Ausbildung abbrechen - Ein absolutes No Go?

    • (1) 20.01.11 - 15:03

      Hallo

      mich beschäftigt diese Frage schon länger...

      In meiner Arbeit ist eine Auszubildende, die absolut unglücklich ist. Sie ist wohl Theoretisch gut drauf, in der Praxis kann man sie aber leider vergessen ( Sie macht eine Ausbildung zur Mechanikerin).
      Sie hat Angst vor den Maschinen, bekommt Panikattacken und schafft es mittlerweile nur mit Beruhigungstabletten in die Arbeit. In psychatrischer Behandlung ist sie auch schon, sie sagt, sie hat einfach Angst vor der praktischen Arbeit... aber gut, unser Beruf ist halt eben NUR praktisch....
      Sie ist neben mir die einzige Frau, und es ist bestimmt hart für sie, vor den ganzen Jungs ständig in Tränen auszubrechen, weil sie es nicht packt.
      Achja, die Informationen habe ich von ihr selbst.

      Nun "zwingen" ihre Eltern sie, die Lehre zu beenden (noch knapp 1,5 Jahre), denn man "muss" eine Ausbildung zu Ende bringen...
      Sie ist zwar gerade 18 geworden, hört aber (warum auch immer) nicht auf ihr Herz sondern auf ihre Eltern..

      Oh man, sie tut mir richtig leid.

      Nun kenne ich das ganze, ich habe mit 15 eine Ausbildung begonnen, mit der ich totunglücklich war. Ich hatte zwar keine Panikattacken, hätte aber am liebsten nur noch krank gemacht, kurz: ich habe diese Arbeit aus tiefstem Herzen gehasst.
      Diese Ausbildung fing ich übrigens "nur" an, weil man noch vor 16 Jahren Frauen (vor allem erst mit 15) keine Chance in Männerberufen gab, bzw. hier im ländlichen Gebiet war es unheimlich schwer...
      Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hab an meinem 18. Geburtstag gekündigt, 1 Tag vor der Zwischenprüfung, meine Eltern, mein ganzes Umfeld war entsetzt, schockiert, empört... Ich hätte die Ausbildung zu Ende machen sollen, dann hätte ich mich immer noch beruflich neu orientieren können...
      Mir wars egal, ich wollte da nicht mehr arbeiten...

      Und heute? Hab ich eine abgeschlossene Ausbildung mit super Abschluss in meinem Traumberuf, und keine alte Sau schreit noch nach dieser abgebrochenen Lehre....
      Wichtig ist mein Abschlusszeugnis und mein Gesellenbrief, alles andere ist egal...

      Was sagt Ihr dazu?
      Muss man etwas zu Ende bringen, nur damit man´s gemacht hat?
      Auch wenn man totunglücklich ist?
      Damit man was "durchzieht"?

      Oder lieber auf sein Herz hören und hoffen, das die Sache im Lebenslauf mal keine Rolle spielen wird?

      Sorry, ist doch etwas länger geworden...

      Gruß
      Tanja

      • Nein, wenn man kreuzunglücklich ist, macht es m.E. keinen Sinn.

        Allerdings rate ich zumindest meinen Teilnehmern immer dazu, sich in der heutigen Zeit ERST eine neue Stelle zu suchen und DANN abzubrechen.

        Gerade abgebrochene Lehren machen sich bei der Suche nach was Neuem immer ganz schlecht im Lebenslauf. Und in dem Alter ist man oft (nicht immer) noch nicht souverän genug - gerade in einer solchen eh schon angespannten Situation - das bei einem Bewerbungsgespräch zu umschiffen.

        Bist Du Kollegin oder ihre Ausbildungsleiterin?
        Ein Gespräch mit den Eltern wäre nämlich auch nicht schlecht in der Situation. Da muss sie aber einverstanden sein, da sie ja schon 18 ist.
        Offenbar hat sie ja mehr Angst vor den Eltern als vor den Maschinen.
        Ich weiß ja nicht, wie die drauf sind, aber wenn sie schon eine Lehre abgebrochen hat, müssen die Eltern sie (unter Umständen!) nicht mehr unterstützen, vielleicht spielt das auch eine Rolle.

        • Hallo

          danke für Deine Antwort.

          Ich bin "nur" Kollegin.

          Ein Gespräch mit den Eltern, dem Ausbilder, Betriebsrat und Geschäftsführung fand schon statt.

          Fazit: Azubi geheult, Mutter geheult, Vater stinksauer, Ausbilder ratlos, Geschäftsführung ratlos.

          Es ist schwierig, die Azubi weiß nicht, was sie machen soll (in welche Richtung sie beruflich weitermachen will), die Eltern wollen, das sie etwas zu Ende bringt, der Vater ist sauer und der Ausbilder ratlos, weil er sie nicht zum abbrechen zwingen will....

          Die Geschäftsführung lässt ihr eigentlich freie Wahl, kann und möchte sich nicht einmischen, da sie ja in der Theorie gut zurechtkommt...

          Aber im Grunde hast du vollkommen recht: Erst was neues suchen, dann kündigen...

          Hach, schwierig das ganze, auch wenn es mich nicht direkt betrifft.

          • *Aber im Grunde hast du vollkommen recht: Erst was neues suchen, dann kündigen...*

            Das ist der zentrale Punkt.

            Ich finde man muss immer auch schauen, was derjenige schon "durch" hat.
            Wenn schonmal eine Ausbildung abgebrochen wurde, kann ich die Eltern verstehen, aber dann liegt das Problem auch vermutlich tiefer und es sollten solche Dinge wie ein Berufsberater (und im Zuge dessen vielleicht auch der psychologische Dienst der Arbeitsagentur - aber das entscheidet der BB) zum Zuge kommen.
            Vielleicht ist die gute Dame ja noch nicht wirklich ausbildungsreif oder hat sonstige tieferliegenden Probleme.
            Das weiß man als Kollege ja nicht so ohne Weiteres.
            Und als Eltern oft auch nicht.

            Weiß sie denn, was sie stattdessen machen möchte?
            Kann auch sein, dass sie erstmal in die Berufsvorbereitung sollte. Auch diese Entscheidung trifft man zusammen mit dem Berufsberater.

            Wenns die erste Ausbildung ist - gut, man kann sich vergreifen. Passiert jedem Mal im einen oder anderen Lebensbereich :-)


      Hallo,

      ich habe auch schon eine Ausbildung abgebrochen und bereue es überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil.
      Meine Eltern waren auch überhaupt nicht begeistert aber die mussten auch nicht täglich durch die Hölle gehen.

      LG poca


      Hallo.
      Sie sollte nicht auf ihr Herz, sondern vor allem auf ihre Gesundheit hören. Das sagt ausgerechnet jemand, der sich aus Angst vor der Zukunft und dementsprechend viel zu lange Festhalten an einer Situation geradewegs in den Burnout trieb.
      Dazu sollte und braucht es nicht zu kommen. Das Mädchen ist noch jung, sie soll ihr ganzes oder weite Teile ihres Lebens in dem Beruf verbringen, sie soll das tun, was ihr liegt und was sie kann. Ich denke auch heutzutage, dass einem Arbeitgeber immer noch ein Mitarbeiter, der Spaß an der Arbeit hat und dementsprechend motiviert und leistungsbereit ist, obwohl er denn Flecken im Lebenslauf hat, lieber ist, als ein Mitarbeiter, der sich quält und deshalb nichts bringen kann.

    • Naja, wenn man unglücklich ist und die Arbeit nur mit Medikamenten bewältigen kann - was auch noch extrem gefährlich ist! - sollte man es sein lassen und keine Zeit verschwenden.
      Sie soll sich aber ERST eine neue Ausbildungsstelle suchen und dann kündigen!

      nein, natürlich muss man sowas nciht zuende machen, wenn es einen nichts bringt, sie wird schon behandelt deswegen, dann wird es wirklich zeit die lehre abzubrechen und was anderes zu suchen

      Hallo Tanja,

      ich bin auch ganz klar dafür, die Ausbildung abzubrechen, wenn man merkt, dass es nicht das Richtige ist. Hab ich auch schon gemacht, mit 17. Hab ne Ausbildung zur Arzthelferin gemacht und nach nem halben Jahr hab ich den ambulanten OP-Bereich geleitet, weil wir chronisch unterbesetzt waren. Dann hab ich ihm alles vor die Füße gepfeffert und bin gegangen. Aber ich war auch nicht glücklich mit diesem Beruf, denn ich wollte mehr vom Leben, ich wollte eigentlich immer Studieren. Tja, und jetzt bin ich fast fertig mit meinem B.A.-Studium und sehr glücklich, dass ich damals das gemacht habe, was mein Herz mir gesagt hat. Denn es war richtig, für mich, ich muss damit leben! Mein Vater wollte mir noch kurz vor meinen Abiprüfungen nahe legen, doch lieber die Schule abzubrechen und ne Ausbildung zu machen, weil die Mittlere Reife reicht. Gut, dass er das nicht geschafft hat ;-)

      Ich hoffe, Eure Auszubildende findet ihren Weg und arbeitet sich nicht auf! So wie sie darunter leidet, geht das weit über die Gründe, warum ich abgebrochen habe, hinaus. Vielleicht kannst du sie mal zu nem Kaffee einladen und mit ihr reden.

      LG, Kathrin

      Hallo,

      ich stimme den anderen zu. Sie sollten lieber einen Beruf erlernen, in dem sie sich auch vorstellen kann die nächsten 40 bis 50 Jahre zu arbeiten...

      Aber was ich mich frage: warum beginnt man eine Lehre als Mechanikerin, wenn man Angst vor Maschinen hat und einem das Praktische nicht liegt? #gruebel

      LG

      • Hallo

        auch Dir danke für Deine Meinung.

        Warum sie das lernen wollte weiß ich nicht. Sie hat ihre Lehre in einem anderen Betrieb angefangen der pleite gegangen ist und hat zum 2. Lehrjahr bei uns weitergemacht.
        Wie es in diesem Betrieb lief, weiß ich nicht.

        Ich denke einfach, sie hat es sich einfach anders vorgestellt. Vielleicht dachte sie, das es nicht so komplex ist (CNC Maschinen programmieren, drehen, fräsen, schleifen, Drehzahlen und Maße ausrechnen)...

        Ich weiß auch nicht. Im Grunde ist sie ein liebes, schlaues Mädchen, ich hätte nie gedacht, das das mal so ausarten wird.

        Auch wenn sich ihre Kollegen in der Lehrwerkstatt (alle zwischen 15 und 20 Jahre alt) Mühe geben, irgendwie werden sie es ihr schon merken lassen, das sie das ganze nicht packt, und die anderen männlichen Azubis schon.

        Vielleicht wurde sie in der alten Firma mehr gefördert, jetzt ist sie eine von 5 Azubis alleine in ihrem Lehrjahr....

        Wenn es sich ergibt, werd ich mal in Ruhe mit ihr reden, sofern sie das auch möchte.

        Ich finde es auch schwierig, jemandem nahezulegen, zu kündigen, wenn derjenige das evtl gar nicht will....

    ich habe beruflich mit Bewerbern zu tun und kann auch aus Sicht der "Personalchefs" meinen Vorschreiberinnen nur Recht geben.

    Kaum jemand von uns wusste nach der Schule wirklich mit Sicherheit, ob die Berufswahl die richtige war. Und manchmal irrt man sich im Leben. Dann ist aber nicht unbedingt "Durchhaltevermögen" das Richtige, sondern den Mut etwas abzubrechen und einen anderen Weg einzuschlagen.

    Natürlich gilt das nur für Menschen, die eine Perspektive haben. Hat sie denn eine Idee was sie dann lernen möchte? Denn vielleicht könnte man die Eltern mit einer neuen Lehrstelle mit ins Boot holen?

    denn eins ist mal klar: abgebrochene Lehre und dann nur zuhause rumgehangen kommt im Lebenslauf natürlich nicht gut.

    Hoffentlich findet sie den für sich richtigen Weg!

    gruß
    die bina

    Auf jeden Fall abbrechen.

    Wurde eigentlich ja schon alles geschrieben. Wenn man das beim Bewerbungsgespräch richtig verkauft, kann so ein Abbruch auch positiv gewertet werden. Und die meisten verstehen doch wohl, dass eine 16 Jährige sich auch mal in der Berufswahl täuschen kann.

    Hallo!

    Sie sollte auf ihr Herz hören, so wird sie nur krank und hat vielleicht ein Leben lang etwas von Angststörungen und Panikattacken.

    Ich habe ähnliches erlebt: Hab nach dem Abi eine Ausbildung begonnen, in der ich vom ersten Tag an todunglücklich war. ABER: ich dachte, das gehört so, weil es eben Arbeit ist#klatsch Arbeit kann keinen Spaß machen, das sagen doch fast alle...

    Ich ging mit Bauchschmerzen hin und mit Kopfschmerzen wieder nach Hause und habe nach 6 Wochen eine Art Nervenzusammenbruch bekommen...

    Meine Tante war dann diejenige, die mich (und meine Eltern) überzeugt hat, sofort abzubrechen, wenn man so unglücklich ist.

    Heute habe ich nach einem Studium meinen Traumberuf (Grundschullehrerin) und gehe jeden Morgen gerne zur Arbeit#huepf

    LG

    daviecooper

    Was bringt ihr denn eine abgeschlossene Ausbildung, wenn sie vor lauter Panikattacken NIE wieder in diesem Beruf arbeiten würde? Das macht meiner Meinung nach nur Sinn, wenn sie sich danach dann Richtung Techniker weiterbilden möchte. Gerade wenn ihr die Theorie so liegt. Aber dann sollte sie vielleicht die 1,5 Jahre nicht verschenken sondern sollte lieber jetzt aufhören und dann das ganze ggf. mit einem Studium machen.

    Also ich persönlich würde wohl abbrechen wenn ich tot unglücklich bin.

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