Berufeinstieg mit 30-31 Jahren

    • (1) 30.05.16 - 23:49

      Hallo zusammen,

      ich weiss nicht wirklich, ob es in Partnerschaft oder hierher gehört, jedenfalls geht es um meinen Mann und deswegen habe ich mich mit einem anderen Namen hier angemeldet. Ich brauche Tipps von euch.

      Mein Mann wird dieses Jahr 31 und es sieht nun so aus, als ob er sein Masterstudium nicht schaffen wird. Er (und dadurch unsere Familie) hat unter diesem Studium sehr gelitten (kaum Freizeit, schlechte Laune bis hin zu -meiner Meinung nach- Depression, da er keine Erfolge hatte. Ich habe sehr oft an Trennung gedacht, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe), weil es ihn nicht einfach gefallen is und natürlich auch on top mit Kind.

      Er hat mit Mühe 2013 seinen Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen in einer Top-Universität beendet. Davor hatte er bereits einen anderen Studium nach 2 Jahren abgebrochen. Ich habe 2013 gleichzeitig meinen Master beendet und fing an Vollzeit zu arbeiten, da mein Mann sich für einen Master entschieden hat und ich dadurch in den Beruf voll einsteigen konnte. Kind ging in Krippe bzw. Kindergarten bis 15-16.30, also ist es nicht so, dass er keine Zeit zum lernen hatte. Die Idee ist/war, dass wenn er fertig ist und in den Beruf einsteigt, ich bis dahin schon ein paar Jahre Berufserfahrung habe und Stunden reduzieren kann. So weit so gut.

      Damals habe ich (und seine Eltern, Freunde) ihn empfohlen, dass er nicht das anschließende Master im selben Fach an der selben Uni macht, weil das Fach ihn so schwer gefallen ist. Wir haben vergeblich versucht ihn umzustimmen, auf reines BWL im Master zu wechseln, auf einer FH oder einer anderen "einfacheren" Uni, oder ein duales Master zu machen.

      Er hatte es sich aber im Kopf gesetzt, dass es dieses Master unbedingt sein muss. Seine Eltern sind Professoren (anderen Fachbereich) und haben ihn (und dadurch indirekt unseren Familie) von Anfang an mit dem Studium finanziell untersützt und fanden es sowieso damals gut, dass er einen Master absolvieren will. Mit meinen Berufseinsteigergehalt hätte ich uns nicht wirklich finanzieren können, seine Eltern haben ihn dann weiter finanziell unterstüzt, weil er angeblich keine Zeit für einen Nebenjob hatte.

      Ich (und auch Freunde) habe mein Mann gleich am Anfang des Masterstudiums angeraten, dass er sich einen Werkstudent Job sucht, da er dadurch Berufserfahrung sammeln kann. Mir war durch meine eigene Jobsuche (wenn auch ganz anderen Bereich) bewusst, wie wichtig Berufserfahrung ist. Außerdem dachte ich, da er ja nur Niederlagen im Studium hatte, würde ihn einen Job psychologisch helfen. Mein Mann ging gar nicht mehr in der Uni, da er sich die Vorlesungen online anschauen konnte, hatte kaum Kontakt zu anderen Studenten oder gar Freunde. Er war den ganzen Tag zu hause und am Nachmittag mit Kind.

      Mein Mann ist Offizier der Reserve und hat während des Studiums die Semesterferien immer dazu benutzt, Wehdienst zu leisten, weil das mehr oder weniger sein Hobby ist. Das führte dazu, dass er nur ein einzelnes Praktikum vor etwa 9 Jahren absolviert hat. Jetzt steht er also mit knapp 31 da, ohne Berufserfahrung in seinen Fach. (Bundeswehr ist ja nicht wirklich sein Fach, wenn auch schwach verwandt). Damals hat er durch seinen Wehrübungen Geld verdient und das war für ihn die "Ausrede" keinen Fach-Nebenjob sich zu suchen, da er eh etwas Geld verdient hat bei der Bundeswehr.

      Seine Eltern sind natürlich nicht begeistert, dass er das Studium hochwahrscheinlich abbrechen muss. Immerhin hat er schon einen Abschluss, aber für alle Jobs in der freien Wirtschaft braucht man Berufserfahrung (Praktika oder Werkstudent). Inzwischen hat er sich auf ein paar Praktika beworben, aber wurde nicht mal eingeladen. Ich glaube, dass mit 30 -fast 31- es nicht mehr so einfach ist, einen Praktikumsplatz zu finden.

      Dazu kommt natürlich, dass wenn er Vollzeit einsteigt und sei es nur Praktikum, müsste ich ja Stunden reduzieren, weil wir ansonsten keine Betreuung für unser Kind haben. An sich kein Problem, das hatten wir ja so geplant. Es ist aber finanziell ungünstig, dass ich von meinen Vollzeitjob Stunden rezudiere, wenn er nur 3 Monate Praktikum macht mit ungewissen Ausgang. Das gleicht sich finanziell nicht aus. Evt. wäre das durch einen Babysitter zu überbrücken, ich will ihn natürlich den Berufseinstieg ermöglichen, wir haben aber dann nur noch mein Gehalt zur Finanzierung, da seine Eltern ihn nicht mehr unterstützen werden. Was ist, wenn er nach dem Praktikum nicht sofort was findet? Wenn er kein Praktikumsgehalt bekommt und ich nur noch, sagen wir mal, 25 Stunden arbeite, können wir davon nicht leben! Selbstverständlich habe ich das mit meinen Vorgesetzten nicht besprochen, ich gehe aber da von aus, dass ich durchaus ab etwa Oktober stunden reduzieren könnte, aber wenn man schon mal reduziert hat, kann ich schlecht nach 3 Monaten sagen: jetzt will ich wieder vollzeit, wie kommt dass denn an??Sowieso ist ein Praktikum sehr ungewiss, da er bis jetzt keine Einladungen für einen Vorstellungsgespräch bekommen hat.

      Ich habe überlegt, dass evt. über Zeitarbeitsfirmen er in Teilzeit (z.B. 30 Std.) erstmal Beruferfahrung sammeln kann, sei es für 6 Monate oder ein Jahr. Eine Freundin hat unter etwas besseren Ausgangsbedingungen (sie hatte immerhin ein Praktikum) als mein Mann dadurch ihren ersten Job im BWL bekommen. Danach hätte er genug Berufserfahrung (wäre dann nicht mehr der 31 jährigen Praktikant....was momentan schwer aussieht) und konnte sich auf ein "normalen" Job bewerben und ich dann stunden reduzieren. Was meint ihr?

      Momentan hat er es so gemacht, dass er das fast-gescheiterte Masterstudium nicht im Lebenslauf angegeben hat. Erstmal hat er die Zeit zwischen Bachelor 2013 und heute mit Elternzeit und Fernstudium (ja, das hat er nebenbei auch noch gemacht) begründet. Wir dachten, dass einen abgebrochenen Masterstudium sich im Lebenslauf noch schlechter tut. Was meint ihr? Gibt es unter euch Personaler, die vielleicht uns Tipps geben können? Wir kennen leider im Freundeskreis keiner, der im Personalbereich arbeitet und uns tipps geben kann.

      Momentan hat sich mein Mann im Kopf gesetzt, sich als Wiedereinsteller bei der Bundeswehr zu bewerben. Ihn ist aber bewusst, dass die Chancen minimal sind. Er schaut sich also auch nach Jobs als Berufseinsteiger in der freien Wirtschaft um. Er ist trotz die Umstände, doch sehr motiviert und das freut mich sehr. Er hatte ziemlich depressiven Phasen seit 2013, die sehr sehr schwer für uns waren. Es scheint alles nach einiger Zeit besser zu werden und ich glaube, er ist erleichtert, dass er dieses Studium abgeben muss/kann. Es wird sich in den nächsten Wochen entscheiden, ob er weiter studieren darf, aber mein Mann geht davon aus, dass er nicht weiter studieren darf.

      Da ich mit keiner im realen Leben über diesen Thema reden darf und mein Mann keiner zu sprechen hat (inzwischen hat er durch die Isolation kaum Freunde bzw. seine wenigen Freunden sind durch andere Gründe ihn nicht mehr so nah), dachte ich mir, ich schreibe mich hier aus der Seele. Ich habe Angst, dass wenn er jetzt mehrere Monaten lang nur noch Absagen kriegt (ihn ist bewusst, dass es nicht leicht wird), er wieder so depressiv wird wir vor einem Jahr. Sorry für das ewig langer Post!

      • Schaut doch mal bei www.studienabbrecher.com. Da werden gezielt Ausbildungsplätze für Studienabbrecher angeboten.
        Das Problem bei Deinem Mann ist ja, das er nach 10 Jahren (?) Studium nix anderes vorweisen kann, als einen mittelmässigen (?) Bachelorabschluss. Ich bezweifle vor diesem Hintergrund, das ein 3monatiges Praktikum Personaler von seiner Fachkompetenz und Zielstrebigkeit überzeugen wird.
        Von daher wäre eine Ausbildung (die er aufgrund seines Vorwissens eventuell verkürzen kann) nicht die dümmste Alternative.

        Grüsse
        BiDi

        Hallo,

        herzlichen Glückwunsch: Du hast dir nen Totalversager geangelt.

        Mein Tipp: Schick ihn auf den Bau. Da lernt er mal, was echte Arbeit ist.

        • Blödsinn!

          Auf sowas würde ich ja mal überhaupt nichts geben. Ich behaupte es kommt immer drauf an. Ein Freund von mir hat 8 Jahre erfolglos studiert und ist am Ende knapp gescheitert. Er hat schon immer neben dem Studium viel nebenbei gemacht und leitet heute ein Unternehmen mit 10 Mitarbeitern. Klar, das haben nicht alle im Blut. Aber mit Initiative erreicht man immer was!

    Ich würde an deiner Stelle auf keinen Fall die Stunden reduzieren. Du bist die Ernährerin eurer Familie. Verabschiede dich nicht in eine popelige TZ-Tätigkeit, dann kannst du den beruflichen Aufstieg und Gehaltserhöhungen vergessen. Stockt die Kita-Stunden auf oder sucht euch eine Tagesmutter als Ergänzung.

    Was will denn dein Mann überhaupt machen? Gibt es in eurer Stadt keine Arbeitsplätze für Wi-Ing mit Bachelor (Controlling, kaufmännische Projektbetreuung usw)?

    Warum wird er nicht zu Bewerbungsgesprächen für Praktika eingeladen? Er kann seinen Bachelor ja nicht mit 3,9 gemacht haben, dann hätte er doch keinen Master-Platz bekommen. Warum schafft er seinen Master eigentlich nicht? Wenn er krank ist (klingt depressiv), muss er behandelt werden und sein Studium unterbrechen.

    • Er hat sein Bachelor mit 2,8 gemacht. Eben aber 2013. er hat neben dem Master im Wi-Ing auch einen Fernstudium. Das Fernstudium ist bisher in Ordnung, wenn auch nur langsam voran.

      Wir wohnen in einer Großstadt und ich könnte mich sogar in einen paar anderen Großstädte versetzen lassen. Jobausschreibungen gibt es genug. So viele Bewerbungen hat er noch nicht geschickt für Jobs. Er hat einen Interview bei einen Großkonzern für einen Werkstudentenjob gehabt, wurde aber nicht genommen. Praktikabewerbungen und andere Werkstudentenjobs waren bisher ohne Einladung. Ich muss sagen, dass er so viele noch nicht geschickt hat, weil er sich eben auch bei der Bundeswehr bewirbt und alles zusammen suchen muss. Es ist aber mehr oder weniger 90% sicher, dass das Studium nicht klappt. Erst seit 3 Wochen setzt er sich damit auseinander und sucht Alternativen.

Er soll die Arschbacken zusammen kneifen und seinen Master machen! Was will er denn mit 31 mit einem Bachelor? Da bekommt er doch nie Arbeit, zumal er Null Berufserfahrung hat.

  • Es liegt jetzt nicht mehr an ihm. Er muss eine gewissen Anzahl an Leistungspubkte bis diesem Semster erbracht haben. Er hat sie hochwahrscheinlich eben nicht und darf deswegen nicht weiter studieren. Warum es so weit gekommen ist, frag mich nicht. Ich kann es auch nicht nachvollziehen und will auch keine Ausreden für ihn finden.

Käme eventuell eine Härtefallregelung für den Master in Betracht? (Wegen der Depression.) Oder ist es total ausweglos, d.h. wird er das Studium auch mit nochmaliger Chance nicht schaffen?

Könnte er sich eventuell bemühen, die Credit Points aus dem scheiternden Master in einen anderen (Fern-)Master zu überführen? Gerade im BWL-Bereich gibt es soooo viele Möglichkeiten...

Ich würde erst dann runterfahren, wenn er einen bezahlten Job findet, vorher wäre mir das zu riskant.

  • Das Problem ist, laut meinem Mann, dass wenn du einmal gescheitert bist, darfst du in DE kein weiteres Wirtschaftswissenschaftlichen Master anfangen. Man ist quasi gesperrt.

    Wegen Härtefall: keine Ahnung, werde ich ihn sagen. Er hat bereits mehrere Semster sich als Elternzeit anrechnen lassen. Dadurch durfte er länger studieren mit mehr Kulanz....trotzdem hat er eben die nötigen Leistungspubkten nicht erreicht.

    • Ja, das stimmt. Wenn man geext wird, dann ist man deutschlandweit dafür gesperrt.

      Dein Mann wird vermutlich einfach nur noch froh sein die Verantwortung abgeben zu können.

      Schade ist, dass er so viele Jahre reingesteckt hat (oder auch nicht) und nun ohne Master da steht.

      Ich hab leider auch einige Jahre an der FH verschenkt, aber nach einem Wechsel zur BA dann doch noch die Kurve gekriegt und einen guten Abschluss gemacht und auch sofort Arbeit gefunden. Aber mit einem Bachelor-Abschluss hätte ich keine Chance gehabt. Ich bin froh, dass ich noch den Dipl.-Ing. machen konnte.

Top Diskussionen anzeigen