Weiterbildung Pharmareferentin

    • (1) 11.05.17 - 10:50

      Hallo!

      Ich habe die Möglichkeit eine Weiterbildung zur Pharmareferentin zu machen.
      Der Beruf interessiert mich sehr, aber ich kenn leider keinen direkt der diesen Beruf ausübt und den ich fragen könnte, vllt kennt sich ja hier jemand aus?

      Also ich habe 2 Kinder (3 und 1), ich weiß das man viel unterwegs ist in dem Beruf, aber wie viel ist man wirklich unterwegs? Es kommt natürlich darauf an in welcher Firma man angestellt ist und wie es dort geregelt ist, ich gehe jetzt von einer ansässigen Firma aus bei der man nur in diesem Gebiet hier tätig ist.

      Wieviel vor und Nachbereitung hat so ein durchschnittlicher Termin? Ist eine Arbeitszeit von 8-16 uhr realistisch? Das man auch mal spätere Termine hat ist mir bewusst.
      Aber vllt könnte hier jemand mal einen typischen Arbeitstag beschreiben?

      Ich bin mir unsicher ob es nicht vllt doch zuviel ist was man so nicht berücksichtigt.

      Vielen Dank schonmal!

      • Die Pharmareferentin, die ich kenne, ist quasi der klassische Außendienst. Sie fährt die "Kunden" ab, aquiriert, betreut, berät, macht MArketing. Das Gebiet, was sie betreut ist schon größer, dass sie auch mal irgendwo übernachtet, da sie nicht irgendwo 2,5 hinfährt und dann wieder zurück und am nächsten Tag wieder.

        Also vom klassischen 8-16 Uhr kannst Du Dich da verabschieden.

        Ich habe das einige Jahre mitgemacht. Zwar nicht mit der Zusatzausbildung "Pharmareferentin" sondern nach der medizinischen Ausbildung noch eine kaufmännische hinterher geschoben, und im Anschluss daran bin ich im Außendienst gelandet. Erst im Großhandel und dann für die Industrie.

        Ich bin jetzt viele Jahre raus aus dem Genre und arbeite in einem ganz anderen Bereich. Zu ehemaligen Kollegen habe ich noch Kontakt und ich bin immer froh, dass ich das nicht mehr mitmachen muss.

        Was schwebt dir denn vor? Möchtest du Kliniken besuchen oder niedergelassene Ärzte?

        Wie groß dein Arbeitsgebiet ist, hängt vom Unternehmen ab. Manche Unternehmen haben 3 Außendienstler für ganz Deutschland, andere 3 für jedes Bundesland. Dem entsprechend lange ist man mit An- und Rückfahrten beschäftigt.

        Man plant natürlich die Touren zuhause so sinnvoll wie möglich, um möglichst wenig zwischen den einzelnen Besuchen auf der Straße zu verbringen. Man versucht, so häufig wie möglich feste Termine zu bekommen und den Reisetag zu strukturieren. Trotzdem bleiben eine Menge "Kaltbesuche", wo man einfach unangemeldet beim Kunden erscheint.

        Wenn die Anfahrt zu weit ist oder man am nächsten Tag noch weiter reisen muss, wird übernachtet. Wie oben schon geschrieben, gab es Kollegen von Mitbewerbern, die fast die gesamte Woche unterwegs waren aufgrund der Größe ihres Gebietes (meist wird ein Bürotag in der Woche für Vor- und Nachbereitung eingeschoben) und andere konnten fast die ganze Woche zuhause schlafen. Dazu kommen natürlich Messen, an denen man teilnimmt und zu deren Terminen man natürlich bis zum WE weg ist.

        Die von dir angestrebten Arbeitszeiten kannst du getrost vergessen. Das ist ja noch weniger als ein normaler Arbeitstag im Büro im Vertrieb.

        Wenn du deinen ersten Termin morgens um 8.30 h hast und 150 km anreisen musst, dann kannst du nicht erst um 8.00 h starten und um 14.30 h wieder Feierabend machen, damit du um 16 h zuhause bist. Das ist völlig absurd.

        Am schlimmsten war die Fahrerei und das Parkplatz suchen in Großstädten. Die Staus auf den BAB haben seit meiner Zeit damals noch deutlich zugenommen. Das stress ungemein, wenn man unter Zeitdruck ist, irgendwo einen Termin hat und dann im Stau steht und der Kunde wartet. Und dass du immer pünktlich die Kinder irgendwo um 16 h abholen kannst, wirst du vergessen können. Bei dem Job und den Verkehrsverhältnissen kannst du nicht verlässlich sein.

        Letzten Endes ist es ein knallharter Job im Vertrieb. Bei uns mussten Aufträge geschrieben werden und jeden Monat gab es eine Rankingliste aller Kollegen. Wer nicht viel und fleißig arbeitet, verkauft auch nicht. Und wenn du einen Teilzeitjob in dem Bereich möchtest - denn das ist es nur bei den von dir gewünschten Arbeitszeiten - dann stehst du ganz hinten in der Schlange und wirst vermutlich nicht lange deinen Job behalten. Einige Zeit habe ich für ein amerikanisches Unternehmen gearbeitet und da hieß es "hire ans fire "...... Das ging ganz schnell. Und heute muss es noch schlimmer sein, wenn ich mit Kollegen spreche, die von damals noch in dem Genre unterwegs sind. Man steht ganz oben und wird sehr gewundert, wenn es gut läuft. Wir bekamen tolle Incentive-Reisen oder andere tolle Dinge. Aber wenn es nicht gut läuft, dann bist du der A***** und bekommst richtig Druck. Das muss man aushalten können. Von der täglichen Selbstmotivation und -Organisation mal ganz abgesehen. Man muss sich die Arbeit selbst einteilen, effizient und effektiv arbeiten.

        Ich kannte genau EINE Kollegin bei einem Mitbewerber, die den Job mit Kindern machte. Die hatten eine Nanny, ihr Mann war GF in einem großen Unternehmen der selben Branche und darüber hatten sie sich kennen gelernt. Also beide Eltern nicht allzu viel Zeit. Sie kehrte nach der Elternzeit wieder in den Job zurück. An Messeterminen, an denen sie teilnehmen musste, war ihr Mann präsent, den Rest erledigte die Nanny. Nix mit Teilzeitarbeit. Ihr damaliger Arbeitgeber hatte mir ihren Job angeboten und wollte mich abwerben, weil sie felsenfest damit rechneten, dass sie nicht wieder kommt nach der Elternzeit. Gut dass ich damals nicht zugesagt hatte, denn sie zog das straight durch und machte fast so weiter wie vor den Kindern. Alles andere ist Träumerei.

        • Oh man... Danke für deine ausführliche Antwort.
          Dann bleib ich wohl doch lieber in meinem jetzigen Beruf, das hört sich ja sehr "familienfeindlich" an.

          Alles was man im Internet findet hört sich so toll an, daher dachte ich wäre es besser mal von jemandem zu hören, der das wirklich mitgemacht hat. Jetzt hört sich das gar nicht mehr so toll an...

          • Nee, familienfreundlich ist der ganz sicher nicht und ich kenne auch niemanden, der sich aus dem Grund gerade für den Außendienst entschieden hat. Im Gegenteil.....

            Ich habe den Job aufgegeben, weil mein Mann mit dem Studium fertig war und eine Stelle antrat, die auch nicht von 9 to 5 zu erledigen war. Damit wir uns zuhause nicht nur die Türklinke in die Hand geben. Und da hatten wir noch keine Kinder.

            An Vertrieb ist nix romantisch. Der Job macht schon Spaß, wenn man mit den Begleiterscheinungen leben kann und will.

            Selbst im Innendienst habe ich im Vertrieb noch nie nur von 8.00 bis 16.00 Uhr gearbeitet. Man muss präsent sein, wenn die Kunden einen erreichen wollen und nicht wenn die Familie ruft.

            Viel Glück bei der Suche!

            • Dankeschön!

              Die Stellenanzeigen lesen sich halt auch immer so schön.. Aber wäre ja auch blöd fürs Unternehmen wenn nicht :p

              Dann hat sich die Frage für mich definitiv schon erledigt.
              Ich will ja für meine Kinder da sein und sie nicht nur schlafend sehen.
              Dann bilde ich mich halt in meinem Beruf weiter :)

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