Wer finanziert eigentlich diese vielen Beschäftigungsverbote?

    • (1) 29.11.16 - 22:38

      Hallo zusammen

      Frage steht oben...

      Ich frage mich das ernsthaft, da anscheinend gefühlt jede dritte Schwangere ein bv bekommt.

      Ich wusste bis zu meiner zweiten Schwangerschaft überhaupt nicht, dass es das gibt. Wäre niemals auf die Idee gekommen.

      Auch ich habe mit zahlreichen Menschen zu tun. Wer weiß, was die für Krankheiten haben.

      Meine Tochter wickelte und knutschte ich auch während der zweiten Schwangerschaft. Auch Kleinkinder und Babys von Freunden oder den damals einjährigen Sohn meiner Schwester...

      Meine Oma (ü90) wurde geknuddelt, sogar im ach so schlimmen Krankenhaus besucht.

      Auch vor anderen alten Menschen hatte ich keine Angst.

      Ich arbeite im Einzelhandel. Hinsetzen ist in der Theorie schön und gut, aber wenn gerade ein Kunde eine eigene Beratung möchte, kann ich doch nicht sitzen bleiben...
      Hustende Kunden oder Kunden mit augenscheinlich kranken Kindern konnte ich doch auch nicht wegschicken...

      Körperlich arbeiten war auch nicht immer vermeidbar.

      Auch wenn meine Kollegen nicht sofort "hurra" gerufen haben, weil ich schwanger war, hab ich nicht gleich gedacht, dass sie mich mobben....

      Ich kenne genügend, die auch schwanger in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Kindergärten etc gearbeitet haben, und das bis zum Mutterschutz.

      Gefährliche Sachen macht man dann halt nicht mehr.

      Natürlich sind auch oft die Chefs "schuld"

      Sie bekommen schließlich das Geld wieder.

      Fragt sich nur, wer die Zeche letztendlich zahlt.?

      Im Endeffekt wir,...

      Es sollte ein bv nur im äußersten Fall geben.

      Wenn inflationär damit umgegangen wird, sollte besser geprüft werden, ob es gerechtfertigt ist.

      Liebe Grüße

            • Hallo

              Vielen Dank.

              Genau das wollte ich wissen. Werde mich bei Gelegenheit über dieses u2 informieren.

              Aber ich denke, im Endeffekt zahlen auch das "wir"

              Umso mehr BV, umso mehr muss eingezahlt werden.

              Geld, welches anderswo fehlt und ich mich frage, warum das nicht lieber in mehr Personal investiert wird. Vor allem eben in der Pflege herrscht Personalmangel.

              Oder in eine bessere Entlohnung von Pflegekräften.

              Liebe Grüße

                • Okay, das ist dann blöd.

                  Aber wenn weiterhin so Inflationär Beschäftigungsverbote vergeben werden, dann steigen sicher die Beiträge und die Firmen werden anderswo sparen.

                  Lg

                  Noch eine Frage,

                  Ist das dann wenigstens so gerecht geregelt, dass Firmen, die sehr häufig ins BV schicken höhere Beiträge zahlen als Firmen, die nicht so schnell und oft ins BV schicken?

                  Lg

                  • (9) 30.11.16 - 08:13

                    Es müssen sogar AG die Umlage zahlen, die gar keine Frauen beschäftigen

                    Nein, der Beitragssatz richtet sich nur nach der Krankenkasse. die Krankenkassen, die viele BVs und teure BVs haben, müssen entsprechend höhere Beitragssätze verlangen. Die Ausgaben vom einen Jahr bestimmen die Höhe des Beitragssatzes für das nächste Jahr.

                    Jedes BV wirkt sich auf den Beitragssatz des Folgejahres aus.

      Hallo,

      finanziert wird es über die gesetzlichen Krankenversicherungen. Also zahlt es jeder gesetzliche Versicherte und über die Umlage U2 die Arbeitgeber (diese ist allerdings vergleichsweise gering).

      Liebe Grüße Andrea

    Ich frage mich das ernsthaft, da anscheinend gefühlt jede dritte Schwangere ein bv bekommt.

    Das ist nur dein gefühlter Eindruck. Die Wirklichkeit ist aber anders, und zwar eher so wie du es lebst. Die meisten Schwangeren sind zum Glück noch "normal" und gehen auch bis zum Schluß normal arbeiten.

    Diejenigen, die Probleme haben, die ans BV denken, oder sich um ein BV bemühen, die Zoff mit dem AG haben, tauchen hier in den Foren auf und diskutieren die Sache aus.

    Wenn sie dann freigestellt sind, haben sie alle Zeit der Welt, langweilen sich und schreiben hier wieder über ihr BV. So entsteht der Eindruck, dass die Relation 1:3 ist, das ist sie aber nur deswegen weil die Freigestellten so viel freie Zeit haben und weil diese Problematik überproportional oft diskutiert wird.

    Den Frauenärzten hängt es auch zum Halse raus, und viele davon sind so verärgert darüber, wie massiv diese z.T. Arbeitsverweigerungshaltung vorkommt, dass sie längst nicht mehr bereit sind, einfach so schnell freizustellen.

    • (14) 30.11.16 - 09:43

      Beispiel bei mir aus der Firma: mit mir zusammen sind derzeit 4 weitere Kolleginnen (mit denen ich zumindest viel zu tun habe) schwanger.

      Eine davon hat, Resturlaub mal ignoriert, bis Beginn Mutterschutz ganz normal gearbeitet - vielleicht hier oder da mal einen Tag Homeoffice dazwischen geschoben.

      Eine ist im BV, weil die Kombi aus weitem Arbeitsweg + im Büro nur sitzen zu sehr auf die Symphyse drückt. Und sie hat erstmal noch zugesehen, dass sie das BV (vom Arzt ausgestellt) ein paar Tage nach hinten schubst, um noch eine ordentliche Übergabe zu machen.

      Die beiden anderen und ich arbeiten derzeit auch ganz normal weiter. Ok, hier oder da fällt die ein oder andere ggf. mal wegen entsprechender Übelkeit o.ä. aus. Aber bisher hat keine nach einem BV geschrien.

      Auch meine Schwägerin, die selbst im medizinischen Bereich, wenn auch nicht in der Pflege, tätig ist, hatte kein BV.

      oder auch: ich kenne da durchaus auch genügend andere Fälle.

      • (15) 30.11.16 - 15:31

        Hallo,
        ich kenne aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis niemanden, bei dem ein Beschäftigungsverbot nicht gerechtfertigt gewesen ist.
        Ich selbst habe 2x ein BV bekommen, da mein Arbeitgeber mir keinen geeigneten Arbeitsplatz zur Verfügung stellen konnte. Es wurde jedes Mal eine Gefährdungsbeurteilung erstellt und überlegt, wo ich alternativ -geeignet- eingesetzt werden könnte.
        Ein BV von medizinischer Seite ist nie im Gespräch gewesen, da es mir und dem Kind gut ging / geht.
        Gibt es denn Zahlen bzw. Statistiken zu erteilten BVs?
        Viele Grüße
        Loréen #klee

        • (16) 30.11.16 - 16:57

          Die Erstattungsbeiträge für Beschäftigungsverbote stiegen von 1,030 Mrd Euro im Jahr 2008 auf 2,36 Mrd Euro im Jahr 2013. Demnach dürften wir dieses Jahr bei ungefähr 2,8...3 Mrd Euro Erstattungsbeiträgen liegen. (Ohne die 90 Betriebskrankenkassen der BKK Mitte.)

          https://www.aokplus-online.de/fileadmin/user/Redakteur/Presse/Infothek/Medienangebote/praxis-aktuell/pa_2_2015_PLUS.PDF

          Wir haben in Deutschland rund 700.000 Geburten. Davon geschätzt rund 500.000 im Beschäftigungsverhältnis oder Beamtinnen, für die BVs in Frage kommen.

          Statistisch erhält demnach jede Schwangere in einem Beschäftigungsverhältnis rund 6.000 Euro pro Schwangerschaft aus der Umlagekasse U2. Darin enthalten sind auch die Zuzahlungen zum Mutterschaftsgeld während der 14 Wochen der Mutterschutzfrist.

          Eine Schwangere, die 3500 € Brutto verdient und sofort in der 5. SSW ins BV geht, kostet die Umlagekasse 42 Wochen lang 1,2 x 3500 x 9,5 = 39.900 Euro, wenn man die 13 Euro Mutterschaftsgeld nicht berücksichtigt.

          Würde sie nicht ins vorzeitige BV gehen, sondern nur die Mutterschutzfrist in Anspruch nehmen, wären es nur 1/3 des Betrags, nämlich rund 10.500 €

          Das ist nur eine grobe Abschätzung, um welche Größenordnungen es hier geht.

          • (17) 30.11.16 - 17:13

            Hallo,
            danke für die Ausführungen! Dann lag ich deutlich unter dem Schnitt ;-)
            Mit solchen Daten kann ich immer mehr anfangen, als mit subjektiven Schätzungen aus dem Bauch.

            Loréen

            • (18) 30.11.16 - 17:20

              Du musst bedenken, dass in die Zahl auch eine Minijobberin mit 400 Euro/Monat reinfällt, die in der Mutterschutzfrist nur 1.200 Euro aus der U2 bekommt und genauso eine Fachärztin (z.B. Tierärztin) mit 5.000-6.000 Euro pro Monat, die sofort ins BV muss und die Umlagekasse mit 68.000 Euro belastet.

              Die Anzahl der geringer Qualifizierten und Teilzeitkräfte dürfte die Mehrheit ausmachen.

    Hsllo

    Vielleicht ist es wirklich so, aber hier im Forum nimmt es ziemlich überhand mit den Beschäftigungsverboten....

    Und die Gründe dafür sind oft haarsträubend.

    Es stimmt schon, im "normalen" Leben kommt es mir nicht so schlimm vor. Zumindest in meinem Bekanntenkreis.

    Ich kenne niemanden persönlich, der ein Beschäftigungsverbot hat/hatte.

    In meinem Freundeskreis sind viele Krankenschwestern, Altenpflegerinnen und Erzieherinnen. Von denen hatte keine ein Beschäftigungsverbot. Sie durften halt manche Sachen nicht mehr machen und gut wars...

    Liebe Grüße

Sehe das auch so. BV sind genau wie Mutter/Kind Kuren ein großer "Trend" und nur ein kleiner Teil hat es wirklich nötig.

  • Hallo.

    Ja, Mutter Kind Kur... Das ist auch so eine Sache.

    Das nimmer auch überhand.

    Und bei wirklich nötigen Kuren hat die Krankenkasse dann kein Geld...

    Liebe Grüße

    Und das entscheidet dann wer? Ihr? Seid Ihr (du und die TE) hier die moralische Instanz? Ich würde mich hüten, so über andere zu urteilen, man schaut doch immer nur von außen drauf. ..

    Übrigens : eine Erzieherin mit eurer Einstellung kenne ich , die ist nicht in's bv obwohl sie es konnte, hat kein u3 mehr gemacht und sich dennoch mit zytomegalie infiziert. Musste ihr Kind dann tot zur Welt bringen im fast 7. Monat. Ist seitdem - 2 Jahre ist es her- arbeitsunfähig aufgrund psychischer Erkrankung.

    Diese Folgekosten zahlst "du" auch! Wobei ich hier echt nicht von Kosten sprechen mag bei soviel Leid, das vielleicht zu vermeiden gewesen wäre

    Solidargemeinschaft ist das Wort! "Ich" zahle auch für Raucher, Risikosportler, Süchtige, Anorektiker, Veganer etc.

    Da fällt mir ein: heute morgen hätte das 2. Toast nicht sein müssen ;-)

    Wer wirft jetzt den 1. Stein?

    Gruß

    Hasengesicht

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