Trennung nach 12 Jahren

    • (1) 30.10.18 - 16:56

      Erst mal ein liebes Hallo in die Runde,

      ich befürchte es wird ein längerer Text. weshalb ich versuche ein wenig Struktur in rein zu bringen.

      Vielleich erst kurz zu mir: Ich bin 34 Jahre jung und seit 12 Jahren mit meinem heutigen Mann zusammen. Seit 9 Jahren sind wir verheiratet. Kinder haben wir keine.

      Schon seit unserem Kennenlernen war es nicht ganz so einfach. Zu Beginn war es die Entfernung von ca. 1000 km, die zu überwinden war. Hohe Telefonrechnungen und viel Sehnsucht führten dazu, dass eine andere Lösung her musste.
      Da ich ohnehin auf Jobsuche war orientierte ich mich regional an seinen Wünschen und suche mir einen Job in Berlin. Er zog dann nach einigen Monaten auch nach Berlin - direkt zu mir in meine Wohnung.

      Ich merkte relativ schnell, dass er andere Bedürfnisse hatte als ich. Er ging gern feiern, wollte immer mit Freunden unterwegs sein und trank zu viel Alkohol. Dass auch Drogen eine Rolle spielten sollte ich erst später bemerken :-(

      Wie wunderbar Verdrängung funktioniert merke ich erst heute. Wir heirateten knapp 2,5 Jahre nach unserem Kennenlernen, weil es ihm wichtig war. Ich hatte nie den Wunsch zu heiraten, habe es aber auch nie ausgeschlossen.

      Ungefähr ein Jahr nach unserer Hochzeit beichtete mein Mann seine Drogenabhängigkeit. Nicht aus freien Stücken, sondern weil er Schulden bei "den falschen Leuten" hatte und meine Hilfe brauchte. Natürlich habe ich geholfen aber ich stellte auch ein Ultimatum. Therapie oder Scheidung. Er wählte die Therapie und wurde clean.

      Mein Mann war schon immer latent unzufrieden, irgendwie war ihm nie was genug und er wollte immer mehr, höher, schneller, weiter. Eine größere Wohnung, ein anderes oder gar ein zweites Auto. Er orientiert sich stark an materiellem.

      In den kommenden Jahren folgten einige Umzüge innerhalb Berlins. Das Leben plätscherte so vor sich hin und auch ich begann unzufrieden zu sein. Ich stellte mir immer öfter die Frage wieso eigentlich? Ich habe eine schöne Wohnung, Freunde, die immer für mich da sind, einen Job der mich total zufriedenstellt, ich verdiene gutes Geld und habe alles, was ich brauche. Trotzdem bin ich nicht zufrieden.

      Es wurde immer klarer, dass der Grund dafür zu Hause auf meinem Sofa sitzt. Mein Mann ist nicht anders als er es schon immer war, aber ich habe mich verändert! Meine Ansprüche sind andere, ich will nicht mehr so viele Kompromisse machen. Vor 2 Jahren also der Entschluss, dass ich mich trennen möchte. Es war ein schwieriges Gespräch und ich lies mich bequatschen! Er gelobte Besserung, wir gingen zu einer Paarberatung und es wurde tatsächlich besser. Zumindest kurze Zeit.

      Ich stehe heute an einem Punkt, an dem ich schon mal stand. In den vergangenen Jahren habe ich mich beruflich stark entwickelt und meine Karriere vorangetrieben. Mein Mann tritt irgendwie auf der Stelle und vermittelt mir immer wieder den Eindruck, dass er mir meinen Erfolg nicht gönnt. Zwar sagt er das so deutlich nicht, aber ich spüre das immer mal wieder.

      Wir können wirklich gut miteinander reden, sprechen immer wieder über unsere Probleme und leiten Lösungen ab. Nur umgesetzt kriegen wir es nicht. Wenn ich es auf den Punkt bringen soll, sind wir sicher ein gutes Team, aber kein Paar mehr. Sex hatten wir in den letzten 2 Jahren vielleicht 5 Mal. Das liegt nicht nur an einem von uns. Einer von uns beiden hat meist keine Lust.

      Ich habe vor kurzem ein berufsbegleitendes Studium begonnen, dass natürlich viel Zeit in Anspruch nimmt. Bevor ich alles in die Wege leitete habe ich mit ihm gesprochen. Er war einverstanden und sicherte mir 100% ige Unterstützung zu. Leider hagelt es immer öfter Vorwürfe, dass ich ja so wenig Zeit hätte und er macht im Haushalt echt GAR NIX. Alles bleibt an mir hängen und wenn ich ihn darauf anspreche kommt selten mehr als "Du hast ja recht, aber ich hab da keine Lust drauf". Und dann steh ich da mit meinem Talent #gruebel#schmoll

      Ich bin unglaublich oft genervt. Von seinem Selbstmitleid, Ich kann ich nicht essen sehen und riechen kann ich ihn auch oft nicht (er trinkt recht viel und ich kann diesen Geruch nicht mehr ausstehen). Ich möchte meine eigenen 4 Wände haben und mich nicht mehr um seinen Kram kümmern wollen. Ich will Leidenschaft! Ich möchte Verständnis und Unterstützung und nicht immer die Starke sein müssen.

      Nun bin ich in meinen Wünschen recht klar, habe aber Bedenken, denn ich fühle mich verpflichtet und ich habe Angst davor, dass er in alter Verhaltensmuster fällt. Dass er z.B. wieder zu Drogen greift oder noch mehr trinkt. Ich weiß, dass ich dafür nicht die Verantwortung trage, denn er ist mit 42 Jahren alt genug. Trotzdem fühle ich mich dabei unglaublich schlecht.

      Was denkt ihr?#gruebel

      • (2) 30.10.18 - 17:13

        Ich denke, ihr seid gescheitert und du musst aufhören, Verantwortung für ihn zu übernehmen.

        Tu, was du für richtig hältst. Suche dir eine Wohnung und beginne dein Leben ohne ihn als Bremsklotz.

        LG

        Hallo... Ich habe gerade Deine Geschichte gelesen. Es tut mir Leid was Du mitmachen musst. Für mich liest es sich als bist Du eine Frau die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Du etwas as erreichen möchtest und einfach ein glückliches Leben führen möchtest aber nicht kannst weil Du einen Mann hast der ganz das Gegenteil mit seinem Leben vor hat. Ich kann Dir wirklich nur raten... Trenn Dich von so einem Mann. Du wirst ohne Ihn ein viel besseres und fröhlicheres Leben führen können Ich kann verstehen das er Dir leid tut weil er ohne Dich wahrscheinlich nicht klar kommen wird aber Hey denk an Dich! Sei glücklich!Ich wünsche Dir alles Gute und ich hoffe Du machst das richtige. Lg

        (4) 31.10.18 - 11:13

        Oft hilft ja ein Blick in die Zukunft... willst du die nächsten Jahre so leben? Eventuell auch Kinder mit diesem Mann?

        Wenn nein, dann wüsste ich die Lösung.

      Zum Thema Drogen...

      Ich arbeite als Sozialpädagogin im Suchtbereich und kann daher nur klar sagen:
      Wenn er abhängig war, dann ist er es auch immer noch.
      Das ist eine chronische Erkrankung.
      Man kann nur Wege versuchen zu finden diese zu unterdrücken.
      Ging/geht es um Opiate?

      • @A-N-K-A: seinerzeit ging es um Kokain. Aus meiner Sicht spielt heute der Alkohol eine ähnliche Rolle. Auch wenn er das nicht hören möchte, trinkt er täglich und immer mehr. Für mich ganz klar eine Sucht.
        Auch habe ich in den letzten Jahren den Eindruck, dass Spielen um Geld am Automaten ein Thema ist. Auch das sieht er natürlich vollkommen anders. Ich denke er hat grundsätzlich Suchttendenzen... Aber Hilfe holt er sich im Moment nicht. 😈

    Ich kenne das...Konntr meinen Exfreund nach 10 Jahren auch irgendwie nicht mehr essen sehen, nicht mehr riechen, schlicht nicht mehr ertragen. Dann ist die Beziehung einfach tot.
    Möchtest du denn Kinder? Dann solltest du dich beeilen das ganze zu beenden. Eine Scheidung ist natürlich nichts, das man leichtfertig tun sollte, aber so, wie du schreibst, ist das ja schon eine sehr lange Geschichte und du bist unter falschen Voraussetzungen in diese Ehe gestartet. Ich persönlich halte eigentlich echt nix von Scheidung, aber, da er dich zu dem Zeitpunkt der Hochzeit im Unklaren über seine Drogensucht gelassen hat, ist es gerechtfertigt. Viel Glück!

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