Die andere Seite *seufz* - Chefsein

    • (1) 14.12.17 - 08:10
      Inaktiv

      Tachchen,

      wende mich mal an euch auf der Suche nach "Rat". :-)
      Ich beschäftige seit ca. 5 Monaten eine Mitarbeiterin, mit der ich zunehmend sehr unzufrieden bin.
      Vielleicht mal zu den Rahmenbedingungen. Ich verhalte mich nicht sonderlich "bossy", sondern eher kollegial. Das ist mir auch wichtig und das läuft auch gut erfahrungsgemäß. Die Zeiteinteilung ist weitgehend frei im HomeOffice, nur deshalb "weitgehend frei", weil es Deadlines bzw. Fristen gibt, an die ich mich nun einmal auftragsgebunden halten muss und daher auch meine Mitarbeiter(in). Dabei handelt es sich für Mitarbeiter um wirklich großzügige Fristen (für einen realen Arbeitsaufwand von sagen wir mal ca. 6 Stunden hat sie anderthalb/zwei Monate Zeit). Ich lege viel Wert auf eine Bezahlung, welche die Arbeitsleistung wertschätzt, da ich selbst Erfahrung mit Ausbeutern habe und mir schwor, selbst nicht so zu verfahren. Insofern ist die Vergütung an meine Mitarbeiter überdurchschnittlich.

      Jetzt ist es so, dass sie in diesem doch recht spezialisierten Bereich von mir eingearbeitet wurde und immer noch die gleichen Fehler macht wie zu Beginn *seufz*. Ich habe da in der ersten Zeit wirklich sehr, sehr viel Geduld gehabt und selbst noch Zeit (Dinge erklären, nachkorrigieren, Korrekturen durchsprechen, usw.) investiert.

      Mittlerweile finde ich es frustrierend. Erst gestern erhielt ich - pardon - sowas "Hingesautes", dass ich dachte: oha. Nee. So nicht mehr.

      In der letzten Zeit hielt sie zudem mehrfach die Fristen nicht ein - mit wechselnden Begründungen (kam was dazwischen, keine Zeit gehabt, vergessen gab es auch schon).
      Und dann erhalte ich nach Ablauf der Frist eine Arbeitsleistung (s.o.), die ich aufgrund der immer noch vorhandenen Fehler mühsam nachkorrigieren muss (und ja würde auch gern mal über Weihnachten den Laden dicht machen, weil Selbstständigkeit bei mir nicht selbst und ständig heißt ^^).

      Ich weiß, dass da jetzt langsam mal eine "Ansage vom Chef" her muss, aber vielleicht könnt ihr mir diesbezüglich Tipps geben, wie ich das nach wie vor noch kollegial wertschätzend, aber mit absoluter Dringlichkeit und Nachdruck formuliere. Denn kurz gesagt, wenn es so weitergeht, kann ich mir die Dame auf Dauer schlichtweg nicht mehr "leisten" .

      LG!

      • (2) 14.12.17 - 09:05

        Ich kann gut verstehen, dass Du hier etwas unsicher bist, zumal es offenbar das erste Mal ist, dass Du in solch einer Situation steckst.

        Ich kann Dir von beiden Seiten berichten und möchte dir zu allererst schreiben, wie meiner Ansicht nach der Einstieg in so ein Gespräch am besten gelingt:

        1. vereinbare mit deiner MA einen Termin zu einem "Mitarbeitergespräch". Da es 5 Monate sind, wie Du schreibst, und die ersten 6 Monate ja meistens Probezeit sind, wäre jetzt auch der ideale Zeitpunkt. Falls sie nachfragt, worum es geht.
        Gebe ihr mit auf den Weg, dass Du in diesem Gespräch die letzten Monate reflektieren möchtest und dass sie sich ein wenig vorbereiten soll, was war gut, was war schlecht, was wäre zu optimieren usw usw

        2. Notiere Du dir vor diesem Termin die "Fehler", Häufigkeit usw, so dass Du bei Nachfragen ihrerseits gleich konkret werden kannst.

        3. Starte das Gespräch mit einem kurzen, sehr kurzen Smalltalk, vielleicht kurze Nachfrage wie es den Kindern geht (so sie welche hat) oder ähnliches, das entspannt die Situation.

        4. Beginne dann mit einem wertschätzenden, positiven Rückblick. Also sage ihr die Dinge, die Du gut gefunden hast, die gut liefen.

        5. Frage sie, wie sie die erste Zeit empfunden hat, wie es ihr erging, was sie glaubt, wie gut sie sich eingefunden hat und höre dir alles an, grätsche nicht rein, auch wenn du einen völlig anderen Eindruck hast.

        6. Sobald sie am Ende mit ihren Ausführungen ist ist, sage ihr, dass Du jetzt deine Eindrücke schilderst und zeige die Probleme auf. Achte hierbei darauf, dass es nicht auf die persönliche Ebene abrutscht, auf Ärger. Formuliere verbindlich und aus deiner Position heraus. Also "ich war bei diesem Projekt enttäuscht weil...." und sage nicht "Du hast mich bei dem Projekt...enttäuscht".

        Spreche die Fehler, die dir auffallen und die du nicht hinnehmen magst direkt an und frage sie, warum diese Fehler passieren, was sie gedenkt zu unternehmen, dass die Arbeitsgüte und Zuverlässigkeit merklich gesteigert wird. Wenn du merkst, dass sie gewillt ist, was zu tun dann vereinbare doch mit ihr ein zweites Gespräch, evtl. nach Abschluß eines grade offenen Projektes. Da hat sie die Möglichkeit dir zu zeigen, dass sie KANN und WILL.

        Sage ihr auch, dass Du eine Verbesserung erwartest, sonst siehst Du keine Basis mehr für eine Zusammenarbeit. Du musst da sehr klar sein.



        Gutes Gelingen.

      Hallöchen,
      Bitte nimm es mir nicht übel, aber wenn sie 5 Monate da ist wäre interessant zu wissen, ob ihr schon mal über die Qualität ihrer Arbeit gesprochen habt?
      Auch im positiven? Beurteilung bzw Arbeitsplatz Beschreibung/ Anforderung/ Durchführung?
      Hat sie eine Probezeit?
      Ich kenne auch beide Seiten bestens und muss sagen, dass es auch mit einer gewissen Wertschätzung zu tun hat, Gespräche zu führen um zu zeigen woran der MA ist. Dazu habe ich mir immer die Situationen notiert um auch sachlich zu argumentieren, nicht immer nur negativ, es sei denn es entspricht natürlich der Wahrheit 😬
      (nach vier Wochen, drei Monaten, 6 Monaten, dann jedes Jahr, hängt auch von Vertragsart und Probezeit ab)
      Evtl ist sie auch überfordert mit soviel Freiraum?
      Ich würde sie zu einem Beurteilungsgespräch bitten auf das auch sie sich vorbereiten soll. (1 Woche Vorlauf sollte sie haben)
      Dann könnt ihr sehen wo eure evtl Probleme stecken....
      Das hat nichts mit Ansage von Chef zu tun! Wenn es eine gute MA ist wird sie die Zeit , die du dir für das Gespräch nimmst, zu schätzen wissen!
      Beginne am besten immer mit: ICH beobachte, ICH nehme wahr, ICH wünsche mir, ICH habe folgende Leitlinien usw. ..
      Immer anschließend ans Thema dazu fragen wie sie es empfindet, beurteilt usw...... Kollegialer Führungsstil eben 😉
      Alles Gute und viel Erfolg

      • (6) 14.12.17 - 09:21

        Hallo,

        nehme ich dir nicht übel. Wir stehen im ständigen regen Austausch und sie weiß, dass sie mich jederzeit auch Dinge fragen kann. Und ich habe ihr auch Verbesserungen rückgemeldet, keinesfalls nur negativ kommuniziert oder bemängelt.

        Nichts desto Trotz möchte ich mal folgendes festhalten:
        Sie hat sich mit der Qualifikation die sie hat auf die von mir ausgeschriebene Stelle beworben und wusste um die Rahmenbedingungen. Das wollte ich nur zum Punkt einwerfen "überfordert mit soviel Freiraum". Wer sich auf eine Stelle HomeOffice bewirbt und angibt, sich selbst organisieren und strukturieren zu können, von dem kann ich dann im Gegenzug auch ein Mindestmaß an Transparenz erwarten, wenn dem nicht der Fall ist.

        Ich habe sie zB explizit darum gebeten, mir mitzuteilen, wenn sie eine Frist mal nicht einhalten kann. Ich habe ihr gesagt, dass das auch kein Problem ist - wenn ich rechtzeitig Bescheid weiß, damit ich umplanen kann. Daran hat sie sich jetzt ebenfalls mehrfach nicht gehalten und ich habe trotzdem nicht den Boss raushhängen lassen, sondern nur betont, wie wichtig es für die Zukunft ist, mir rechtzeitig Bescheid zu geben.
        LG

        • (7) 14.12.17 - 10:24

          Hallo,
          im Prinzip hast du ihr damit zu verstehen gegeben, dass es egal ist, ob sie ihre Arbeit rechtzeitig erledigt. Fristen spielen so gut wie keine Rolle, solange du vorher Bescheid weißt, dass sie es bis dann und dann nicht fertig hat. Dann findet sich schon jemand anderes, der es macht oder sie bekommt halt noch mehr Zeit. Im Grunde also vollkommen wurscht, ob und wann sie es erledigt - überspitzt gesagt.
          So wirkt das.

          Entspannter Umgang ist schön, aber leider kann damit nicht jeder Arbeitnehmer umgehen. Manche brauchen mehr Führung, Fristen und auch klare Konsequenzen bezüglich ihrer Arbeitsweise. Ich wage auch zu behaupten, dass sich ein Bewerber natürlich passend zum Job darstellt, wenn er diesen unbedingt haben möchte. Natürlich ist im HomeOffice jeder total selbständig, diszipliniert und strukturiert, wenn es der potentielle Arbeitgeber sich wünscht. Nur sieht das in der Praxis leider manchmal anders aus.

          Für mich wirkt es so, als würdest du bei dieser Mitarbeiterin mit deiner lockeren, kollegialen Art nicht weiterkommen. Hier braucht es viel mehr eine Chefin, die klare Regeln aufstellt und Deadlines, die auch eingehalten werden müssen, Verwarnungen, wenn etwas mehrfach nicht funktioniert. Freundlich sein kannst du ja trotzdem, aber du bist eben die Chefin und nicht die Claudi vom Schreibtisch gegenüber. 😉

          Was bei dem einen Mitarbeiter prima funktioniert, kann bei dem anderen voll in die Hose gehen, weshalb ich nach dem Gespräch etwas konsequenter und auch strenger/strikter wäre bezüglich ihrer Arbeit, sofern du sie behalten möchtest. Es bringt ja auch nichts, nur nett zu sein, wenn die Arbeitsergennisse dann nicht stimmen.
          Auch ein strenger, aber fairer Chef kann menschlich total in Ordnung sein und gemocht werden.
          Die Tipps zum Gespräch in der ersten Antwort finde ich sehr gut!

          Ich glaube du bist dir deiner Rolle nicht bewusst. DU bestimmt die Regeln UND du gibst deinen Mitarbeitern klare Anweisungen die sie uneingeschränkt zu befolgen haben ansonsten wars das. Bei dir hat man den Eindruck das man es mit dir machen kann...das lädt natürlich auch dazu ein wenn man so einen gutmütigen Chef hat. Niemand will seinen Chef als Freund sondern alle wollen einen Chef, der sich auch so benimmt! Ohne natürlich ein arschloch zu sein.!Wenn über einen LANGEN Zeitraum alles gut läuft dann kann man beginnen ein kollegiales Verhältnis aufzubauen. Aber du gehst aktuell den falschen Weg

          • (9) 14.12.17 - 17:37

            Danke auch dir. Mag sein - aber eines habe ich bereits klargestellt - ich bin bisher bei keinem meiner Mitarbeiter als Kumpeline oder gar Freund aufgetreten.
            Freunde haben für mich dann doch einen völlig anderen Stellenwert und das trenne ich strikt. :-)
            Lg

    Hallo,

    Vielleicht lässt du mal deine Mitarbeiter mal ein zeitprotokoll führen....

    Klingt für mich so, als ob sie es vielleicht nicht so ernst nimmt oder vielleicht was anderes macht.

    Ich würde sonst fragen ob sie private Probleme hat, da sie in letzter Zeit ihre Aufgaben nicht ordentlich macht....?!?

    Lg

    • (11) 14.12.17 - 09:27

      Hallo Costa,

      Zeitprotokoll führt sie ohnehin. Dabei fällt auch zB auf, dass sie die zu erledigende Arbeit immer kurz vor Ablauf der Frist erledigte bzw eben halt darüber.
      "Klingt für mich so, als ob sie es vielleicht nicht so ernst nimmt oder vielleicht was anderes macht"
      Den Eindruck gewinne ich langsam leider auch.
      "Ich würde sonst fragen ob sie private Probleme hat, da sie in letzter Zeit ihre Aufgaben nicht ordentlich macht....?!?"
      Das möchte ich eigentlich nicht. Ich will Privates von Beruflichem trennen und bin nicht ihre Freundin.

      LG

Hallo,
ich finde den Ansatz von "doing" nicht schlecht, so habe ich das früher auch gemacht. Leider klingt es bei Dir nach einem nicht so leichten Fall, da sich die Fehler etc. gehäuft haben und dann auch noch Ausreden kommen.
Heißt im Umkehrschluss, wenn Du zu viel redest, wird sie das Wesentliche - nach meiner Erfahrung - nicht hören.
Ich mache nur noch direkte Ansagen, freundlich, aber bestimmt.
Sorry, aber DU bezahlst sie, sie arbeitet nicht ehrenamtlich für Dich.
Eine direkte Ansage hilft m.E. immer am besten und ist m.E. auch kollegial, denn spinn mal die Geschichte weiter... wäre für beide Seiten doof.
Alles Gute!

Sie zeigt in 5 Monaten, also innerhalb der Probezeit, nicht die Leistungen, die Du erwartest, kommt mit Ausreden um die Ecke etc.

Also nutze die Probezeit und kündige! Ich denke, sie hat ihre Arbeitsmoral gezeigt, ein Gespräch wird nichts bringen.

Solltest Du keine Probezeit veranschlagt haben, dann sollte das Gespräch von Vorgesetzen zu MA erfolgen und nichts kollegial. Sie ist nicht Deine Kollegin.
Das heißt ja nicht, dass das Gespräch unfreundlich sein muss.
Fristen setzen, Termine festlegen, kommen die nicht, dann entsprechend abmahnen und dann im nächsten Schritt die Kündigung.

  • (15) 14.12.17 - 09:31

    Hallo und danke auch dir,

    hm.

    Ich muss da wirklich in mich gehen, weil der Punkt "ein Gespräch wird nichts bringen" gerade etwas an mir nagt. #zitter
    Da es ein Grundproblem von mir persönlich ist, Menschen eine Chance nach der anderen einzuräumen - auch wenn's eigentlich nix mehr bringt. Ich denke nochmals darüber nach.

    LG!

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