Liebeskummer oder schon depressive Verstimmung?

Hallo in die Runde,
vermutlich komme ich hier mit einem "Klassiker-Thema", welches der ein oder andere schon nicht mehr hören kann. Ich weiß auch, dass Zeit alle Wunden heilt und Liebeskummer vergeht.
Allerdings bemerke ich bei mir diesmal einen Unterschied und in mir kommt Angst auf.
Kurzer Abriss: Ich war seit 1,5 Jahren das Verhältnis eines vergebenen Mannes. Vielleicht nicht mit dem typischen Ablauf, denn es haben sich beiderseits ehrliche, tiefe Gefühle entwickelt. Es gab also keine leeren Versprechungen oder "Hinhaltetaktiken" von ihm an mich.
Wir haben über mehrere Monate einerseits klare Gespräche gehabt, ob er sich trennen wird und über seine/meine Gefühle geredet. Er konnte bis zuletzt keine Entscheidung treffen, war sich so dermaßen unsicher, dass ich nun - hoffentlich halte ich es durch! - den Schlussstrich gezogen habe.
Zwischen uns beiden herrscht eine extreme körperliche Anziehungskraft. Das hatte ich tatsächlich noch nie vorher in meinem Leben. Selbst in richtigen Beziehungen nicht. Es passt körperlich und auf der Vertrauensebene zu 1000 %.
Nun sitze ich hier und bin ganz klar in das klassische "Liebeskummerloch" gefallen. Allerdings habe ich richtig aufkommende Ängste, meiner Meinung nach mehr als normal, dass ich solch eine Konstellation (also die passende Chemie meine ich) nie wieder finden werde. In meinem Job und in allen Freizeitaktivitäten "funktioniere" ich irgendwie. Abends weine ich. Es überkommt mich einfach und ich habe das Gefühl aus diesem Loch einseits sehr schwer wieder hinaus zu kommen und andererseits habe ich eine riesen Angst rückfällig zu werden.
Ich weiß, dass ich mit diesem Mann nie eine Beziehung führen werde.
Ich war nun ein paar mal bei einer Lebensberatung. Diese schätzt mich als selbstbewusst genug ein und sieht mich nicht als "krank" an. Ich will das Urteil nicht in Frage stellen, aber was kann ich denn noch tun? Ich gehe meiner Arbeit nach, ich beschäftige mich in meiner Freizeit, ich fahre alleine in den Urlaub, ich grabe mich nicht zuhause ein usw.
Aber ich habe einfach das Gefühl, dass es alles sinnlos ist und keine Besserung eintritt.
Wenn ich an den Umstand denke ihn nicht mehr in meinem Leben zu haben, muss ich einfach nur weinen.
Privat haben wir keinen Kontakt mehr. Dienstlich ist es leider nicht ganz unmöglich ihn nicht mehr zu hören/zu sehen. Aber es hält sich in Grenzen. Selten dienstliche Telefonate, Sehen nur zwischen Tür und Angel ab und an und im Beisein von anderen.

Wie seid ihr aus so einer Situation herausgekommen?
:(

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"Ich weiß auch, dass Zeit alle Wunden heilt und Liebeskummer vergeht."

Ganz genau.

Mir ging es mal ähnlich wie dir. Es war furchtbar...ich kam mir vor wie ein Drogenabhängiger auf Entzug (was genau genommen biochemisch auch der Fall ist).

Man muss leider durch dieses tiefe Tal gehen, bis irgendwann die Sonne wieder scheint.
Es gibt keinen Trick, keine Pille und keinen Aus-Knopf...du musst leider durchhalten.

Wann hattest du denn den Schlussstrich gezogen?
Es hört sich so an, als wären gerade mal ein paar Wochen vergangen...

Da du ihn beruflich ja leider noch sehen musst, könntest du noch einen Arbeitgeberwechsel in Betracht ziehen, bevor du dich jahrelang quälst.
Denn jedes Mal, wenn du ihn siehst oder hörst, wird es dich "zurückwerfen". So, als würdest du einem trockenen Alkoholiker alle 2 Wochen einen Cuba Libre kredenzen und dann wieder trockenlegen.
So kommt man nie wirklich weg davon....

Liebe Grüße

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Ich kenne deine Situation aus eigener Erfahrung. Es ist die Hölle. Auch wenn es bei mir nur ein paar Monate ging. Das was du über die körperliche Anziehung und Chemie sagst, war bei mir exakt das Gleiche. Der Liebeskummer ist scheiße, und wie ein Drogenenzug. Bei mir hat es fast ein Jahr gedauert, bis ich mein Gefühlsleben wieder einigermaßen im Griff hatte. Und meine Verarbeitungstaktik war nicht die beste. Was allerdings im Nachhinein wichtig war, dass ich 0,0 Kontakt zu ihm hatte. Ich habe deswegen die Firma gewechselt. Auch die Angst keinen mehr zu finden kenne ich. Ich kann dir nix versprechen, aber verschließe dich nicht. Ich hatte tatsächlich Glück und habe nach ca. einem Jahr meinen jetzigen Mann kennen gelernt und Kind Nummer 2 ist unterwegs. Es wird besser. Gib dir Zeit. Du hast keine Wahl, als es aushalten. Solltest du daran denken rückfällig zu werden, versuche nicht nur daran zu denken, was du dir damit antust, sondern auch der anderen Frau. Ich weiß, die sind immer sehr "gesichtslos" aber glaub mir, im Nachhinein willst du dir nicht vorstellen, wie sich so ein Betrug anfühlt. Es fühlt sich 1000 mal schlimmer als dein jetziger Liebeskummer an.

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Genau aus dem Grund habe ich mich in ähnlicher Versuchung gegen die Liaison entschieden und bin heute noch stolz auf meine Entscheidung: Was mit Betrug anfängt, kann niemals Liebe sein...Das sind Psychospielchen. Die Geliebte ist in Wahrheit einfach die Gefickte. Kopf,Herz ,Körper - in jeder Hinsicht gefickt. Sorry für die Wortwahl, aber es beschreibt es ganz gut. Damit musst du jetzt klar kommen, es braucht Zeit. Oder stell die Frau zur Rede (oder er tut es), sie hätte ein Recht drauf es zu erfahren. Die Magie eures "Geheimnisses" ist der ganze Zauber, hinterher wird einiges klarer.

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Da muss ich dir leider völlig recht geben. Ich frage mich selber, wieso ich mir das angetan habe. Und andere Frauen es tun. 99% der Männer die betrügen verlassen ihre Frauen niemals für die andere. Das hat so gut wie nie was mit Liebe oder tiefen Gefühlen zutun. Auch wenn wir Frauen uns das zu gerne einreden, weil es ja so schön ist...

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Leider. Es ist aber auch so, dass der Mann oftmals gar nicht erst die Wahl hätte, als Verlassen zu werden, wenn die Frauen sich in der Situation lieber zusammen tun würden und ehrlich zu sich und einander wären. Stattdessen bleibt die unfreiwillige Betrügerin lieber ruhig und der Betrüger kann sich in seiner Bösartigkeit sonnen, samt angeblich "schlechtem Gewissen" etc. Diese ganzen "leidenschaftlichen" Gefühle füßen doch letzlich auf dem Reiz des Verbotenen. Die meisten Frauen/Männer würden den Mann/die Frau verlassen, wenn sie durch andere von der Affäre erfahren würden, aber leider lassen die Gespielinnen den Mist einfach mit sich machen und halten sich in ihrer Verzweiflung für Besonders.

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Leuten, die kein Verständnis für Depressionen haben, kann man ruhig sagen, sie sollen es sich wie ihren schlimmsten Liebeskummer vorstellen, den sie je hatten (sofern sie schon welchen hatten). Dann kommt oft "puh, also da ging es mir richtig mies, ich war wochenlang wie krank, hab nur noch funktioniert, viel geweint und hatte zu nichts Lust..", ja richtig! Und dann kann man ihnen sagen, dass es so ähnlich ist, nur dass man keinerlei Ursache greifen kann und auch nicht weiß, ob es mal besser wird.

Der Zusammenhang andersherum ist auch möglich, Du kannst auch durch Liebeskummer depressiv werden. Passiert aber eher selten, meist geht die Trauer vorbei. Die Frage ist für Dich an der Stellen, ob Du Dir Hilfe suchst oder es aussitzen möchtest. Beides ist möglich, aber wenn Du zu sehr leidest, dann musst Du das auch nicht alleine durchstehen.

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Vielen Dank für Eure Worte. Tatsächlich ist es erst ein paar Wochen her. Vielleicht ist der Zeitraum zu kurz um mehr zu erwarten, aber ich habe in meinem Leben schon öfter Liebeskummer gehabt. Es ist leider irgendwie anders für mich dieses Mal. Und das verunsichert mich so.
Den Arbeitsplatz kann ich leider nicht so einfach wechseln, aber ich kann versuchen ihn noch weniger zu sehen.