Freund trennt sich eine Woche vor Geburt

    • (1) 01.06.16 - 04:16

      Hallo,
      ich wollte hier eigentlich nie etwas schreiben, aber ich weiß einfach nicht mehr weiter.
      Mein Freund und ich sind seit 6 1/2 Jahren ein glückliches Paar. Klar gab es schon ein paar Mal die ein oder andere Krise aber das haben wir immer gemeistert.
      Seit nun ca. 5 Wochen merke ich ihm an, dass er sich immer mehr von mir distanziert. Er ist Fernfahrer und meldete sich kaum noch die Woche über und auch am Wochenende ging er mir größtenteils aus dem Weg, erzählt nichts mehr usw.
      Hab ihn dann jeden Tag gefragt, was los ist. Er sagte immer, dass nichts ist und alles in Ordnung ist, ich mir keine Gedanken machen soll und ich mich auf die Geburt konzentrieren soll (die steht jetzt unmittelbar bevor, gestern war Termin). Habe aber nicht locker gelassen und schlussendlich gefragt, ob er mich denn noch liebt. Er sagte er weiß es nicht. Das war jetzt vor zwei Wochen. Letztes Wochenende meinte er dann schon, dass er nicht weiß ob das alles noch Sinn macht und er das alles nicht mehr will. Habe ihm diese Woche noch Zeit gelassen, weil wir ausgemacht hatten, dass wir die Geburt abwarten und dann mal sehen wie sich alles entwickelt. Habe aber von seiner Mutter diese Woche erfahren, dass er seinen Eltern schon gesagt hat, dass es aus ist zwischen uns. Gestern haben wir uns nochmal gesehen und er meinte wieder-sicher und entschlossen- dass nichts mehr ist wie es mal war und es irgendwann nicht mehr geht. Gleichzeitig umarmt er mich aber und weint auch, weil ihm 'alles so leid tut'. Er will trotzdem bei der Geburt dabei sein und auch im Familienzimmer im Krankenhaus mit bleiben und wohl auch die erste Zeit zuhause da sein. Mehr aber nicht, er ist sicher, dass es zwischen uns nicht mehr wird. Kann mir aber nicht erklären warum.
      Die Frage nach einer anderen hat er immer verneint, auch seinen Eltern gegenüber.
      Ich bin total verzweifelt, weiß nicht wo ich hin soll und wie die Geburt werden wird.
      Die klitzekleine Hoffnung, dass sich mit der Geburt noch was ändert habe ich noch.

      Wie seht ihr das? Ich liebe ihn über alles und will ihn auf keinen Fall verlieren. Möchte doch einfach nur glücklich werden als Familie und als Paar.

      • Hallo,

        >> Kann mir aber nicht erklären warum.
        Die Frage nach einer anderen hat er immer verneint<<

        Klarer Fall von kalten Füßen.

        dich so kurz vor der Geburt hängen zu lassen ist mehr als egoistisch und zeugt von seinem Kleingeist. Scheinbar ist er einer dieser Männer, die denken "nach der Geburt hat es sich für mich ausgelebt" ...

        Babys sind toll, süß.. aber ein eigenes? Oh, Gott. Die Verantwortung! Keine Zeit mehr für sich, keine Zeit mehr als Paar. Das will er dann doch noch nicht.
        Und das gibt es bei Männern sogar ganz unabhängig vom Alter.

        Es gibt eine Untersuchung dazu, dass Männer am schnellsten dazu geneigt sind, sich schwach und machtlos zu fühlen, in einer Zeit, in der die Frau am stärksten sein muss - und das ist ganz klar: Die Geburt.

        Damit scheint dein Freund nicht zurecht zu kommen.

        Er muss dringend erwachsen werden und sich dessen bewusst sein: Wer Sex hat, der kann auch Vater werden. Und das wird er jetzt. Mit allen Vor- und Nachteilen.

        Eng ihn am besten momentan nicht ein. Sprich ihn vielleicht mal auf meine Vermutung an - du wirst sehen was er dazu sagt.

        Ihn jetzt unter Druck zu setzen ist in seiner emotionalen Fluchtsituation kontraproduktiv.

        Konzentriere dich auf die Geburt - wenigstens hat er genug Pflichtbewusstsein dich dabei nicht im Stich zu lassen.

        Dann stelle dich auf ein Leben als alleinerziehende Mama ein. Erzwingen kannst du seine Liebe nicht.

        ABER: Wer weiss... vielleicht findet ihr wieder zusammen. Wenn das Kind erst einmal da ist und er sich eventuell in sein kleines süßes Wunder verliebt. Möglicherweise nähert ihr euch dann wieder an und er erkennt, dass seine Ängste, die er scheinbar in seinem Katastrophenkino im Kopf hegt, völlig unbegründet sind.

        Alles Gute wünsche ich dir #klee

        • Danke für deine Antwort.
          Ja...das kann ich mir schon vorstellen, dass er sich deswegen so verhält. Aber deswegen gleich Schluss machen und so ein Arsch sein in der Situation? Er sagt zwar ihm geht es alles genauso nah, aber redet darüber als wäre nichts. Vorhin meinte er: "ich hab mir das auch alles anders vorgestellt, so wie es sein soll, aber wir müssen jetzt so damit klarkommen."
          Und ich meine, er sagt ja, er weiß dass jetzt bald etwas sehr schönes passieren wird aber es zwischen uns einfach nicht mehr passt.
          Wir haben seit Anfang des Jahres sogar ein Haus zusammen geplant. Sowas macht man doch nicht, wenn man, wie er sagt, schon länger mit dem Gedanken kämpft es funktioniert nicht mehr. Aber angeblich dachte er, er bekommt das wieder hin.

          Er wollte wohl wenigstens warten, bis das Baby da ist, bevor er mit der Hiobsbotschaft um die Ecke kommt. Jetzt frag ich mich natürlich, wäre es besser gewesen einfach abzuwarten und es wäre danach von allein wieder besser geworden!?

          Ich verstehe nicht, wie man alles so hinschmeißen kann, nach der ganzen Zeit, es war alles gut und gerade jetzt..
          Jetzt frage ich mich auch, ob es gut ist ihn zur Geburt mitzunehmen? Ob er mir da eine Hilfe ist? Normalerweise möchte ich ihm dieses Erlebnis auch nicht vorenthalten, wenn er schon mit will. Vielleicht ändert es auch irgendwas an seinem Empfinden. Auf der anderen Seite: Wenn ich ihm vor vollendete Tatsachen stelle und ihm Bescheid sage, wenn das Baby da ist. Das wäre so verletzend für ihn, dass er vielleicht mal merkt, was er mir und dem Kind antut. Aber dann würde ich jetzt schon anfangen unsere Konflikte über das Kind auszutragen, was sicher nicht richtig ist. Ich weiß gerade nicht was richtig und falsch ist.

          • Ich verstehe deine Verwirrung absolut.

            Aber so ein Verhalten ist nicht rational zu erklären.

            Es ist wirklich nur die Angst die er hat. Die Angst vor der Einschränkung, vor der Verantwortung. Er verhält sich absolut klassisch. Er kann dir keine genaue Erklärung liefern, außer, dass es nicht mehr klappt oder oder oder...

            Ich zweifel nicht daran, dass er Zukunftspläne hatte. Aber seine Angst vor der neuen Aufgabe hat ihn scheinbar zu dieser Fluchtreaktion getrieben, dass alles andere zu stark in den Hintergrund gerückt ist.

            Ich fände es falsch, wenn du ihm die Geburt verwehrst. Er ist der Vater und er zeigt Interesse dir da bei zu stehen. Das solltest du ihm jetzt nicht aus Trotz verwehren.

            Vielleicht findet er sich nach der Geburt doch noch in seiner neuen Rolle ein.
            Das zeigt aber nur die Zeit...

            • Ich hoffe so sehr, dass du recht hast und er ' nur Angst' hat. Und sich doch wieder besinnt, auf was er verliert. Und dass er mich doch liebt. Das kann doch nicht alles einfach so weg sein. Das Warten und Hoffen- mal mehr, mal weniger- macht mich wahnsinnig.
              Mich machen seine Aussagen so nachdenklich:
              "Manchmal passieren halt komische Sachen im Leben", " Bei dir ist vielleicht nichts passiert, aber bei mir", "Ich wollte warten bis ich es dir sage, bis das Baby da ist", "Mach dir erstmal keine Sorgen, ich bin trotzdem da und helfe"...was soll man davon halten?!

              Ich versuche zur Zeit mich mehr auf die anstehende Geburt zu konzentrieren. Weiß aber nicht, was danach wird? Wir haben eine Wohnung zusammen, von der er jetzt sagt es ist 'seine', aber ich kann erstmal da bleiben (er allein steht auch im Mietvertrag). Er schläft im LKW oder bei seinen Eltern zur Zeit. So viele Fragen, die mich gerade beschäftigen...muss ich ausziehen, wenn das Kind ein paar Wochen alt ist? Wir haben doch hier alles für unser Baby fertig gemacht. Wo er auch sagt, ihn macht das ganz schön fertig und traurig das ganze Zeug zu sehen.
              Ich weiß gar nicht wo ich hin sollte mit einem Säugling, zurück zu meiner Mutter? In mein altes Kinderzimmer? Kommt für mich kaum in Frage..
              Ich sage mir zwar immer...erstmal abwarten was hier jetzt passiert und wie es weitergeht. Aber nach unserem Telefonat vorgestern hab ich immer mehr das Gefühl er hat schon zu sehr abgeschlossen mit der Sache...

              • >>"Manchmal passieren halt komische Sachen im Leben", " Bei dir ist vielleicht nichts passiert, aber bei mir", "Ich wollte warten bis ich es dir sage, bis das Baby da ist", "Mach dir erstmal keine Sorgen, ich bin trotzdem da und helfe"...was soll man davon halten?!<<

                Ja, das sind genau diese uneindeutigen Aussagen, die ich meine.
                Er kann dir keinen genauen Grund nennen, weil er seine Ängste nicht definieren kann/will.

                Ich wünsche dir wirklich, dass dein Freund seine Eier wieder findet, noch bevor es Ostern ist..

                Ich drücke dir jedenfalls ganz fest die Daumen, dass er sich doch noch besinnt.

                LG

        • Hallo,
          eine Geburt ist kein Happening für den Vater sondern eine intime und anstrengende Erfahrung für Dich. Jeder der ausser Dir noch dabei ist sollte das nicht für sich tun sondern um Dich zu unterstützen. Dazu bedarf es ganz klar ein gewisses Vertrauensverhältnis.

          Wenn das momentan nicht gegeben ist enthältst Du ihm das nicht vor und trägst auch nicht den Konflikt über das Kind aus sondern ziehst die logische Konsequenz aus seinem Verhalten. Wenn Du ihn mitnehmen möchtest ist gut, wenn du das aber nur tust weil du denkst es gehört sich so dann lass es.

          Bedenke bitte auch das sich die Anwesenheit von Personen auch auf den Geburtsverlauf auswirkt.

          LG

          • Ich habe mich jetzt dazu entschieden ihn mitzunehmen. Außerdem wird meine beste Freundin dabei sein. Dann kann ich ihn immernoch wegschicken, wenn ich es nicht ertrage ihn dabei zu haben. Und bin trotzdem nicht allein.

        Bestimmt könnte ich mich nicht entspannen, wenn im Kreißsaal mein Ex anwesend wäre, der mir nicht mehr so zur Seite stehen kann, wie er es noch vor wenigen Wochen hätte leisten können. Händchenhalten, Massagen, liebevoller Zuspruch.. das fehlt dann ja alles, er wäre praktisch nur noch der Zuschauer.

        Rede mal mit der Hebamme.

    Nur zur Info:

    Gilt deine Absicht in beide Richtungen?

    Wenn sich also die Frau getrennt hätte und er schreibt hier, wäre die Frau dann von dir auch als kleingeistig und egoistisch tituliert worden?

    Zur Klarstellung. Ich sage nicht, dass deine Einstellung nicht in Ordnung ist. Ich möchte nur wissen ob sie auch in beide Richtungen geht.

    Irgendwie habe ich nämlich den Eindruck, dass wenn die Frau sich trennt hier mit zweierlei Maß gemessen wird.

    • Nein, das geht schon in beide Richtungen.

      Ich habe auch den selben Eindruck wie du, dass Männer hier generell die "Bösen" sind... sei es beim Thema Fremdgehen, Trennungen oder Kindsbetreuung.

      Wenn eine Frau aber die selben "Fehler" macht, dann wird ihr entweder zugesprochen oder ihr auf den Kopf getätschelt.

      Ich wundere mich auch immer wieder darüber.

      Da ich aber Mann und Frau für sozial gleichberechtigt befinde, gebe ich meine Posts hier subjektiv ab, ohne dabei Unterschiede beim Geschlecht zu machen.

Denke mal, dass er nur kalte Füße bekommen hat. Warte mal paar Wochen ab und dann weißt du mehr.

Top Diskussionen anzeigen