Alleiniges Sorgerecht

    • (1) 08.01.19 - 23:45

      Guten Abend,

      Ich bin neu hier und bräuchte einmal bitte eure Meinungen

      'Kurz' zu meiner aktuellen Situation:
      Ich habe eine 23 Monate Tochter und lebe mit ihr seit nun einem gutem halben Jahr von meinem Ex Partner getrennt, der auch der Vater der kleinen Maus ist. Er war von dem Gedanken Vater zu sein, niemals besonders angetan, doch die ersten zwei Monate nach ihrer Geburt hat alles wunderbar geklappt und es gab keinerlei Probleme. Als sie etwas älter als zwei Monate war, kam sein Vater zu uns zu Besuch, von dem ich wusste, dass er meinen Ex Partner und dessen Mutter massivst geschlagen hatte, als dieser ein Kind war. Die Mutter ist einige Jahre später verstorben. Während seines Besuchs war eigentlich auch alles okay, doch unmittelbar am darauffolgen Tag hatte mein Ex seinen ersten Wutausbruch, völlig unvermittelt. Er begann, die Kleine zu beschimpfen und anzuschreien. Irgendwann fing er auch mit autoaggressiven Handlungen an, wie z.B. Spülmittel zu trinken oder dem ''Versuch'', sich mit einem Kabel zu erdrosseln, alles in Gegenwart unserer Tochter. Für mich war dieses Verhalten extrem schockierend, weil ich ihn zuvor noch nie so erlebt hatte, obwohl wir eine lange Zeit befreundet waren, bevor wir ein Paar wurden. In einem ruhigen Moment konnte ich ihn schließlich dazu bewegen, mit einer Dame der ''Frühen Hilfen'', die uns regelmäßig besucht, über das Problem zu sprechen, was er dann auch getan hat. Die Dame tauschte sich mit einer erfahrenen Psychologin aus, die ihn an eine Praxis direkt gegenüber 'verwiesen' hatte. Zu dem Termin ist er jedoch niemals hingegangen. Seine Wutanfälle steigerten sich zusehends, er begann, Dinge in der Wohnung zu zerschlagen, mit Messern durch die Wohnung zu laufen, seine Tochter als Missgeburt und Unfall zu betiteln. Wenn er von der Arbeit kam, lief sie ihm entgegen und breitete die Arme aus, doch er ging einfach an ihr vorbei, nahm keinerlei Notiz von ihr und setzte sich sofort vor die Playstation, es war furchtbar mitanzusehen, wie sie dann da stand. An den Wochenenden war ich gezwungen, mit ihr im Schlafzimmer zu sitzen, damit er in Ruhe Playstation spielen konnte, weil sie ja laut und störend war. Als sie ein halbes Jahr als wurde, habe ich ihm eine Frist gesetzt. Sollte er sich bis zu ihrem ersten Geburtstag nicht geändert haben, wollten wir ausziehen. Natürlich hat ihn das nicht interessiert und sein Verhalten hat sich weiter verschlimmert, er fing an, mit Messern, Hammern und anderen Gegenständen zu werfen, wohlwissend, dass er seine Tochter dabei ''versehentlich'' treffen könne. Ich stand inzwischen in engem Kontakt mit dem Jugendamt, ich hatte seine Wutanfälle aufgenommen und einer Mitarbeiterin vorgespielt, da er in der Öffentlichkeit immer ruhig und souverän auftritt. An ihrem Geburtstag war er auch den ganzen Tag aggressiv und ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits eine Wohnung für mich und meine Tochter in Aussicht, die wir leider nicht bekommen haben. Unzählige Leute hatten inzwischen mit ihm gesprochen, doch nichts half, er hatte keinerlei Einsicht, war sogar der Meinung sein aggressives Verhalten sei normal und legitim, vermutlich weil er es selbst nicht anders erlebt hat. Im Sommer 2018 fing unsere Tochter dann an, Nahrung und Flüssigkeit zu verweigern, oftmals, wenn der Vater anwesend war. Als ich die Dame vom Jugendamt darauf ansprach, wurde mir nur gesagt, man könne den Vater doch nicht jedes Mal raus schicken, NUR, weil sie nicht isst. Der Höhepunkt des Ganzen war, dass er wortwörtlich sagte, er würde uns im Schlaf die Kehle durchschneiden, das ginge ja ganz schnell, was er sogar gegenüber der Dame vom Jugenamt zugegeben hat. Ich verbarrikadierte abends die Schlafzimmertür (er schlief irgendwann nur noch auf dem Sofa, weil die Anwesenheit seiner Tochter ihn gestört hat) und habe wenige Tage später die Schlösser ausgetauscht, woraufhin das Jugendamt erst eine Vereinbarung auf Verdacht der Kindeswohlgefährdung ausgestellt hat, die festlegt, dass er unsere Wohnung nicht mehr betreten darf. Seit einem halben Jahr ist er nun weg und der Zustand der kleinen Maus besserte sich enorm, sie begann zu sprechen, sie nahm endlich wieder zu und isst viel und gerne. Den Kindsvater haben wir seitdem nur zweimal getroffen und jedes Mal liefen die Treffen darauf hinaus, dass er kein Geld mehr hatte und welches von mir haben wollte.
      Als er dann im August Post vom Jugendamt bekommen hat, zwecks Unterhalt, hat er mich und meine Tochter massivst über Whatsapp bedroht und angedroht uns etwas anzutun, sobald er uns auf der Straße sieht. Am nächsten Tag habe ich Anzeige bei der Polizei wegen Bedrohung erstattet und ihn auf sämtlichen Plattformen, sowie seine Rufnummer blockiert.
      Vor Kurzem bin ich dann zum Gericht gegangen und habe das alleinige Sorgerecht für meine Tochter beantragt, weil er in all der Zeit, vor und nach der Trennung, nichts für sie übrig hatte. Inzwischen hab ich sogar erfahren, dass er kurzzeitig in der geschlossenen Anstalt war, weil er in der WG, in der er untergekommen ist, mit meiner Messer herum gelaufen ist, worauf seine Mitbewohner die Polizei alarmiert haben, welche ihn in die Anstalt verbracht haben.

      Nun ist aber das Jugendamt der Meinung, ich würde damit, trotz allem, was er uns angetan hat, nicht durchkommen und ich habe wirklich Angst um meine kleine Maus.
      Ich habe einige Unterlagen zusammen getragen, sowie die von Geburt an protokollierten Mahlzeiten und alle Drohnachrichten gespeichert.


      Ich hoffe, ihr könnt mir etwas weiterhelfen.
      Bitte entschuldigt, falls der Text etwas lang ist

      • (2) 09.01.19 - 00:42

        Such dir einen Anwalt, für Familienrecht.. Da sollte dir jemand helfen können und ganz ehrlich, das Jugendamt, kann man in meinen Augen vergessen!
        Auch wegen den ganzen Drohungen, mal zur Polizei gehen und fragen, was die machen können.
        Und eine neue Wohnung suchen, damit er eure Adresse nicht mehr hat.
        Viel Glück
        LG

        • (3) 09.01.19 - 14:05

          Hallo,
          Danke für deine Antwort.
          Ich war bereits bei der Polizei und habe Anzeige wegen Bedrohung erstattet und dort wurde mir versichert, man würde sich des Problems annehmen.
          Morgen begebe ich mich mit den von mir gesammelten Unterlagen und Beweisen zum Kinderschutzbund, in der Hoffnung, dass sie vielleicht noch eine Idee haben.

      (4) 09.01.19 - 09:16

      Das Jugendamt könnte schon richtig liegen. Ob er das Sorgerecht hat oder nicht, ändert nichts an der körperlichen Gefahr, in der sich eure Tochter befindet. Beim Sorgerecht ist der Vater gefragt bei Entscheidungen, in welche Kita oder Schule sie geht, ob sie ein Konto eröffnen darf oder ob ein wesentlicher medizinischer Eingriff erfolgen darf oder nicht.

      Konkret gefährdet wäre eure Tochter, wenn er Umgang mit ihr einfordert. Der allerdings ist von der Sorgerechtssituation nicht beeinflusst. Selbst wenn du alleiniges Sorgerecht hättest, hätte er ein Umgangsrecht.

      Das Jugendamt wird vermutlich darauf abzielen, dass die paar wesentlichen Entscheidungen, bei denen er ein Mitspracherecht hätte, das Kindeswohl nicht schädigen. Von daher ist der Hinweis gut und richtig, dass es sein kann, dass der Antrag auf ASR kein Erfolg hat.

      LG

      • (5) 09.01.19 - 14:02

        Hallo,
        Vielen Dank für deine Antwort.

        Er hat sich die ganze Zeit über nicht gerührt, aber jetzt war er über die Feiertage bei seinem Vater, der nur einen Bruchteil der Geschichte kennt, nämlich das mein Ex Partner aufgrund von Streitigkeiten ausgezogen ist. Nun hat der Vater wohl enormen Druck auf ihn ausgeübt, damit er jetzt regelrecht aufdringlich wird. Am 16. ist er zu der Dame vom Jugendamt geladen, die seine Sicht der Dinge hören möchte. Auch regelmäßigen Umgang fordert er jetzt ein und mir graut es davor, weil seine Wutanfälle stets unvorhergesehen und plötzlich kamen, da könnte dann auch eine Aufsichtsperson nicht mehr rechtzeitig einschreiten.

        • (6) 09.01.19 - 14:21

          Schwierig. Einerseits ist es deine Pflicht, Umgang zu fördern. Anderseits hast du schlimme Erfahrungen und die nicht unbegründete Sorge, dass er dem Kind schaden könnte. Du solltest auf jeden Fall eng mit JA und/oder Kinderschutzbund zusammen arbeiten. Erstens müsste der Umgang angebahnt werden, zweitens kannst du bei der Vorgeschichte nicht die Person sein, die den Umgang begleitet, bis man ihn als gefahrlos einstuft.

          Ich würde mich so präsentieren, dass du nicht komplett abblockst, aber Unterstützung erbittest, also zB Begleitung beim Umgang durch öffentliche Stellen, Mediation/Elternberatung. Du musst deine SORGE aufgrund der Vorfälle verdeutlichen, ohne als boykottierende Kinderbesitzerin rüber zu kommen. Du brauchst auf jeden Fall rechtliche und mentale Unterstützung. Und dann kannst du nur hoffen, dass er sich entweder geändert hat oder an geeignetem Ort sein wahres Gesicht zeigt.

          Dokumentiere in einem "Tagebuch" alle Kontakte, Kontaktaufnahmen per Mail, Tel., etc und versuche ihm nicht ohne Zeugen über den Weg zu laufen.

          LG

    (7) 14.01.19 - 13:53

    Ich bin gerade vollkommen schockiert. Du tust mir so leid. Aber bei dem, was Du schreibst, kann man doch sicher das Umgangsrecht aussetzen. Das Kindeswohl ist absolut gefährdet und wenn das ein Richter anders sieht, fresse ich einen Besen! Wenn absolut keine Kommunikation möglich ist, müssten die Chancen für das ASR auch gut stehen. Es wundert mich, dass die anderen es so anders sehen.

    • (8) 14.01.19 - 14:49

      Was heißt anders sehen... Man muss die juristische Sichtweise bedenken. Bei der gilt es, Kindeswohl und Mutterwohl nicht zu verwechseln. Der Umgang ist hohes Gut und durch Art. 6 GG geschützt. Um da einzugreifen, muss also ein erheblicher Grund vorliegen, auch wenn das Bauchgefühl einen anderen Weg "richtig" oder "gerecht" findet. Deshalb muss man also zurückstellen, dass der Umgang schlimm für die Mutter ist und ganz präzise auseinander nehmen, wie der Umgang für das Kind ist/wäre.

      Das ist frustrierend, aber leider Fakt. Die gegnerische Seite würde argumentieren, dass der Umgang über Dritte organisiert werden kann, so dass die Eltern sich nicht begegnen müssen.

      LG

      • (9) 14.01.19 - 19:04

        Hätten sich seine Aggressionen gegen mich gerichtet und wäre er meiner Tochter ein liebevoller Vater gewesen, dann würde ich den Kontakt selbstverständlich niemals unterbinden. Aber er hat immer wieder betont, dass sie verantwortlich für die Situation sei und er sich wünsche, sie wäre niemals geboren worden und seine Beleidigigungen und Aggressionen richteten sich meistens gegen sie. Man muss auch bedenken, was das bei einem Kind anrichtet, immer wieder zu hören, man sei ungewollt und ein Unfall.

        Ein weiteres Problem ist auch, dass seine Wutanfälle stets plötzlich und unvorhergesehen kommen und sie aus seiner Sicht sein Leben kaputt gemacht hat.

        • (10) 14.01.19 - 19:14

          Diese Art der Argumentation wäre "die richtige". Ich wünsche dir einen Anwalt mit viel Fingerspitzengefühl und Händchen dafür, diesen schmalen Grat "Kindeswohl" zu beleuchten und gut untermauern zu können. Nicht, dass du mich falsch verstehst, ich plädiere nicht für Umgang um jeden Preis. Manchmal wäre es einfach besser, es gäbe keinen. Aber der Weg dorthin ist nicht ohne.

          LG

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