Berufswechsel - Krankenschwester Hamburg

    • (1) 23.01.16 - 10:38

      Hallo,

      ich helfe heute mal meiner Freundin, die hier nicht registriert ist. Es wird leider etwas länger, sorry!

      Sie möchte gerne den Beruf wechseln, weil sie absolut nicht mit der Gesamtsituation zufrieden ist. Sie ist Bürokauffrau und Assistentin der Geschäftsleitung. Sie verdient ganz gut, ca 2500 Euro Netto. Nun möchte sie aber unbedingt eine Ausbildung zur Krankenschwester machen. Eigentlich wollte sie das schon immer, sie ist auch wirklich sehr sozial. Aber sie hat es irgendwie dann wegen Schichtdienst doch nicht gemacht. Nun will sie es wagen, aber jeder, wirklich jeder in ihrem Umfeld zeigt ihr den Vogel. Ich kann sie verstehen, aber ich sehe auch die Nachteile. Sie meint aber, das es viel zu viele unglückliche Menschen im Leben gibt und das sie nun, Mitte 30, noch genug Zeit hat, um im neuen Beruf richtig durchzustarten. Sie möchte gerne in Hamburg bleiben, sucht daher dort eine Stelle.

      Nun zu den Fragen: Sie weiß nicht so richtig, mit welchem Bruttogehalt sie letztendlich rechnen kann. Weiß jemand, welche Tarifverträge das UKE und die anderen Krankenhäuser so nutzen und welche Einstufung ein Neueinsteiger dann auf Normalstation hat?

      Wie viel machen die Zulagen im Durchschnitt so aus? Wie sieht so ein üblicher Dienstplan pro Woche aus?

      Denkt ihr auch, das es falsch ist, nun von einem geregelten Tag in den Schichtdienst zu wechseln und dabei noch Gehaltseinbußen zu haben?

      Ist der Arbeitsalltag wirklich sooo schlimm, wie von vielen im Internet berichtet? Oder liegt es doch eher daran, dass man in Deutschland doch ganz gerne über alles mault? Denn auch in anderen Bereichen hört man die Menschen meckern.

      Wenn ihr sogar Krankenschwester in Hamburg seid, mögt ihr etwas erzählen?

      Ich merke wie unglücklich meine Freundin ist und ich möchte sie etwas motivieren, nicht zu sehr zu verzweifeln, weil sie angst hat, wie die Zukunft (auch finantiell) aussehen könnte. Der Ausbildungszeitraum ist kein Problem, da hat sie ordentlich Geld gespart, um schon mal auf ein Durchschnittsgehalt aufzustocken und damit ungehen zu lernen.

      #danke

      • Als normale Krankenschwester 14-16euro/Std.. auf Fachbereich mit entsprechender Qualifikation 16-18euro.. über zeitarbeit locker 20 Euro

        Ich hab in der medizinischen Hochschule Hannover direkt nach der Ausbildung angefangen und hatte netto ca 1600 Euro raus. . Wäre ich da geblieben hätte ich durch den Tarif (regelmäßig Erhöhungen) ca 1800 Euro

        Da sind Zulagen schon dabei und ich hab mindestens 8Nächte pro Monat gemacht

        Meinen dienstplan konnte ich selbst schreiben .. der wurde zu 98% dann auch von der Leitung übernommen. Ansonsten ist es unterschiedlich.. manche Häuser arbeiten im täglichen früh/spät Wechsel .. manche machen es wochenweise.. manche haben fixe Nachtdienst (zb Freitag bis einschließlich Montag... und Dienstag - donnerstags)...

        Das ist aber von station zu station unterschiedlich.. demnach schwer zu sagen "das Haus macht es so"

        Mit Mitte 30 die Ausbildung und mit ende 30 in den Beruf.. die meisten hören Mitte 30 mit dem Beruf auf da sie ein Studium o.ä. absolviert haben.

        Ich persönlich hab mich mit 24 zur pflegedienstleitung und jez mit 26 bin ich fertige heimleitung.. man sollte die körperliche Arbeit am Bett nicjt unterschätzen. Für die kinderplanung bin ich zurück auf intensiv (hab nie normal station gearbeitet) da es bisschen einfacher ist früh wieder arbeiten zu gehen ... ich Liebe die arbeit auf intensiv..ABER Personal wird immer weniger.. Patienten immer kränker und es ist nicht einfach..

      (4) 23.01.16 - 22:05

      Hallo, ich habe die Ausbildung auch erst mit ende 20 gemacht und es waren noch mehrere ältere (bis 50)in dem Kurs.

      Es ist bestimmt nicht zu spät und auch keine blöde Entscheidung, da sie ja notfalls auch in ihren alten Beruf zurück könnte.
      Der Arbeitsalltag im UKE ist nicht langweilig, da ist immer genug zu tun, aber in der Ausbildung durchläuft sie dort viele Stationen, auf der einen ist mehr, auf der anderen weniger viel los.

      Dort hat sie die Möglichkeit viele Bereiche kennen zu lernen und für sich selber heraus zu finden, was ihr am meisten liegt.

      Nach der Ausbildung kann sie sich dann dort für ihre liebste Station bewerben,falls sich das nicht geändert hat.

      Viel Erfolg und viel Glück!

    • Ich würde ihr dringend abraten.

      Die Zeiten,in denen man voller Idealismus diesen Beruf ausüben konnte,sind vorbei.

      Die Arbeitszeiten sind hart,Personalmangel sehr hoch,man muss oft einspringen.

      Patienten werden abgefertigt wg Zeit und personalmangel.

      Neulich kam eine Reportage von Günther Wallraff im TV...die soll sie sich mal anschauen.

      Es gibt in vielen Altenheimen z.b. die Möglichkeit,ehrenamtlich aktiv zu werden.

      Vielleicht wäre das erstmal was für sie...da bekommt sie einen Einblick.

      Lg

      • Du schreibst genau das, was sie von allen zu hören bekommt. Aber sie sagt immer: Alle anderen Berufe sind auch kein Zuckerschlecken. Nur weil man eine sitzende Tätigkeit hat, bedeutet das ja nicht, das man keinen Zeitdruck hat. Sie hat Stress ohne Ende, beschissene Kollegen, Überstunden ohne Ende... Und wenn man dann noch Einzelkämpfer ist, dann fühlt man sich irgendwann als Sklave von Outlook. So hätte sie wenigstens Patienten, die ihr danken.

        Ich arbeite in einem genauso stressigen Beruf. Ich kann ihr denken daher nachvollziehen. Vielleicht kann man aber den Stress anderer Berufe nur nachvollziehen, wenn man ihn selbst gemacht hat? Ich habe schon das Gefühl, das die meisten Krankenschwestern sich nicht vorstellen können, wie stressig ein Bürojob sein kann.

        • Kann ich nachvollziehen .. habe zwei Jahre als pflegedienstleitung im Büro gearbeitet.. stressiger als wenn man 8std auf intensiv reanimieren muss ;)

          Klar können andere Berufe auch stressig sein.

          Aber man hat geregelte Arbeitszeiten, man kann seine Freizeit gut planen und für Ausgleich sorgen..

          In der Pflege hat man eine mehrfachbelastung.Schichtdienst. Früh,spät,nacht. Nach so ner Nachtschicht muss sich der Körper wieder umstellen.

          Hier ist körperliche Belastung,psychische und physische mehr als hoch.

          Auch hier sind Kollegen keine friedliche helfende Engelsschar,auch in der Pflege gibt es Mobbing,und schlechtes Klima. Mehr als genug.

          Für ein Praktikum sind bestimmt viele Krankenhäuser zu haben,weil kostenlose Arbeitskraft:-)

          Für deine Freundin eine super Gelegenheit,die Realität dieses Berufes kennenzulernen.

          (9) 25.01.16 - 08:13

          "Und wenn man dann noch Einzelkämpfer ist, dann fühlt man sich irgendwann als Sklave von Outlook. So hätte sie wenigstens Patienten, die ihr danken."

          Ich bin seit 25 Jahren Krankenschwester, ich liebe diesen Beruf, arbeite aber nur noch Teilzeit, weil ich sonst schon lange am Ende wäre. Ich würde niemandem mehr raten, diesen Beruf unter den heutigen Bedingungen zu erlernen.

          Ich habe meine Nische gefunden, in der ich alt werden kann, in der ich keinen Stress mehr habe und in der Regel engagierte Kollegen.

          Der Satz da oben macht mich allerdings fertig. Oder soll ich mich lachend am Boden wälzen? Gerade in Krankenhäusern ist man Einzelkämpfer. Jeden Tag und immer wieder. Da "Problem" sind dann die Patienten. Die sind nämlich echt und menschlich und die kann man nicht wie Outlook dann mal ausschalten. Entweder wird man hart und unsensibel, um das auszuhalten oder man geht irgendwann echt am Stock, weil man schnell merkt, dass man keinem gerecht wird, dass da Menschen liegen, die so sehr viel mehr und so ganz anderes benötigen als das, was sie angeboten bekommen. Man darf das als Krankenschwester aber niemals so umsetzen, wie man sich das vorstellt, weil es festzementierte Hierarchien gibt, die man kaum durchbrechen kann.

          Das mit der Dankbarkeit ist auch so ein Ding, das sie sich von der Backe putzen muss. Erstens gibt es echt schwierige und gestörte Menschen/Patienten. Die sind nicht nett, die bringen einen an Grenzen und zwar immer und immer wieder. Immer, wenn man denkt, jetzt kennt man aber wirklich alles, kommt wieder so was Ominöses auf einen zu.

          Dankbar müssen sie eigentlich auch nicht sein, oder? Sie haben ein Recht auf Pflege und Betreuung. Auch die Doofen. Das ist was, was sich Büromenschen nicht wirklich vorstellen können, denke ich. Aus deinem Büro verschwinden auch die Beklopptesten nach kurzer Zeit, in der Pflege hast du sie ganz, ganz nah und ganz intim und manchmal für sehr, sehr lange Zeit. Das muss man aushalten. Morgens, mittags und nachts. Da muss man schnell lernen, das alles nicht persönlich zu nehmen. Außerdem muss man jeglichen Erziehungsanspruch ad acta legen. Man hat es mit Erwachsenen zu tun, die sind wie sie sind. Ändern kann man keinen, seine "Macht" ausspielen sollte man auch nicht.

          Ich habe, wie gesagt, meine Nische gefunden. Kaum Ärzte an Bord, aber immer anrufbar. Nette Kollegen, astreiner Stellenschlüssel. Dafür sterben auch immer alle. Ganz viel Dankbarkeit aus Seiten von Patienten und angehörigen, aber manchmal auch Schuldzuweisungen. Außerdem gibt es Krankheitsverläufe, die man sich "da draußen" gar nicht ausdenken oder vorstellen kann. DAS muss man dann auch aushalten. DAS wissen Büromenschen dann auch nicht. Ich habe nicht mit dem Vergleichen angefangen....

          • (10) 25.01.16 - 21:39

            Vielen Dank auch für deine ausführliche Meinung! Sie hat sich alles durchgespielt. Ich glaube die wird ihre Meinung nicht mehr ändern. ;-) Deine Arbeit hört sich nach Hospiz an, davon hatte sie auch schon erzählt. Ich bin mal gespannt was sie nun machen wird.

            • (11) 25.01.16 - 22:01

              Sie muss ihre Meinung ja auch nicht ändern. Ihr muss nur klar sein, was sie da vorhat. Danach habt ihr ja gefragt.

              Es ist eben nicht so, dass man immer in einem Superteam arbeitet, das sich gegenseitig unterstützt und alles ist so rosarot und freundlich. Die Schüler(innen), die bei uns ihren Einsatz haben, wissen alle, dass sie den Job nicht lange machen werden. Die meisten streben gleich danach eine weitere Ausbildung/Studium an. Keiner will im Krankenhaus auf irgendeiner Station arbeiten. Da wird man mittlerweile nur noch gehetzt und verheizt. Isso.

              Ich mag meinen Beruf und ich mag auch alle Arten von Menschen, die mir da so begegnen. Nur sind die eben in seltensten Fällen richtig nett. Unter jedem Dach ein Ach und wenn durch Krankheit die Fassade bröckelt, kann man in viele Abgründe gucken. Man ist trotzdem oft allein mit all dem und man kann da niemanden runterfahren wie man das im Büro mit dem PC machen kann.

              Das mit dem Schichtdienst schlaucht nach einiger Zeit auch sehr. Das ist auch ein Grund für meine Teilzeit. Ich will nicht ständig am Wochenende und an den Feiertagen arbeiten gehen, wenn die Familie dann mal zuhause ist.

              Wenn sie alles durchdacht hat, dann ist es ja gut, aber der Satz mit der Dankbarkeit von Seiten der Patienten und der Spruch, dass sie dann nicht mehr so allein wäre, lässt mich zweifeln, dass sie wirklich weiß. worauf sie sich da einlässt. Sie sollte erst mal eine Weile ein Praktikum machen.

              LG

    (12) 28.01.16 - 20:43

    Hallo,
    Ich arbeite jetzt seit 20 Jahren in diesem Beruf, mittlerweile Teilzeit im Nachtdienst.

    Eigentlich würde ich in der momentanen Situation in dem sich die Pflege befindet jedem davon abraten...aber das ist ja auch das Problem...es will aufgrund der schlechten Bedingungen, die meiner Meinung so gut wie überall herrschen, ja keiner mehr machen.

    Ich weiß nicht genau, wie das ist...aber in den ersten 3 Jahren gibt es ja nur ein Ausbildungsgehalt oder zählt es zur umschulung?

    Bei uns ist es so, dass in allen 3 Schichten gearbeitet wird...bisher in allen Häusern, in denen ich war...bin in der Chirurgie hängengeblieben...;-) die fachdisziplin und ob man sich noch weiterbilden möchte, entscheidet sich in der Ausbildung...
    Habe am Anfang so 1500 netto mit Zulagen gehabt, Steuerklasse 1 ohne Kind und bevor ich unseren Sohn bekommen habe 1800-1900 mit Zulagen, auch Nachtarbeit.

    Ist schwierig zu sagen ja oder nein...
    Einerseits würde ich wie gesagt abraten, andererseits , wenn ich nochmal einen Berufsweg einschlagen musste, würde ich es immer wieder tun, wollte ich als Kind schon machen ;-)
    Liebe Grüße

    • (13) 31.01.16 - 17:04

      Vielen Dank auch für deinen Beitrag! Sie lässt sich von der Bewerbung nun nicht mehr abbringen und finanziell hat sie auch keine Probleme. Wenn es in ein paar Jahren zu schlecht werden sollte, dann kann sie immer noch sehen, ob ein Job ausserhalb eines Krankenhauses bessere Bedingungen bietet.

(14) 02.02.16 - 17:10

Hi,
ich kann die Argumente deiner Freundin sehr gut verstehen. Es ist sehr schwierig im Jon, wenn man das Gefühl hat, das falsche zu machen.

Gerade in einer beruflich misslichen Situation - stressige Tätigkeit, ätzende Kollegen usw. - muss man aber meines Erachtens unbedingt einen kühlen Kopf bewahren und sich die ernsthafte Frage stellen: "Würde ich auch dann einen solchen Wechsel durchziehen wollen, wenn die Rahmenbedingungen meines Jobs (nette Kollegen, positiver stress) besser wären?" Wenn man dafür ein NEIN oder auch nur ein JEIN aufbringt, bin ich mir nicht sicher, ob ein radikaler Wechsel das richtige ist. Dann würde ich eher nach einer neuen Tätigkeit in meinem Beruf suchen.
Außerdem wird es damals gute Gründe gegeben haben, die sie davon abgehalten hat, Krankenschwester zu werden? Diese Gründe unbedingt noch einmal ins Gedächtnis zurück holen und schauen, ob sie sich verändert haben.

Im KH kann man doch sicher hospitieren? Vielleicht läuft sie mal eine Woche mit einer Krankenschwester mit und guckt, ob der Job WIRKLICH hält, was sie sich drunter vortsellt.

LG, Cherish

  • Hei, sie hat sich mittlerweile festgelegt und lässt sich nicht mehr abbringen. Sie hat nie wirklich darüber nachgedacht, was sie mal werden will. Da kam der Bürojob gelegen und sie hatte die ersten Jahre auch Spaß. Nun hat sie die letzten Jahre aber immer mal wieder davon gesprochen, aber ich bin nie davon ausgegangen, das sie den Schritt wirklich geht. Jetzt kommt der Dickkopf durch und sie will ihren Traum verwirklichen. Ob sie damit am Ende ihren Traumjob bekommt oder ob sie auf die Nase fällt, werde ich die nächsten Jahre ja erkennen. Ich hoffe es geht alles gut.

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