Zwischenzeugnis - wer kennt sich aus und kann mal drüberlesen?

    • (1) 18.11.16 - 17:23

      Hallo,

      ich habe mir von meinem Arbeitgeber ein Zwischenzeugnis ausstellen lassen - mag mal jemand drüberlesen, ob irgendwelche "Stolperer" drin sind?

      Ach ja, kann mir jemand erklären, was ich von der Formulierung "kontinuierliche Arbeitsweise" halten soll - ich finde, das klingt komisch...

      Hier ist der Entwurf (ich darf noch Änderungswünsche angeben):

      Frau xxx, geb. am xxx, ist seit xxx 2013 als Fachkraft im Erziehungsdienst in unserer Mutter-/Vater-Kind-Einrichtung in (Adresse) tätig.
      Die Mutter-/Vater-Kind-Einrichtung in xxx ist Teil des Verbundes für Hilfen zur Erziehung in den Landkreisen xxx und xxx innerhalb der xxx gGmbH.
      Das gemeinnützige diakonische Unternehmen ist Träger von insgesamt 18 Einrichtungen in xxx und xxx. In der xxx gGmbH sind mehr als 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, die in xxx(Bundesland) und (Bundesland) Kinder, Jugendliche und Familien in deren unterschiedlichen Lebenssituationen begleiten und betreuen.
      Frau xxx war im gesamten Zeitraum im Betreuungsdienst der 24h-Einrichtung und als Bezugspädagogin tätig. Sie engagierte sich darüber hinaus für die Einrichtung im Netzwerk der Frühen Hilfen des Landkreises.
      Die Mutter-/Vater-Kind- Einrichtung bietet gemäß §§ 19, 27 (2) und 31 SGB VIII verschiedene Hilfeformen für junge Mütter und Väter mit deren Kindern (bis zu einem Alter von 6 Jahren) an. Die sozialpädagogische Arbeit erfolgt stationär mit acht Betreuungseinheiten im Rahmen des 24h-Gruppenangebotes. Dazu gehören drei Betreuungseinheiten in separaten Wohnungen als Individualangebot mit reduziertem Betreuungsangebot bei 24h-Erreichbarkeit. Ebenfalls gehört eine ambulante Nachbetreuung über Sozialpädagogische Familienhilfe nach §31 SGB VIII und Weiterbetreuung über Ambulante Begleitete Elternschaft zu unserem Tätigkeitsfeld.

      Das Aufgabengebiet von Frau xxx in dieser gemeinsamen Wohnform für
      Mutter/ Vater und Kind nach §19SGB VIII umfasste im Rahmen der jeweiligen
      individuellen Hilfeplanung mit dem Jugendamt die folgenden wesentlichen
      Arbeitsaufgaben:
      ? fachliche Ausgestaltung des Betreuungsablaufes in einer 24h-Mutter/Vater-Kind-
      Einrichtung im Betreuungsdienst in einem Team mit insgesamt 8 pädagogischen
      Fachkräften, Umsetzung der dazu notwendigen pädagogischen und
      organisatorischen Aufgaben.
      ? Arbeit als pädagogische Fachkraft und Bezugspädagogin für einzelne Klienten
      und deren individuelle Hilfeplanungsverläufe mit den Schwerpunkten:
      - Schwangerschaftsbegleitung / Geburtsvorbereitung
      - Unterstützung bei der Gestaltung der Mutter/Vater-Rolle
      - Entwicklung und Stabilisierung der Mutter-Vater-Kind Beziehung
      - Begleitung bei der Gestaltung der Paarbeziehung der jungen Eltern
      - Anleitung und Unterstützung bei der Pflege und Erziehung des Kindes
      - Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie
      - Begleitung und Anleitung bei der Ausgestaltung einer angemessenen
      Alltagsstruktur für Elternteil und Kind
      - Begleitung und Unterstützung des jungen Elternteils bei der Klärung der
      beruflichen Perspektive (Schul- und Ausbildungsplatzsuche und – erhalt)
      - Vorbereitungen von Fallbesprechungen und Reflektionen zur
      Kindeswohlsituation in der einzelnen Hilfe
      Frau xxx setzte ihr Fachwissen von außerordentlicher Tiefe zu Familien- und
      Bindungsarbeit in ihrer täglich anfallenden Arbeit immer sicher und sehr effizient ein.
      Sie zeigte ein außerordentlich großes Engagement bei ihrer sozialpädagogischen
      Tätigkeit und bei der Übernahme und Erledigung von Aufgaben im Rahmen der
      pädagogischen Arbeit des Teams.
      Sowohl bei großen Herausforderungen als auch bei alltäglichen Fragen hatte Frau
      xxx stets kreative und zügig umsetzbare Lösungsvorschläge und einen sehr
      guten Überblick über die Aufgaben in ihrem Arbeitsbereich.
      Frau xxx war sehr gut in der Lage, den pädagogischen Gesamtprozess der
      Hilfen bei den ihr anvertrauten jugendlichen Elternteilen und deren Kindern
      differenziert zu planen, anzuleiten und zu dokumentieren.
      Fachlich überzeugend und sehr sicher kommunizierte Frau xxx in
      Hilferunden, bei Behörden, Fachinstitutionen und gegenüber Eltern.
      Im fachlichen Austausch innerhalb des verbundinternen Besprechungswesens, im
      Fachkräfteteam der Einrichtung, bei übergreifenden Fallbesprechungen und auch bei
      Arbeitstreffen des Netzwerkes Frühe Hilfen zeigte sie mit der Reflexion dieser
      Sachverhalte, dass sie über vielseitige Fachkenntnisse, eine hohe Motivation sowie
      eine sichere Urteilsfähigkeit verfügt.
      In der Zusammenarbeit mit Schulen, Ausbildungsstätten, Ärzten und Therapeuten
      trat sie sicher auf, vertrat die Rechte der jungen Eltern und zeichnete sich durch eine
      kooperative und kontinuierliche Arbeitsweise aus.
      Gegenüber den Eltern und ihren Kindern trat Frau xxx jederzeit kompetent,
      hilfsbereit und verständnisvoll auf. Es gelang ihr sehr gut, eine von Offenheit,
      Beteiligung und Zugänglichkeit geprägte Arbeitsbeziehung mit den Klienten zu
      schaffen.
      Sehr verantwortlich nahm Frau xxx die Organisation und Durchführung von
      Dokumentation und Büroarbeiten, das Antrags- und Berichtswesen gegenüber dem
      Jugendamt sowie die Verwaltung trägerinterner Gelder und deren Abrechnung war.
      In zum Teil äußerst schwierigen Situationen (Konflikten mit Elternteilen,
      kindeswohlgefährdenden Situationen u.a.) konnte sie sich flexibel auf diese
      einstellen und stellte ein adäquates, sicheres und differenziertes Handeln unter
      Beteiligung der Betroffenen unter Beweis. Auch in komplexen Erziehungssituationen
      im Betreuungsalltag der Gruppe war sie sicher in der Lage, schnell und adäquat zu
      reagieren.
      Ihr Verhältnis zu Vorgesetzten und KollegInnen ist geprägt von gegenseitiger
      Wertschätzung, Vertrauen und Kompetenz.
      Frau xxx hat unsere sehr hohen Erwartungen in dieser Arbeit stets in bester
      Weise erfüllt und Ihre Leistungen waren jederzeit sehr gut. Wir schätzen sie als
      erfolgreiche und wertvolle Mitarbeiterin unserer Einrichtung.

      Dieses Zwischenzeugnis wurde Frau xxx auf eigenen Wunsch ausgestellt.

      Ich finde, es klingt insgesamt recht gut aber in manchen Formulierungen noch ein wenig holperig. Wie könnte ich es notentechnisch einordnen?
      Was meint ihr?

      LG

      a79

      • (2) 18.11.16 - 19:03

        Warum ist das Zeugnis in der Vergangenheit geschrieben? Du bist doch noch dort beschäftigt, nehme ich an.
        Wo klingt der Text holprig?

        • (3) 18.11.16 - 21:39

          Das weiß ich auch nicht so genau, fällt mir aber auch erst jetzt wirklich auf, wo Du es ansprichst. Ja, ich arbeite noch da und er ist auch nicht bestrebt, mich loszuwerden. Ich vermute aber, dass er, als sonst Schreiber von so manchem Entwicklungsbericht für die Hilfeplankonferenzen einfach gewohnt, in der Vergangenheitsform zu schreiben ( es zählt nur der Berichtszeitraum bis jetzt bzw. bis zum Zeitpunkt der Berichtsverfassung - liegt alles in der Vergangenheit...). Ich werde ihn aber nochmal drauf ansprechen.

          Mit holperig meine ich solche Sätze wie "Sehr verantwortlich nahm Frau xxx ....... wahr" - das ist für meine Ohren einfach ein seltsames Satzkonstrukt, weil das Subjekt im Normalfall vorn im Satz steht...vielleicht ist das im Zeugnisdeutsch aber auch gang und gäbe...

          Also was hältst Du von dem Zeugnis?

          • (4) 19.11.16 - 12:04

            "Mit holperig meine ich solche Sätze wie "Sehr verantwortlich nahm Frau xxx ....... wahr" - das ist für meine Ohren einfach ein seltsames Satzkonstrukt, weil das Subjekt im Normalfall vorn im Satz steht...vielleicht ist das im Zeugnisdeutsch aber auch gang und gäbe..."

            Ich finde das flüssig formuliert und endlich mal nicht in den Subjekt-Prädikat-Objekt-Stil. Erfreulich, dass es Einigen doch noch möglich ist, einen Satz mal mit einem Adverb beginnen zu lassen. Steht immer das Subjekt am Satzanfang, klingt das auf Dauer sehr einschläfernd.

            LG
            Delfinchen

      Es ist normal, dass das Zeugnis in der Vergangenheit geschrieben wurde. Schließlich wurde Deine bisher abgeleistete Tätigkeit beurteilt und danach das Zeugnis erstellt.

      Das einzige, was man noch bemängeln könnte.... Du hast doch bestimmt mit Externen (Kunden/Klienten) Kontakt. Das müsste mit in den Satz: Ihr Verhältnis zu Kollegen, Vorgesetzten etc..... Und dann in der Reihenfolge, mit denen Du täglich am meisten zu tun hast, häufig müssen dann die Vorgesetzten an letzter Stelle auftauchen.

      Ansonsten ist das Zeugnis sehr ausführlich geschrieben. Was sehr für Dich spricht. 'Gefährlich' wird es, wenn es kurze Zeugnisse sind, wo wichtige Teile weggelassen wurden.

      Den Satzbau, den Du bemängelt hast, würde ich dezent überlesen. Ist zwar in der Tat nicht so gängig, manche mögen es halt lieber verschnörkelt ;-)

      • Danke für Deine Antwort!

        Mit externen Kunden habe ich für gewöhnlich keinen Kontakt - die wohnen ja bei uns im stationären Angebot und dazu steht auch ein Satz drin.
        Das "Team" taucht auch recht häufig auf...aber eben nicht alles in einem Satz. Muss ich nochmal nachlesen.
        Die Zusammenarbeit mit externen Anlaufstellen, JÄ etc. ist aufgeführt.

        • Ich habe den Satz gefunden, den Du meinst.

          Dieser Satz den ich meinte, ist einer DER Schlüsselsätze in einem Zeugnis. Auch wenn Inhalte vorher durchweg positiv formuliert sind, kann ein Wegfall dieser Sätze oder auch Teile, die weggelassen wurden, oder verdreht niedergeschrieben sind, ein ganz anderes Bild erschaffen.

          Ganz einfaches Beispiel. Kassiererin im Einzelhandel

          Frau XYZ war bei Vorgesetzten und Kollegen gleichermaßen beliebt und geschätzt. Kunden würden hier weggelassen, also kann man davon ausgehen, dass sie nicht serviceorientiert arbeitete. Vorgesetzte wurden vor Kollegen genannt. Daraus kann man schließen, dass sie stets der Jagdhund war, der Kollegen auch gern mal oben anschwärzte.

          Bestenfalls würde da stehen..... Frau XYZ war bei Kunden, Kollegen und Vorgesetzten.....

          • Bei mir stand nun Vorgesetzte vor Kollegen - meinst Du das das negativ ist? Vonwegen Kollegen angeschwärzt?....Na dann hätte er eher die Vorgesetzten dahinter bringen müssen - denn ja, ich habe mich über meine direkte Vorgesetzte beschwert, weil sie ihre Arbeit nicht macht, wie sie soll.

            • (11) 19.11.16 - 11:00

              Nein, erst kommen die Vorgesetzten, dann die Kollegen und dann die Kunden o.a.

              • (12) 19.11.16 - 20:51

                Danke - ich finde das echt ganz schön schwierig, zu bewerten, ob ein scheinbar gut klingendes Zeugnis nun wirklich gut ist oder irgendwelche "Negativbewertungen" eingearbeitet sind.
                Wenn, wie bei meinem Zeugnis, so oft die Klienten und meine Arbeit mit ihnen und die Art der Arbeit erwähnt wird, ist es dann trotzdem negativ, wenn sie in dem Satz mit "Ihr Verhältnis zu Vorgesetzten, Kunden...." nicht vorkommen? Muss das unbedingt da noch rein, damit es wirklich gut ist?

                LG

                a79

    (13) 20.11.16 - 04:28

    Hallo
    ,Kontinuierlich' habe ich jetzt so verstanden, dass du zu den Institutionen regelmäßig Kontakt hattest. Mir würde da jetzt auch keine bessere Formulierung einfallen.

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