Verzweifelt - Sorgerecht - physische Gewalt gegen psychische Gewalt

Guten Abend,
ich wende mich an euch wegen eines Themas für das ich mich sehr schäme. Ich bin jetzt seit etwa einem Viertel Jahr von meinem Mann getrennt. Es war wirklich eine schreckliche Ehe, ich war sehr viel alleine und habe mich komplett alleine um die Kindererziehung gekümmert. Die Ehe war sehr konfliktreich und ich war/ bin in finanzieller Hinsicht abhängig von meinem Mann.Dazu muss ich sagen mein Mann hat ADHS, und behandelt dieses erst seit ca. einem Jahr mit Ritalin, ohne Ritalin hätte ich es sicher keine Sekunde mehr mit ihm ausgehalten. Es ist mir wirklich noch nie vorher passiert und entspricht auch eigentlich gar nicht meinem Naturell, aber ich habe meinen Mann geschlagen. Nicht regelmäßig und auch nicht verletzt - also nie - aber trotzdem ist es ja Gewalt. Das erste Mal ist es mir kurz vor unserer kirchlichen Trauung passiert. Er hatte mir im Streit damit gedroht mir die Kinder weg zu nehmen, er meinte er würde aufhören zu arbeiten (er ist sehr vermögend) und dann würde er mir die Kinder weg nehmen, da ich sie finanziell nicht versorgen könne. Ich hab da ehrlich rot gesehen, da ich mich komplett alleine um die Kinder kümmerte, den Haushalt, nebenbei studierte, nachts wegen der nachbarn nie schlafen konnte und ich einfach nicht fassen konnte was da gerade passiert. Das ist natürlich kein richtiger Grund zu zu schlagen, aber es ist eben passiert und rückgängig konnte ich das auch nicht mehr machen. Ich hab mich auch entschuldigt, ich habe ihn auch nicht verletzt - zumindest äußerlich - aber ich hatte ne Grenze überschritten. Ab diesem Zeitpunkt ist mir das allerdings noch ca. 6 - 7 mal passiert, innerhalb der letzten drei Jahren vor der Trennung, wobei im letzten Jahr davon nichts mehr passiert ist. Ich habe mir auch Hilfe gesucht, war beim Arzt und Psychlogen. Da ich eine Frau bin und mein Mann nie verletzt war hat mich allerdings keiner so richtig ernst genommen. Die Schläge bzw. Ausraster waren stehts Resultat von Drohungen und Demütigungen. Mein Mann hat mir immer wieder damit gedroht mir die Kinder wegzunehmen (sogar unsere damals noch ungeborene Tochter) er hat mich beschimpft, mir finanziell gedroht, mich gezwungen Dinge zu tun auf die ich keine Lust hatte, ich war an allem Schuld - wenn er nicht schlafen konnte, dass er wegen den Kindern nun kein Leben mehr hatte. Er hat sich für die Kinder und mich nur dann interessiert wenn wir der familie vorgeführt werden sollten - ansonsten hat er mit mir rum gestritten dass er weggehen will zum saufen oder Fussball schauen will. Er forderte für sich alle Freiheiten, hat sich leider aber nie an irgendwelche Abmachungen gehalten und mich ständig für blöd verkauft und mich angelogen wenn es z.B. um seinen Drogenkonsum ging. Ich hatte mir mit ihm immer eine schöne kleine Familie gewünscht und mich wirklich auch bemüht ihm seine Wünsche zu erfüllen und für ihn da zu sein. Mir war es dafür wichtig, dass er sich um seine Kinder kümmert, keine Drogen nimmt und sich vernünftig verhält. Die Situation wurde aber aufgrund der ständigen Streitereien immer schlimmer - nachdem er mir beim Sex (und wir hatten nicht häufig welchen) weh getan hatte und mich darauf hin angschnauzt hatte ich solle mich nicht so anstellen weil das hätte sicher nicht wehgetan - hab ich jegliche sexuelle Aktivität eingestellt - er hat sich dafür nie entschuldigt geschweige denn versucht mich zu verstehen, warum ich nicht mehr mit ihm schlafen wollte. Wenn er weg ging kam er immer zerstört nach Hause und konnte das ganze Wochenende nichts mehr anstrengendes machen und ist so vor den Kidern halbnackt rum geflogen. Generell war er in der Wohnung meist halbnackt und die meiste Zeit hing sein Geschlecht aus der Unterhose raus - ich war tierisch angeekelt und oft auch sehr wütend. Auch der Umgang mit den Kindern war mies - unser Sohn hatte z.B. ins Bett gebrochen und anstatt aufzustehen und beim umziehen und sauber machen zuhelfen meinte er nur "leg doch ein handtuch drüber" und hat weiter geschlafen. Unternehmungen mit den Kindern fanden wenn überhaupt nur nach nem streit statt. hatte ich prüfungen und ihm vorher gebeten mir die Kinder abzunehem, damit ich lernen kann hatte er dann keine zeit mehr, wenn es soweit war - aber das Studium sollt ich trotzdem so schnell wie möglich beenden damit ich ihm nicht mehr auf der Tasche liege.
Ich hab in dieser Zeit viel mit ihm gestritten und war auch laut dabei - es war aber nicht die Regel dass ich zu schlage. Es ist mir einfach aber einige Male passiert, ich habe mich selbst nicht mehr gekannt und war sehr froh nachdem er sich endlich überreden hat lassen mit mir eine Ehetherapie zu machen. Ich hab mir die Tipps des Therapeuten sehr zu Herzen genommen und vieles verändert und ihn trotz weiterer Streitigkeiten nicht mehr geschlagen. Der Therapeut meinte ich stehe kurz vor dem Burn out und konnte die Aggressionen meinem Mann gegenüber damit erklären. Besser hat es das für mich auch nicht gemacht - ich schäme mich noch heute!
Dennoch und trotz aller Bemühungen habe ich mich getrennt, nachdem er mich einfach weiter erpresst und bedroht und beschimpft und gedemütigt hatte - ich hatte das bereits in der Therapie gesagt dass ich das nicht mehr dulden könne und ich auch selbst meine eigenen Ausraster nicht mehr ertrage. So und jetzt sind wir getrennt und er rennt rum und erzählt er hätte Angst vor mir gehabt, weil ich ihn immer blaue flecken geschlagen hätte. Ich weiß ja selbst dass zu zu schlagen keine Glanzleistung war und ich schäme mich dafür selbst am allermeisten, aber es scheint bei dieser Aussage um das Sorgerecht zu gehen und das ist richtig mies. Ich liebe unsere Kinder - für sie tue ich alles - ich habe und würde diese auch niemals schlagen. Nur seit der Trennung vergeht keine Woche, ohne dass mir vorgeworfen wird dass ich die Kinder gegen ihn aufhetzen würde, dass ich sie ihm vorenthalten würde und sie sich dadurch entfremden würden und und und. Er sieht seine Kinder einmal unter der Woche und jedes zweites We. Bei ihm schlafen tun sie nicht. Der große Sohn möchte das nicht. Nun nachdem der Vorwurf mit der Angst und meiner gewaltätigkeit laut wurde, mache ich mir so langsam Sorgen worauf er damit abzielt, v.a. wegen der ganzen anderen unterstellungen. Ich würde gerne im Sinne der Kinder wenigstens die Trennung/Scheidung ohne großes tamtam über die Bühne bringen. Ich will kein Geld, ich will auch keine schmutzige Wäsche waschen vor Gericht - ich hätte gerne einfach meine Ruhe. Was kann ich tun und welches Risiko besteht dass mir das Sorgerecht entzogen werden könnte?

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Hallo 🙋‍♀️

Also erstmal muss ich sagen das ich dir wahrscheinlich zwar keinen besonders guten Rat geben kann zu deinem Problem, und mir fehlen auch teilweise die Worte im moment bei dem was du geschrieben hast. Vorallem wundert es mich auch das du es überhaupt noch geschafft hast diesen Text zu schreiben? Ich meine was du erlebt hast ist wirklich schlimm, und ich bin mir sicher das viele Frauen schon am Boden liegen würden. Ich wahrscheinlich mit eingeschlossen. Ich finde die Srt und das Verhalten deines noch Ehemannes unter aller Sau. Wirklich. Ich meine ich sehe meinen Mann zwar auch nur wenig und übernehme Sachen wie Erziehung, Hauhalt, etc auch alleine, aber alles andere was du beschrieben hast übertrifft wirklich alles. Ich bin unheimlich froh das du den Schritt zur Trennung machen konntest und hoffentlich schnell wieder deinen Frieden findest mit deinen Kindern. Das was du in der Ehe erlebt hast kann man ja keinem zumuten. Und das du Ausraster bekommen hast und deinen Mann geschlagen kann ich vollkommen nachvollziehen, ehrlich. Ich hätte an der Stelle früher oder später wahrscheinlich das selbe getan denn irgendwann sind die Grenzen wirklich erreicht und ich bin in der Hinsicht genau wie du wenn es um mein Kind geht (mit den Drohungen)... das du solche Ausraster hattest liegt also in meinen Augen nicht an dir, sondern an dem Druck deines Mannes. Und das du kurz vorm Burn Out standest kann ich mir durchaus vorstellen. Wirklich schlimm. Ich bin mir auch ziemlich sicher das dein Mann dir so einfach die Kinder nicht wegnehmen kann. Da müsste es schon wirklich triftige Gründe dafür geben das du aus irgendwelchen Gründen wie Alkohol, Drogen, Misshandlung, Vernachlässigung etc dich nicht um die Kinder kümmern kannst. Und ich denke mal wenn vor Gericht über das Sorgerecht von deinem Mann gesprochen wird müsste er wohl um einiges mehr Ängste haben als du. Ich wünsche dir für die Zukunft alles gute und das ihr euch von dem ganzen Erlebnis gut erholt.

Liebe Grüße und fühl dich umarmt, ich hab wirklich vollstes Verständnis für dich.

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Die Kinder wohnen bei Dir und er hat nur Interesse an Umgang. Somit müsste er begründen, warum die Kinder seiner Meinung nach bei Dir nicht gut aufgehoben sind - was er ja durch das Überlassen schon widerlegt. Müsste er Angst haben, dass Du die Kinder misshandelst, hätte er ja vorher schon etwas unternehmen müssen. Dass Du ihn geschlagen hast spielt keine Rolle, vor allem dann nicht, wenn Du dazu stehst und es nicht mehr passiert.

Er hat wohl ja auch gar kein echtes Interesse daran, dass die Kinder bei ihm wohnen. Dann müsste er sich ja 24/7 kümmern und alles regeln, was sie betrifft. Kann und will er das überhaupt leisten? Wollte er ja offenbar noch nie! Also sind das nur leere Drohungen, die Du ihm eigentlich gar nicht hättest glauben dürfen.

Wenn Du wirklich Sorge hast, dass er Dir etwas anhaben kann, dann führe Gespräche mit Jugendamt oder Kinderschutzbund. Ich würde Letztere empfehlen. Du kannst dort zu Protokoll geben, was passiert ist und auch die Zusammenarbeit mit dem Therapeuten offenlegen. Dort wurde ja in seinem Beisein besprochen, wie oft Du Deinen Ex geschlagen hast und welche Folgen das hatte. Ebenso wird es ja Aufzeichnungen geben, welche Misshandlungen er Dir angetan hat. Es ist auch möglich, dass bei einem Sorgerechtsstreit die Aufzeichnungen eine Rolle spielen. Aber normalerweise wird dabei nur geschaut, was dem Kindeswohl entspricht. Und hier kann er Dir kein Fehlverhalten nachweisen.