Danke Mama, für nichts..

Angefangen hat bei mir alles als ich 13 war. Ich wurde in der Schule gemobbt, und von einer Mitschülerin vor der gesamten Klasse auf dem Kopf geschlagen. Sie sagte laut „Wetten, sie traut sich nicht sich zu wehren, wenn ich ihr auf dem Kopf schlage?“. Ich wehrte mich nicht und als sie das tat, brachen alle anderen Schüler in der Klasse in Gelächter aus und bejubelten sie. Ich schwänzte daraufhin jeden Tag die Schule, verbrachte die gesamte Zeit eines Schultags weinend in einem Park oder versteckte mich stundenlang im obersten Stockwerk irgendeiner Wohnhausanlage. Nicht mal die Hausmeisterin, die zum Treppen putzen kam, fragte mich warum ich nicht in der Schule bin. Und nicht einmal eine meiner älteren Schwestern, die in der gleichen Schule war, merkte, dass ich nicht in der Schule war. Oder sie merkte es, aber ich, die gemobbte jüngere Schwester, war zu uncool mich dort mit ihr sehen zu lassen. Ich schwänzte ein ganzes halbes Jahr lang. Bis der Brief von der Schule nachhause kam, dass ich das Schuljahr wiederholen müsse, erst dann reagierten meine Eltern. Natürlich wütend auf mich, insbesondere meine Mutter.

Ich sagte nie was los war, warum? Weil meine Mutter die Angewohnheit hatte alles schöner zu reden als es war, auch ihre eigene Schläge. Ich wollte jemanden der mich aus der Schule raus holte, meine Eltern waren nicht in der Lage dazu, vor allem sah ich meine Mutter, die noch viel von einer „gesunden Watsche“ hielt nicht für die ideale Vertrauensperson. Manchmal schlug sie mich und meine zwei älteren Schwestern, nur weil wir mal zu laut spielten, mit der flachen Hand öfter ins Gesicht. Sie war dann immer so sehr in Rage, dass sie garnicht aufhören wollte. Dann holte sie die Bibel und jede von uns musste eine Seite lesen und das Buch zum weiter lesen wieder weiter geben. Wir lasen während uns die Tränen aus den Augen kullerten. Ob sie sich danach schuldig fühlte oder sich entschuldigte? Nein, so mussten wir uns fühlen und das mussten wir tun.

Ich bin heute 29.
Bis hier her musste ich noch einiges durchmachen: von 15-18 machte ich eine Lehre wo meine Mutter arbeitete. Ich durfte mir nicht aussuchen welchen Beruf ich lernen wollte und war gezwungen ihren Beruf zu erlernen. Mit 18 trennte sich meine Mutter von meinem Vater, er zog aus. Meine Mutter hatte mit ihrem neuen Lover Sex im Ehebett und Noch-gemeinsamer Wohnung meiner Eltern, während ich in meinem Zimmer war und alles hörte. Als ich sagte dass ich das nicht ertrage, meinte sie „Dann geh doch zu deinem Vater, ich hab sowieso nur darauf gewartet dich los zu werden um die Wohnung zu verkaufen“. Also zog ich zu meinem Vater. Mein Vater wurde spielsüchtig und konnte nicht mehr die Miete zahlen. Natürlich sagte er das nie, so wurden wir von einem Tag auf den anderen raus geschmissen. Wir waren dann Übergangsweise bei meiner Tante und meinem Onkel (der Bruder meines Vaters).

Nach ner Zeit zog ich, unfreiwillig, zu meiner Mutter in ihr neues Haus von ihr und ihrem Lover. Ich hörte beide immer wieder und wieder beim Sex… ich war irgendwann froh, dass mein Vater dann erneut eine Wohnung gefunden hatte und zog dann wieder zu ihm… zu dem Zeitpunkt hatte er dann Krebs und ich war 24. Ich kümmerte mich um ihn, um den Haushalt… und an seinem letzten Tag erfüllte ich ihm die Wunsch, seine Ex-Frau, meine Mutter zu holen. Damit sich beide friedlich verabschieden konnten. Als ich meine Mutter, weinend anrief ob sie ins Hospiz kommt, fragte sie mich genervt, ob er jetzt wirklich am sterben wäre…. Ich weiß sie wollte nicht kommen, dafür war ihr ihre Zeit zu schade. Irgendwie konnte ich sie aber doch überreden. Ich sah meinen Vater in die Augen als er starb, er wollte was sagen aber konnte nicht. Ich sagte „Wir lieben dich, und wir wissen du liebst uns auch“. Als er für immer seine Augen schloss, sah er sehr friedlich aus… in dem Moment wünschte ich, ich wäre an seiner Stelle.

An meine Mutter: Ich werde nie mit dir darüber reden können. Es tut noch heute alles weh, deine Schläge, deine Beleidigungen die du gegenüber unserem Vater äußerst - heute noch obwohl er seit 5 Jahren tot ist… er hatte dich so sehr geliebt und du schaffst es jetzt noch was schlechtes über ihn zu sagen, sogar vor seiner Familie. Warum kannst du ihn nicht in Frieden ruhen lassen…. Ich entschuldige mich heute auch bei dir so wie wir uns als Kinder bei dir für eine Schläge entschuldigen mussten: Ich werde dich nie mehr so lieben, wie ich es mal getan habe. Es tut weh einer Mutter nichts erzählen zu können, es tut weh dass ich dir nicht erzählen konnte, dass mich mein Onkel missbrauchte, du warst zu beschäftigt mit dem neuen Mann in deinem Leben. Dieses Geheimnis werde ich mit in mein Grab nehmen… danke Mama, für nichts…

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Was für eine schräge und unangenehme Antwort.

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Das ist "perfekt" runtergeschrieben
Es wird immer jemanden geben, dem so etwas auffällt. In diesem Fall z. B. die Lehrerin, die hätte eingreifen können....

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Es tut mir so leid, das du das erleben müsstest.

Es ist angebracht dir einen vertrauten zu suchen.vielleicht einen richtig guten Psychologen.
Damit du irgendwann leben kannst.

Du wirst mit deinen eigenen Kindern sicher einmal liebevoller umgehen.

Ich wünsche dir viel Kraft.
Schließe mit deiner Mutter ab.

Liebe Grüße

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Danke für die liebevolle Antwort. Ja ich weiß dass meine Traumata für einen Therapeuten relevant wären. Ich fühle mich einfach noch nicht bereit genug das so „offiziell“ zu verarbeiten und mit jemandem von Angesicht zu Angesicht darüber zu reden…. Ich bin noch dabei bewusst erst das alles hoch kommen zu lassen, das Schreiben hilft mir zu Zeit sehr um gerade mit dem verarbeiten anzufangen. Ich tausche mich gerne auch im Netz mit Leuten aus, die selbst schlechte Kindheiten hatten, momentan tut mir das gut. Ich weiß, dass der Schritt zu einen Therapeuten auch mal gemacht werden muss, aber da fehlt mir zu Zeit noch, ich weiß nicht warum, die Überwindung.

Danke nochmals für die lieben Worte.

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Tut mir ja leid für dich aber ich finde auch, das ist sehr ausgeschmückt.....
Wenns so ist, such schnell einen Therapeuten

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Ich wollte meine Gefühle so schreiben als würde ich einen Brief auch an mich selbst verfassen, um ihn immer wieder lesen zu können wenn die Gefühle mal wieder hoch kommen sollten. Der Beitrag dient lediglich mir zur Verarbeitung, deswegen hatte ich mir auch Mühe gegeben mich selbst so auszudrücken als würde ich ein Buch über mein Leben schreiben und eventuell mit anderen über ihre Schicksale zu sprechen. Ich hatte nicht die Absicht Fragen an andere dazu zu stellen, ich wusste auch nicht dass es hier Bedingung ist, so zu schreiben, als wären mir die letzten 16 Jahre meines Lebens an einem einzigen Tag passiert und ich alles abkürzen und auf die Schnelle schreiben müsste, dazu noch mit ein paar Fragen wie „was soll ich machen?“.

Ich weiß, dass ich damit zu einem Therapeuten müsste, ich hab es derzeit aber noch nicht eilig einen Therapeuten aufzusuchen, weil ich noch nicht bereit dazu bin mit jemandem von Angesicht zu Angesicht über meine Vergangenheit zu sprechen. Das habe ich die letzten 16 Jahre nicht und bin noch nicht lange dabei meine Gefühle schriftlich, mit fast 30 Jahren, anderen - aber vor allem mir selbst - mitzuteilen. Das ist das wonach ich mich zuerst gesehnt habe und noch eine Weile brauche, das ist meine Art überhaupt irgendwo mit der Verarbeitung beginnen zu können.

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Und das man als Lügner/in dargestellt wird, weil man viel schreibt (??) und das noch in einem Forum wo man eigentlich über alles sprechen darf was einem belastet, durch den Kopf geht etc., empfinde ich als sehr pietätlos…

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Immer wieder diese netten Antworten hier.
Da öffnet sich jemand komplett und dann solche Antworten...
Wer nichts nettes zu sagen hat, scrolle bitte weiter.

Es hilft ihr überhaupt nichts jetzt zu sagen es hätte jemandem auffallen müssen. Ja da hätte so einiges anders laufen müssen für eine gute Kindheit, es war aber eben nicht so. Das hat man als Kind nunmal nicht in der Hand.


Es tut mir sehr leid was du durchmachen musstest. Kein Kind sollte so was erleben müssen.
Die richtige Verarbeitung und das Loslassen kann erst mit richtiger therapeutischer Hilfe beginnen.

Ich wünsche dir viel Kraft dabei.

Alles Liebe und Gute 🍀

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Ja die therapeutischen Hilfe werde ich noch in naher Zukunft in Anspruch nehmen, dass es ohne nicht geht weiß ich, denn es hält mich immer irgendwas im Leben auf was quasi an mir zerrt, wo ich weiter machen will aber es nicht geht, dass da meine Vergangenheit eine große Rolle spielt ist mir bewusst. Ich bin jetzt mit fast 30 Jahren, erst an dem Punkt angelangt indem ich alles von damals erstmal für mich selbst versuche zu verstehen, zu reflektieren, zu verarbeiten und meine Gefühle von damals zuzuordnen, zu beschreiben.. um irgendwann auch therapeutisch zu wissen wie ich damit umgehen kann. Ich hab es sehr lange bewusst im Kindesalter und unbewusst im Erwachsenenalter geschafft, diese ganzen Gefühlen die langsam zum Vorschein kommen, zu unterdrücken um wenigstens irgendwo weiter zu machen.

Danke dir für deine lieben Worte 🌷

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Es tut mir leid, was dir passiert ist, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Schule erst zum Halbjahr sagt, du musst wiederholen und nicht vorher mal zu Hause anruft oder bei der Polizei, wo du bist. Schließlich herrscht Schulpflicht in D. wenn Schüler unentschuldigt fehlen, muss nachgeforscht werden, wo sie sind. Notfalls mit Polizei.
Ich bin 33, also ähnliches Alter, und damals gab es immer Vertrauenslehrer an der Schuke, an die man sich hätte wenden können, z.T. auch andere Lehrer, denen man vertraut hat. Und auch sonst gibt es Nummern, an die man sich wenden kann mit Problemen und die gab es auch schon vor 20 Jahren. Da hätte es sicherlich die Möglichkeit gegeben, dich aus der Situation herauszuholen etc.

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Ich bin sogar noch etwas älter und kenne es auch so.
Ein halbes Jahr schwänzen wäre unmöglich gewesen.

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Ich lebe aber in nicht in Deutschland sondern in Österreich. Bei uns war es ziemlich einfach von der Schule ungestraft fern zu bleiben. Nicht nur von Schülern selbst sondern es gab auch Lehrer, die zum Beispiel wenn es früher in die Sommerferien gehen sollte, das Kind einfach unentschuldigt aus der Schule zu nehmen. Ich hab auch sehr viele und regelmäßig Unterschriften meiner Eltern gefälscht „meine Tochter ist krank“ usw., und viele Fehltage wurden nicht mal eingetragen, ja in Ö war das da noch möglich, alles hat sich im Endeffekt tatsächlich auf ein halbes Jahr summiert, so dass man erst wirklich drauf kam ich war nicht da, als es um das Zeugnis ging und Prüfungen die man noch ablegen durfte, um aufzusteigen. Für diese Prüfungen bin ich dann vor den Sommerferien aufgetaucht, ich hab mir aber auch nicht besonders Mühe gegeben… natürlich mit der Ansicht nicht mehr mit den gleichen Schülern in die nächste Klasse kommen zu müssen. Aber Gott sei dank konnte ich dann vom Gymnasium in die Mittelschule wechseln.

Und nein, ich sah keine Möglichkeit mich jemandem anzuvertrauen. Ich war nicht von der Sorte, ich wollte alles einfach vergessen ohne mich jemanden anvertrauen zu müssen. In der Situation verspürte ich einfach sehr viel Scham vor jeder Person und wollte auch ehrlich gesagt nicht, dass das in meinem jungen Alter auch (m)eine ausgesprochene Leidensgeschichte wird.

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Ich bin in einem ähnlichen Alter und in meiner Schulzeit war das auch Gang und gäbe, dass sich über Mobbing keine Gedanken gemacht wurde. Vor allem im Gymnasium nicht.

Bei uns wurden regelmäßig Kinder (darunter auch ich ab und an) körperlich und seelisch angegangen. Ich war aber auch in einer sehr starken mobber-Klasse, da haben viele Schüler im Laufe der Jahre gewechselt. Ging vor allem von 1,2 Haupttätern aus.

Ich komme aus einer finanziell sehr stabilen Familie, es war aber niemals alles Gold was glänzt. Deswegen ist mir auch dieser Teil bekannt. Mit den Jahren habe ich nur gelernt, dass ich nur an mir selbst arbeiten kann und nicht an anderen. Ein gut gelebtes Leben ist die beste Rache. Vergessen kann man leider nicht, aber lässt man sich damit sein Leben vermiesen, dem Groll und Zorn gegen allen die einem Unrecht getan haben, gewinnen sie ja nur noch mehr Macht über dich als sie es damals schon getan haben. Da hab ich keinen Bock drauf.

Übrigens habe ich meine Mobber Jahre später wieder auf Partys getroffen. Sie wollten unbedingt mit mir reden und dabei über alle möglichen anderen ehemaligen Klassenkameraden herziehen. Einer meinte sogar: bei uns wurde ja nie jemand gemobbt. Naja an dem Abend hab ich erkannt wie unwichtig ihnen deren Taten waren. Dass sie sich womöglich noch nicht mal mehr daran erinnern und auch keine Gedanken daran verschwenden. Die Opfer jedoch leider schon, deswegen ist es so wichtig sein Leben in vollen Zügen zu genießen trotz Vergangenheit. Auch deine Mama wird ihre Fehler nie einsehen. Alles was du tun kannst ist ihren Taten in der Vergangenheit nicht zu viel Macht über dich geben zu lassen. Du bist JETZT frei. Niemand kann diese Spielchen mehr mit dir spielen. Du entscheidest jetzt über dich selbst.

Ich habe eine Arbeitskollegin, deren Eltern schwer alkoholkrank waren. Dementsprechend sah ihre Kindheit aus. Sie ist Ende 50 und hat erst vor ein paar Jahren erkannt, dass ihr die Vergangenheit nix und niemand mehr gut machen kann. Sie war jahrelang in Therapie und jeder Gesprächsversuvh mit ihren Eltern ist schlicht gescheitert. Die Eltern sehen ihre Taten nicht als schlimm an und das werden sie auch niemals. Sie hat nach Jahren erst aufgehört nach Erklärungen und Entschuldigungen von ihren Eltern zu suchen. Bis sie erkannt hat, alles was sie ändern kann ist sie selbst und ihre Gedanken. Nicht die Eltern. Bitte schmeiß dein Leben nicht weg und gib der Vergangenheit nicht zu viel Macht über dich. Das ist alles was ich damit sagen will.

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Ja so ähnlich war das bei mir auch. Die damaligen Freundinnen aus der Klasse haben auch, als ich schon 4 Jahre von dort weg war, plötzlich bei mir zuhause angeläutet und wollten was trinken gehen. Ich sagte nein, aus dem Grund weil ich einfach kein Interesse hatte meine Zeit mit denen zu verschwenden. Es war mir nicht so wichtig, dass sie sehen es geht mir ohne sie besser, sondern genau dass sie sehen ich hab es nicht nötig denen genau das beweisen zu müssen! Wenn du willst können wir uns im Privatchat weiter unterhalten, mich würde interessieren was noch so alles war, find es schön wen zum unterhalten gefunden zu haben mit dem gleichen "Schicksalsschlag“, 😬

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Hallo TE,

das ist halt Forum.....
Auch ohne konkrete Frage bricht die Diskussion los.

Nimm die guten und unguten Antworten einfach als Erfahrung mit.

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Unfassbar manche Menschen. Eine kommt damit, dass ich mit meiner Geschichte nicht in einem Forum schreiben "dürfte", weil ihr es nicht weshalb auch immer schmeckt und einer der Kommentare ist schon „hättest in ein Tagenbuch Schreiben sollen“ weil ich als Lügnerin für meine Vergangenheit abgestempelt werde und mich dafür gerechtfertigt hatte? Was ist bitte mit den Leuten los… ich glaub langsam diese Seite hat so zu Fake-Accounts die von Leuten extra erstellt werden die gelangweilt sind und irgendwas zum "provozieren“ schreiben wollen 😂

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Ihr Lieben,

ich musste den Thread leider stilllegen, da sich hier vielfach gegenseitig angegriffen wurde.

Viele Grüße
Cleo vom URBIA-Team

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