Suchtkranker Partner

Hallo an alle,

vorab schon mal sorry für den langen Text, aber das muss jetzt mal raus.

Ich bin mit meinem Partner seit 5 Jahren zusammen und wir haben auch ein gemeinsames Kind (2,5 Jahre).

In seiner Jugend hat er in puncto Drogen kaum was ausgelassen, blieb aber eigentlich "nur" beim Gras hängen, dachte ich zumindest. Anfangs hatte ich mit dem kiffen kein sooo großes Problem, solange es in einem erträglichen Rahmen war. Als er dann täglich kiffte wurde es zum Streitthema Nr. 1, da wir eine Familie gründen wollten habe ich ihm gesagt, nur unter der Voraussetzung, dass er damit aufhört, gesagt, getan. Vor 3 Jahren wurde ich dann schwanger und fand ziemlich zeitgleich auch heraus, dass er kokste (keine Ahnung wie oft, keine Ahnung wie viel). Ich ging auf Konfrontation und sagte ihm, dass wenn das noch einmal vorkommt ich mich von ihm trenne. Er hörte auf zu koksen fing aber wieder an zu kiffen, was nach wie vor streitthema blieb, allerdings habe ich es in meiner Verliebtheit irgendwann akzeptiert und mich ausschließlich auf mich und unser Kind konzentriert.

Im Juli dann der supergau, er hat wieder gekokst. Angeblich seit Jahresbeginn, alle 2 wochen mal "ein bisschen was" (kenne mich nicht damit aus, deswegen weiß ich nicht was ich mit dieser Angabe anfangen sollte). Er gab auch zu damit gedealt zu haben um sich was dazu zu verdienen, da er a) nicht sonderlich viel verdient und b) nicht mit Geld umgehen kann. Daraufhin habe ich nur noch rot gesehen und ihn raus geschmissen. Ich arbeite Teilzeit, zahle den Kredit für das Haus, Fixkosten, etc. und von ihm bekomme ich mittlerweile lediglich die Hälfte für die Kita, wenn ich ihn daran erinnere. Wir haben uns getrennt und er gelobte Besserung, er würde eine Therapie machen, wöchentliche drogentest, usw.

Ich dachte wirklich er hätte eingesehen, dass er ein Problem hat und wir es ihm wert seien, dass er sein Leben endlich in den Griff bekommt.

Zur Therapie ging er insgesamt 3 oder 4 mal, drogentest wurden genau 2 gemacht im Abstand von je 2 wochen (er hätte das geld für die Tests nicht (25€/Test) und durch den Schichtdienst ginge es angeblich nicht öfter), also kurzum, er hält sich an nichts. Unsere Beziehung ist im gleichen Trott wie vor der Trennung und ich will nicht mehr! Ich habe seine ständigen ausreden und stimmungsschwankungen satt, ebenso dass wir nichts mit Freunden ausmachen können, da er zuerst total begeistert davon ist, aber wenn der Tag dann da ist, hat er keinen Bock und ich kann mit unserem Kind alleine dorthin fahren. Alleine brauch ich sowieso nichts mit Freunden unternehmen (zB Klassentreffen), weil ich dann mit mindestens 2 Tagen schweigen und/oder herumgezicke "bestraft" werde.

Ich bin mit einer alkoholkranken Mutter aufgewachsen und weiß welchen Schaden die Suchterkrankung eines Elternteils auf die eigene psyche haben kann, auch wenn sie niemals schlecht zu mir war, mich nie beschimpft hat und auch nie gewalttätig wurde, aber diese Machtlosigkeit gegen ihre Sucht hat bei mir PTBS hinterlassen, weswegen ich selbst in Therapie war und ich möchte das alles meinem Kind ersparen!

Ich liebe ihn nicht mehr, das kann ich mit ziemlicher Gewissheit sagen, weil der ganze Mist, den wir hinter uns haben die Gefühle meinerseits einfach vernichtet hat, aber ich wünsche ihm bei Gott nichts schlechtes. Es wäre schön, wenn er sein Leben endlich in den Griff bekommt, seinem Kind der Vater sein kann, den es verdient (zu unserem Kind war er bisher immer sehr liebevoll und fürsorglich, allerdings ist er sehr schnell genervt und an seiner Belastungsgrenze angekommen) und dass wir uns im Guten trennen könnten, sowie unserem Kind zuliebe eine freundschaftliche Basis halten könnten...

Ich weiß nicht was mich von einer Trennung abhält (vielleicht die Angst, dass er in ein richtiges Loch abrutschen könnte? Was aber nicht meine Verantwortung ist) und auch nicht was ich mir von diesem Post erhoffe, aber danke schon einmal fürs Lesen und dass ich mir das alles von der Seele schreiben durfte!

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Hallo,

Drogensucht ist eine schwer zu behandelnde Erkrankung und erfordert auch die Einsicht und Mitarbeit des Erkrankten.

Er kommt offensichtlich nicht davon weg und wird immer wieder rückfällig. Das ist natürlich eine Riesenbelastung für euch als Familie.

Sowas zerstört natürlich die Liebe und die Beziehung auf Dauer. Falls du dich trennst, muss und wird er auch ohne dich klarkommen müssen. Er ist ein eigenständiger Mensch und hat das was er tut selbst zu verantworten.

Wenn ihr beide es ihm nicht wert seid damit aufzuhören, dann hat er euch nicht verdient.

Viele Grüße

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Hallo Charis-Man,

Vielen Dank für deine netten Worte!

Mit der alkoholsucht meiner Mutter habe ich mittlerweile meinen Frieden geschlossen und wir haben mittlerweile wieder ein gutes Verhältnis zueinander, da sie weiß, dass ich eine Null-Kontakt Schiene fahre, wenn sie was getrunken hat, aus Selbstschutz und das akzeptiert sie auch.

In einer Beziehung geht das allerdings nicht so leicht und auch wenn ich zwar in den letzten 3 Monaten nichts mehr gefunden habe, habe ich trotzdem das Gefühl, dass er heimlich etwas konsumiert. Dadurch, dass es nicht der erste Vorfall dieser Art ist, ist natürlich auch das Vertrauen komplett weg.

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Hallo,

die Drogen scheinen für ihn oberste Priorität zu haben, da kannst du dir den Mund fusselig reden.
Bitte denk an dein Kind, einer von euch sollte so verantwortungsbewusst sein und es schützen und das bist dann wohl eindeutig du. Ich meine damit, geh und lebe dein Leben mit deinem Kind weiter, ohne ihn.

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Hallo Capricorn74,

da hast du recht. Er legt allerdings ein sehr manipulative Verhalten an den Tag, sodass ich teilweise an meinem eigenen Verstand zweifle und mich frage ob ich nicht manchmal überreagiere. Doch sagt mir meine Vernunft, dass ich ohne ihn eindeutig besser dran wäre, vor allem weil es mir in der Zeit als wir getrennt waren so gut ging, wie schon seit Jahren nicht mehr.

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Dir wird es auch jetzt wieder besser gehen, wenn du dich trennst. Ich weiß, dass der Schritt dazu Überwindung kostet, aber alles was nach der ersten Einsamkeit und dem Liebeskummer kommt, ist besser, als deine derzeitige Situation.
Dein Kind wir hundertprozentig davon profitieren, sag dir das immer wieder Mantramäßig, sobald er mit seinen Manipulationsversuchen anfängt.
Du sitzt so oder so am längeren Hebel und bist ihm haushoch überlegen, weil du klar bist und nicht zugedröhnt, vergiss das bitte nicht!

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Wenn du noch nicht von ihm loskommst, rate ich dir, noch ein paar Therapiestunden dranhängen. Als Kind suchtkranker Eltern wiederholst du mit Sicherheit gerade wieder Muster.
Mir ist es genauso gegangen wie dir, nur hieß die Droge bei uns Alkohol. Ich schaff's trotz vollzogener Trennung und neuer Partnerschaft bis heute nicht, emotional so richtig loszulassen. Ich fühle mich immer noch verantwortlich für das Glück meines Ex'.
Coabhängigkeit ist eine richtig fiese Sache, die klebt wie Pech und Schwefel....

Alles Gute dir.

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Hallo Blacknrone,

Ganz genau so ist es. Man verfällt selbst in alte Verhaltensmuster, fühlt sich für den anderen verantwortlich, obwohl man keinen Einfluss auf das Empfinden und die Entscheidungen eines anderen Menschen hat und genau dieses Verhalten hemmt einen vernünftige Entscheidungen zu treffen!

Dankeschön ❤️

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Ich finde es wahnsinnig mutig, dass Du das hier schreibst.
Im Kopf weißt du ja alles: co-abhängigkeit, Wesen der Sucht, Manipulation...

Mach Dir eins klar: irgendwann steht die Kripo vor der Tür. Er dealt. Er wird auffliegen. Und dann ist euer Kind schneller weg, als Du gucken kannst, Du bist Mitwisserin.

Ihr seid ihm schlicht und einfach egal. Die Sucht ist ihm wichtiger- das ist kein Vorwurf, sondern Fakt.
Du kannst ihn nicht retten.
Ja, er wird abrutschen, aber das wird er so oder so. Die Frage ist: lässt du zu, dass er euch mit reißt?

Caritas etc haben Beratungsstellen für Co-Abhängige. Geh dahin. Hol Dir Kraft und Hilfe.
Und trenn Dich. Alles andere hat keinen Sinn.

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Hallo Mavis Dracula,

Naja mutig... Ich habe lang genug mit mir gehadert, ob ich das schreiben soll oder nicht. Aber ich glaube, dass die objektive Sicht von anderen, eventuell mich in meiner Sicht bestärkt, dass ich doch nicht komplett "Banane im Kopf" bin, wie er es mir gerne einreden will. Er verwendet mein PTBS oft gegen mich um mir einreden zu wollen, dass ich die psychisch kranke von uns bin.

Bezüglich Mitwissen habe ich mich rechtlich und auch vom Jugendamt beraten lassen, die waren wirklich alle sehr lieb und konnten mich diesbezüglich beruhigen.

Ich möchte mich trotzdem für deine Ratschläge bedanken und weiß, dass eine Trennung unumgänglich ist! ❤️

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Ich wünsche Dir wirklich das Allerbeste!!!

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Hey du Liebe!

Im Grunde siehst du es ja klar: Er ist suchtkrank, sehr manipulativ und du bist vermutlich aufgrund deiner Vorgeschichte und Prägung da reingeraten.
So, wie du die Situation schilderst, weißt du ja selbst, dass es für dich (und selbstverständlich auch für das Kind) am besten wäre, wenn ihr euch trennt. Dein Mann hat gar keine Absicht, den Konsum einzustellen und findet nur Ausreden. Was ich aus einem anderen Thread gelernt habe: die 100 Euro/monatlich für die Tests wären gut 1,5 Gramm Kokain. Das Geld dürfte er also locker übrig haben, wenn er den Konsum einstellt.

Ich bin auch Tochter einer Alkoholikerin. Was ich für mich gelernt habe: Durch diese Prägung sind wir nicht kranker oder verrückt, sondern haben eine geschultere Wahrnehmung für Suchtkranke. Du kannst mir 15 Menschen in einen Raum stellen, ich ziehe dir die Sucht- und psychisch Kranken alle raus. Eine Verwandte war für Untersuchungen von Bewerbern zuständig. Sie guckte sich die Kandidaten an und entschied mit guter Zuverlässigkeit, wessen Probe zum Drogenscreening weitergereicht wird.
Was ich sagen möchte: Das, was dein manipulativer "Partner" dir als vermeintliche Schwäche versucht einzureden, ist eigentlich deine Stärke, die ihm nur zum Nachteil wird.
Das schmeckt ihm natürlich nicht.

Vielleicht reicht es dir, dich in Ruhe hinzusetzen und alles in einer Tabelle aufzuschreiben. Vielleicht kannst du eine Beratungsstelle aufsuchen und dort besprechen, wie es weitergehen kann.

Was mir noch in den Sinn kam: Du schreibst, wie manipulativ der Kerl ist. Hast du keine Angst, dass er dich in seine Geschichten mit reinreißt, sobald er auffliegt? Vielleicht auch, um sich zu entlasten oder eine mildere Strafe zu bekommen? Schon alleine aus diesem Grund würde ich ihn meilenweit von mir fern halten und wahrscheinlich (schon alleine wegen meines Berufs wäre ich dazu gezwungen) ihn anzeigen. Das wäre die effektivste Art und Weise, ihn loszuwerden.

Liebe Grüße und alles Gute
Schoko

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Hallo schokofrosch,

Danke für deine Antwort und bestärkenden Worte, dass ich doch nicht verrückt bin! 😅

An das habe ich noch gar nicht gedacht. Vielleicht auch, weil ich immer versuche, das positive in Menschen zu sehen.
Aber es ist definitiv ein Punkt mehr auf der "Pro-Trennungs-Liste"!

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Nein, um Gottes Willen. Verrückt bist du nicht. Du siehst die Situation aufgrund deiner Erfahrung viel klarer als so manch anderer, der noch herumeiert.
Das Positive versuche ich auch immer noch zu sehen und muss mich echt aktiv dazu anhalten, große Nachteile nicht auszublenden und "hinzugucken".

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Ich musste leider auch auf die harte Tour lernen, dass Eigenschutz vorgeht. Du kannst ihm nicht wirklich helfen, aber du kannst dich selbst schützen. Und dein Kind.
Tu das zeitig, dann muss dein Kind es hoffentlich nicht auf die harte Tour lernen, sondern erlernt direkt von Anfang an einen besseren Umgang damit.

Es ist hart und schnerzhaft, aber leider leider in den meisten Fällen der einzige Weg, sich zu trennen und damit selbst zu schützen.

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Hallo MeanyVulpix,

Chapeau, dass du diesen Schritt gewagt hast! Da bist du mir schon um einiges voraus und hast natürlich vollkommen Recht.

Danke für deine Worte. Ich hoffe, dass sich dein Leben zum besseren gewendet hat und wünsche dir alles Liebe ❤️