Erzieherin kurz vorm Burnout...

    • (1) 29.08.17 - 15:44

      Ich bin Erzieherin, habe bis auf eine 1,5jährige Babypause seit 20 Jahren mit Kindern gearbeitet. Seit nun 10 Jahren in ein und der selben Kita. Von Jahr zu Jahr merke ich wie ich immer mehr an meine Grenze stosse. Vor 5 Jahren habe ich den Weg zum Arbeitsamt gewagt... Studienberatung. In der Hoffnung Informationen zu bekommen die mir eine Perspektive geben. Nix. Eher das Gegenteil: "das schaffen Sie eh nicht! Sie haben doch Arbeit! " hiess es wortwörtlich.
      Habe einige Fortbildungen gemacht aber wirklich weiter gekommen bin ich nicht.
      Jetzt komme ich die letzten zwei Jahre immer mehr an meine letzten Ressourcen. Als mein letzter Urlaub anfing habe ich abends einen Heulkrampf bekommen und konnte nicht mal erklären warum. Ich würde gerne im Büro arbeiten aber nicht als Kitaleitung. Gibt es kleinere Weiterbildungen die ausreichen?
      Bei der Arbeit lächel ich und halte durch! Sobald ich da raus gehe habe ich Fluchtinstinkte.
      Gibt es hier Menschen die mich verstehen? Irgendw. Ideen?

      • Mich hat das Arbeitsamt auch überhaupt nicht gut beraten, sondern total entmutigt. Ich habe alles selbst in die Hand genommen und hatte vollen Erfolg. Ganz im Gegensatz zu dem was mir beim AA prognostiziert worden war. Verlaß dich nicht auf das Arbeitsamt, ergreife selber die Initiative und überlege was du anderes machen könntest.

        Aber wenn du schon so kurz vor dem Burnout bist, würde ich zumindest mal die Arbeitszeit reduzieren von 100% auf 60%. Oder ein ganzes Sabbatjahr nehmen?

        Vielleicht liegt es auch an den mangelnden Fähigkeiten zur Stressbewältigung. Mach doch vielleicht mal einen Kurs darüber.

        • Ich war schon 3x zur Mukikur seitdem mein Sohn vor 14 Jahren geboren wurde und es hat auch geholfen Wege zu finden die mir gut tun. Ich mache yoga, habe zwischendurch mehrere Jahre ausreichend Sport gemacht usw. Mein Alltag ist strukturierter!
          Versuche nach Feierabend immer eine Pause einzubauen und nicht zu viele Termine. Das klappt soweit gut.

          An der Fernuni Hagen habe ich kurz nach dem Termin beim AA einen Mathevorbereitungskurs gemacht und bin kläglich gescheitert.
          Sonst wäre ich jetzt wohl Bildungswissenschaftlerin. Durch meine geringen mathematischen Fähigkeiten habe ich mich letztendlich doch nicht getraut.

          Wenn ich die Std reduzieren will brauche ich einen neuen Job. In meinem jetzigen Job bin ich die Kraft die durchgehend da ist. Ich schließe auf und ab! Geteilt wird meine Stelle nicht. Tauschen will keiner.
          Es gibt Tage da kann ich beim besten Willen nicht arbeiten da sage ich dann ich habe Migräne oder so. (habe ich ja wirklich ab und zu). Ansonsten funktioniere ich nur. Lächeln und vollen Einsatz zeigen.

          Für längere Zeit habe ich mich nie krank gemeldet weil meine Kollegin das ja alles auffangen muss. Sie ist auch nicht mehr die jüngste. Habe so ein schrecklich schlechtes Gewissen. Die 2 Mukikuren die ich in der Zeit die ich da arbeite gemacht habe, hat sie komplett alleine gearbeitet. Ohne Ersatz.

          Finanziell würde ich mich auch mal mehrere Monate krank melden können da ich eine Zusatzversicherung habe. Mein Arzt wollte mich auch schon oft mal mehrere Wochen aus dem Verkehr ziehen. Er meinte ich solle mal eine Zeitlang Pause machen. Nur macht mein Gewissen das nicht mit.
          Gleichzeitig habe ich Angst irgendwann gar nicht mehr zu können.
          Sabbatjahr? Ist das wie unbezahlter Urlaub?

          • Aus allem was du schreibst lese ich klar heraus, dass es dir an Abgrenzungsfähigkeit mangelt. Was hat dein AG davon, wenn du ganz ausfällst, für Jahre?

            Es gibt psychotherapeutische Kurse um das sich Abgrenzen zu lernen. Einfach ist es nicht, aber man kann ja alles auch mal lernen.

            • Ja wahrscheinlich ist das so.

              Werde mich mal schlau machen.

              Denke aber dass es dafür schon zu spät sein könnte. Je mehr ich hier schreibe wird mir bewusst dass ich eigentlich eine Möglichkeit suche schnellstmöglichst aus der Kita raus zu kommen. Irgendwas machen wo keine Kinder sind.

              Vielen Dank für deine Antworten!

              • Wenn du dich nicht abgrenzen kannst, wird das immer ein Problem bleiben, unabhängig davon wo du lebst und was du arbeitest. Neinsagen können gehört mit zum Verantwortung übernehmen - nämlich Verantwortung für deine Gesundheit, dein Leben, deinen Beruf, deine Familie und für die Beziehung in der du auch mal nein sagen msust.

          Hallo du brauchst an der Fernuniversität Hagen fast kein Mathe für Bildungswissenschaften. Der Kurs betrifft eher Wirtschaftswissenschaften, für Biwi braucht man kaum was. Und es ist machbar.

          • Ich hatte da angerufen und die Frau am Telefon hatte mir empfohlen mein Mathe aufzufrischen mit dem Kurs. Ich bin aus der Mathenummer einfach raus.
            Wenn das was du sagst stimmt könnte ich mich schwarz ärgern.

            • Es gibt nur eines von 12 Modulen, bei dem etwa die Hälfte der Prüfung Statistik ausmacht. Das heißt, wenn man den anderen Teil der Klausur Fehlerfrei macht, braucht man beim Mathe- Teil nur einen Punkt um zu bestehen. Und das bisschen kann jeder.

              Ich studiere selbst Biwi an der Fernuniversität Hagen. Sorry, aber das bisschen Statistik ist echt kein Problem. Das ist keine höhere Mathematik, sondern machbar.

              Wo hattest du angerufen? Direkt bei den Kulturwissenschaften oder nur allgemein?

              • Ich hatte allgemein angerufen. Diese Nummer unter der man Fragen stellen kann. 😵 ich hätte fertig sein können heute.

                • Du könntest es immer noch versuchen, wenn Du willst. Tut mir wirklich leid. War vielleicht ein bisschen ungünstig, sich nur aus einer Quelle zu informieren, denn es ist echt machbar.

                  • Ja das stimmt. Aber ich dachte halt die da vom Büro sollten es ja wissen. Ich bespreche das mit meinem Freund wie ich es evtl jetzt noch umsetzen kann. Meine lebensumstände sind etwas anders als vor 4 Jahren. Aber mal sehen... 🤔
                    Danke jedenfalls für die Info

                    • Dafür gibt es eine Studienberatung, die hätten es Dir sagen können.

                      Neben Vollzeitarbeit schafft man so ein Studium aber auch nicht in 4 Jahren, sondern braucht eher etwas länger.

                      • Ich hatte/habe eine 80%Stelle.
                        Mir wurde gesagt man kann auch mal ein Semester pausieren wenn zwischendurch die Luft ausgeht. Das fand ich sehr gut zu wissen da ich ja alleinerziehend war. Naja nun ist es wie es ist. Mal gucken ob ich im Frühjahr einsteige?! Wir sibd noch am überlegen wie ich es am besten umsetze. Erstmal brauche ich wohl einen anderen Job. Bin letztes Jahr zu meinem Freund gezogen und haben beide je ein Kind. Seitdem pendel ich und sitze täglich 2 std im Auto. 1std hin und 1 zurück.
                        Mein Freund meinte ich solle zusehen dass ich einen anderen Job finde, in der Nähe, auf 60-70,% und dann kann ich mich anmelden für das 1. Semester.

                        Bekommt man während der Semester eine Art Zeitliste bis wann man den jeweiligen Stoff durch haben sollte um es zeitlich innerhalb der 4 Jahre zu schaffen?

                        • Hallo!

                          naja, was besseres als bei einem Träger, bei dem ihr zu zweit die ganze Kita schmeißen sollt, findest Du ganz sicher. Die Belastung, alles alleine schaffen zu müssen, wenn die Kollegin krank ist, das ist einfach zu viel und auch kein vernünftiges Arbeiten mehr.

                          Du entscheidest selbst, wie viele Module du belegen willst. Für Vollzeit-Studenten sind normalerweise zwei Module im Semester empfohlen, bei Teilzeit nur eines. Man darf aber auch bei Teilzeit sich für zwei Module einschreiben, das hat z.B. den Vorteil, dass man direkt nach der Klausur weiter machen kann, und nicht ein paar Wochen auf die neuen Materialien warten muss. Klausuren sind immer Anfang September bzw. Anfang März, und du entscheidest auch hier, für wie viele Klausuren du dich anmeldest. Also wenn Du nur ein Modul gemacht hast, nur eine Klausur. Im Hauptstudium sind es dann weniger Klausuren, dafür mehr Hausarbeiten die geschrieben werden müssen - hier haben Teilzeitstudierende den klaren Vorteil, dass sie mehr Zeit dafür bekommen. Nur wenn man Bafög beantragt wäre Vollzeit vorteilhafter. Dafür dürftest Du aber zu alt sein.

                          Für ein Modul muss man schon so 10-15 Stunden Zeit pro Woche einrechnen, die man damit konzentriert verbringen kann. Also ohne gleichzeitig die eigenen Kinder zu bespaßen. Daher würde ich auch bei einer 70%-Stelle eher damit rechnen, dass Du nur ein Modul schaffst. Gerade am Anfang dauert es auch einfach, richtig ins Lernen rein zu kommen, und die Vorbereitung auf eine Klausur ist auch zeitintensiv. Dazu kommen noch Lerngruppen etc. die auch Zeit kosten können. Wenn Du also nicht neben der Arbeit auch jedes Wochenende und jeden Abend komplett mit Lernen zuballern willst, sondern auch noch Zeit für Freund und Kind haben willst, dann wird es eher nur ein Modul, und ggf. kannst Du in ein zweites schon mal rein schauen.

                          Wenn Du also pro Semester ein Modul machst und jeweils eine Klausur/Hausarbeit, dann brauchst Du 6 Jahre. Bei zwei Modulen nur 3 Jahre, aber man muss eben den Zeitfaktor mit einplanen.

                          Sonst liegt es alleine an Dir. Wer etwa zum Klausurtermin krank wird, kann jeweils erst im nächsten Semester nachschreiben, ebenso wenn man durchfällt. Ob man dann nur noch kurz vor der Klausur wiederholt oder ob man sich mehr Zeit für die Vorbereitung nehmen will, ob man dann ggf. 2 oder 3 Klausuren in einer Woche schreiben will, oder ob man dafür dann was anderes noch aufschiebt, bleibt einem selbst überlassen.

                          Ebenso, ob Du lieber alleine für Dich arbeiten willst, oder ob dir Lerngruppen helfen. Ob Du die Lerngruppen irgendwo persönlich treffen willst, oder nur online Kontakt hast. Alle Versionen sind möglich. Und natürlich muss man nicht immer eine Klausur schreiben, man kann auch aussetzen.

    Hallo.

    Erzieherinnen sind doch nicht nur in der Kita einsetzbar. Versuchs doch mal in ner anderen "Branche". ;-)
    Vielleicht wäre die Arbeit mit erwachsenen Behinderten was für dich? #gruebel

    Hallo! Auch wenn ich dir nicht helfen kann, möchte ich dir sagen wie gut ich dich verstehe und deine Gedanken nachempfinden kann.
    Bei mir ist es nur umgekehrt. Ich würde sehr gerne in einer Kita als Erzieherhelferin arbeiten, bekomme aber kein "Bein in die Tür". Seit mehr als zwanzig Jahre arbeite ich in einem großen Konzern im Kundenkontakt und glaube mir, das mit den Fluchtinstinkten kenne ich auch. LG Moppel

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