Beschäftigungsverbot in der Psychiatrie?

    • (1) 02.01.17 - 22:00

      Huhu,

      Ich muss meinen "Kummer" hier mal ein bisschen los werden. Habe kurz vor Silvester erfahren das ich schwanger bin in der 5 SSW. Habe heute meinen Arbeitgeber Bescheid gegeben da ich auf einer geschützten Gerontopsychiatrischen Abteilung arbeite.

      Laut meinem Arbeitgeber soll ich so weiter arbeiten wie bisher, heben wie immer, spritzen setzen wie immer, zu infektiösen Patienten gehen wie immer. Dazu muss ich sagen das bei uns kaum isoliert wird... Haben mehrere Patienten mit clostridien die überall ihre schutzhosen ausziehen, mit Kot schmieren etc, vor ein paar Wochen hatten wir eine demente Dame mit MRSA im Nase/Rachentrakt die sich frei über Station bewegen durfte weil sie die Isolation nicht akzeptiert hat und in der Isolation unter 1:1 Betreuung aggressiv wurde. Bei uns sind zu 98% demenzerkrankte die in seniorenheimen nicht mehr führbar sind und die entweder Hinlauftendenzen haben, einen umgekehrten Tag-Nacht-Rhythmus oder mega aggressiv sind...
      Hab in der Zeit wo ich da bin schon einiges erlebt, von Gabel im Handrücken über in den Unterarm beißen über kratzen und kneifen und an der Türe umgerannt werden weil ein Patient versucht raus zu drängeln. Von meinem Arbeitgeber wird das jedoch ziemlich runter gespielt. Sind ja "nur" alte Leute. Mein Einwand evtl auf eine ruhigere Station versetzt zu werden wurde direkt abgeblockt.

      Stelle ich mich so an?? Meine Arbeitskollegen sind natürlich auch nicht begeistert weil ich weiterhin als volle Kraft auf dem Dienstplan stehe (aber laut AG darf ich ja auch angeblich noch alles machen und brauche höchstens beim heben von Patienten Hilfe von einer zweiten Kraft). War etwas enttäuscht weil auf allen anderen Stationen wie auf der geschlossenen oder unserer Borderlinerstation extrem Rücksicht genommen wird, die Kollegen direkt versetzt werden und bei uns auf Station heißt es immer das niemand freiwillig runter will und es so schwer wird Ersatz zu finden...

      • (2) 02.01.17 - 22:03

        Du darfst da defacto nicht mehr arbeiten!
        Hau aufn Tisch und entweder sie versetzen dich oder du kannst zum Gewerbeaufsichtsamt gehen um den Laden anzuzeigen!
        Ein BV brauchst du nicht, der Arbeitgeber muss dir einen geeigneten Arbeitsplatz zur Verfügung stellen...!!
        War bei mir genauso!
        Ich wurde versetzt!
        Kein Blut, kein Stuhl, kein infektiöse Material... Keine Nadeln usw.!
        Wehr dich!!
        LG

        Das klingt für mich auch stark danach, dass dein AG dem Problem Ersatz zu finden aus dem Weg gehen will. Kann mir beim besten willen nicht vorstellen, dass da eine Gefährdungsbeurteilung deines Arbeitsplatzes als unkritisch eingestuft wird. Ich weiß leider nicht wo... Aber das würde ich melden!

        • Ich weiß nicht wie sie es jetzt geschafft haben, aber bis jetzt haben sie unseren Bereich immer als "nicht gefährdent" durch bekommen. Ich glaube das größte Problem ist einfach, dass sie niemanden im Haus finden werden der freiwillig auf meine Station geht da wir die einzige pflegestation sind und den selben (teilweise sogar schlechteren) personalschlüssel haben wie die anderen Stationen... In der Vergangenheit ist es wohl öfters vor gekommen das die Kollegen die versetzt wurden sind dann sich krank gemeldet haben usw...
          Die letzte schwangere Kollegin war mit mir auf einem Dienst wo bei uns norovirus ausgebrochen ist... Kann natürlich überall passieren aber demente Patienten haben nunmal die Angewohnheit, sich nicht in ein Badezimmer zu verziehen und da nach einer Schwester zu klingeln sondern sich da zu entleeren wo sie grade sind...

          Versteh nicht das unsere Pdl das nicht sehen will

      Hallo. Hat er eine Liste ausgefüllt mit Gefahren auf der der Station für Schwangere etc? Ansonsten weiß ich nicht wer für die Psychiatrie zuständig ist,bei uns ist es die Heimaufsicht etc. da muss der Arbeitgeber sicherstellen,das du bestimmte Aufgaben nicht mehr ausführen darfst und dich auch dran hälst.

      Bei uns bekommst sofort BV,wegen Demenzkranken und Gefahren die nunmal damit verbunden sind(Kratzen,Beißen etc.) Heben,Lagern etc. Schau das du dich da durchsetzt. Gegen den Schutz für Schwangere kann dein AG nichts machen,sonst leg ihm mal das Gesetz und deren Vorschriften auf den Schreibtisch und sag,das alles mache ich von nun an nicht mehr.

    • Ein AG der es immer wieder versucht... kenn ich nur mit mir konnten sie es nicht machen. Sie wollten mich ebenfalls weiter in die Pflege stecken jedoch wehrte ich dies ab wegen stuhl, urin usw.... da kam dann das BV da sie mich anders nicht beschäftigen konnten. Mir hätte gereicht wenn ich pflegeplanungen etc geschrieben hätte... denen wohl nicht. Naja... lass dich nicht verarschen!!!!

      Hallo,
      Erstmal herzlichen Glückwunsch zu deiner Schwangerschaft. Ich bin Krankenschwester und arbeite in der ambulanten Pflege. Ich bin sofort ins Beschäftigungsverbot geschickt wurden. In der ambulanten Pflege fährst du deine Tour ja alleine. Haben auch MRSA Patienten, einige Übergewichte Pat. die mobilisiert werden müssen u.s.w. Ich bin sehr erschrocken über deinen Vorgesetzten. Er hat sich an das Mutterschutzgesetz zu halten. Du kannst dort nicht mehr alles machen. Sorry da wäre ich echt egoistisch da musst du an dein Kind denken. Schade das deine Kollegen sich nicht für dich freuen können.

      • Ja freuen tun sie sich ja schon ;), aber haben halt wegen den Diensten auch ein wenig bedenken. Habe das ja bei anderen Kollegen auch mitbekommen. 4 Leute in einem Dienst, davon zwei examinierte (davon eine schwanger), ein Fsjler und wenn man Glück hatte noch einen guten Auszubildenden (meistens haben.wir aber nur hauseigene Schüler aus dem ersten Lehrjahr bei uns die davor auf offene Stationen waren und noch nie gepflegt haben) das ist schon echt heftig... Wie haben zwar "nur" 22 Patienten aber davon sind wie gesagt 98% dement, unruhig, aggressiv, schreien rum... Oft haben wir Patienten die einen Gehfrei benutzen und auf die man besonders acht geben muss weil öfters auch geklettert wird. Das meine Kollegen jetzt teilweise auch Angst haben kann ich nachvollziehen. Habe selber Dienste mitbekommen wo meine schwangere Kollegin als volle Kraft gezählt wurden ist und wo.ich von 16.30 Uhr bis 21 Uhr gepflegt habe damit alle einigermaßen gut versorgt sind

        • Ja das übliche Problem in der Pflege.. Personalmangel. Ich weiß was du meinst. Ich habe zwischendurch auch ein schlechtes Gewissen wenn ich mit bekomme das meine Kollegen Stress haben. Ich hatte durch die Teamleitung auch einige organisatorische Aufgaben. Diese muss die PDL jetzt mit übernehmen. Noch mehr Arbeit für sie.

    Also ich bin Krankenschwester auf einer Lungenstation mit Tuberkulose. Die wollten mich auch weiterhin dort arbeiten lassen. Wehr dich! Du darfst auf keinen Fall mit Clostridien in Kontakt kommen!! Vor allem, wie soll das umsetzbar sein?! Ich denke mal, dass du dort auch schwer heben musst. Dein AG muss dir eine Schwangerenfreundliche Arbeitsumgebung schaffen.
    Für mein Bundesland ist die Gewerbeaufsicht zuständig. Ich hatte mich dort informiert und bekam Hilfe. Guck am besten mal im Internet welche Stelle für dich zuständig ist.

    Spritzen darfst du tatsächlich, wenns mit einer Sicherheitskanüle ist.

    Trotzdem, als Schwangere hat man auch Rechte.

    • Wisst ihr was ich genau nicht mehr machen darf? Weil das einzige was ich gesagt bekommen habe war "alleine nur noch Leute mit lifter mobilisieren oder mit einem zweiten rausheben und der Rest wie gehabt!"

      • http://www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16416/

        Das hatte ich ausgedruckt und meinem AG auf den Tisch gelegt. Ich komme aus Rheinland-Pfalz und die Dame von der Gewerbeaufsicht meinte, dass das bundesweit gilt.

        Hey. Einfach heftig was bei dir gerade läuft. Ich bin Krankenschwester auf einer internistischen Station. Hatte gestern Gespräch wegen Mutterschutzaufklärung. Kein Bett mehr alleine schieben, also wenn ein Patient drin liegt. Nicht mehr als ein Essenstablett tragen. Keine Leute alleine hochziehen. Nicht vor 6.00h und nach 20.00h arbeiten. Kein Umgang mit Körperflüssigkeiten (Blut, Urin, Kot). Keine infektiösen patienten versorgen. Kommt schon einiges zusammen.... Alles gute für dich und denk an dich und dein Baby!

Liebe sumbalabumba,

ganz herzlichen Glückwunsch zur SS!
Bei uns darf im ärztlichen und pflegerischen Bereich niemand, sobald eine SS bekannt gegeben wird, auch nur einen Tag länger auf einer beschützenden Station arbeiten. Diejenige muss sofort die Station (in den offenen Bereich) wechseln. Erst recht solltest Du nicht auf der geschlossenen Geronto eingesetzt werden, wo es ja, wie Du schreibst, schwierig ist, auf Grund der Hin-/Weglauftendenzen Isostandards aufrecht zu erhalten etc. :-/ Wegen Nadelstichverletzungsrisiko solltest Du auch nicht mit Spritzen hantieren müssen.

Wende Dich an den Betriebsrat. Es darf nicht sein, dass Du gezwungen wirst, Dich weiterhin der Gefahr auszusetzen. Wie es mit dem tatsächlichen gesetzlichen Anspruch aussieht, weiß ich leider nicht. Aber es sollte mich wundern, wenn das nicht eindeutig gesetzlich geregelt wäre, wo Du eingesetzt werden darst. Ich würde Dir auch raten, Dein Ersuchen um Versetzung bei der PDL schriftlich einzureichen. Falls der AG sich nicht um Dein Wohlergehen schert, wäre ein BV vom AG (der Deine Stelle dann neu besetzen kann, ohne dass jmd. von der offenen Station wechseln muss oder des FA (er/sie sollte da Verständnis haben, medizinische Gründe hin oder her) evtl. eine Möglichkeit. Viel Glück und berichte mal, wie es weiterging ;)

  • Ja mein Arbeitgeber argumentiert halt das wir nur "geschützt" sind weil unsere demente Patienten ansonsten über alle Berge wären... Auf der akutstation wäre sie ja aufgrund von eigen und fremdgefährdung geschützt... Die wollen garnicht sehen das auch ältere Patienten aggressiv werden können und zwar auch ziemlich häufig... Kommt bei uns ziemlich oft vor das jemand fordert die Türe zu öffnen und dann total dekompensiert wenn das nicht passiert...

    • Da machg es sich Dein AG aber leicht. >> So ein Quatsch!! Geschlossen ist geschlossen, egal wie es genannt wird (ich finde "geschützt" ist nur ein beschönigender Ausdruck, der total verfälscht, wie es dort zugehen kann. Er hat seine Berechtigung gegenüber den Patienten. Aber nicht gegenüber Mitarbeiterinnen, die selber schützenswert sind!!). Dafür hat die PDL Sorge zu tragen. Die PDL muss Dir einen adäquaten Arbeitsplatz zuweisen, das ist ihre Pflicht. Ob sie das tut, kann das Gewerbeaufsichtsamt nachkontrollieren.

      Vielleicht kannst Du gegenüber der PDL mal fallen lassen, dass Du notfalls das Gewerbeaufsichtsamt informieren musst, weil es nicht anders geht. Vielleicht gibts dann doch ganz schnell eine andere Lösung...

      Im konkreten Fall Deiner Schwangerschaft kannst Du fordern dass eine individuelle Gefährdungsbeurteilung Deines Arbeitsplatzes gemacht wird. Das solle eigtl von selbst passieren und Standard sein. So kenne ich das zumindest. Die Gefährdungsbeurteiling muss Dein unmittelbarer Vorgesetzter im Normalfall mit Dir machen/durchsprechen (meiner hat mich sogar aufgeklärt, was ich alles nicht mehr machen darf) und Du musst sie unterschreiben- natürlich nur dann, wenn Du mit dem Inhalt einverstanden bist! Spätestens dann, wenn da drin steht, dass die Pat. auch häufig (!!) fremdaggressiv werden, kann von Dir nimmer verlangt werden, dass Du auf der geschlossenen Geronto arbeitest.

      Ich denke, so wie Du Deinen Fall schilderst, passiert erst dann was, wenn eine konkrete Person Angst hat um ihren Kopf hat (sprich: sich juristisch belangbar zu machen).

      Wende Dich an den Betriebsrat und fordere schriftlich eine Gefährdungsbeurteilung von der PDL und eine Versetzung in einem offene Bereich mit niedrigem Aggressionspotential und nicht so hoher körperlicher Belastung. Es wird auch zukünftigen schwangeren Kolleginnen zu Gute kommen!
      Ich drück Dir die Daumen.

(20) 02.01.17 - 22:17

Melde das unbedingt! Rede mit deiner Frauenärztin darüber die wird wahrscheinlich wissen wie man das am besten anfängt. Mich würde diese Station erst wieder nach der Elternzeit wiedersehen... Dein Kind und deine Familie haben Vorrang.

  • (21) 02.01.17 - 22:23

    Werde am Montag zu meinem Frauenarzt gehen, der war bis jetzt im Urlaub und seine Vertreterin hat bis jetzt nur die schwangerschaftsbestätigung ausgefüllt und meinte den Rest soll er dann machen wenn er zurück ist. Momentan bin ich aufgrund einer Bronchitis eh krank geschrieben und mein Hausarzt meinte auch das er mich weiter krank schreiben würde. Er kennt die Station wo.ich arbeite weil er mehrere Altenheime im Umkreis betreut und er meinte selber das er das unmöglich findet auf so einer Station eine schwangere arbeiten zu lassen.

    • (22) 03.01.17 - 00:21

      Gut dass dein Hausarzt auf deiner Seite ist. Dann mach das am Montag.

      Wenn du in ner Klinik arbeitest, gibt's da keinen Betriebsrat an den man sich wenden kann?
      Also jede vernünftige Gefahrenbeurteilung würde dich sofort sperren.

(23) 02.01.17 - 22:18

Hallo,
Also das würde ich mir nicht bieten lassen.

Du darfst weder irgendwelche Spritzen verabreichen, noch in irgendwelche Infektionszimmer, noch mit pot. Aggressiven Patienten zusammen arbeiten!
Wende dich bitte an deinen Betriebsrat, so geht das auf gar keinen Fall! Ich bin entsetzt !

Huhu

Hab grad mal meine Mum gefragt. Sie arbeitet auch in dem Bereich.

Sie sagt, du sollst morgen sofort die Gewerbeaufsicht informieren, sollte dein Chef nicht einsichtig werden. Bei ihr werden alle Schwangerem sofort vom Chef ins BV geschickt.
Viel zu gefährlich.

Alles Gute!

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