Erbrecht - wer weiß was?

    • (1) 18.03.18 - 17:41

      Hallo!

      Mein Schwiegervater ist vor 2 Wochen verstorben. Nun hat mein Mann vorgestern auf dessen Konto gesehen, dass seine Lebensgefährtin sich während seines Krankenhausaufenthalts sehr großzügig von Schwiegervaters Konto bedient hat. Es geht um mehrere Überweisungen in 4stelliger Höhe, viele Barauszahlungen/Überweisungen in 3stelliger Höhe und Allerlei kleinere Beträge, wie das Laden des Telefonguthabens in Höhe von 50 € oder Taxifahrten.
      Da mein Schwiegervater schwer krank war (Bauchspeicheldrüsenkrebs) und während all dieser Zahlungen nachweislich im Krankenhaus, bei einigen bereits sogar tot war, kann er weder das Geld selbst ausgegeben noch angewiesen/abgehoben haben.
      Das Testament weist meinen Mann als alleinigen Erben aus.
      Sie muss auch noch im Besitz diverser Unterlagen sowie des 2. Autoschlüssels sein.
      Habt ihr Tipps für uns? Was können wir tun? Ich dachte, sie soll uns erst erklären für was sie all diese "Unkosten" und "Auslagen" hatte, denn das ist der Verwendungszweck einiger Überweisungen.
      Durfte sie das überhaupt, auch wenn sie Zugang zu dem Online-Konto hatte/beschaffen konnte?
      Haben wir eine Chance, das Geld, dass immerhin die 10.000 € deutlich übersteigt, wieder zu bekommen?

      Gerade jetzt ist es ein wirklich schlimmer Zeitpunkt für einen Rechtsreit. Oder sollten wir uns doch besser anwaltlich beraten lassen?

      Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen, Vorschläge und Wissen.

      Viele Grüße!

      • (2) 18.03.18 - 18:13

        Ich versuche mal menschlich zu antworten.

        Waren die beiden lange zusammen?
        Haben Sie in einem Haus / einer Wohnung gelebt?
        Hatte jeder von jedem Zugang zum Konto?
        Hatte sie sich immer um den Schwiegervater gekümmert?

        Wenn die Fragen mit lange / ja / ja / ja beantwortet werden können, würde ich sie mit ins Boot holen bei der Sache mit dem Testament. Vielleicht möchte sie in der Wohnung bleiben, vielleicht möchte sie ein paar persönliche Sachen von ihm behalten?

        Ansonsten ein - bitte ruhiges ! - klärendes Gespräch führen und zwar dein Mann mit ihr - ohne dich. Es war ein Vater.

        • (3) 18.03.18 - 18:32

          Sie waren ca 3 Jahre zusammen. Sie hat eine eigene Wohnung.

          Von der Diagnose bis zum Tod vergingen ca 6 Monate, von denen er 4 im Altenheim/Krankenhaus war. Und zwar auf ihren Wunsch hin über 1,5 Stunden Autofahrt von uns entfernt. So dass mein Mann nicht mehr rechtzeitig vor dem Tod seines Vaters im Krankenhaus sein konnte.

          Sie kann gerne Erinnerungsstücke von ihm behalten/bekommen. Abgesehen von einer fast Neumöblierung ihrer Wohnung abgesehen, die wir ihr mitnichten nehmen wollen.
          Aber es ist sehr unverständlich für uns, dass eine Person nach dem Tod des geliebten Partners als erstes nach Hause fährt und sich 8000 Euro "Unkosten" auf das eigene Konto überweist.

          Und ja, wir wollen natürlich erst ein ruhiges Gespräch führen. Allerdings werde ich, sollte mein Mann es wünschen, dabei sein. Immerhin ist es sein Vater der vertorben ist und entsprechend geht es ihm.

      (4) 18.03.18 - 18:15

      Zuerst würde ich sämtliche Kontovollmachten widerrufen. Das kann der Erbe machen.

      Danach würde ich zum Anwalt (Fachanwalt für Erbrecht) gehen. Dieser kann Euch rechtsichere Auskunft geben, als irgendwelche anonymen Forumsmitglieder.

      Gibt es ein Testament, wonach die Lebensgefährtin erbt. Oder seid ihr die Erben?

        • Wenn es kein anderes Testament gibt, erbt dein Mann alleine!

          (8) 18.03.18 - 19:33

          Ich hätte auf Testamentsänderung getippt. Mit dem Tod erbt Dein Mann, das Vermögen als auch die Verbindlichkeiten, es sei denn Dein Mann schlägt das Erbe aus. Ob der Vater zu Lebzeiten seiner Lebensgefährtin etwas geschenkt hat oder sie das Geld ohne Einwilligung auf ihr Konto überwiesen hat, läßt sich zunächst durch ein klärendes Gespräch Deines Mannes mit der Lebensgefährtin evtl. feststellen. Wenn es Auslagen waren, dann müsste es auch Rechnungen geben.

    (9) 18.03.18 - 18:34

    Es ist immer schwierig, wenn eine nicht verwandte Person die (oft jahrelange) Pflege übernommen hat und dann Verwandte (die sich nicht gekümmert haben) das alleinige Erbe beanspruchen.
    Nicht dass ich das für gut halte, dass man sich am Konto eines Todkranken oder Toten bedient, keinesfalls. Aber andersherum sind doch 10.000 Euro nichts gegen die Lasten, die sie zu tragen hatte und hat. Wenn sie die Lebensgefährtin war (über wie lange Zeit), und ihr steht aus dem Nachlaß nichts zu, ist das auch gefühlt nicht gerade fair. Wären sie verheiratet gewesen, hätte sie die Hälfte von allem.

    Natürlich müßt ihr euch anwaltlich beraten lassen. Der Anwalt berechnet nach Streitwert. Das wird dann ordentlich was kosten.

    • (10) 18.03.18 - 19:06

      Es geht uns ja gar nicht darum, dass sie nichts bekommen soll.
      Ihr Verhalten ist für unser Empfinden jedoch sehr unangemessen.
      Wir kennen sie auch erst, seit Schwiegervater im Krankenhaus war. Sie hielt es auch selten, meist nur auf Rückfrage für nötig, den einzigen Sohn über den Krankenstand seines Vaters zu informieren. Wir mussten die Ärzte bitten uns zusätzlich zu informieren.

      Über die Beziehung und die Pflege meines Schwiegervater schrieb ich oben etwas.

      Und weil wir aber mitfühlend sind und auch wissen, dass 3 Jahre immerhin 3 Jahre sind, wollen wir es am liebsten ohne Anwalt klären. Aber wenn sie etwas bekommt, was mein Schwiegervater nicht (!) veranlasst hat, dann wären wir gerne vorher darüber informiert.

(11) 18.03.18 - 21:28

Hallo,

soweit ich weiß geht mit dem Tod eines Menschen sein Vermögen an die Erben. Entscheidend ist also der genaue Todeszeitpunkt und das Testament.

Ist dein Mann laut Testament/gesetzlicher Erbfolge Alleinerbe, dann hätte seine Lebensgefährtin nach seinem Tod nichts mehr mit seinem Vermögen anstellen dürfen. Man kann ja nachweisen, wann der Todeszeitpunkt und wann die Kontobewegungen waren.


Viele Grüße,
lilavogel

  • Richtig. Dann muss sie alles zurückgeben/zahlen.

    (13) 18.03.18 - 22:35

    Damit hast du nun aber verdammt viel "angenommen".
    Dein ganzes Konstrukt fällt auseinander, wenn die Lebensgefährtin eine transmortale Vollmacht besaß. Dass sie eine Vollmacht besaß, ist ja klar. Unklar ist nur, ob die Vollmacht eine transmortale Wirkung hat oder nicht. Die Bank weiß das sehr genau.

    • (14) 19.03.18 - 06:12

      Ob sie eine Vollmacht besitzt ist nicht klar.
      Aber sie ist im Besitz seiner EC-Karte und dem TAN-Generator.
      Sie behauptet Vollmachten zu haben, zeigt die uns aber nicht.

      (15) 19.03.18 - 08:46

      Hallo,

      es ist nicht klar, dass sie eine Vollmacht hatte. Vielleicht hatte sie ja auch nur die Geheimnummer und die Bankkarte von ihrem Lebensgefährten und hat die Abhebungen oder Überweisungen am Automaten vorgenommen ohne dass ein Mitarbeiter der Bank Kenntnis davon hatte.

      Übrigens gibt es auch bei der transmortalen Vollmacht einen Unterschied, ob man etwas darf oder einfach macht. Hat der Verstorbene laut Testament seinen Sohn als Alleinerben eingesetzet, so verstößt seine Lebensgefährtin durch die Nutzung der Vollmacht zur Abhebung oder Überweisung der Geldbeträge nach seinem Tod gegen das Gesetz. Das ist Untreue, denn es ist nicht im Sinne des Erlassers.

      Viel Grüße,
      lilavogel

      • (16) 19.03.18 - 15:07

        Nach 2 Wochen ist das Testament wohl kaum eröffnet. Die TE glaubt nur, dass ihr Mann der Alleinerbe ist.
        Und wie ich schon schrieb: Auch wenn eine Person im Krankenhaus liegt, können für sie Kosten anfallen. Und selbst ein Toter darf/muss noch seine eigenen Rechnungen zahlen. Und ob die Lebensgefährtin hier Untreue begangen hat, muss erstmal nachgewiesen werden. Vielleicht hat sie auch einfach SEINE Rechnungen bezahlt. Sohnemann war ja schließlich nicht vor Ort und der Patient war ja wohl kaum mobil genug um selbst zur Bank zu fahren.
        Wenn die Lebensgefährtin eine transmortale Vollmacht hat und damit die Rechnungen ihres Lebensgefährten von dessen Konto zahlt, begeht sie hier keine Straftat, sondern handelt exakt im Sinne des Verstorbenen. Genau aus diesem Grund macht man eine transmortale Vollmacht.

        • (17) 19.03.18 - 15:52

          Das notariell beglaubigte Testament liegt uns vor.

          • (18) 19.03.18 - 17:12

            Woher weißt du, dass es das letzte ist?

            • (19) 19.03.18 - 17:21

              Selbst wenn es ein aktuelleres Testament gibt: Es hebt nicht automatisch das ältere Testament außer Kraft, nur weil es aktueller ist.

              • (20) 19.03.18 - 19:19

                Wovon ist das denn dann abhängig?

                • (21) 20.03.18 - 10:53

                  Da gibt es so viele Feinheiten. Hier nur Beispiele:

                  Schreibt man ein zweites Testament und möchte somit das erste ersetzen oder für ungültig erklären, so muss man das im zweiten Testament angeben und den Willen aus dem ersten Testament widerrufen. Es sei denn, die Testamente liegen von vorn herein völlig im Widerspruch zueinander, dann setzt das zweite Testament das erste Testament außer Kraft.

                  Es kann auch sein, dass das Testament, von dem die TE spricht, von ihren Schwiegereltern gemeinsam niedergeschrebeen wurde und es der gemeinsame Wunsch war, dass der Sohn Alleinerbe ist. Die Schwiegermutter verstarb, der Schwiegervater hatte eine neue Lebensgefährtin. Das gemeinsame Testament ist aber nach wie vor gültig und kann trotz des Todes seiner Frau nicht geändert werden und auch ein weiteres Testament würde daran nichts ändern. Das nennt man Wechselbezüglichkeit.

                  Du siehst, man kann also nicht pauschal sagen, dass das aktuellste Testament immer das gültige Testament ist.

              (22) 19.03.18 - 19:33

              Eigentlich ist das sogar die Regel. Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn ein gemeinschaftliches Testament vorlag und der andere Ehepartner bereits verstorben ist. Dann kann man nur eingeschränkt ein weiteres Testament machen (ist aber nicht unmöglich). Natürlich muss der Betreffende immer geistig in der Lage sein, diesen letzten Willen zu verfassen und natürlich muss es die Formvorschriften erfüllen.

          (23) 19.03.18 - 17:22

          Weil wir das von der LG bekommen haben. Was sollte es für einen Sinn haben, wenn sie uns ein altes gibt?
          Aber möglich ist natürlich alles...

    (24) 19.03.18 - 17:24

    Das ist richtig. Und wenn die Lebensgefährtin so gehandelt hat, dann kann sie es problemlos nachweisen, denn sie hat ja Rechnungen. Und wenn nicht, dann hat sie vielleicht nicht im Sinne des Erlassers gehandelt. Aber das alles wissen wir nicht und die TE auch nicht.

    • (25) 19.03.18 - 19:39

      Das ist exakt, was ich meine. Ich würde nicht gleich mit Anwalt und Vorwürfen ins Haus fallen. Tatsächlich gibt es denkbare Konstellationen, bei denen eine Lebensgefährtin so gehandelt hätte (legal).
      Natürlich würde ich mir auch jede Ausgabe exakt mit Beleg und Quittung nachweisen lassen. Es ist schon für den Alleinerben ZWINGEND notwendig, dass er die exakte Höhe des Erbes ermittelt. Da kann er sich schön hinter der gesetzlichen Notwendigkeit "verstecken" um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen.

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