Teilzeitausbildung abbrechen

    • (1) 30.05.16 - 20:41

      Hallo!

      Ich bin 30 habe Kinder und keine Ausbildung. Letztes Jahr hatte ich das große Glück einen Teilzeitausbildungsplatz zu bekommen.
      Leider geht das alles total über meine Kräfte. Ich muss 30 Stunden in der Woche arbeiten und meine Kinder versorgen. Dazu lernen für die Berufsschule.
      Mir ist schon klar das viele hier Vollzeit arbeiten und Alleinerziehend sind oder ähnliches.
      Aber ich bin einfach nur noch kaputt und ständig krank.
      Mein jüngstes Kind geht nicht gerne in den Kindergarten, jeden Morgen dieses Theater. Mein Job ist soooo anstrengend (Gastronomie), ich habe nach einem 12 Stunden Tag immer blutige Füße. Dazu kommt das wir keine Pausen machen können und mein Betrieb sich an überhaupt keine Ausbildungsregeln hält. Ich darf zum Beispiel auch in den Sommerferien keinen Urlaub nehmen, obwohl ich nicht weiss wie ich meine Kinder betreuen soll ( Urlaub in den Ferien war beim Vorstellungsgespräch abgesprochen)
      Ausserdem macht mein Chef uns Mitarbeiter echt fertig, er ist absolut unberechenbar.
      Wir haben keine Familie in der Nähe, keine Tagesmutter (wir finden einfach keine die freie Plätze hat). Mein Mann ist ständig beruflich unterwegs, die Kinder sind auch immer nacheinander krank.
      Meine Tochter wird in letzter Zeit schlechter in der Schule, da fragt man sich natürlich auch ob es mit der ganzen Situation in der Familie zu tun hat.
      Ich bin so traurig das es so läuft. Endlich habe ich die Möglichkeit etwas zu ändern und dann macht es mich so fertig.
      Meine Arbeitszeiten werden auch immer Familienunfreundlicher. Am Anfang konnte ich vormittags arbeiten, jetzt muss ich immer am Wochenende und nachmittags wenn mein Mann zu Hause ist.
      Ich wusste ja das es schwierig wird, aber das ich körplich so absolut fertig bin, konnte ich nicht absehen.
      Ich fühl mich wie ein Totalversager, nicht nur dass ich es damals nicht geschafft habe eine Ausbildung zu machen, jetzt bekomm ich schon so eine gute Möglichkeit und trotzdem wird es nichts.
      Das musste einfach mal raus, ich mag es meinen Freunden und der Familie gar nicht so erzählen.
      LG

      • Hallo,

        warum hast du dir ausgerechnet einen Beruf in der Gastro ausgesucht? Selbst wenn du die Ausbildung packst, kannst du später nicht erwarten, zu familienfreundlichen Zeiten eingesetzt zu werden.

        Ich würde versuchen, eine andere Ausbildung zu suchen. Bis du etwas gefunden hast, wirst du wohl noch die Zähne zusammenbeißen müssen. Wenn es zu arg ist, kannst du dich auch an die IHK wenden, wegen der Arbeitsbedingungen.

      (4) 30.05.16 - 21:17

      Hi,

      es gibt bei der IHK Beratungsstellen für Auszubildende, an die Du Dich wenden kannst.

      Wenn es mit Deinem Betrieb nicht klappt kann sein, das sie für Dich eine andere Möglichkeit sehen.

      Vielleicht hast du so einen Chance eine andere/bessere Ausbildungsstelle zu erhalten, wo Du die Familie besser einplanen kannst.

      lg
      lisa

    • Nachmittags und am WE, wenn dein Mann da ist, ist doch optimal.

      Du hast doch gesagt dass es mit Tagesmutter bei euch schwierig ist... So kann doch der Papa auf die Kinder aufpassen oder versteh ich da jetzt falsch .

      Bei den meisten Familien ist es so dass die Eltern aneinander vorbei arbeiten oder was stört dich daran?

      Mein Mann ist nur am WE zu Hause und als unsere Tochter klein war bin ich genau dann arbeiten gegangen und jaaaaaa ich lebe noch.

      Zähne zusammenbeißen und durch...
      In dem Alter ist es wahrscheinlich die letzte Chance auf ne Ausbildung

      brauchst du noch lange, bist die Ausbildung beendet ist? Wenn du nicht mehr so lange brauchst, würde ich sagen: Augen zu und durch! Anderseits bringt es auch nichts, wenn du darunter leidest und es deine Kinder nicht gut geht. Schwierige Entscheidung.

      Ich kenne hier bei uns viele Mütter, die eine Kinderpflegerausbildung in Teilzeit machen. Danach kann man im Job nach 2 Jahren sich weiter zum Erzieher ausbilden lassen, wenn man das will. Wäre das bei dir nicht eine Möglichkeit? Ich weiss, dass es hier Förderstellen gibt, die Mütter in Teilzeit zu Kinderpfleger in der Krippe/Kindergarten ausbilden. Die Arbeitszeiten sind Kinderfreundlich und als Erzieher hast du garantiert immer einen Job, wenn auch nicht blendend bezahlt.

      • Nicht blendend bezahlt?

        Ich werde nach TvÖd S8a bezahlt, stieg mit 2400 Brutto ein und bin nach 4 Jahre bei 2890 Euro brutto. Das sind 17,20 Euro die Stunde!

        Erzieher haben meist das Problem vorallem in Kitas das sie nur einen 25h Vertrag bekommen und dann ist das Gehalt natürlich nicht gerade üppig beim Einstieg mit 1075 Euro netto bei Steuerklasse 1.

        Dafür arbeiten sie aber auch weniger.

    (8) 31.05.16 - 07:52

    Hallo,

    mal ganz direkt! Beiss Die Zähne zusammen und gib Dir nen Tritt in den A*** Eine Ausbildung dauert nicht ewig und ja, ich würde auch etwas vorweisen wollen.

    LD

    (9) 31.05.16 - 10:02

    Hallo.

    >>> Ich fühl mich wie ein Totalversager, nicht nur dass ich es damals nicht geschafft habe eine Ausbildung zu machen, jetzt bekomm ich schon so eine gute Möglichkeit und trotzdem wird es nichts. <<<

    Und genau das sollte Dich anspornen, die Arschbacken (endlich) mal zusammenzukneifen ...

    >>> jetzt muss ich immer am Wochenende und nachmittags wenn mein Mann zu Hause ist. <<<

    Das ist doch in Sachen Kinderbetreuung perfekt ...

    LG

    (10) 31.05.16 - 11:48

    Hey du,

    beis dich durch! Was meinst du wie stolz du auf dich bist wenn du die Ausbildung beendet hast!
    Ich habe eine 2jährige Ausbildung in Vollzeit mit zwei kleinen Kindern gemacht. Unter anderem war da Blockunterricht, immer 3 bis 4 Monate dabei wo ich 200 Kilometer von zuhause weg war!

    Es war sehr hart aber was meinst du wie stolz ich bin das ich das geschafft habe! Das ich meinen Kindern vorleben kann wie wichtig eine Ausbildung ist!
    Ich war damals 27 Jahre alt.
    Alles ist Möglich!

    LG Sarah

    "Meine Arbeitszeiten werden auch immer Familienunfreundlicher. Am Anfang konnte ich vormittags arbeiten, jetzt muss ich immer am Wochenende und nachmittags wenn mein Mann zu Hause ist."

    Dafür wären so gut wie alle anderen berufstätigen Eltern dankbar, was stört Dich denn daran?

    (12) 31.05.16 - 15:07

    Ich war in einer ähnlichen Situation. Bevor ich das alles erlebt habe, was ich erlebt habe, hätte ich hier sicher auch wie die anderen geredet.

    Ich habe die Fachhochschulreife und gleichzeitig damals eine Ausbildung gemacht. Da die aber eben sehr theoretisch war, ist es schwierig, damit etwas zu finden. Daher wollte ich nochmal eine Ausbildung machen.

    2013 trennte ich mich vom Vater meines Sohns und 2014 habe ich mit der ausb begonnen. Da war mein Sohn 3, es war eine Vollzeitausbildung. Ich war also jeden Tag von 7.30h-17.30h aus dem Haus, einmal die Woche Schule(10 Std), da war ich dann von 5.30-18h aus dem Haus.
    Das alles ging ca ein 3/4 Jahr mehr oder weniger gut. Mit machte die Arbeit sehr viel Spaß, ich hatte gute Noten, alles lief. Dann bekamen wir nach und nach immer mehr Probleme ... Zum einen würde ich andauernd krank, mein Sohn auch. Es war wirklich so, dass ich im Monat ca 2 Wochen nicht auf Arbeit war, weil erst der kleine und dann ich krank waren. Plötzlich veränderte sich mein Sohn, er war Dtld in weinerlich, ängstlich und einfach nicht mehr der kleine Junge, den man kannte. Er hatte bis dato auch noch sehr an der Trennung zu leiden.

    Ich bekam parallel psychische Probleme, war nur noch erschöpft, hatte Probleme mit dem Herzen, dem Magen und meiner Psyche. Ich war kurz vor Burn out. Gleichzeitig fühlte ich mich so schlecht gegenüber meines Kindes. Er hat dann irgendwann auch gesagt dass er so traurig ist dass ich ständig weg bin und er mich so vermisst. Das war der Moment, wo ich dachte: es reicht. Es geht einfach nicht mehr. Es dauerte ein halbes Jahr, bis ich mich dazu entschieden hatte die ausb zu beenden. Das fiel mir so schwer, weil die Firma toll war, die Kollegen, die Arbeit. Ich war die Beste in meinem Jahrgang. Aber das alles war es mir nicht wert, wenn ich dafür meine Gesundheit und die psychische Gesundheit meins Kindes aufs Spiel setze. Wir hatten sogar psychologische Betreuung in Anspruch genommen und auch da wurde uns gesagt, dass ich besser abbrechen soll.

    Es war ein langer, harter Weg und ich denke noch sehr oft an diese Zeit. Und so sehr ich darüber traurig bin, dass ich diese tolle ausb. aufgeben möchte, so sehr weiß ich, dass es das Richtige war.

    Mein Sohn ist seither aufgeblüht, hat einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Für ihn war es die beste Entscheidung! Mir geht es psychisch und körperlich wieder gut, ich bin wieder ich.

    Es ist immer leicht zu sagen "beiß dich da durch". Das habe ich auch und ich finde auch, solange keiner wirklich zu leiden hat, sollte man das auch tun. Klar ist so eine Situation nicht leicht, das weiß man von Anfang an.
    Meiner Meinung hört es aber auch, wenn nachweislich psychische oder physische Probleme entstehen - sowohl bei dir oder/und deinen Kindern - irgendwann greift das Argument "beiß dich durch" nicht mehr. Keiner hat was davon, wenn du eines Tages einfach umkippst, weil dein Körper nicht mehr kann.

    Ich rate dir das Ganze sehr, sehr gut zu überlegen. Sprich mit der IHK, ob es evtl eine Möglichkeit gibt den Betrieb zu wechseln. Bei dir scheint ja sehr viel daran zu liegen. Und sollte alles nicht greifen, dann hör auf dein Gefühl! Das habe ich damals auch und es hat sich als richtig erwiesen.

    Ich drück dir die Daumen!

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