Teilzeitstellen im kaufmännischen Bereich?

    • (1) 04.11.16 - 18:24

      Hallo ihr Lieben,

      heute ist irgendwie ein total blöder Tag und ich mache mir totale Gedanken über die Zukunft. Habe immer das Gefühl, dass es als Mutter super schwierig wird im Berufsleben wieder seinen Platz zu finden. Geht es euch auch so? Ich bin zur Zeit in der 26 SSW. und freue mich riesig auf unser erstes Kind. Gleichzeitig mache ich mir aber sorgen wie es nach der Babyzeit weitergeht.

      Ich arbeite in einem kleinen Unternehmen (knapp 40 Mitarbeiter) im kaufmännischen Bereich. Leider ist mein Chef oftmals ziemlich unmöglich und man wird oft wie eine Nummer behandelt. Ich habe ihm letztens mitgeteilt, dass ich nach gut einem Jahr mit 25 Stunden wieder anfangen möchte. Eine definitive Rückinfo von ihm, ob das klappt habe ich bis jetzt nicht bekommen und werde ich wahrscheinlich auch nicht. Man hängt also in der Luft und kann die Elternzeit irgendwie auch nicht genießen (zumindest was das Thema finanzielle Zukunft angeht).

      Wie war es denn bei euch? Wie sieht es auf dem Arbeitsmarkt aus, wenn man sich als Mama mit Teilzeit woanders bewirbt? Wie sind eure Erfahrungen?

      Warum ist das in Deutschland manchmal so schwierig und schlecht angesehen als Frau mit Kind trotzdem einem normalen Teilzeit-Job nachzugehen und gute Arbeit zu leisten.

      Würde mich über einen Austausch freuen!

      • Warum die freie Wirtschaft so tickt, wüsste ich auch gern. Aber man ist doppelt gestraft bzw. befürchten die AG das: einmal eine Mutter, die wegen kranker Kinder jederzeit ausfallen könnte und zudem sowieso nur in TZ anwesend ist. Das will sich nicht jeder Chef leisten.

        Dann ist es sehr abhängig von der Abteilung, in der man arbeitet. Im Vertrieb, wo ich lange vor den Kindern gearbeitet habe, habe ich nur eine einzige Teilzeitkraft kennen gelernt. Und das auch nur,,weil sie ausschließlich Export bearbeitete und es da nicht so drauf ankam, ob die Ware heute oder am nächsten Tag nach Asien auf den Weg gebracht wurde. Die Aufträge könnten wir in der Zeit entgegen nehmen und auch Fragen u d Reklamationen beantworten, wenn sie nicht da war.
        Aber ansonsten muss man eben anwesend sein, wenn es der Kunde verlangt. Und Jobsharing ist nicht weit verbreitet in Deutschland.

        In der Buchhaltung und Personalwesen hast du ganz gute Chancen. In kleineren Betrieben reicht das Arbeitsaufkommen in der Abteilung gar nicht für eine volle Kraft.

        Weil ichnim Vertrieb auch nichts in TZ gefunden habe, was sich irgendwie mit Kindern vereinbaren ließ, bin ich in den Öffentlichen Dienst gewechselt. Hat Vorteile, was Arbeitszeiten und Flexibilität angeht, dafür wird deutlich schlechter bezahlt.

        • Danke für deine ehrliche Antwort.

          War es denn ohne Probleme möglich in einem anderen Bereich etwas zu finden oder ging es recht schnell bei dir? Ich bin auf jeden Fall offen für andere Bereiche - das ist nicht das Problem. Denke halt immer, dass einen dann keiner nimmt, weil man keine Erfahrung darin hat!?!

          • So ganz einfach ist das nicht. Die Kommune ist pleite und es gibt Einstellungstopps für externe Bewerber gibt. War vor über 9 Jahren nicht anders als heute. Ich habe mich beworben und bin denen über 1/2 Jahr ziemlich auf die Nerven gegangen. Ich sollte dann als Springer anfangen für Kurvertretungen etc. Von Extern werden Kaufleute bei uns nur in Schulen eingesetzt und evtl. im Servicecenter der Stadtzentrale (das ist aber Callcenterarbeit. Alle zentralen städtischen Anrufe laufen dort ein und man muss verbinden, Auskünfte geben nonstopp). Nach der Kurvertretungen von 3 Wochen hatte ich gleich ein " Engagement" bei einem Berufskolleg. Auch erst befristet, aber nach 2,5 Monaten wurde der Vertrag in unbefristet umgewandelt. Ich weiß bis heute nicht, wie unser damaliger Schulleiter das hingekriegt hat. Man kann eben mal Glück haben.

            • Ja, hartnäckig muss man immer im Leben sein ????
              Darf ich fragen, was du in dem Berufskolleg genau arbeitest? Im Sekretariat oder als Lehrerin?

              • Als Lehrkraft kann man mit kaufmännischer Ausbildung nicht quer einsteigen.

                Ich bin im Sekretariat. Da braucht man die üblichen kaufmännischen Qualifikationen (MS-Office-Paket, man muss sich in das verwendete Schulverwaltungssystem einarbeiten, was aber kein Problem ist. Ist halt einfach eine Datenbank und Schüler sind auch nichts anderes als Kunden. Manchmal sind Fremdsprachenkenntnisse von Vorteil. Wir haben internationale Flüchtlingsklassen und Englischkenntnisse werden öfter gebraucht - besser wäre noch Kurdisch, Türkisch oder Arabisch :-D, aber dafür haben wir Kollegen, die das z. T. sprechen). Dann gibt es den schuleigenen Haushalt, Drittmittel, die verwaltet werden, Etats der Fachschaften, Rechnungen zu bezahlen und zu buchen, Personalangelegenheiten usw. Ist wirklich abwechslungsreich. Allerdings nicht üppig bezahlt - eine Freundin ist Vorstandssekretärin bei einem großen Unternehmen und verdient das 2,5-fache meines Gehaltes........arbeitet aber auch so lange, bis der Chef sie nicht mehr braucht abends.

                Habt ihr eine FH oder Uni in der Nähe? Bei uns gibt es reichlich Stellen auf deren Homepages. Jedes Dekanat hat mehrere Sekretärinnen, Sachbearbeiterinnen, Mitarbeiterinnen im Prüfungsamt usw.usf. Unsere Uni hat über 1000 nicht-wissenschaftliche Mitarbeiter.

                Kliniken suchen manchmal Sekretariatsmitarbeiter. Oft scheitert es an den medizinischen Kenntnissen, wenn Arztbriefe geschrieben werden müssen. Das war auch mein Problem, weil ich zwar auch eine erste Ausbildung im medizinischen Bereich habe, aber mich nur mit der zahnmedizinischen Terminologie auskenne. Dafür,hätte ich besser damals Arzthelferin lernen sollen und nicht beim Zahnarzt. Einmal gab es ein Stellenangebot im Sekretariat einer Klinik (ohne dass man medizinischen Hintergrund vorweisen musste). Leider war es eine christlich angehauchte Klinik und sie wollten jemanden, der einer der großen christlichen Weltreligionen angehört. Nun bin ich aber leider, leider kein Mitglied der Kirche mehr...........

                Du musst einfach immer gucken, was sich bei euch im Umkreis so tut. Vor allem die jeweiligen Homepages regelmäßig studieren, denn die großen "Unternehmen" im ÖD haben es nicht nötig, zu inserieren. Die bekommen die Stellen auch so besetzt. Und die Arbeitsagentur kannste gleich ganz vergessen. Die haben damals nur müde gelächelt, als ich mit dem Wunsch nach kaufmännischer Teilzeitarbeit nach der Elternzeit ankam......"Jaaaaaa....., das wollen sie ja alle........!" Immerhin haben sie mir eine umfassende und ziemlich teure Weiterbildung finanziert. Das hätte mich privat rund 4.900 € gekostet für die 6 Monate. Kinderbetreuung wurde zusätzlich auch noch subventioniert.

                Überleg dir, wo deine Neigungen und Talente liegen. Ob du dich vielleicht in Rechnungswesen weiterbildest, dann bekommst du auch in der freien Wirtschaft familientaugliche Jobs. Leider ist das nicht mein Metier, das mir Spaß macht. Ich mache das in keinem Rahmen jetzt auch, aber NUR.....ne, das wäre nicht meins gewesen.

                • Was ich noch vergaß:

                  Wenn du wirklich Ambitionen für den ÖD bei der Kommune oder beim Land hast, erkundige dich nach internen Weiterbildungsmöglichkeiten.

                  Das geht bei uns z. B., wenn man erstmal im System drin ist. Als kaufmännischer Quereinsteiger sind einem viele Stellen verbaut. Allerdings kann man in unserer Stadt bei entsprechender Eignung den 1. Angestelltenlehrgang absolvieren (und später auch den 2.) und ist dann den Verwalttungsfachangestellten gleichgesetzt. Man verpflichtet sich damit aber, XY Jahre in der Kommune zu bleiben, wenn sie schon die Weiterbildung zahlen. Und man muss sich gut überlegen, ob man ein Verwaltungsmensch ist. Manche Abteilungen sind echt gruselig. Da herrscht Totentanz, kein Publikumsverkehr, kein Trubel, eher trockene, sehr theoretische und rechtlastige Arbeit.......... Wenn maN sich in einige Flure unseres Rathauses verirrt, gerät man in Niemandsland. Wie ausgestorben, kein Traffic auf den Gängen, alle sitzen hinter verschlossenen Türen ihrer Büros. Für mich wäre das wie lebendig begraben.

                  • Danke für deinen super ausführlichen Text :-)
                    Ich würde super gerne etwas im Personalbereich machen - so Art Personalreferent. Ob das in einem Wirtschaftsunternehmen oder im ÖD ist, ist mir erstmal egal. Nur komme ich halt nicht aus diesem Bereich und in jeglichen Stellen steht ja "mindestens xy Jahre Berufserfahrung in dem Bereich". Das macht mir halt Sorge.

                    Ein Pluspunkt für mich ist vielleicht, dass ich aktuell noch neben dem Beruf BWL studiere, aber kann leider keinen Schwerpunkt an meiner Uni im Personalbereich wählen. Und die Berufserfahrung fehlt mir in dem Bereich ja eh. Naja, mal sehen, was die nächsten Jahre so bringen

      Dein AG kann Deinen Antrag auf Teilzeit nur aus betrieblichen Belangen ablehnen.

      Ich bin auch im ÖD und kann nur bestätigen, dass da Teilzeit wirklich gut möglich ist - aber natürlich verdient man auch weniger als in der freien Wirtschaft. Wir haben viele Teilzeitkräfte, die vorher woanders waren, wenige sind totale Quereinsteiger, andere haben eine solide kaufmännische Ausbildungen und Berufserfahrung mitgebracht.

      • Ja, ich weiß, dass ich rechtlich auf jeden Fall einen Anspruch hätte und bei uns aus betrieblichen Gründen auch wirklich schwer zu begründen wäre.

        Aber was will man machen, wenn er nachher nein sagt? Will man vor Gericht ziehen und dann wieder dort arbeiten? Recht haben und Recht bekommen sind in Theorie und Praxis leider oftmals unterschiedlich :-(

    Hallo,

    ich arbeite inzwischen 32 Stunden. Meine kinder sind 5 und 10. Ich hatte nie Probleme, einen neuen Job zu finden, selbst mit Baby und Kleinkind. Mein Sohn war 8 Monate, meine Tochter noch keine 3 Jahre, als ich jeweils das Unternehmen gewechselt habe. allerdings bin ich jedes Mal mit Vollzeit eingestiegen, um diesen Job auch überhaupt erstmal zu bekommen. Teilzeit wäre nicht möglich gewesen damals. Das kam dann jeweils später. Heute bin ich froh, dass ich diesen "Einsatz" gezeigt habe (zum Glück hatte ich auch viel Unterstützung durch meinen Mann und die Großeltern), da ich jetzt meinen "Traumjob" habe und es mir möglich ist, Teilzeit zu gehen.

    vg, m.

    • Das sind ja mal positive Nachrichten und freut mich sehr zu hören!
      Vollzeit sehe ich auch nicht so als Problem, aber ich würde die ersten Jahre schon gerne Teilzeit arbeiten. Zumindest nicht mehr als 30 Stunden. Naja, mal sehen wie alles wird. Wahrscheinlich macht man sich einfach zu viele Gedanken im Moment - typisch deutsch eben :-)

      • Vollzeit wollte ich auch nie. Hinzu kam, dass ich bei meiner Tochter insg 9 Wochen zum Lehrgang in eine andere Stadt musste. Das war schon anstrengend. Aber wenn du erstmal einen Fuß in der Tür hast und unkündbar bist, dann ist es zumindest in großen Unternehmen kein Problem mehr mit Teilzeit.

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