Aufenthaltsbestimmungrecht - die Seele der Kinder

    • (1) 13.09.16 - 10:57

      Hallo ihr Lieben,

      ich befinde mich in einem Sorgerechtsstreit mit dem KV, das ist nach der Trennung sicherlich jetzt nichts Ungewöhnliches. Bei allen Beschuldigungen und allem Hin- und Her habe ich momentan allerdings Sorge um die Kinder.

      Das Gericht hat im Mai die Kinder dem KV zugesprochen, sie mussten ausziehen aus ihrere gewohnten Umgebung und zu ihm und seiner neuen Lebensgefährin. Schule, Hort, Freundeskreis - alles ist bei mir um die Ecke, auch meine Arbeitszeiten sind günstiger, ich bin eher daheim. Wie auch immer. Das Ganze ist nun beim OLG und ich hoffe auf baldige Klärung.

      In der Zwischenzweit wurde mir ein sehr eingeschränktes Umgangsrecht vom KV zugesprochen, ich sehe die Mädchen (fast 7 und 8 Jahre alt) nur donnerstags und jeden zweiten Montag und jedes zweite Wochenende. Die Mädchen leide darunter, dass jeglicher Zusatzumgang blockiert wird - auch darf ich sie keine Minute eher abholen, als vom KV gewünscht.

      Seit zwei Tagen geht es der Älteren nun wieder schlecht, sie hat ständig Bauchschmerzen, bettelt mich unter Tränen, nicht in die Schule gehen zu müssen. Dabei ist nicht die Schule das Problem, sondern die Tatsache, dass sie danach zum Hort und im Anschluss zur Wohnung des KV und dessen Lebensgefährtin muss. Dort herrschen nach Aussagen der Kinder eigenartige Erziehungsmethoden. Ich bin mir bewusst, dass in dieser heiklen Situation jeglichen Aussagen der Kinder auch mit einer gewissen Portion Vorsicht zu genießen sind, allerdings macht es mich nachdenklich und traurig. Sie würden oft bestraft werden, müssten dann putzen (als Strafe) oder auf der Treppe vor der Wohnugn sitzen. Nun gut - jeder hat seine Methode, doch diese Art von "Erziehung hat der Vater nie angewandt, erst jetzt seit der neuen Beziehung ist es so.

      Heute rief mich die Ältere mehrmals aus der Schule an, bereits heute Morgen bettelte sie, bei mir bleiben zu dürfen. Sie nahm mein Handy und wollte allen schreiben, dass sie heute bei mir bleiben wird. Ich habe sie nun nach mehrstündigen Drama zu mir geholt. Man bedenke - eigentlich habe ich heute keinen Umgang. Der KV oder gar die Lebensgefährtin sind allerdings nicht da. Dem habe ich jetzt eine Mail geschickt, dass ich das Kind 1-2 Stunde beruhigen soll und dann zum Hort oder auch zu seiner Wohnung gebracht wird. Ich rechne mit Aufruhr und vielen Anschuldigungen. Ich mache mir natürlich Sorgen, dass das Ganze wieder gedreht wird und mir unterstellt wird, ich hole das Kind unberechtigt zu mir.

      Hat jemand Ähnliches erlebt? Kann man eigentlich auch gegen ein nutzloses und parteiisches Jugendamt klagen? Die stehen mir nämlich null zur Seite und unterstützen den Vater. Aussage: wenn ich ihm nicht so viel Umgang gestatte, wie er will, dann bekommt er eben die Kinder zugesprochen. Hintergrund: er arbeitet viel, ist ab 7 Uhr morgens außer Haus und erst nach 19 Uhr zurück, auch regelmäßig auf Geschäftsreise, ich bin flexibler. Alles hat nichts genützt und die Kinder durchleben jetzt eine Zeit, die sie überwiegend in Fremdbetreuung verbringen und in der der Kontakt zu mir gering gehalten wird. Wenn sie bei der Übergabe weinen, wird geschimpft.

      Ich habe jetzt im Sinne meiner älteren Tochter entschieden - kann das nach hinten losgehen? Muss ich ein weinendes, bettelndes Kind stehen lassen, nur, weil der Vater das so bestimmen darf? Warum wird eine Mutter bestraft, die kein Wechselmodell will, weil es logistisch völliger Unsinn ist und nur zu Lasten der Kinder durchgeführt werden kann?

      Verzweifelte Grüße,
      jbb

      • (2) 13.09.16 - 11:16

        Hallo

        ich finde Du hast im Sinne des Kindes gehandelt,allerdings sollte man dem Verhalten des Kindes auf den Grund gehen.

        Was ich mir allerdings nicht vorstellen kann ist das Kinder nur deshalb aus ihrem sozialen Umfeld gerissen werden weil die Eltern sich über den Umgang nicht einigen können.
        Ich denke da fehlen ein paar Hintergründe deiner Geschichte um hier tatsächlich beurteilen und raten zu können.

        • (3) 13.09.16 - 11:29

          Danke für Deine Meinung. Ich kann versuchen, kurz zu erklären. In der Entscheidung steht als Begründung tatsächlich drin, dass so entschieden wird, weil der Vater das Wechselmodell möchte, die Mutter aber nicht. Daher bin ich auch so ratlos. Ich will es tatsächlich eher nicht, allerdings wird es so jetzt vom KV auch nicht gelebt. Es gab natürlich Streitereien zwischen den Eltern (nicht vor den Kindern) und auch Mediationstermine. Weitere Fakten sind, der Vater ist Engländer, kann in den meistern Situationen ohne Dolmetscher nicht handeln. Ich bin mittlerweile für den Versuch eines Wechselmodells offen, allerdings sollte doch endlich mal die Kinder (allein) gehört werden um deren ehrliche Meinung in Erfahrung zu bringen.

          Dem Verhalten wollte ich auf den Grund gehen - eine Therapietermin zu bekommen ist schwer. Besonders, wenn der KV das Aufenthaltsbestimmungsrecht hat und mich dahingehend nicht handeln lässt. Ich werde es weiter versuchen, denn das Kind leidet offensichtlich. Am Montag kommt eine Gerichtspsychologin zum Gespräch, vielleicht gibt das Aufschluss.

      (4) 13.09.16 - 11:47

      Ich glaube auch, dass da ein paar Infos fehlen. Sorry, aber keiner Mutter wird ihr Kind einfach so "genommen", parteiisches Jugendamt hin oder her. Kein Kind wird von seiner Mutter und seiner gewohnten Umgebung getrennt, weil der Vater das Wechselmodell möchte und die Mutter nicht zustimmt. Schon garnicht, wenn der Vater offensichtlich sehr viel arbeitet und darum kaum Zeit für seine Kinder hat, sich schwer mit der Verständigung tut usw. Würde das Gericht auf Seiten des Vaters stehen, hättet ihr wohl eher eine 50/50-Aufteilung der Betreuung.

      Nunja. Sollte ich falsch liegen, tut es mir leid, aber ich trau der Sache nicht so ganz.

      • (5) 13.09.16 - 12:16

        Danke. Ich kann diese Nachfrage verstehen und nur noch einmal sagen, dass es wirklich so ist. Daher auch die Klage an das OLG. Es soll unbedingt ein Wechselmodell stattfinden, was natürlich hinterher keiner kontrolliert.

        Die Basis der Entscheidung liegt darin, dass der Vater sich dafür spricht, die Mutter (ich zitiere) "unkooperativ" ist und es nicht will - daher ist es sinnvoller, es dem Vater zuzusprechen um es durchzusezten. Das klingt wie ein schlechter Scherz - ist mir auch klar. Er hätte ein tolles Betreuungsmodell ausgearbeitet und das wäre doch wunderbar für die Kinder. Wenn ich das so schreibe, bin ich auch wieder fassungslos. Es sind übrigens zwei Kinder.

        • (6) 13.09.16 - 19:01

          Huhu,

          also erstmal glaube ich dir. Ich habe schon eine Menge kurioser Umgangsrechtsurteile gesehen. Auch was Fahrtkosten zur Wahrnehmung des umgangsrechts betrifft. Als ob die Richter auf nem anderen Planeten leben. Und es ist tatsächlich so, dass die derzeitige Rechtssprechung wesentlich väterorientierter ist als früher. Das finde ich im Grunde aber gar nicht schlecht. Dein Fehler war halt keinem Vergleich zu zustimmen. Richter mögen es nicht wenn sie gezwungen werden ein Urteil zu schreiben. Das lassen Sie einen auch spüren. Beruflich erlebe ich das oft, wenn ich keinem Vergleich zustimme und der Richter das Urteil schreiben muss, dann krieg ich meistens ne Schippe drauf. Aber das hilft dir ja jetzt erstmal nicht weiter.

          Wie verhalten sich denn die Kinder dem Vater gegenüber? Merkt er das nicht, dass die Kinder dort nicht leben wollen? Ging das mit der Trennung und der neuen Lebensgefährtin sehr schnell? Wenn ja, dann sind deine Kinder vielleicht noch nicht ganz angekommen und es wird noch? Gibt es nicht eine Altersgrenze ab der die Kinder es selbst entscheiden können? Vielleicht könnte man diese abwarten?

          Dein Ex wird sicher sauer sein wegen dem abholen vom Hort. Ich denke aber nicht, dass es rechtliche Konsequenzen hat. Er wusste ja Bescheid und das Sorgerecht hast du ja auch. Ich würde es aber vielleicht nicht nochmal machen. Einfach, weil die Kinder sich sonst nie in der Situation zu recht finden. Wenn Mütter und Vater vor den Kindern nicht an einem Strang ziehen, dann macht es das ganze bestimmt noch komplizierter.

          Wegen dem Jugendamt... Du kannst das Jugendamt deshalb wohl eher nicht verklagen aber hast du dich schriftlich beschert? Da besteht zumind. die Chance, dass noch ein Vorgesetzter in die Akte guckt. Ob das dann viel bringt weiß ich nicht.

          Ich wünsch dir viel Kraft!

          • (7) 14.09.16 - 09:17

            Danke für Deine Antwort. Ich hatte auch das Gefühlt, dass ich "bestraft" werde, weil ich dem Vergleich nicht zustimmen wollte. Richter wollen nicht gezwungen werden - dafür zwingen sie aber mich, und es funktioniert nicht, denn am Ende findet auch jetzt kein Wechselmodell statt (das war ja schließlich die ganze Argumentationsgrundlage).

            Die Kinder äußern seit ca 1 Monat, dass sie zu mir wollen. Dafür werden sie ausgeschimpft. Der Vater war nach 3 Monaten unserer Trennung mit der neuen Partnerin zusammen und zog ca 1 Monat später bei ihr ein. Sofort wollte er auch die Kinder dort haben. Ich glaube, Kinder können erst ab 14 selbst entscheiden, das ist noch eine ganze Weile. Allerdings werden sie auch jetzt schon gehört.

            Natürlich war er sauer, allerdings hatte ich nie vor, dass Kind einfach "zu behalten". Ich wollte nur, dass sei sich beruhigt, gehört fühlt und dann weiter durch den Tag gehen kann. So ist es auch geschehen, von den Beschimpfungen des Vaters mal abgesehen. Sie war 2 Stunden bei mir und dann habe ich sie zurück gebracht. Ich nehme sie auch nicht einfach so aus der Schule, aber gestern ging es ihr wirklich sehr schlecht und das konnte ich nicht ignorieren. Ein bisschen Einfühlungsvermögen für die Befindlichkeiten der Kinder muss schon her. Natürlich sollten sie ihrer Schulfplicht nachkommen, aber nicht um jeden Preis.

            Das Jugendamt lasse ich vorerst in Ruhe - denn am Montag kommt die Gutachterin zu uns. Auf dass es besser wird.

            Danke und liebe Grüße, jbb

            • (8) 14.09.16 - 10:30

              Also, wenn ich das Urteil der Richter ohne Gefühle betrachte, dann erscheint es mir sogar sinnvoll. Der Vater hat das selbe Recht auf den Umgang wie die Mutter. Ergo: 50/50 Wechselmodell. Du wolltest das nicht. Ergo: AUfenthaltsbestimmungsrecht bekommt der Vater damit das Wechselmodell durchgesetzt werden kann. Das ist mir nachvollziehbar.

              Jetzt kommen wir aber zu dem Punkt den ich nicht verstehe. Warum muss der Vater sich seinerseits nicht an ein 50/50 Wechselmodell halten? Hat man nur in dem Urteil nur über das AUfenthaltsbestimmungsrecht entschieden oder auch festgelegt wie das Umgangsrecht/Wechselmodell auszusehen hat? Das finde ich nämlich ziemlich dreist. Eine Enztscheidung per Gericht zu erwirken und dann sich dann nicht daran halten?

              Ich drücke dir wirklich die Daumen vor dem OLG und ich würde mir wünschen, dass der Wunsch der Kinder berücksichtigt wird.

              • (9) 14.09.16 - 10:53

                Danke für Deinen Beitrag. Prinzipiell ist richtig, dass jedes Elternteil das gleiche Recht, aber auch die gleiche Verpflichtung hat. Ich finde mich langsam damit ab, dass das Wechselmodell jetzt so in ist und auf Biegen und Brechen durchgesetzt wird. Aber:

                "Umgangrecht ist keine Pause in einem sonstigen Kontaktverbot.

                Ein wesentliches Missverständnis ergibt sich immer wieder aus der Annahme, außerhalb einer (festgelegten) Umgangszeit dürfe das umgangsberechtigte Elternteil das Kind weder sehen noch Kontakt zu ihm aufnehmen. Das ist nicht der Fall. Das Umgangsrecht regelt lediglich, wann und in welchem Zeitrahmen das Kind dem jeweiligen Elternteil zu übergeben ist und dieses Elternteil sodann auch die Alltagssorge wahrnimmt. In keiner Weise verbietet es dem anderen Elternteil währenddessen den Kontakt oder fungiert gar als eine Art Bannmeile."

                Was mich am meisten daran stört ist, dass es eben nicht statt findet. Genau das ist mein Punkt. Er erwirkt mit dieser Hauptbegründung ein Urteil und setzt dann etwas völlig anderes durch (das, was er bei mir partout nicht wollte) und verlangt als erstes von mir Unterhalt. Dass kann nicht im Sinne des Gerichts sein. Zum Umgang wurde bei der Entscheidung nichts gesagt! Es wurde darauf verwiesen, dass das bisher festgehaltene (Kinder hauptsächlich bei mir, da dort Schule und Lebensmittelpunkt, Di und Mittwoch beim Vater sowie jedes zweite Wochenende) sinnvoll ist und so weiter durchgeführt werden sollte. Als Empfehlung... Daran wird sich nicht gehalten - es wurden eigene Regeln und Verbote aufgestellt. Ich finde es auch nicht in Ordnung, dass der KV meint, er könnte mir verbieten, die Kinder außerhalb der Umgangszeiten zu sehen, wenn diese es wünschen. Aber wer kann das überprüfen oder will sich die Zeit dafür nehmen?

                Ich hoffe auch, dass die Meinung der Kinder hier am meisten berücksichtigt wird.

    (10) 13.09.16 - 23:56

    Meine Schwester und ich haben eine ähnliche Geschichte hinter uns. Wie waren im Alter Deiner Kinder und wurden vom Richter befragt.
    Als er erfuhr, wie wir von unserer Stiefmutter behandelt wurden und wir auf jeden Fall zu unserer Mutter wollten, hat er entsprechend entschieden.

    • (11) 14.09.16 - 09:21

      Danke für Deinen Beitrag. Die Kinder wurde vom Verfahrensbeistand bereits gehört und haben wohl dort geäußert, zu mir zu wollen (bei mir zu wohnen, aber den Vater natürlich regelmäßig zu sehen). Allerdings schreib der Herr dann: Die Kindsmutter will dem Vater den Umgang gänzlich verbieten. Zu keiner Zeit habe ich mich jemals so geäußert. Es ist nur wahrscheinlich prinzipiell immer so, dass eine Mutter, die sich trennt, böse ist und den Vater eliminieren will.

      Am Montag kommt eine Gutachterin zu mir und den Kindern. Ich denke aufgrund der Situation und allem, was bisher so vorgefallen ist, werden sie erneut sagen, zu mir zu wollen und dass die die Partnerin auch nicht sehr mögen. Ich hoffe, dass ihre Meinung nun endlich mal zählt.

      Habt ihr denn damals auch zuerst beim Vater gewohnt?

      LG, jbb

      • (12) 14.09.16 - 19:34

        Ja. zusammen mit seiner Freundin.
        Das lag aber daran, dass meine Mutter alkoholkrank war (bzw. ist, man ist es ja bis zum Lebensende) und in Therapie war.
        Wir haben ca. 1 Jahr beim Vater gewohnt und sind dann unserer Mutter zugesprochen worden.
        Der Richter hat sich natürlich schwer getan, weil meine Mutter grad erst trocken war, aber es ging bei meinem Vater nicht mehr.

(15) 14.09.16 - 09:43

Hallo,

aus Männer und Vätersicht:

Es ist ungewöhnlich, dass einer Mutter das ABR oder SR weggenommen wird.

Ohne Gutachten wird das nur dann passieren, wenn da wesentlich mehr vorliegt als "Mutter will Wechselmodell" nicht. Es liegt in der Natur der Sache dass man als Betroffener die Situation anders beurteilt, als ein Außenstehender.

Das was du als derzeitige Umgangsregelung schilderst geht über die "normale" Umgangsregelung hinaus. Ist also faktisch sogar großzügiger als es dir derzeit vorkommt.
Sollte das OLG eine Begutachtung beauftragen sind Aussagen wie die deinigen eher kontraproduktiv. Kooperationsbereitschaft und Bindungstoleranz sind hilfreich.

Ich könnte mir vorstellen, ohne die Situation genau zu kennen, dass die Reaktion deiner Kinder auch mit dem psyschischen Druck zutun haben, den sie durch die Eltern (beide Elternteile!, eventuell unbewusst) auferlegt bekommen.

Mal ein Denkanstoß:
Die Kinder bleiben auch dann die Kinder beider Eltern, wenn die sich nicht mehr riechen können und lieber jeden Kontakt vermeiden wollen würden.
Der Vater wollte das Wechselmodell. Du fandest das zu viel Umgang.
Du hast derzeit aber mehr Umgang als viele andere Umgangselternteile. Und auch dir reicht dieser Kontakt nicht.
Du bist derzeit genau in der Lage, in der der Kindesvater vorher war.

Gruß
fujimori

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