Trennungsunterhalt / Tochter Vollmacht für Geldangelegenheiten des Vaters

    • (1) 17.11.18 - 16:43

      Hallo,

      ich hab mal eine etwas spezielle Frage, die sich gerade in unserer weiteren Familie stellt.

      Ehepaar ist mehr als 25 Jahre verheiratet. Aus der Ehe geht eine Tochter hervor.
      Ehemann ist Alkoholiker. Die Lage hat sich so zugespitzt, dass die Ehefrau aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen ist. Scheidung wurde bisher nicht eingeleitet.
      Die Mutter geht seit Jahren arbeiten, verdient aber nicht sehr viel und davon auch noch so ziemlich die ganzen Lebenshaltungskosten finanziert. Vater hat sehr gut verdient, aber das sein Geld gespart. Ehefrau wußte nicht mal was er verdient und wieviel er gespart hat in all den Jahren.

      Ehemann ist durch den Alkoholmißbrauch und noch weitere Erkrankungen so geschädigt, dass die Tochter jetzt von amtswegen die finanziellen Angelegenheiten des Vaters regelt.
      Aufenthaltbestimmungsrecht hat sie für den Vater nicht, so daß er sich jetzt aus dem Pflegeheim entlassen hat und wieder zurück in die alte Wohnung ist. Pflegedienst ist organisiert, aber es ist fraglich ob er alleine überhaupt zurecht kommen wird, aber so lange sie da keine Vollmacht hat, kann sie da ja nichts entscheiden.

      Nun hat die Ehefrau Trenungsunterhalt beantragt über ihren Anwalt beantragt. Ehemann lehnt dies jedoch ab. Die Tochter sagte nun zu ihrer Mutter, dass sie das dann halt gerichtlich festlegen lassen muß, weil der Vater ja nicht zahlen möchte.

      Ich bin ehrlich gesagt entsetzt, dass die Tochter nun so reagiert. Ihre Mutter ist immer für sie da und unterstützt sie mit dem Enkelkind usw. Der Trennungsunterhalt steht der Mutter ja zu. Hätte die Tochter als Bevollmächtigter des Vaters nicht das Recht das Geld an die Mutter zu zahlen, auch wenn der Vater dagegen ist? Klar ist es ihre Aufgabe im Sinne des Vaters das Geld zu verwalten, wenn er aber Trennungsunterhalt zahlen muß, ist es doch jetzt aber ziemlich blöd, dass jetzt über ein Gericht laufen zu lassen, wenn es in der Entscheidungsbefugnis der Tochter liegt.

      Im Pflegeheim würde sie ihn ja auch lieber unterbringen (wenn sie es entscheiden könnte), auch wenn es nicht seinem Willen entspricht, einfach weil er nicht mehr für sich alleine sorgen kann zu Hause.

      Ich bin gerade ziemlich enttäuscht vom Vorgehen der Tochter, aber vielleicht überblicke ich die Sachlage. Kann jemand Licht ins Dunkle für mich bringen?

      • Ich möchte dir ganz ehrlich sagen das ich nicht in der Haut der Tochter stecken möchten. Sie handelt aber in meinen Augen völlig richtig. Sie verwaltet das Geld ihres Vaters und ist verpflichtet Schaden von ihrem Vater fernzuhalten. Wenn jetzt irgendwer Unterhalt festlegt muss diese Festlegung nicht der gesetzlichen Grundlage entsprechen. Wird der Unterhalt gerichtlich festgelegt entspricht er der gesetzlichen Unterhaltspflicht und somit handelt die Tochter in meinen Augen im Sinn von ihrem Vater.

        Fg blaue-Rose

        • Ja, das ist gerade eine echt bescheidene Situation hier in der Familie.

          Ich muß auch ehrlich zugeben, dass es mir schwer fällt das neutral zu beurteilen, daher danke schon mal für dein Feedback als neutrale, außen stehende Person.

      (4) 18.11.18 - 01:19

      Mal unabhängig davon: hat ein pflegebedürftiger Mann denn so ein hohes monatliches Einkommen, dass er davon in der Lage ist Trennungsunterhalt zu zahlen??

      LG

      • Er war bis vor kurzem noch im öffentlichen Dienst aktiv tätig, der AG wollte ihn aber schon loswerden, was wegen jahrzehntelanger Zugehörtigkeit nicht so einfach ist. Ist jetzt aber noch "krank geschrieben", also das Arbeitsverhältnis nicht aufgelöst soweit mir bekannt ist.
        Er hat auch mit Krankengeld immer noch deutlich mehr zur Verfügung als die Ehefrau mit ihrem körperlich sehr anstrengenden, aber leider schlecht bezahlten Job (den sie auch schon in der Ehe so hatte). Und das kann ja noch über ein Jahr so gehen

        Durch die Tochter liegen der Mutter ja die genauen Einkünfte usw. vor und der Trennungsunterhalt wurde daraufhin durch einen Anwalt berechnet. Der Ehemann sperrt sich aber komplett und versucht auch die Ersparnisse zur Seite zu schaffen damit die Ehefrau bei Scheidung (Zugewinngemeinschaft) nix davon bekommt.

        Es fällt mir recht schwer das irgendwie emotional zu trennen, wie man wahrscheinlich merkt.

        Mir tut die Ehefrau einfach unendlich leid, auch wenn sie an der Situation auch Ihren Anteil hat. (Einkommen vom Mann unbekannt und sie hat weitestgehend alle Kosten in der Ehe mit ihrem kleinen Gehalt getragen, während es sein Geld hortet...)
        Ist ja immer einer der es macht und einer der es mit sich machen läßt.
        Aber es ist halt jetzt echt eine blöde Situation, wenn die sich Tochter ja mit ihr einigen könnte ihr jetzt sagt, dass sie klagen muß auf Trennungsunterhalt.

        • (6) 18.11.18 - 11:41

          Wenn der Vater der Tochter nur eine Vollmacht gegeben hat, kann die Tochter trotzdem nicht einfach schalten und walten wie sie will, der Vater könnte ihr die Vollmacht auch jederzeit entziehen.

          Vergleiche das mal mit einem Anwalt, der von dir bevollmächtigt wird, in DEINEM SINNE etwas zu regeln. Wenn der plötzlich gegen dich handelt, wäre der doch auch ganz schnell seine Vollmacht los.

          M. E. handelt die Tochter nicht nur korrekt, ich finde es ehrlich gesagt von der Mutterseite ziemlich fies, die Bevollmächtigung für ihre Zwecke zu nutzen und die Tochter in so einen Loyalitätskonflikt zu treiben. Das geht echt gar nicht.

          Selbst wenn der Vater unter Betreuung stünde, müsste sie dessen Einkünfte und Vermögen im Sinne des Vaters verwalten. Und eine Berechnung, die ein Anwalt der Mutter als ihr bezahlter Dienstleister berechnet, muss weder rechtlich korrekt sein, noch ist das irgendwie verbindlich. Der Anwalt ist nicht neutral! Er wird immer das Maximum für seine Mandantin rausholen wollen, zur Not auch wider besseren Wissens zu Ungunsten der Gegenseite.

          Auch wenn der Mann in seiner Ehe ein A**** war, handelt die Tochter m. E. völlig korrekt.

          LG

          • (7) 18.11.18 - 12:02

            Ich interpretiere "von Amts wegen" als "unter Betreuung stehend". Ändert aber am Inhalt nichts. Er kann ihr zwar selbst die Betreuung nicht entziehen, aber sie ist verpflichtet, seine Interessen zu schützen. Man könnte sie höchstens bitten, einen Anwalt zu beauftragen, der die von der Mutter geltend gemachten Ansprüche prüft. Vielleicht gelingt dann eine Einigung, wenn nicht bleibt nur die Klage.

            LG

            • "Man könnte sie höchstens bitten, einen Anwalt zu beauftragen, der die von der Mutter geltend gemachten Ansprüche prüft. Vielleicht gelingt dann eine Einigung, wenn nicht bleibt nur die Klage."

              Danke, das werde ich mal vorschlagen.

          Sie hat keine Vollmacht, die der Vater erteilt hat, wenn ich das richtig verstanden habe, sondern ist von Amtswegen was die geldlichen Sachen angeht als Vormund des Vaters eingesetzt.

          Über den Aufenthalt darf sie (noch) nicht bestimmten, daher konnte sich der Vater ja auch aus der Einrichtung entlassen, wo er erst einen Entzug durch hatte und die nötige Pflege bekommen hätte. Er wollte aber zurück in die eigene Wohnung, was denke ich nicht auf Dauer funktionieren wird selbst mit Pflegedienst bzw. befürchte ich, dass man ihn dann irgendwann bei Eiseskälte irgendwo im Straßengraben liegen findet, nur dass es dieses Mal zu spät ist. Letztes Jahr hatte er da Glück, dass er noch rechtzeitig gefunden wurde. Die Mutter hat nun auch Angst, dass er wieder vor ihrer Wohnung stundenlang steht und alles zusammenbrüllt, bis die Polizei kommen muß. :-/

          Die Mutter treibt ihre Tochter nicht in einen Loyalitätskonflikt, dafür ist sie wirklich nicht der Typ. Denke, der ergibt sich da aus der Position, die sie jetzt inne hat von ganz alleine. Sie steht da zwischen den Stühlen, zwischen ihren Eltern. Die Mutter ist wahrlich kein Typ, der so denkt und handelt. Sie ist ehr unscheinbar und einfach gestrickt und geht Konflikten jeglicher Art aus dem Weg und ist nicht darauf aus das absolute Maximum für sich heraus zu holen. Das möchte ich nur anmerken, damit hier kein schlechtes Bild auf sie fällt.

          Die Situation ist einfach bescheiden. Für uns Umstehende ist das auch echt schwer gerade. Die Gedanken/Gefühle in meinem Ausgangspost entstammen aus der ersten, emotionalen Reaktion heraus auf diese Ankündigung.
          Hab jetzt ne Nacht drüber schlafen können und auch eure Gedanken als "neutrale Außenstehende", helfen mir gerade etwas es ein bißchen besser einzuordnen.

          Mit einer Klage vor Gericht werden halt nur weitere Kosten entstehen. Der Anwalt der Mutter ist zwar über Prozesskostenhilfe gedeckt, aber wäre ja trotzdem irgendwie besser gewesen, wenn man sich hätte so einigen können...

          • (10) 18.11.18 - 12:32

            Das ist auch eine blöde Situation. Aber es kam schon so rüber, als würde die Situation, dass die Tochter den Zugriff hat, ausgenutzt werden sollen, damit die Mutter zu ihrem Recht kommt. Das muss nicht bewusst gewollt sein, die Tochter in den Loyalitätskonflikt zu stürzen, das passiert aber zwangsläufig, wenn die Tochter zwischen verschiedenen Forderungen ihrer Eltern steht und sich entscheiden muss, welche Forderungen sie erfüllt. Einen Alkoholkranken zu betreuen ist schon eine ziemliche A****karte, das sollte man sich bewusst machen. Mit der Tochter möchte ich nicht tauschen.

            Einen anderen Aspekt noch: der Mann ist für Trennungsunterhalt nur leistungsfähig, wenn seine regelmäßigen Einkünfte 1200 Euro übersteigen. An dieser Stelle würde ich noch mal rechnen, ob sich der Streit wirklich lohnt. Insbesondere, wenn er durch die Pflegebedürftigkeit höhere Kosten hat oder gar ins Heim muss, kann es dazu kommen, dass seine eigenen Einnahmen nicht mal reichen, um seinen eigenen Bedarf zu decken. Dann muss er sein eigenes Vermögen einsetzen, aber auch die Unterhaltspflicht könnte sich umkehren, so dass die Ehefrau für ihn zahlen muss (sofern sie mehr als 1200 Euro übrig hat).

            Und mal sorry, ganz kalt: wenn er schon mehr tot als lebendig ist, dann wäre eine Scheidung taktisch unklug. Als Ehefrau würde sie immerhin, vereinfacht gesprochen, die Hälfte erben (bei Zugewinngemeinschaft). Reicht sie die Scheidung ein, ist das passé.

            LG

            • Ja, in der Haut der Tochter möchte ich jetzt auch nicht stecken. Er war noch nie ein umgänglicher Charakter, aber die Lage jetzt macht es wirklich sehr schwer. (als Kind fand ich ihn schon immer sonderbar, aber konnte es nicht einordnen warum, denke da war auch schon Alkohol mit im Spiel so rückblickend)

              Ich geb das einfach mal an die Mutter bzw. die Tochter weiter mit den regelmäßigen Einkünften. Aktuell würde es aber wohl noch der Fall sein, dass er darüber verdient bzw. Krankengeld erhält, während seine Frau weniger als 1200€ zur Verfügung hat.

              Scheidung steht aktuell auch nicht zur Debatte, aber das ist da glaube ich auch noch ne Generationsfrage, dass man das ja generell nicht macht. Noch dazu auf nem kleinen Dorf, wo jeder jeden kennt.

Diese Betreuung von Amts wegen beinhaltet auch Verpflichtungen, vor allem dem Betroffenen gegenüber (also dem Vater). Wenn die Tochter da einfach im Sinne der Mutter handelt, dann kann das der Tochter auf die Füße fallen!

Bitte bedenkt also, dass die Tochter nicht nur moralisch sondern auch rechtlich in einer blöden Situation ist!

Von daher: eigentlich ist das sogar eine gute Idee jemanden der neutral ist (niemanden aus der Familie), sich auskennt (Anwalt, Gericht...) und der befugt (!) ist eine rechtlich verbindliche (!) Entscheidung zu treffen, mit der Sache zu beauftragen. Und da bleibt zum Schluss nur das Gericht! Ein Anwalt kann fordern, die Interessen seiner Partei vertreten, etwas ausrechnen... aber nicht verbindlich entscheiden!

Von daher würde ich sagen: zuerst einmal auf das Amt marschieren, dass die Betreuung beauftragt hat, und dort Info und Beratung einholen (falls möglich).
Und die Entscheidung über den Unterhalt einem Gericht überlassen. Dann müssen Mutter und Tochter nicht diskutieren, auch nicht die Tochter mit dem Vater, und auch nicht die Eheleute.

Ja, das kostet was. Aber noch viel mehr kann es in Geld, Nerven und Frieden kosten, wenn da innerhalb der Familie gestritten wird...

Seht das Gericht einfach als Hilfe (und nicht als Gegner) an.

LG

Eigentlich muss der Tochter das doch bekannt sein. Da sie in dieser speziellen Angelegenheit wirklich befangen ist und solchen Geschäfte innerhalb der Familie nicht mit sich machen kann, braucht es hier einen Verhinderungsbetreuer.
Das kann und darf die Tochter gar nicht machen. Sie hat vollkommen recht.

http://www.bundesanzeiger-verlag.de/betreuung/wiki/Verhinderungsbetreuer

Die Frau hat ihr Leben nicht in die Hand genommen und ihrer Tochter diesen Familienalltag zugemutet
Was soll dabei rauskommen?

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