Drehe ich durch?

Ich wende mich nun komplett verzweifelt an euch und schütte euch mein Herz aus.. also, ist eine lange Geschichte; Vorab ist es evtl wichtig zu erwähnen dass mein Expartner starke Depressionen mit suizidgedanken, zwangsgedanken und eine Depersonalisationsstörung hat. Er nimmt starke Medikamente, hat im November begonnen vermehrt Alkohol zu trinken (was zum Glück wieder vorbei ist), war in einer Psychiatrie aus der er sich jedoch selbst entlassen hat und dementiert mittlerweile die schwere seiner Erkrankung.

Mein jetzt Expartner und ich hatten besprochen nach der Geburt unseres 1. Kindes für eine Woche bei meinen Eltern zu wohnen, da wir es nach Weihnachten aufgrund von vorwehen nicht mehr nach Hause geschafft haben (wohnen 4 stunden von unseren Familien entfernt). Meine Geburt lief vollkommen anders als erhofft, endete in einem Notkaiserschnitt und nahm/nimmt mich psychisch sehr mit. Ich wollte keinerlei Besuch im Krankenhaus, was mein Expartner auch wusste. 1 Tag nach der Geburt stand dann plötzlich meine Gesamte ehemalige Schwiegerfamilie in meinem Zimmer. Mein Expartner nahm mir unseren Sohn aus dem Arm, reichte ihn rum, alle machten Fotos mit ihm und gingen dann wieder, während ich mit Tränen in den Augen im Bett lag. Mein Baby wurde behandelt, wie ein Wanderpokal. sein Verhalten rechtfertigte er mit der Aussage „der Kleine ist schließlich auch mein Sohn. Es ist mein gutes Recht wenn ich ihn meinen Eltern zeigen will.“

2 Tage nachdem wir dann bei meinen Eltern das Gästezimmer bezogen hatten, warf mein ExPartner meiner Mutter, mit welcher er sich eigentlich immer blendend verstanden hatte, vor, sie würde ihm sein Kind wegnehmen. Dies begründete er damit dass sie den kleinen oft gehalten hatte, oder aber auch wickelte, was mir aufgrund des Kaiserschnitts noch sehr schwer fiel. Ich fiel aus allen Wolken, verstand nicht, wieso er das plötzlich sagte und auch er selbst konnte nicht erklären, wieso meine Mutter ihm so etwas „antun“ sollte (zumal sie sich ja auch mit mir anlegen würde, wenn sie sich zwischen meinen Partner und Sohn drängen würde). Er war an keiner Klärung des Streits interessiert und floh 2 Tage nach der Geburt in sein altes Elternhaus und ließ mich mit dem kleinen allein. 4 Tage später fragte er dann ob wir uns nicht mal sehen könnten, verlangte aber von mir dass wir spazieren gingen oder in Cafés, da er sich bei meinen Eltern zu Hause nicht wohl fühlen würde, da meine bösartige Mutter ja da sein würde. Aufgrund des Wochenbetts war mir das rausgehen aber leider nicht möglich, weshalb ich verneinte. Einmal überwand er sich dann schließlich doch zu kommen. So zog sich alles hin und ich blieb schlussendlich (auch aufgrund der Geburt) 8 Wochen bei meinen Eltern. Mein Expartner sah den kleinen in dieser Zeit 4 mal. Er fragte kaum nach ihm oder aber weigerte sich, uns im Wochenbett besuchen zu kommen Und traf sich lieber mit alten Schulfreunden. Schließlich fuhr er eine Woche vor meinem Sohn und mir schon zurück an unseren eigentlichen Wohnort, da er wieder arbeiten musste. Als ich mich am Abend vor seiner Abreise nach unserem Hund erkundigte, eröffnete er mir plötzlich dass er diesen an seine Eltern verschenkt hätte und ich dies zu akzeptieren hätte. Ich fühlte mich unfassbar übergangen und began an unserer Beziehung zu zweifeln.
Meine Schwiegereltern selbst meldeten sich nach dem Besuch im Krankenhaus nie wieder oder erkundigten sich nach dem kleinen.
Trotzdem ließ ich das ganze irgendwie über mich ergehen. Für unseren Sohn. Ich wollte diese glückliche Familie. Das, was ich mir immer gewünscht hatte.
Als ich dann auch wieder zu Hause mit dem kleinen ankam, hoffte ich dass sich alles wieder beruhigen würde. Ich schob es alles auf die Ausnahmesituation und die psychische Erkrankung meines Expartners. Jedoch verbesserte sich nichts. Mein Expartner agierte kaum von selbst gegenüber dem kleinen und beschäftigte sich meistens nur nach Aufforderung mit ihm. Einen Nachmittag schlug er ihn aus Versehen mit dem Kopf gegen die Decke (wir wohnen unterm Dach). Der kleine weinte bitterlich und beruhigte sich kaum. Ich wusste gar nicht, was passiert war. Erst nach 10 Minuten gab mein Expartner zu dass ihm der kleine an die Decke gestoßen sei.
Dazu kam noch die Tatsache dass er sich kaum um den Haushalt kümmerte, alles an mir hängen blieb und es nur seltenst vorkam dass er mir mal etwas abnahm. Wenn ich ihn nicht weckte, Schlief er bis 13/14 Uhr.
Er bemühte sich nicht mehr um seinen Job, machte ständig krank und begann viel Zeit am Handy zu verbringen und äußerte sich politisch sehr fragwürdig. Er sprach davon dass Nordkorea ein großartiges Land sei und Menschen wie Mao und Stalin geehrt werden sollten.
Schließlich trennte ich mich von ihm, da mir alles zu viel wurde. Er sprach immer nur von seinen Gefühlen, kümmerte sich nur um sich und hatte keinerlei Einsicht zu seinem Verhalten. Seine Abwesenheit in den ersten 8 Wochen begründete er damit dass er sich unwohl gefühlt hatte in meinem Elternhaus und ich das akzeptieren müsse.
Nun haben wir ja das gemeinsame Sorgerecht. Ich wand mich ans Jugendamt und schilderte die Situation. Erklärte die psychische Erkrankung meines Expartners und wollte eine professionelle Einschätzung zu der Situation. Die Mitarbeiter pflichteten mir bei dass das kindeswohl durch meinen Expartner gefährdet sei und das alleinige Sorgerecht sinnvoll wäre.
Ich versuchte mehrfach in Ruhe mit meinem Expartner zu reden, doch er wurde nicht Einsichtig. Er weigerte sich sogar zu reden und sagte nur immer wieder er sei ein großartiger Vater und habe sich nichts zu schulden kommen lassen.
Weiterhin erzählte er mir dass sein Psychologe über mich lache und ich ruhig versuchen soll ihm das Sorgerecht zu entziehen.
Nun stehe ich hier, komplett erschüttert, mit meinem Sohn. Den ersten Termin beim Anwalt habe ich nun hinter mir, da sich mein Expartner auch weigert, Unterhalt zu zahlen. 160€ wäre er bereit zu zahlen und keinen Cent mehr.
Ich leide total unter der Situation weil ich das alles so nicht wollte und leider leider auch immer noch Gefühle für diesen Menschen hege. Nur zweifle ich mittlerweile auch an meinem Verstand, weil mein Expartner wirklich gar keine Einsicht zeigt und sowohl von seiner Familie, als auch von seinem Psychologen (angeblich) Rückhalt hat, dass ich die „böse“ in der ganzen Sache sei. Laut ihm lacht der Psychologe über mich und sagt ich handle ich böse und keinesfalls gerechtfertigt. Es gebe keinen Grund dass ich das alleinige Sorgerecht bekomme und mein Expartner habe keine Fehler begangen. Ich weiß nicht mehr weiter und weiß auch nicht wirklich was ich mir von diesem Post erhoffe. Vllt könnt ihr ja mal eure Meinung dazu schreiben oder wie ihr Handeln würdet. Reagiere ich evtl wirklich über? und entschuldigt den Roman. Ich hoffe ich hab nichts wichtiges vergessen und es ist irgendwie verständlich..

Liebe Grüße und bleibt gesund💖

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Hallo!

Es tut mir leid dass du so eine schwere Zeit durchstehen musst, furchtbar :( die Trennung war definitiv das richtige für dich und deinen kleinen Sohn :)
Mit dem Sorgerecht sehe ich persönlich jedoch wirklich keinen Grund, es ihm zu entziehen. Ja, er hat diese Krankheiten, aber hat er sein Kind wirklich gefährdet oder sonst etwas? (Der Vorfall mit dem anschlagen an der Wand gehört hier ziemlich sicher nicht dazu. Ja er muss vorsichtiger sein, aber solche Dinge können leider passieren, auch wenn ich dir glaube, dass hier dein Herz geblutet hat :()

Was ich auf jeden Fall auch ganz offiziell übers Gericht klären würde ist der Unterhalt. Du wirst ihn brauchen und er steht deinem Kind zu. Da hat er herzlich wenig zu entscheiden wieviel er zahlen möchte. Einigen kann man sich im Nachhinein noch immer, aber es sollte ganz klar sein was Sache ist, für euch beide.

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Vielen Dank für deine Worte und deine Einschätzung!
Und ja, bei dem Vorfall mit der Wand war ich fassungslos. Natürlich kann das mal passieren, aber er hat es mir ja erstmal absichtlich verschwiegen..
ich traue ihm einfach nicht zu allein mit dem kleinen klarzukommen, weil er nicht mal sein eigenes Leben auf die Reihe bekommt. Alles regeln seine Eltern für ihn, obwohl er ja ein erwachsener Mann ist! Selbst was unsere Beziehung angeht. Ständig konnte ich mir von meiner schwiemu anhören, was ich doch bitte machen soll. Das macht mir sorgen. Schließlich steht ihm ja alleinige Zeit mit unserem Sohn zu. Da habe ich Angst um ihn..

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ich Glaub dir, dass es super schwer ist sich vorzustellen, dass so jemand (bzw. der Vater) auch sein Kind mal alleine haben wird :( dennoch ist Unselbstständigkeit kein Grund das Sorgerecht zu entziehen.

Vielleicht hilft dir aber der Gedanke,
dass wenn er jetzt schon so unselbstständig ist, er auch mit Kind viel Hilfe seiner Mama haben und einfordern wird!

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Hey!
Aus der Ferne seinen Geisteszustand zu beurteilen und einzuschätzen, inwiefern er zur Erziehung taugt, können wir nicht. Zudem übersteigt es unsere Kompetenz angesichts seiner Erkrankungen.

Allerdings möchte ich in den Raum schmeißen, dass ich kaum glaube, dass sich ein Psychologe auf das dünne Eis begibt, mit einem derartig psychisch kranken Menschen über eine andere Person zu lachen. Als ich Erlebtes verarbeitete, war meine Therapeutin sachlich, hat nichts bewertet und mir einfach nur Gedankenanstöße gegeben. Um mich in keine Richtung zu beeinflussen.

Vielleicht kann er seine Einschätzung nicht von der des Therapeuten abgrenzen oder will dich manipulieren.. oder hat sonstwie ein Problem mit seiner Wahrnehmung.
Lass dich ggf. von einem spezialisierten Anwalt beraten, ob die Diagnosen und Verhaltensweisen ausreichen, um ihm das Sorgerecht zu entziehen. Bzw was vorliegen müsste, damit dies tatsächlich geschieht.
Einem Anwalt würde ich eine bessere Einschätzung zutrauen als dem Jugendamt.

Liebe Grüße
Schoko

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Hallo,
erstmal, gut, dass du aus dieser Beziehung ausgestiegen bist!
Dein Ex hat mM nach immer noch eine psychische Störung und sollte eigentlich weiter behandelt werden. Aber das muss er selber einsehen, da hats du keinen Einfluss drauf.

Ich glaube, dass du dir wegen dem Sorgerecht nicht allzu viel Gedanken machen musst. Wenn sogar das Jugendamt selber schon der Meinung ist, dass er kein guter Vater sein kann! Was die angeblichen Aussagen seines Psychologen betreffen: Die sind mit Sicherheit von ihm erfunden! Kein seriöser Psychologe würde mit seinem Patienten gemeinsam über einen anderen Menschen lachen und herziehen, dass ist absurd! Und genauso müsste jeder seriöse Psychologe erkennen, dass dein Ex krank ist und nicht für das Kind sorgen kann. Ihm also Versprechen zu machen, er kriegt das Sorgerecht, dass kann gar nicht sein. Entweder hat er diese Aussagen frei erfunden, oder er ist nicht bei einem richtige Arzt sondern irgendeinem Scharlatan, der von keinem Gericht anerkannt wird.
Was den Unterhalt betrifft, lass das deinen Anwalt regeln. Ich würde an deiner Stelle gar keinen Kontakt mehr haben zum Ex. Beim Jugendamt solltest du mal anfragen, ob der Kindeskontakt eventuell immer bei ihnen unter Aufsicht geschehen kann? Denn so wie du ihn beschreibst, halte ich es gefährlich, ihn mit dem Kind alleine zu lassen. Die Sache mit der Decke, wo sich der Kleine gestoßen hat, da klingeln bei mir alle Alarmglocken!! Hat ihm vielleicht das Geschrei so genervt, dass er ihn absichtlich dagegen gestoßen hat? Erzähle das unbedingt dem Jugendamt!!

Viellicht solltest du wieder zu deinen Eltern ziehen? Da wärt ihr beide in Sicherheit!

Alles Gute noch#pro

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Ich bin meiner Mama von der Waschmaschine gefallen. Sie hat gemeint sie hat sich nur 2 Sekunden umgedreht und es war schon zu spät.
Schrillen bei dir da auch die Alarmglocken? Hab ich ihr vielleicht zu viel geschrien ( war ein schreibaby) und sie hat es gar absichtlich gemacht?

Nein, diese Annahme würdest du nicht treffen weil sie ja die Mutter ist, sowas absichtlich böses tun Ja nur Väter.

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Das kann man aber jetzt nicht vergleichen.
Ich gehe mal davon aus, dass deine Mama eine normale (im positiven Sinne) Person ist und keine psychischen Störungen bekannt sind. Nein, da würden bei mir auch keine Alarmglocken schrillen.
Aber les dir bitte mal durch, wie die TE ihren Ex beschreibt? Da liegt einiges im Argen. Und vielleicht war es ja wirklich unabsichtlich, dass sich der Kleine gestoßen hat. Aber ich hätte bei seiner Psyche schon meine Bedenken. Der Kleine ist noch ein Baby und kann sich selber nicht helfen. Wenn er mit dem Vater alleine ist, ist er ihm mehr oder weniger ausgeliefert. Einem ganz offensichtlich psychisch kranken Mann!
Warum konnte er ihr nicht einfach gleich sagen, dass er sich gestoßen hat? Wenn es nicht seine Schuld war, warum verschweigt er es dann so lange?
Nein, ich wäre da lieber übervorsichtig. Besser übervorsichtig, als es passiert dem Kleine etwas.

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Hallo,

Du liebe Güte hast Du was hinter Dir.
Gleich als allererstes: Diese Aussage stimmt nicht: "Laut ihm lacht der Psychologe über mich und sagt ich handle ich böse und keinesfalls gerechtfertigt"
Ein Psychologe sagt sowas nicht es sei denn er hat völlig seinen Job verfehlt. Sie geben eigentlich nur Tipps wie man mit Situationen umgeht indem man selbst seine Sicht darauf verändert. Solche wertenden Dinge über Partner gehören nicht dazu.
Das sagt Dein Ex um Dich zu demontieren. Auch alles andere sagt Dein Ex, um Dich klein zu machen.

Bitte kläre Unterhalt über einen Fachanwalt für Familienrecht.
Lass Dich aber vorab beraten. Einen Unterhaltstitel ginge auch übers Jugendamt. Aber nur der für das Kind.
Dein Ex ist aber auch Dir zu Unterhalt verpflichtet die ersten 3 Jahre.

Die Einschätzung wegen alleinigem Sorgerecht soll Dir das Jugendamt bitte auch schriftlich geben damit Du fürs Verfahren (per Anwalt) gleich was schriftlich beim Gericht einreichen kannst.

Umgang würde ich nur nach Anraten des Jugendamts stattfinden lassen(am besten schriftlich die Empfehlungen vom Jugendamt geben lassen, die Du ja schon mündlich bekommen hast). GGf auf begleiteten Umgang bestehen durch das Jugendamt wenn Du Sorge hast er könnte dem Kind schaden.

Und nicht mit dem Ex groß diskutieren. Dein Anwalt berät Dich, Umgang wie mit Jugendamt abgesprochen, mehr würde ich nicht investieren.

Alles Liebe und viel Glück!