Arbeitszeitsouveränität / Vertrauensarbeitszeit

    • (1) 26.06.17 - 10:15

      Hallo,

      mich interessiert eure Meinung zur Arbeitszeitsouveränität / Vertrauensarbeitszeit bzw. auch euer konkreter Umgang damit.

      Ich arbeite in einer Position, in der ich AT-Angestellte bin (AT = außertariflich) und somit nicht mehr steche, die Arbeitszeit wird also in keiner Weise dokumentiert. Dennoch habe ich einen Arbeitsvertrag, in dem eine wöchentliche Arbeitszeit von 37,5 Stunden angegeben ist und entsprechend versuche ich auch, diese Zeiten zu erfüllen. Sprich, wenn ich in einer Woche mal mehr arbeite, weil spät noch Meetings sind, gehe ich in der Woche danach auch mal Mittags. Eben so, das ich im Mittel auf die laut Vertrag geschuldete Arbeitszeit komme - klar, nicht auf die Minute genau.

      Leider bin ich aber offenbar damit ein seltenes Exemplar. Viele Kollegen nutzen die Tatsache, das die Zeit nicht aufgezeichnet wird, aus.

      Extrembeispiel: Ein Kollege kommt vormittags gegen 11 Uhr, geht von 11:30 Uhr bis 12:30 Mittag essen und macht spätestens um 17 Uhr Feierabend. In unregelmäßigen Abständen wird es sämtlichen Kollegen zu bunt, er wird "angeschwärzt" (wobei es der Abteilungsleiter genauso weiss, wie jeder bei uns) und er muss dann dem Abteilungsleiter Rede und Antwort stehen. Dann ändert er für so ca. 1 Woche sein Verhalten, also bleibt bis 20 Uhr und dann geht es wieder weiter wie vorher. Das geht schon so, seit ich in dieser Abteilung bin, also über 10 Jahre.

      Mich ärgert das maßlos und ich finde, das ist schlicht Betrug.

      Wie gesagt, das ist das Extrembeispiel. Viele andere Kollegen sind aber auch regelmäßig sehr früh nicht mehr da, da ist es nicht so auffällig, aber auf die normale Wochenarbeitszeit kommen sehr viele eben nicht.

      Nun kommt noch dazu, das ich überlege, meine Arbeitszeit zu reduzieren. Vollzeit mit einem Kleinkind ist dann doch nicht so leicht zu händeln, wie ich mir das vorgestellt hatte. In Frage käme eine Reduktion auf 30 Stunden die Woche, also 5 Tage die Woche a 6 Stunden. Ich würde von ca. 8:30 bis 14:30 Uhr arbeiten. Oder doch bis 15:30 Uhr?? Im Tarifbereich ist es so, das ab 6 Stunden Arbeitszeit automatisch eine Stunde Pause abgezogen würde. Und so, wie meine Arbeitszeit läge, würde ich schon Mittags etwas essen wollen. Also wie das Ganze handhaben? Ehrlich sein, Mittagspause machen und um 15:30 Uhr Feierabend? Oder nur schnell am Platz was essen, also keine "richtige" Pause einlegen und um 14:30 Uhr Feierabend? Oder Mittagspause machen und dennoch um 14:30 Uhr Feierabend?

      Wie ist eure Meinung? Zur Vertrauensarbeitszeit generell und zu dem Teilzeit-Szenario?

      Aus dem Freundeskreis habe ich schon gehört: "wer ehrlich ist, ist selbst Schuld", "du bist schön blöd", "du machst es dir selbst schwer" ....

      Grüße
      N.

      • Sofern Du nicht Prokurist und GF bist, musst Du trotzdem Deine Arbeitszeit nachweisen können. Auch der AG ist dazu verpflichtet, dich z.B. vor >10h pro Tag, Mehrarbeit am WE/Feiertag usw. zu "schützen". Viele AG stehlen sich aus dieser Verantwortung, indem sie dem AN mehr Geld geben und auf Vertrauensarbeitszeit umstellen.
        Abgesehen davon, gibt es auch genügend AN, die dieses Vertrauen schlicht mißbrauchen und sich ein schönes Leben machen.

        Deinen Fragen entnehme ich, dass Du nicht geeignet bist, in Vertrauensarbeitszeit zu gehen. Für alle beteiligten wäre es am besten, wenn Du wieder stichst.

        PS.: Ich an Deiner Stelle würde 6h arbeiten, am Tisch bei der Arbeit essen (Bürojob vorausgesetzt) und dann gehen. Wenn mehr anliegt, bleibt man auch mal länger. Wenn möglich, gleicht man das an anderen Tagen wieder aus, oder eben nicht. Du bist AT!

        Der Kollege Lauschepper gehört abgemahnt und dann vor die Tür gesetzt.
        Er schuldet die arbeitszeit auch auch Zeiterfassung.

        • Hallo Paule,

          ja, ich weiss, das ich auch meine Arbeitszeit nachweisen muss.

          Das läuft bei uns aber so, das jeder AT Mitarbeiter wöchentlich selbst ausfüllen muss, wie viel er gearbeitet hat. Je Tag ist anzugeben: < 8 Stunden, 8-10 Stunden oder > 10 Stunden mit Begründung. Und das ist ja wohl genauso gut, wie gar keine Zeiterfassung.

          Ich verstehe nicht, was du mir hiermit "...Deinen Fragen entnehme ich, dass Du nicht geeignet bist, in Vertrauensarbeitszeit zu gehen. Für alle beteiligten wäre es am besten, wenn Du wieder stichst..." sagen willst. Weil ich ehrlich bin, bin ich nicht geeignet? Liebend gerne würde ich wieder stechen, dann könnte ich nämlich auch mal einen Gleittag nehmen - die Möglichkeit gibt es aber in dieser Firma nicht!

          Abmahnung, ja, da bin ich bei dir! Aber wenn der Abteilungsleiter, der von dem Problem weiss, keine ausspricht, wer dann??

          Gruß
          N.

          • Auf der einen Seite schreibst Du von "über Tarif" und Vertrauensarbeitszeit.
            Auf der anderen Seite scheinst Du Minuten zu zählen, machst Dir Gedanken, wann Du die Pause machen kannst/sollst und sorgst Dich darum, die Überminuten auch wieder abgebummelt zu bekommen.

            Sorry, steche Deine Zeiten und leiste die vertraglich vereinbarte Zeit ab.
            Das passt einfach besser zu Dir.

            • Respekt: du liest einen Beitrag von mir und weißt sofort, was zu mir passt. Ich hoffe, du arbeitest in einem Bereich, in dem dir diese Fähigkeit nützlich ist.

              Ich zähle keine Minuten und bummele die auch nicht 1 zu 1 wieder ab. Üblicherweise weiß man doch etwa, wie viele Stunden man arbeitet. Auch heutzutage, wo viele in Gleitzeit arbeiten, sind doch die meisten Menschen so gestrickt, das sie sich mehr oder weniger feste Arbeitszeiten einrichten. Wenn man üblicherweise von z.B. 8 bis 17 Uhr arbeitet, aber in einer Woche zweimal noch Meetings bis 18 Uhr hatte, weiß man, das man was "abbummeln" kann. Ob das dann 2 Stunden werden oder nur eine oder 4 hängt bei mir von der aktuellen Arbeitsbelastung ab.

              Ich kann nicht stechen!!!! Doch - schon: ich kann meinem AG sagen, das ich wieder im Tarifbereich arbeiten will also solle er schön mein Gehalt entsprechend nach unten anpassen und mich auf die passende Stelle versetzen... #augen

          Bei Euch scheint AT etwas anderes zu bedeuten als in den meisten anderen Unternehmen.
          Da wird vorausgesetzt, dass auf Vertrauensbasis in erster Linie die Arbeit erledigt wird und da rechnet niemand penibel aus, ob er auch ja nicht zu lange gearbeitet hat oder bummelt sofort wieder ab, wenn es wieder mal länger geworden ist...

          Gruß,

          W

          • Mag sein, das es von Firma zu Firma unterschiedlich ist.

            Hier:

            AT Angestellte stechen nicht, im Vertrag sind 37,5 Stunden Arbeitszeit pro Woche definiert. Das einzuhalten (oder nicht) obliegt jedem selbst.

            Leitende Angestellte haben Verträge, in denen keine Arbeitszeit festgelegt ist, tragen mehr Verantwortung, verdienen noch deutlich besser.

            Hier rechnet auch niemand penibel aus, ob die Zeiten stimmen. Aber ich finde es ganz normal, das ich so grob darauf achte, das einzuhalten.

            Oder willst du mir weismachen, das jemand freiwillig 50 Stunden in der Woche arbeitet, auch wenn er dafür das selbe Gehalt bekommt wie für 37,5??

            Gruß
            N.

            • Das will ich Dir nicht weiß machen, das läuft im AT-Bereich häufig so, dafür gibt es ein individuell ausgehandeltes pauschales Schmerzensgeld.

              • Auch das ist hier anders.

                Individuell verhandelt wird nicht, das AT Gehalt orientiert sich an den Tarifgruppen und liegt mindestens x% über der höchsten Stufe. Gehalterhöhung wird bei der Konzernleitung (nicht in Deutschland) entschieden (einmal jährlich pauschal für alle) und ist somit minimalst.

    Ich kann verstehen, dass es ärgerlich ist, wenn man sieht, wie Kollegen die Vertrauensarbeitszeit missbrauchen.
    Unterm Strich ist es Arbeitszeitbetrug, strafbar und definitiv ein (ggf. sogar fristloser)Kündigungsgrund.
    Es gibt auch viele Mitarbeiter, die bei ihrer Spesenabrechnung betrügen oder die ihrer Versicherung Schadensfälle melden, die gar nicht oder so nicht passiert sind oder die bei der jährlichen Steuererklärung betrügen.
    Nunja, das muss letztlich jeder für sich entscheiden, aber schon meine Mutter sagte früher immer: ehrlich währt am längsten.
    Ich verlange von meinem Arbeitgeber gesetzeskonformes Verhalten, also verhalte ich mich ebenso. Und eine Klage oder Kündigung wegen Arbeitszeitbetrug mag ich persönlich auch nicht riskieren.
    Ich an Deiner Stelle würde das Thema vehement beim Vorgesetzten ansprechen und strengere Kontrollen fordern.

    2. Thema: wie ist der genaue Wortlaut eurer Pausenregelung? Das Gesetz sieht eine 30 minütige Pause erst vor, wenn man LÄNGER als 6h arbeitet, also 6 Stunden und 1 Minute.
    Dann könntest Du mit 6 Stunden täglicher Arbeit eine selbstgewählte Pause von 20-30 min machen.

    • Danke dir - so sehe ich das ja auch!!

      Wegen der Pausenregelung: wenn länger als 6 Stunden gearbeitet wird, gibt es eine Pause von 1 Stunde. Die wird dann bei den Kollegen, die stechen automatisch abgezogen. Ob es auch eine Pause gibt, wenn man weniger als 6 Stunden arbeitet, weiß ich nicht, das muss ich nachlesen. Abgezogen wird da auf jeden Fall nichts.

      Gruß
      N.

(13) 26.06.17 - 10:53

Hallo,

wenn das alle so handhaben, wie sie möchten, würde ich meine 30h abarbeiten, keine Überstunden machen und am Arbeitsplatz essen.

LG

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