Arbeitszeugnis-Frage

    • (1) 17.01.18 - 16:53

      Hallo,

      Neulich habe ich mein A-Zeugnis bekommen. Ich hatte daraufhin nochmal Kontakt zum Ex-AG aufgenommen, weil ich fand, daß im Zeugnis ruhig auch erwähnt werden könnte, dass ich regelmäßig auch abteilungsübergreifend (unaufgefordert) ausgeholfen habe, wenn dort Hilfe gebraucht wurde oder in meiner Abteilung tote Hose war. Und außerdem auch, daß ich bereit war, zu anderen Zeiten einzuspringen, als vereinbart, wenn Not am Mann war.

      Nun sagte mir meine Ex-Chefin zwar nicht, daß das nicht geht, aber sie und der Personalchef finden, daß solcherlei Formulierungen in einem Zeugnis von künftigen Arbeitgebern negativ interpretiert werden könnten. Ich fragte sie, wie man sowas denn negativ verstehen soll, aber sie antwortete ausweichend.

      Jetzt bin ich verunsichert. Ist sowas negativ zu verstehen? Sowas lieber weglassen?

      Hat jemand von Euch mit der Materie zu tun?

      Gruß,

      mare88

      • Hallo,

        ich, als Personalerin, würde da zwar nichts negatives an sich finden, es würde mich aber schlichtweg nicht interessieren. Mir geht es in einem Arbeitszeugnis um Kompetenzen am zuständigen Arbeitsplatz und nicht, ob du fleißig irgendwo geholfen hast. Es ist also tatsächlich irrelevant. Es sei denn du bist Buchhalterin und hast nebenbei noch die Produktion geleitet. Positiv könnte man auslegen, dass du flexibel einsetzbar bist, bereit bist andere Arbeiten (über deinen Bereich hinaus) zu verrichten. Negativ würde ich es dann betrachten, weil ich mich fragen würde, warum du gekündigt wurdest wenn du so flexibel und fleißig bist. Man lässt ja ungern die besten Pferde im Stall ziehen. Ebenso ist es keine herausragende Leistung in anderen Abteilungen auszuhelfen. Dies extra im Zeugnis zu erwähnen kann auch so ausgelegt werden, dass es nichts besonderes über die Person zu erzählen gibt und die Zeilen voll werden müssen. Und ein Arbeitszeugnis, das voll gepackt ist mit unwichtigen Informationen wird gern zur Seite gelegt. A) weil zu lang und zeitintensiv und B) weil der Anschein entsteht, dass die betreffende Person mit aller Gewalt solche Informationen im Zeugnis haben wollte. Denn das schreibt man in der Regel nicht hinein. Vertraue diesbezüglich der Personalabteilung. Die wollen keinem Schaden und schreiben Zeugnisse schon entsprechend. Außerdem soll so ein Zeugnis keine Lobeshymne auf den Arbeitnehmer sein, sondern eine Referenz über sein Tätigkeitsfeld.

        LG
        Michaela

        • Hallo und danke für Deine antwort!

          Ich habe selber dort gekündigt; fühlte mich und meine Arbeit überhaupt nicht wertgeschätzt. Die Motivation war im Keller. Das Arbeitsaufkommen ist dort Saisonabhängig. Wenn also wenig los war, wurde Wert darauf gelegt, daß man sich irgend etwas sucht, was sonst zu kurz kommmt. Das betonte die Ex-Chefin in den wöchentluchen Besprechungen immer mal wieder. Und das tat ich; ich kann es guten Gewissens behaupten. Sie bekam das auch mit. Anders, als bei manch anderen, musste sie mich fast nie irgendwo einteilen, weil ich das selber gesehen habe.
          Habe da echt ganz viel Initiative gezeigt, aber nun findet es keine Erwähnung im Zeugnis.

          Du findest, es braucht nicht mit rein? Das verunsichert mich etwas. Wenn ich so im Netz quer lese, was man dort zum Thema findet, tauchen Sätze zur Einsatzbereitschaft und Initiative immer wieder auf.

          Gegenüber den Zeugnissen, die ich in meinem Arbeitsleben schon bekommen habe, ist dies übrigens das kürzeste.

          Gruß,
          mare88

      Ich sehe das anders als die Vorschreiberin und bin ebenfalls seit vielen Jahren im Arbeits- und Personalrecht tätig.
      - "erwähnt werden könnte, dass ich regelmäßig auch abteilungsübergreifend (unaufgefordert) ausgeholfen habe, wenn dort Hilfe gebraucht wurde oder in meiner Abteilung tote Hose war."
      -> Wenn Du dort mehr als bloße Helfertätigkeiten gemacht hast, also tatsächlich Fachaufgaben übernommen hast, dann MUß es sogar erwähnt werden, ansonsten nicht.
      - "auch, dass ich bereit war, zu anderen Zeiten einzuspringen, als vereinbart,"
      -> Auch dies sollte erwähnt werden und ist eigentlich eine Standardformulierung in jedem Zeugnis.

      • Hallo,

        wie ist die Definition von Fachaufgaben? Ich habe Tätigkeiten übernommen, die jeder tun kann und ich übernahm auch Tätigkeiten, die eine Einweisung benötigten und nicht in meiner eigentlichen Abteilung vorkamen. Sind letztere dann diese Fachaufgaben?

        Bin mir grade nicht so sicher, wie ich ihr gegenüber argumentieren soll.

        Gruß,
        mare88

        • Ja, alles was eine Einweisung benötigt, auf jeden Fall.
          Deine Initiative, Einsatzbereitschaft (auch über die üblichen Arbeitszeiten hinaus) sollten unbedingt Erwähnung finden. Und das ist auch keinesfalls negativ zu lesen. Es wäre negativ, wenn es NICHT erwähnt werden würde!

          • Ich habe grade mal in meinen Vertrag geschaut. Dort steht, dass sich der MA dazu bereit erklärt, in den Öffnungszeiten flexibel eingesetzt zu werden. Nun hatte ich zwar eine vereinbarte Zeit (mündlich), zu der ich in der Regel arbeiten ging, aber Chefin meinte, dadurch, daß das so im Vertrag formuliert ist, fällt die Beurteilung dahingehend, bezüglich der flexibilität weg.

            Wegen dem anderen muss ich jetzt nochmal überlegen.

            • Hä, was ist denn das für eine Argumentation? Entweder du warst flexibel oder du warst es nicht. Ob das jetzt vertraglich vereinbart war, ist doch Wurscht.
              Anscheinend wollen dir deine alten Vorgesetzten Steine in den Weg legen. Unglaublich!

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