Könnt ihr mir bitte mein Arbeitszeugnis bewerten?

    • (1) 09.12.16 - 08:51

      Hallo,

      Ich habe für einen Masterstudiengang ein Zwischenzeugnis angefordert und folgendes bekommen:

      Eine Kurze Beschreibung der Einrichtung ...

      Frau X arbeitet überwiegend in folgenden Tätigkeitsfeldern: Durchführung von Einzel-, Gruppengesprächen und Fallbesprechungen, Umsetzung, Einhaltung und Fortschreibung der Hilfeplanung, Überwachung und Kontrolle medizinischer, sozialtherapeutischer und tagesstrukturierender Maßnahmen der ihr anvertrauten BewohnerInnen, sowie die Führung und Kontrolle der Klientendokumentationen, Vorbereitung und Sicherstellung psychiatrischer Behandlungen von Bewohnern.

      Frau X setzt sich engagiert für die ihr anvertrauten Bewohnerinnen und Bewohner ein. Durch die von ihr initiierten Angebote in den Bereichen Wohnen, Künstlerischer Gestaltung und Freizeit konnten viele der Bewohnerinnen und Bewohner mit gravierenden sozialen Beeinträchtigungen zur Teilhabe am Leben in der Gesellschaft geführt werden.

      Das Verhalten gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wist geprägt von einer guten Kommunikationsbereitschaft, hohem Verantwortungsbewusstsein und effizienter Teamarbeit. Sie kann sehr gut überzeugen und in schwierigen Situationen erfolgreich motivieren. Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist immer im hohen Maße sehr sachlich, freundlich, korrekt und loyal.

      Mit großer sozialer Kompetenz kann sie ihre Vorstellungen, Ziele und Aktivitäten darstellen und begründen, so das sie inhaltlich verstanden und auf einem hohen fachlichen Standard umgesetzt werden können.

      Frau X ist eine äußerst motivierte, interessierte und sehr engagierte Kollegin in unserer Einrichtung. Es gelingt ihr, aufgrund ihrer hervorragenden sozialen Kompetenz sehr gut in Kontakt sowohl zu Kooperationspartnern als auch zu BewohnerInnen und MitarbeiterInnen zu kommen, wobei sie über eine angemessene Nähe - Distanzregulierung verfügt. Die ihr übertragenen Aufgaben erledigt sie stets äußerst zuverlässig und zu unserer vollsten Zufriedenheit selbständig.

      Frau X äußerte den Wunsch, neben ihrer Tätigkeit im Wohnheim berufsbegleitend ein Masterstudium zu absolvieren, wo aus unserer Sicht nichts im Wege steht.

      Es liest sich wie eine 3, was meint ihr dazu?

      Danke!

      LG

      • Ich würde eher zwischen 1- und 2 daraus lesen, aber keinesfalls eine 3.

        Wobei ich die Erfahrung gemacht habe, dass die Zeugnisse nicht mehr die Bedeutung wie früher haben (teils nicht von Interesse sind), sondern die Persönlichkeit und das Auftreten zählt.
        In kleineren Firmen kann man sich sein Zeugnis auch oft selbst schreiben und es wird dann nur unterzeichnet.

      Nein.. 1-2. Sind genug SignalWörter drin die das belegen.

      • Du meinst jetzt aber nicht im Ernst, dass man ein (sehr) gutes Zeugnis nur daran erkennt, dass dort permanent stets/immer/sehr/... steht?

        Ein (sehr) gutes Zeugnis macht deutlich mehr aus, als diese Standardwörter!

        • Leider nicht für Personaler, die wollen nur diese bestimmten "Wortphrasen" lesen und danach wird bewertet (Natürlich nicht alle Personaler!)

          Zum mal voll nicht steigerbar ist#rofl
          Etwas, das voll ist, kann nicht noch voller werden oder gar am vollsten sein. Protestiert man allerdings gegen die entsprechende Formulierung im Arbeitszeugnis, stellen wir uns selbst ein Armutszeugnis aus, denn zu vollster Zufriedenheit entspricht in etwa einem Sehr gut, während volle Zufriedenheit nur Befriedigend bedeutet.

          Allerdings outet sich der Arbeitgeber vielleicht als ehemals schlechter Deutschschüler, wenn er die vollste Zufriedenheit bescheinigt, statt „hat unseren Erwartungen in jeder Hinsicht und in besonderer Weise entsprochen“. Auch „die Leistungen haben unsere besondere Anerkennung gefunden“ hebt sich wohltuend vom Hyperlativ von voll ab.
          (quelle:lernhelfer.de)

          • Jemand der einschlägige Weiterbildungen im Arbeitsrecht besucht hat und sich mit dem Thema Arbeitszeugnisse wirklich beschäftigt hat, weiß sehr wohl, dass Wortphrasen noch lange kein gutes Zeugnis ausmachen. Aber hier in dem Forum glaubt ja anscheinend auch jeder, der irgendwann mal in der Personalabteilung gearbeitet hat, er wäre der große Experte für Zeugnisse...#augen
            Ein wirklich gutes Zeugnis entsteht durch individuell auf den Mitarbeiter zugeschnittene Beurteilungen, Leistungen/Erfolge, die explizit genannt werden.
            Aus einem Zeugnis, dass nur aus Standardsätzen besteht, kann nie ein (sehr) gutes Zeugnis werden, egal wie viele "stets" und "Jederzeit" dort im Text auftauchen.

      (11) 09.12.16 - 12:18

      Die Bewertung ist eigentlich das Schlimme, wenn ein nicht Personaler, der die zwingend gewünschten Wörter/Wortphrasen nicht kennt, ein für sein empfinden sehr gutes Zeugnis schreibt, dann "zerreißt" es ein Personaler weil nur diese Worte zählen und stuft den potentiellen neuen MA als ne dicke 4, wenn nicht sogar total arbeitsfaul, geschwätzig und untragbar ein.

      Das ist echt albern. Hab das selber schon erlebt.

      • Das kann ich so nicht bestätigen.
        Man kann sehr gut heraus lesen, ob das Zeugnis "gut gewollt, aber schlecht gekonnt" ist.
        Jeder Personalleiter und Referent sollte das können und die allermeisten, die ich kenne, können das auch.
        Wenn dann hier im Forum natürlich immer wieder geschrieben wird, dass in einigen Firmen die Asssistentinnen oder Sachbearbeiter eine Bewerbungsvorauswahl treffen und diese dann nie eine Weiterbildung zum Thema Arbeitszeugnisse hatten, dann ist es kein Wunder, dass die mit der Materie überfordert sind.
        Für mich ist aber auch ein Assistent oder SB kein "Personaler".

Das ist die Note 2.

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