Finanzielle Aufteilung nach Trennung

    • (1) 11.01.18 - 11:55

      Hallo zusammen!

      Ich habe mich Mitte des Jahres von meinem Mann getrennt. Zuerst nur räumlich, mittlerweile steht aber fest, dass ich nicht mehr in die Ehe zurück will. Mein Mann leidet unter einer psychischen Erkrankung, die es ihm schwer bis unmöglich macht, in unserer etwas anspruchsvollen Familiensituation ein verlässlicher Partner für mich zu sein.

      Ich habe eine 19-jährige Tochter, die gerade Abitur macht und wir haben noch drei gemeinsame Kinder (unser Sohn ist 5, die Zwillingsmädchen 3). Eine unserer Töchter ist schwer mehrfach behindert. Ich bin berufstätig in Teilzeit (15 Stunden pro Woche) und wir haben ein gemeinsames Haus, in dem wir beide zu gleichen Teilen im Grundbuch stehen. Ich habe bis zur Geburt unseres Sohnes immer Vollzeit gearbeitet, werde dies aber aufgrund der Pflegebedürftigkeit meiner Tochter nicht mehr können. Verheiratet sind wir seit 13 Jahren.

      Grundsätzlich hatte ich den Eindruck, dass wir diese Trennung eigentlich sauer, fair und ohne Streit über die Bühne bringen könnten, zumal mein Mann, wenn auch traurig, durchaus verstehen kann, warum ich mich trennen möchte. Es gibt keine Affairen oder andere Partner. Nun geht es darum, dass ich natürlich gern mit den Kindern im Haus bleiben möchte. Ich habe ihn daher gebeten, sich einmal Gedanken darum zu machen, wie wir dies finanziell regeln. Leider gehört zu seiner Erkrankung eben auch, dass er sich nur ungern um solche Dinge kümmert oder sich Gedanken macht, so dass ich ihn bislang noch nicht dazu bringen konnte, mir mal mitzuteilen, wie er sich das so vorstellt.

      Ich habe ihm jetzt den Vorschlag gemacht, mal darüber nachzudenken, mir das Haus zu überschreiben, wenn ich im Gegenzug dazu auf eventuell anfallenden nachehelichen Unterhalt, Versorgungsausgleich und Zugewinnsausgleich verzichte. Auf diesen Vorschlag hat er unerwartet heftig reagiert und mir vorgeworfen, ihn über den Tisch ziehen zu wollen. Warum er mit denn bitte seinen Anteil am Haus schenken sollte? Ich habe versucht, ihm klar zu machen, dass ich ja nicht einfach aus Jux und Dollerei gern auf 200 qm lebe, sondern diesen Platz unter anderem eben auch für unsere gemeinsamen Kinder brauche. Aber wenn er sich darauf so gar nicht einlassen will, dann soll er halt einen entsprechenden Gegenvorschlag machen. Ich muss dann halt schauen, ob ich in der Lage bin, das Haus dann allein zu halten.

      Leider ist es so, dass es für mich ein wenig eilt, denn eigentlich wollten wir mit Beginn des Frühjahres mit dem Anbau für unsere behinderte Tochter beginnen, die ein behindertengerechtes, barrierefreies Zimmer mit Bad braucht. Ich werde jedoch kein zusätzliches Kapital bei der Bank aufnehmen, wenn ich das Haus ohnehin nicht halten kann.

      Meine Fragen sind nun folgende: wie ermittelt man denn üblicherweise in einem solchen Fall den Wert des Hauses? Würde ich so tun, als wollte ich es verkaufen, dann gibt es ja einen fiktiven Marktwert, der zum einen ja immer auch von der Zinssituation abhängig ist und von dem ich gar nicht weiß, ob ich ihn bei einem tatsächlichen Verkauf auch wirklich erzielen würde. Oder betrachtet man da eher einfach die Anschaffungskosten? Ich bin echt ratlos. Ich habe ihm auch erklärt, dass ihm ja keiner vorschreibt, was er von mir für seine Hälfte des Hauses verlangen möchte, aber ich bekomme irgendwie gar keine vernünftige Auskunft. Ich habe ihn jetzt gebeten, sich gern einen Anwalt zu nehmen und sich entsprechend beraten zu lassen. Aber wie ich es kenne: er kümmert sich nicht.

      Außerdem sagte er mir, dass er der Meinung sei, dass mein Verzicht auf die o.g. Dinge ja niemals soviel "wert" sei, wie die Hälfte des Hauses. Ist das so? Wie komme ich an solche Infos? Es wäre ja ungemein hilfreich, wenn ich ihm da konkrete Zahlen liefern könnte.

      Ich bin derzeit einfach ratlos und habe wahnsinnige Angst, dass ich nicht im Haus bleiben kann. Denn was mache ich dann? Hier finde ich niemals eine entsprechend große und gleichzeitig auch behindertengerechte Mietswohnung, die für mich dann bezahlbar wäre.

      Habt Ihr Tipps für mich?

      LG, Nicola

      • Hallo,

        wie wäre es wenn DU dir anwaltliche Beratung suchst?

        Die Frage ist ja auch, kannst du das Haus halten, wenn er dir seine Hälfte überschreibt?

        Lg

        • Hi Du!

          Ja, ich denke, wenn ich nicht noch über 100.000 Euro aufnehmen muss, um ihn auszuzahlen, dass ich das dann gut allein hinbekomme.

          Mein Problem ist halt einfach, dass es mir ja auch gar nichts nützt, MIR einen Anwalt zu holen. Ich weiß ja, was ich will. Von seiner Seite kommt halt einfach nichts. Wenn ich den Anfang mache und er Post von meinem Anwalt bekommt, mit der Bitte, sich wegen dem Haus zu äußern, dann weiß ich genau, dass er ab diesem Moment wahrscheinlich noch nicht mal mehr über ein Entgegenkommen nachdenken will. Und natürlich könnte ich dann halt ebenfalls die Krallen ausfahren und auf alles bestehen, was mir da so unter Umständen rechtlich zustehen würde (sein Zugewinn ist deutlich größer als meiner, er hat sich zwei Eigentumswohnungen angeschafft). Aber das will ich nicht. Wir sind Eltern, wir sind Familie. Ich möchte uns eine Basis bewahren, auf der wir auch in Zukunft miteinander umgehen können.

          Leider neigt er dazu, sich schnell übervorteilt zu fühlen, auch dies ist mit Sicherheit teilweise der Erkrankung zuzuschreiben. Genau daher fände ich es ja wichtig, dass er sich vielleicht von einem neutralen Dritten beraten lässt, der ihm eben auch mal sagt, dass mein Vorschlag überdenkenswert ist. Wenn er es denn ist, ich hab ja nun mal keine genauen Zahlen.

          Ach Mist.

          • (4) 11.01.18 - 16:27

            Aber einer muss anfangen. Sprich, Werte berechnen und aufs Papier bringen und Forderungen stellen und Angebote machen.

            Die Frage ist ja auch, ob die Bank mitspielt. Denn die muss es ja okay finden, dich mit einem TZ-Gehalt zum alleinigen Kreditnehmer zu akzeptieren. Da sind dann noch deine Pflichten gegenüber 4 Kindern, so dass ich mir nicht vorstellen kann, dass die Bank dich allein akzeptiert, wenn du nicht gerade Teilzeitvorstand bei Mercedes bist.

            Dann kommt dazu, dass du deinen Mann auch ausbezahlen müsstest. Du kannst nur auf Zugewinn verzichten, wenn es
            a) überhaupt welchen gibt und der b) zu deinen Gunsten ausfiele.

            Weiterer Verzicht ist nur möglich, wenn du nicht bedürftig wirst. Unterhalt ist schon auf Grund der besonderen Situation schwer auszuschließen. Und auf den Versorgungsausgleich kann man auch nur in Einzelfällen verzichten.

            Eine rechtliche Beratung macht daher deshalb schon Sinn, weil du für die Scheidung sowieso einen Anwalt brauchst und du erst mal fundiert klären musst, welche deiner Vorstellungen überhaupt rechtlich machbar sind.

            LG

            • Danke für Deine Antwort.

              Nun, dann komme ich um den Anwalt wohl nicht rum, schade.

              Das Haus ist zu drei Vierteln abgezahlt, wenn ich ihn nicht auszahlen muss, sehe ich da gute Chancen. Ich gehe nur Teilzeit, werde dort aber ordentlich bezahlt und erhalte zusätzlich Pflegegeld Grad 5, Unterhalt für meine Große (die nach dem Abitur studieren geht) und das Kindergeld. Kommt der Kindesunterhalt für die drei anderen dazu (und auch mein Mann verdient gut), dann ist das zu stemmen.

              Dass der Zugewinnsausgleich für beide gilt, das ist mir klar. Tatsächlich fällt sein Zugewinn allerdings höher aus. Er hat während der Ehe eine Immobilie erworben, eine andere überschrieben bekommen und hat beide vermietet. Ein weiteres Haus hat er schon vor der Ehe erworben, es jedoch in den letzten Jahren renoviert und es ebenfalls vermietet.

              Ich habe bis vor fünf Jahren immer Vollzeit gearbeitet, habe eine Betriebsrente, stocke diese durch Entgeltumwandlung auf und habe eine weitere private Rentenversicherung abgeschlossen. Was genau auf einen zukommt, kann man natürlich nie wissen, aber vom momentanen Stand der Dinge ausgehend, vor allem mit irgendwann mal abbezahltem Eigenheim, droht keine Bedürftigkeit.

              Wie gesagt, ich will ja nicht einfach nur das Haus geschenkt, es gibt ja durchaus auch einiges, auf das ich im Gegenzug verzichten kann. Aber Du hast recht. Es wird nicht ohne rechtliche Beratung gehen. Ich hatte gehofft, dass wir uns diese Kosten sparen können und ich hab natürlich Sorge, dass es die Fronten verhärtet, aber es muss jetzt langsam mal was passieren.

              • Achtung, wenn er eine Immobilie "überschrieben" bekommen hat, dann heißt dass er die zb von seinen Eltern geschenkt bekommen hat? Dann würde die wohl aus dem Zugewinn rausfallen (und du hast keinerlei Anspruch darauf).

                Aber genau wegen solcher Fragen und eurer komplexen Situation (behindertes Kind, mehrere Immobilien) solltest du zu einem Anwalt. Der muss deinem ex ja nicht sofort Briefe schreiben, aber er kann deine konkrete Situation durchleuchten und dir sagen was genau los ist.

                Übrigens: mit einem Kredit wird es bei 15 Stunden Teilzeit (auch wenn mit gutem Grund) und vier Kindern wohl, äh, etwas schwierig werden.

                Alles Gute

                • :-D

                  Ich verstehe, dass sich viele auf meine TZ stürzen, hört sich auch erst mal utopisch an, damit ein Haus tragen zu wollen. Dazu kann ich halt nur sagen, dass ich aus einer Führungsposition heraus in die Elternzeit gegangen bin. Diese kann ich in Teilzeit natürlich nicht mehr ausüben, habe aber meine relativ hohe Eingruppierung behalten. Dazu kommt das Pflegegeld, Kindergeld und Unterhalt für die Große. Kommt dann noch der Kindesunterhalt für die anderen drei hinzu, dann müsste das gehen.

                  Ich hab schlichtweg wenig Alternativen. Irgendwo muss ich mit den Kids ja nun mal wohnen. Und wir sind derzeit halt zu fünft. Das muss ich ja auch bei der Anmietung einer Wohnung berücksichtigen. Hinzu kommt, dass diese auch noch behindertengerecht sein muss. Das werde ich hier, wo ich eine für uns lebensnotwendige Infrastruktur inklusive Betreuungsmöglichkeiten habe, nicht finden oder eben mindestens die gleiche Miete zahlen, wie wir hier gemeinsam als Abtrag zahlen.

                  Übrigens hab ich natürlich schon mal bei der Bank nachgefragt. Sie würden mich als alleinigen Kreditnehmer akzeptieren. Ich weiß nur nicht, ob ich den Kredit noch aufstocken könnte, um meinen Mann auszuzahlen. Und genau deswegen wünsche ich mir ein Entgegenkommen seinerseits.

                  Grad noch zur überschriebenen Immobilie... Er stand von Anfang an sowohl im Kaufvertrag als auch im Grundbuch. Das Geld für den Kauf kam von seiner Mutter. Ist das dann auch ein Problem? Wie gesagt, er soll alles behalten, er muss mir das Haus ja auch nicht schenken, auch wenn ich das am besten fände. Ich betone gern nochmal... wir haben gemeinsame Kinder. Von daher würde ich natürlich auch gern mal die Moralkeule schwingen, so dass er es mir eben nicht so schwer macht.

                  Aber tatsächlich, ohne Anwalt wird das wohl nix...

                  Danke für Deine Antwort!

                  LG

                  • (8) 13.01.18 - 00:40

                    Das Geld für den Kauf des Hauses kam von seiner Mutter? Dann würde auch dieses Geld beim Zugewinnausgleich zu seinem Anfangsvermögen gezählt werden.

                    (9) 13.01.18 - 00:46

                    Ah, ach so. Da ging es um die überschriebene Immobilie.

                    Bei all dem Theater ums Haus: Wäre es denn nicht auch im Interesse deines Mannes, dass seine Kinder ein schönes Heim haben und vor allem seine behinderte Tochter auch behindertengerecht wohnen kann?

                    • (10) 13.01.18 - 09:12

                      Tja, das sehe ich ähnlich. Wäre ich kinderlos oder eben nur mit meiner Großen, dann würde ich Wohnraum in dieser Größe gar nicht brauchen. Aber auf diesem Ohr scheint er taub. Ich bekomme ja überhaupt keine vernünftige Ansage, nur, dass er es mir nicht schenken will.

                  Bei Krediten ist halt oft die Frage, was für die Bank pfändbares Einkommen darstellt und somit für eine Bewertung bei einem Kredit herangezogen wird.

                  Gehalt, Kindergeld, Unterhalt, Pflegegeld kann eine schöne Summe ergeben.
                  Wenn die Bank aber sagt oder sagen muss (es gibt da gesetzliche Regelungen, die mir aber nicht im Detail bekannt sind):
                  Unterhalt für die Große fließt nur noch für x Jahre, Pflegegeld können wir im Zweifel nicht pfänden etc dann kann es trotz subjektiver Leistbarkeit zu einem Nein kommen.

                  Einfach einmal bei der Bank fragen!

                  Dass eine Miete in deinem Fall vielleicht gleich hoch wäre interessiert die Bank leider nicht.

                  Da seine Mutter das Geld für die Immobilie geschenkt hat, bist du in dem Fall außen vor.

                  Die Moralkeule zu schwingen, da hätte ich in deinem Fall auch verdammt große Lust dazu! Es sind auch seine Kinder, also soll er was dafür tun!

                  LG

    (12) 11.01.18 - 19:25

    Ganz ehrlich? Wenn das absolut fair ablaufen soll und ihm seine psychische Erkrankung Entscheidungen schwer macht, würde ich für größtmögliche Transparenz sorgen.

    Das Haus schätzt ein Gutachter oder ein Makler. Das kannst Du sofort selbst veranlassen und ihm den Termin nennen, zu dem er dann erscheinen kann, wenn er möchte. Danach kann ein Anwaltstermin stattfinden, bei dem er auch zugegen sein kann.

    Wenn Du mit offenen Karten spielst und ihm alles servierst, muss er sich ja entscheiden.

    • Danke!

      Ja, ich glaube, so werde ich vorgehen müssen. Schade. Ich hatte gehofft, dass es ohne anwaltliche Unterstützung geht.

      LG

      • Denk mal anders herum. Wenn er sich ständig übervorteilt sieht, kann Dich das noch ewig verfolgen, wenn Ihr Euch alleine einigt. Dann hält er Dir möglicherweise noch Jahre vor, Du hättest ihn beschissen.

        Mit Unterstützung von Fachleuten wird ihm das schwer fallen, da diese ja für Euch neutral arbeiten sollen. Und im Moment geht nichts voran, also bringen weitere Gespräche zwischen Euch alleine Dich auch nicht weiter.

(15) 12.01.18 - 07:45

Ich würde folgendes machen :

1) anhand der Düsseldorfer Tabelle schauen, wie viel Unterhalt er zahlen müsste und dann berechnen, ob das in die Nähe des ungefähren Wertes der Haushälfte geht

2) wenn du auf Unterhalt verzichtest, muss geklärt werden, was im Falle der Fälle passieren könnte. Das muss abgesichert sein. Bedeutet, wenn du Geld brauchst (Job weg o.Ä), kann dann das Amt doch an deinen Mann ran, weil er eben Pflichtig ist? Das wäre ja weniger gut.


3.) frag deinen Mann, was er denkt, was das Haus wert ist. Vergleiche es dann mit anderen in der Umgebung ODER hole dir einen Makler (am besten Sparkasse/Volksbank), der das Haus bewerten soll, das machen die kostenlos und sagen dir dann, für was die das inserieren würden. Denk dran, dass potenzielle Käufer aber natürlich noch handeln würden


4.) falls das alles nicht klappt, nimmst du sein Geld, so wie es dir zusteht und zahlst ihm für seine Hälfte eben Miete, je nach Region wären das dann wohl 300-700€ . Das hieße aber du und er wärt zusammen deine Vermieter und wenn der Herd/Heizung kaputt geht, muss er sich zur Hälfte dran beteiligen. 200m2 sind sehr viel. Wenn du dann irgendwann verkaufen möchtest, wird das Geld geteilt und gut ist’s.

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