Warum werden Jobs, wo dringend Personal benötigt wird, oft schlecht bezahlt?

    • (1) 02.04.18 - 18:49

      Hallo zusammen,

      meine Frage: Warum werden Jobs, wo dringend Personal benötigt wird, schlecht bezahlt?

      Beispiel: Pflegekräfte.

      Wenn wir dringend wie es oft heißt, Pflegekräfte brauchen, warum wird dieser Job dann in der Regel so schlecht bezahlt? Man könnte doch diesen Beruf attraktiver machen, indem man die Bezahlung deutlich anhebt oder nicht?

      Es ist nur ein Beispiel, aber vielleicht könnt ihr anhand dessen eure Gedanken hier teilen und diskutieren.

      Danke!

      (5) 02.04.18 - 19:06

      Hallo,

      ich vermute mal, dass dies historische Gründe hat.

      Im Alte, Kranke und sozial Benachteiligte haben sich Nonnen, Mönche, Adelige, Patrizinerinnen und Diakonissen gekümmert, zusammen gefasst Menschen die zum einen kein Geld brauchten und zum anderen dies aus dem christlichen Selbstverständnis taten.

      Dieses Denken hat sich schlicht in den Köpfen festgesetzt und zeigt sich nun halt am Gehaltszettel.

      LG Reina

      (6) 02.04.18 - 19:08

      Ich glaube grad in der Pflege ist die Finanzierung schwierig.
      Und mehr einzahlen will ja auch keiner in die Versicherung ...

      Wobei ich mich gerade beim Thema Pflege frage, wo das ganze Geld hingeht.

      Wenn man bedenkt, was ein Platz im Pflegeheim kostet... und das mal hoch rechnet, wie viele Bewohner so ein normales Heim hat. Und dazu wie wenig Pflegekräfte dort sind, da frag ich mich wirklich so das Geld hingeht...

      • (7) 02.04.18 - 19:49

        Ich frag mich auch, wo das ganze Geld bleibt - kanns mir jemand erklären?

        • (8) 02.04.18 - 20:08

          Hier gibt es eine Aufstellung über die Kosten, die so ein Pflegeheim verursacht:
          https://deutsche-seniorenstift.de/kosten-und-finanzierung/

          Die kommen auf 2.780,08 € / pro Monat bei Pflegestufe 3. Der grösste Batzen sind darin die Pflegekosten: 1.656,98 €. Das wären ungefähr 2 Stunden Pflegeleistung am Tag (die Lohnnebenkosten müssen ja auch getragen werden). Dazu kommt noch Miete, Verpflegung, Instandhaltungskosten, etc. Bei uns kostet der Platz in einem Pflegeheim ca. 3000€. Das lukrativste aller Geschäfte ist so ein Pflegeheim nicht.

          Grüsse
          BiDi

          (11) 02.04.18 - 21:10

          Das ein Heim nicht sonderlich lukrativ sein muss kann ich als heimleitung bestätigen. Buisnesspläne zeigen wie exorbitant hoch der Bau und Erhaltung eines Heimes ist.

          Personal kostet auch mehr als ein Arbeitnehmer netto auf'm Konto hat;)

          Wirtschaftlichkeit in der heutigen Zeit ist echt nicht einfach .. und oft wird am Personal gespart da das eine am "einfachsten" variablen Komponente ist.

          • Sorry, bei "sonderlich lukrativ" hört's bei mir auf. Ich glaube, hier liegt das Problem.
            Warum muss es in Bereichen wo es um Menschenleben geht, lukrativ sein? Ist es nicht lukrativ genug Kosten deckend zu arbeiten und dafür eine gute Versorgung zu bieten? Meiner Meinung dürften Krankenhäuser oder Altenheime überhaupt keinen Gewinn erwirtschaften der dann an Manager ausgezahlt wird. Was übrig bleibt, müsste in die Versorgung der Patienten investiert werden. Es kann doch nicht sein, dass es GmbH Heime gibt, die nur auf Gewinn Maximierung aus sind um damit hohe Manager Gehälter zu zahlen!

            • (13) 02.04.18 - 22:35

              Weil jeder, der arbeitet nur arbeitet um Geld damit zu verdienen. Ja, es geht um Menschenleben. Aber die wenigsten Menschen auf der Welt arbeiten, um andere glücklich zu machen. Sie arbeiten, weil sie Geld verdienen wollen und müssen. Wenn eintn der Job auch noch Spaß macht, hat man alles richtig gemacht. Aber du glaubst doch nicht allen ernstes, dass irgendjemand einen Job nur aus Spaß an der Freude macht?! Jede macht seinen Job hauptsächlich des Geldes wegen. Und natürlich müssen Heime, Krankenhäuser usw. Wirtschaftlich lukrativ arbeiten. Den wäre das nicht der Fall, könnten sie sich a) selbst nicht mehr finanzieren und b) würde auch ni3mwnd dort arbeiten wollen. Eine Firma, die einen schlechten Ruf hat, meiner jeder. Krankenhäuser und Heime müssen also mehr erwirtschaften als absolut notwendig um gewisse Standards halten zu können. Ohne diese sinkt ihr ansehen, die Leute wenden sich an die Konkurrenz und das Unternehmen geht pleite. Und ja, jede Einrichtung ist ein Unternehmen, bei dem es vorrangig um Geld geht.

              • (14) 03.04.18 - 06:16

                Und genau damit hab ich ein Problem. Natürlich muss Geld verdient werden. Aber dieses Geld sollte den Mitarbeitern und Heimbewohnern zu Gute kommen! Ein Chef muss natürlich auch sein Geld verdienen um eine gewisse Motivation zu haben seinen Job gut zu machen. Aber was für mich nicht geht ist, dass Heime teilweise riesige Gewinne auf Kosten der Bewohner und "normalen" Mitarbeiter machen. Da gibt es zu wenig, schlecht ausgebildete und mies bezahle Pfleger um viel zu viele Bewohner zu versorgen nur damit das Betriebswert am Ende gut für die Gesellschafter ist

            Selbst kostendeckend ist heute lukrativ

(16) 02.04.18 - 23:05

Das habe ich mich auch schon sehr oft gefragt. Wenn man die Einzelposten aufschlüsselt, die ein Pflegeplatz kostet, sucht man nach den goldenen Wasserhähnen im Gebäude - denn die Löhne der Pflegekräfte rechtfertigen das ganz sicher nicht.
Auch nicht der Gebäudeerhalt usw.
Wenn man dann noch sieht, dass Wäsche von Heimbewohnern von Angehörigen mitgenommen und gewaschen werden muss, dann bleibt nur noch ein Kopfschütteln.
Das Heim hat "Wäscheversorgung" im Leistungskatalog - übernimmt aber keinerlei Garantie, dass die Wäsche nicht beschädigt oder geklaut wird..... sehr fragwürdig!
Allein mit den "Investitionskosten" wird ein Haufen Schmu gemacht - da sagt einem keiner, was hier eigentlich tatsächlich anfällt.
Man bekommt übrigens auch keine Antwort, wenn man das in der Verwaltung eines Heimes fragt. Das hab ich nämlich mal gemacht......
LG Moni

  • Ich kann nur für unseren ziemlich ländlichen Raum sprechen - in der Großstadt sieht es sicher anders aus. Aber unsere privaten Pflegeheime z.B. boomen - und der Fuhrpark der Besitzer hat durchweg einen Stern auf der Motorhaube; das gibt einem zu denken.
    LG Moni

(19) 02.04.18 - 19:30

Zum einen bin ich nicht der Meinung, dass pädagogische und pflegerische Berufe mit Geld locken sollten. Das die, die da arbeiten gut von leben sollten, ist klar, aber solche Berufe kann man nur ausüben wenn man eine gewisse Leidenschaft für diese hat.

(21) 02.04.18 - 20:22

Grundsätzlich werden Berufe, in denen sich Menschen um Menschen kümmern schlechter bezahlt als Berufe, in denen Menschen nur Maschinen bedienen müssen. Sei es Erzieherinnen, plflegekräfte usw. Obwohl die Verantwortung, die diese Menschen tragen weitaus höher ist und der Aufwand ebenfalls als in berufen, wo msn nur Maschinen bedient (zum Beispiel in der auotoindustrie wie VW zum Beispiel). Warum das so ist? Ich schätze, weil eine Firma, die virl Umsatz mschrn m2hr Geld für Ihre Angestellten locker machen kann als eine Kommune oder kleine private Firmen wie soziale pflegedienste.

  • (22) 02.04.18 - 21:07

    Es ist leider in unserer Gesellschaft so, dass soziale Berufe ziemlich unterdurchschnittlich vergütet werden. Nach meinem Studium (2005) wollte ich z.B. unbedingt in der Verwaltung eines Krankenhauses (Maximalversorgung/Uniklinikum) arbeiten, habe mich allerdings gleichzeitig bei einem Stuttgarter Autohersteller beworben.

    Gehalt Uniklinik: 2650€ + 13. Gehalt
    Gehalt Automobilbranche: 3440€ + 13,5 Gehälter + Bonuszahlung

    Gerade als junge Frau mit zukünftiger Familienplanung entscheidet man sich für den bestens bezahlten Beruf. Leider findet man diesen nicht in der Pflege. :(

    LG,
    Keith

    • (23) 02.04.18 - 21:31

      Das liest sich so, als ob der Job beim Automobilhersteller nur Mittel zum Zweck ist. Ich selbst kann es nicht nachempfinden, denn bei mir war es andersherum. Industrie war mir deutlich sympathischer als die sozialen Berufe. Lag aber auch, daß gehört dazu, am Verdienst. Ich habe genügend Kollegen, die ebenfalls sehr nüchtern ihre Arbeit verrichten und das Gleiche sicherlich auch in der Verwaltung eines Krankenhauses machen würden. Ich könnte das nicht. Da ist mir der, ebenfalls Stuttgarter, Autohersteller lieber.

      • (24) 02.04.18 - 21:53

        Hallo schwarzwald,

        ist ein Beruf nicht immer ein Mittel zum Zweck? ;) Ich möchte mit meinem Beitrag nur aufzeigen, dass sich am Ende ein Bewerber immer für den Arbeitgeber entscheidet, der die bessere Bezahlung bietet. Gleiches gilt für die Auswahl an Ausbildungs- und Studienplätzen. Im Gesundheits- und Pflegewesen muss sich dringend etwas ändern, sonst haben wir in 20 - 30 Jahren in Deutschland ein riesiges Versorgungsproblem.

        Ich möchte nicht abstreiten, dass es auch Arbeitnehmer gibt, die ihren Beruf zur Berufung machen und (Gott sei dank) mit Herzblut dabei sind. Dennoch ist dieser Anteil an Bewerbern verschwindend gering.

Ich greife den Gedanken auf, und ergänze mal. VW ist ein gutes Beispiel für eine sehr gut zahlende Industrie. Warum? Weil des Grossteil des Geldes im Ausland erwirtschaftet wird. Und weil die Produkte, bedingt durch die Automatisierung, sehr effektiv hergestellt werden können. Die Lohnkosten sind nur ein kleiner Teil des Preises eines Pkw. Immerhin jedoch groß genug, dass trotzdem Verlagerungen ins günstige Ausland erfolgen.
Der andere Teil, also alle nicht unmittelbar an der Produktion beteiligten Tätigkeiten, wird sogar noch besser bezahlt. Standard sind Stundenlöhne von ca. 35 Euro und deutlich darüber. Das gilt im Übrigen für alle FE Bereiche der Industrie, nicht nur bei Automobilen. Und hier gilt Angebot und Nachfrage. Es ist immer noch so, dass diese Tätigkeiten nicht von der Mehrzahl der Menschen gemacht werden können, sei es weil die Ausbildung fehlt oder die Motivation dafür nicht vorhanden ist. Ich kenne genügend, besonders Frauen, die sagen: Ingenieurin, nein, das ist nichts. Ich bin lieber Erzieherin.
Zurück zur Pflege: bislang war das ein Bereich, der nicht besonders gut zahlen musste, wieder Angebot und Nachfrage. Nun steigt die Zahl der zu Betreuenden, also muss auch die Nachfrage nach Betreuern steigen. Also müssten die Gehälter steigen. Allerdings sehe ich zwei Faktoren, die diesen Automatismus verhindern: der Markt gibt gar nicht so viele Kräfte her, die diese Jobs machen möchten. Also wird es dauern, bis sich alle Stellen mit gestiegener Entlohnung bsetzen lassen. Außerdem führt das dazu, dass die Kosten für die Lesitung Pflege steigen. Und plötzlich werden sich Kunden überlegen, ob sie die Leistung in Anspruch nehmen können / wollen.
Es kann also sein, dass die derzeitigen Lohnhöhen in diesen Branchen nichts anderes als das Ergebnis aus Angebot und Nachfrage unter den oben erwähnten Bedingungen sind. Das klingt bitter, ist es auch, aber evtl. ist es die Realität.

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