Was würdet ihr tun? Brauche Entscheidungshilfen.

    • (1) 09.01.18 - 21:05

      Hallo zusammen,

      ich habe einen Bachelor und einen Teil des Masters an einer angesehen Uni in Wirtschaftspädagogik absolviert.
      Eigentlich wollte ich damit Berufschullehrerin werden und BWL und Religion unterrichten.

      Nun ist es so, dass Studium, Kind und Haushalt insbesondere die extremen Lernphase mich sehr stark belasten. In dieser Phase leidet wirklich die ganze Familie.
      Zudem wollen wir ein 2. Kind.

      Über Weihnachten habe ich mir überlegt, dass ich auch einfach mit meinem jetzigen Abschluss arbeiten könnte.

      Ich habe mich daraufhin beflügelt auf mehrere Stellen beworben und nun auch schon mehrere Einladungen zu Vorstellungsgesprächen erhalten.
      Die Gespräche habe ich bei einer großen Versicherung in der Personalentwichlung und im Ordiniariat der Kirche als Jugendreferentin an zwei verschiedenen Standorten.

      Das Gehalt ist bei allen Stellen ähnlich und liegt zwischen 3.000-3.300€. Bei der Versicherung würde noch Urlaubs- und Weihnachtsgeld drauf kommen.

      Wie würdet ihr euch entscheiden? Die nächsten 3-4 Jahre durch Studium und Referendariat kämpfen um danach Lehrerin zu sein und A 13 zu bekommen oder lieber gleich arbeiten?

      Das Gehalt soll bei der Entscheidung nicht hoch gewuchtet werden, da mein Mann Großverdiener ist und wir auf mein Einkommen nicht angewiesen sind.

      Freue mich total auf Denkanstöße und Meinungen

      • (2) 09.01.18 - 23:10

        Wieviel dein Mann verdient sollte tatsächlich egal sein, denn ich würde immer so planen, dass ich auch alleine gut klar komme.

        Völlig egal, ob es jetzt im Moment auf das Gehalt ankommt...

        Kann man den Master eventuell nebenberuflich weiterführen?
        Wärst du als Lehrerin verbeamtet?
        Nur für den "schnellen Erfolg" würde ich das Studium nicht dran geben. Gerade mit Kindern ist das Leben als verbeamtete Lehrerin auf lange Sicht gesehen definitiv einfacher als in der freien Wirtschaft.

        Nur weil es die nächsten 3-4 Jahre entspannter läuft (was du ja auch nicht wirklich weißt, sondern nur hoffst), bleibt ja noch ein ganzes Stück restliches Leben.

        Wenn du auf keinen Fall mehr Lehrerin werden willst, ist der Job bei der Versicherung sicher keine schlechte Wahl, aber an deiner Stelle würde ich die Zähne zusammenbeißen und das Studium durchziehen (vorausgesetzt, du möchtest den Job als Lehrerin immer noch gerne machen).

        Vg Isa

        • (3) 10.01.18 - 04:38

          Vielen Dank für deine Antwort. Sie hat mir sehr weitergeholfen, da Aspekte erwähnt wurden, die ich bislang nicht berücksichtigt hatte.

          Im Moment ist davon auszugehen, dass ich verbeamtet werde, selbstverständlich kann sich das jederzeit ändern. Aktuell herrscht enormer Lehrermangel. Meine Praktikumsschule hat mich auch schon direkt angesprochen, sowohl das Referendariat bei Ihnen zu absolvieren und auch danach dort zu bleiben. Da sie insbesondere für Religion seit Jahren niemanden finden.

          Es gibt an unserer Uni kein explizites Teilzeitstudium, allerdings kann man für jedes Kind 3 Jahre Urlaubssemester einreichen, in denen man auch Prüfungen absolvieren kann. Dieses werden den Fachsemestern nicht angerechnet.

          Ich denke du hast Recht und ich sollte mich einfach dieses Semester durchkämpfen, dann hätte ich alle schweren Klausuren ( Grundlagen) hinter mir und es folgen nur noch einfache Theologie- und Pädagogikprüfungen. Aufwändig wäre dann eben noch die Masterarbeit.

          Den Lehrerberuf würde ich sehr gerne ausüben. Ich habe nur Angst, mit 2 Kindern dem Druck von Referendariat bzw. Master nicht bestehen zu können.

          Liebe Grüße

          Flaps

          • (4) 10.01.18 - 09:35

            Ich würde doch auch darin bestärken es durch zu ziehen.

            Die kurzfristigen Jobs bei der Versicherung und Kirche sind nett.
            Letzteres muss man wollen ... ersteres würde ich nicht unbedingt als sicher ansehen.
            Die Fluktuation gerade in den unteren Ebenen einer "großen" Versicherung sind hoch.
            Da wird in Wellenbewegungen raus gekehrt, dann wieder neu eingestellt, restrukturiert, umstrukturiert, verkauft, verschmolzen, wieder ausgegliedert, usw. und bei jedem Stepp kannst Du auf der Strecke bleiben.
            Das ist kein schönes Arbeiten, sondern eher ein Hamsterrad.

      Guten Morgen,

      ganz ehrlich: Studiere weiter! Du sagst es war immer dein Plan und Wunsch Lehrerin zu werden, dann nutze auch die Chance und werde es! Du bist schon viel näher dran als du momentan vllt siehst.
      Kinder kannst du später immernoch weitere bekommen, oder bist du bereits heute Ende 30?
      Auf das Gehalt deines Mannes zu vertrauen ist vllt auch nicht sooo sinnvoll. Dein Mann kann dich auch jederzeit verlassen, auch wenn es heute nicht danach aussieht. Solang ihr verheiratet seid kannst du ja später als Lehrerin auch in Teilzeit arbeiten, aber hättest jederzeit die Möglichkeit deine Stunden aufzustocken wenn sich deine private Situation, weshalb auch immer, plötzlich verändern sollte.
      Einen Job mit deinem Bachelor zu suchen, anzunehmen und zur Vertragsunterzeichnung bereits zu wissen, dass man wohl bald aufgrund von SS und Elternzeir aussetzen wird finde ich persönlich auch nicht besonders die feine Art, aber das spielt hier in meinen Augen keine Rolle.


      Ich kenne die Zeiten in denen man total an seinem Studium zweifelt und man vllt das Gefühl hat es würde einem alles über den Kopf wachsen. Aber du wirst später stolz sein es durchgezogen zu haben! Sollte es dir wirklich zu viel werden, kannst du dir immernoch Hilfe und Beratung bei eurer Studierendenberatung holen und schauen wie du das Studium vllt etwas einfacher gestaltet (länger - weniger auf einmal o.ä) bekommst.

      Alles Gute :)

      (6) 10.01.18 - 08:08

      Natürlich studierst du weiter! Wie kommst du nur darauf auf einmal etwas völlig anderes machen zu wollen?

      Ich weiß wie stressig das Studium sein kann und das Referendariat ist sicherlich auch nicht ohne, aber bitte ziehe es durch!

      Alles Gute

    • (7) 10.01.18 - 13:50

      Das kommt darauf an, was du langfristig möchtest.
      Und wie du es erreichen kannst. Was real machbar ist.

      Arbeiten: wo sind die Arbeitsplätze? Wie sind die Anfahrtswege? Wie sind die Arbeitszeiten? Womit fühlst du dich wohler? Wo fühlst du dich wohler? (Team, Umgebung).

      Wie anstrengend wäre arbeiten und jetztige Belastungen so?
      Entlastung? Nur Flucht von einem in das andere, aber trotzdem schwierig?
      Schwierig, weil andere Belastungen ja weiter da sind. Schwierig, weil es nicht das ist, was du eigentlich möchtest?
      Entlastung, Besserung, weil es geregelte Arbeitszeiten sind. Entlastung weil du dir durch das Geld Unterstützung kaufen könntest?


      Langfristig:
      könntest du das Studium weiter machen? Z.B. wenn die Kinder selbst zur Schule gehen.
      Könntest du dazu deine Arbeit dann unterbrechen oder dann vorübergehend aufhören, Studium weiter durchziehen und das machen, was du dann willst?
      Könntest du Studium mit größeren Kindern und parallel zum Arbeiten ermöglichen? Evtl. in Teilzeit?

      Was tut dir jetzt und langfristig besser?

      Könntest du dir Hilfe holen, um vorübergehend schwere Zeit noch zu überbrücken?
      Z.B. Putzfrau, Mann macht mit. Partner reduziert um wenige Stunden in der Woche und könnte dafür dich entlasten (sofern finanziell möglich).

      Wenn Studium in den extremen Lernphasen dich mehr beansprucht, wo könntest du in der Zeit an anderen Stellen Abstriche machen? Delegieren, 5 mal grade sein lassen. Oder bist du da schon am Optimum von dem was möglich ist an Hilfestellungen?

      Ist es bei dir Flucht in die Arbeit oder wirkliches: "jetzt will ich das"?
      Wie stellst du dir (Vollzeit) Arbeiten mit Kind vor? Würde dich das auch an die Belastungsgrenze bringen oder eher entlasten?

      Wenn du dir ein paar wichtige Fragen selbst beantwortest und ehrlich zu dir bist, kannst du die Entscheidung selbst finden.
      Raten kann ich dir nicht wirklich was. Für jeden passen andere Faktoren mehr oder weniger gut.

      Was brauchst du, was möchtest du, was davon kannst du realisieren?
      Welche Möglichkeiten gibt es, den Weg so zu gestalten, dass du / ihr als Familie damit klar kommt? #winke

      Ich würde so kurz vor dem Ziel nicht aufgeben und die Sache komplett (wie vorgesehen) durchziehen. Irgendwann würdest du es wahrscheinlich bereuen, nicht getan zu haben.;-)

      Als verbeamtete Lehrerin hast du deine Schäfchen im Trockenen - im Gegensatz zur Versicherungsangestellten.

      Ich kenne wirklich viele die diesen Fehler machen und lieber schnell Geld verdienen wollen anstatt eine gründliche und anstrengende Ausbildung. Du würdest es in ein paar Jahren vermutlich bitter bereuen nicht weiterstudiert zu haben. Natürlich ist es erstmal extrem anstrengend, aber dafür hast du dann danach den Job den du haben wolltest und vor allem familienkonforme Arbeitszeiten.

      Und auf das Gehalt des Mannes sollte Frau sich nie verlassen, denn wer weiß was noch kommt und dann steht sie ganz doof da.

      Alles Gute!
      S. (die alleinerziehend mit 2 Kindern studiert und das Referendariat absolviert hat)

      • Vielen Dank für deine Antwort.
        Respekt, dass du das alles hinbekommen hast mit 2 Kindern und dem Studium, sowie dem Referendariat.
        Darf ich fragen, wie du das gemacht hast und wie alt deine Kinder im Studium, sowie zu Beginn des Refs waren?

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