lohnsteuerberatung hat schlichtweg gelogen und dich zur Steuerhinterziehung angestiftet ... tztztz. Man meldet die Trennung dem Finanzamt. Ab dem 1.1. des Folgejahres sind beide Ehepartner in der 1 bzw., wenn Kinder vorhanden sind und ein Ehepartner Alleinerziehend ist in der 2.

            Du brauchst keinen Nachweis, dass du getrennt lebend bist. Das muss dein Ehepartner bestätigen. Das ist eine Sache zwischen euch Beiden. Niemand darf euch da reinreden. Ihr dürft solange getrenntlebend sein, wie ihr wollt (bestes Beispiel unserer Präsident), aber immer gilt, dass ab dem Folgejahr die Lohnsteuerklasse 1 bzw. 2 ist.

            Bei fehlendem gegenseitigem Vertrauen würde ich persönlich NIEMALS in eine Scheidung gehen ohne Anwalt. Bei uns war es damals so, dass zuvor alles festgelegt werden musste. Die Klageschrift war entsprechend verfasst. Der Zugewinnausgleich ist das Vermögen, aber die Rentenansprüche teilt das Gericht - das ist der Versorgungsausgleich. Das kann man versuchen auszuschliessen (in der sehr teuren Scheidungsfolgevereinbarung), aber die Frage ist, ob es erfolgreich ist. Bei vorhandenen ehelichen Kindern ist es sehr unwahrscheinlich.

            Wir sind zu Beginn des Trennungsjahres zum Anwalt gegangen und haben für 200€ eine Erstberatung genommen - er hat uns gesagt, was wir bei der Scheidung letztendlich alles brauchen und dass wir erst in knapp einem Jahr wiederkommen brauchen wegen dem Trennungsjahr. Im Trennungsjahr haben wir versucht alles zu teilen. Zunächst die Wohnung (sind zusammen wohnen geblieben), Konto, Kindesunterhalt, geklärt, wer, welche Rechnungen in welcher Höhe zahlt.

            Nach einem Jahr sind wir wieder zum Anwalt. Da habe ich dann den Vertrag unterschrieben. Es war mein Anwalt. Der Anwalt brauchte eine ganze Menge Unterlagen. Aber egal, man hat ja alles da. Der Unterhaltstitel für die Kinder kam auch zu den Akten und dann wollte er erst einmal eine pauschale Vorauszahlung von 1000€. Die Gerichtskosten allein kamen über 500€. Scheidung ist teuer... Der Anwalt hat dann das Geld an das Gericht gezahlt und die Klage eingereicht. Das Gericht hat dann meinen Mann angeschrieben, die Klage in Kopie geschickt und gefragt ob das Trennungsdatum stimmt und ob er anwaltlich vertreten ist. Falls nicht, wurde er gleich belehrt.
            Dann kamen irgendwann die Formulare für den Versorgungsausgleich und die Information wegen dem Jugendamt. Die Formulare wurden ausgefüllt, zurückgeschickt und die RV schickte ganz komische, ellenlange, nicht zu verstehende Ausdrucke der Rentengeschichte und wie die Punkte nun verteilt wurden.

            Tja...und dann schickte das Amtsgericht einen Termin zur Verhandlung.
            Muss man sich auch nicht vor fürchten. Bei uns war das eher so ein "Sekretärinnenbüro". Die Richterin hätte man als solche nicht erkannt, wenn sie nicht die Ehe geschieden hätte. Sie hatte ganz normale Kleidung an. Erst wurden die Ausweise überprüft, nochmals das Trennungsdatum auf die Gültigkeit abgefragt und dann ein haufen Kram vorgelesen. Dann blieb sie an unserem Heiratsort hängen (Dänemark) und berichtete von ihrem Urlaub dort und mein Anwalt machte mit...so zog sich das "etwas" in die Länge. Dann kam das Urteil - hochoffiziell mit offener Tür (wegen der Öffentlichkeit) und im Stehen und dann die Kostengeschichte noch und das war es dann.

      Ergänzend: ans Finanzamt müsst ihr euch nur wenden, wenn ihr die Steuerklassen noch für 2015 ändern wollt, zB von 3/5 auf 4/4.

      Wenn einer von euch auszieht und das der Meldebehörde bekannt gibt, erfolgt zum Jahreswechsel seit ELSTAM automatisch ein Wechsel auf 1/1. Nur die 2(Entlastungsbetrag

      • (8) 06.09.15 - 19:48

        *grrr* versehentlich auf Senden gekommen.

        Nur die 2 (Entlastungsbetrag für Alleinerziehende) muss wieder beim Finanzamt beantragt werden, wenn du es dir nicht erst beim Einreichen der Steuererklärung holen willst.

        LG

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