Ist Schwangerschaft heute anstrengender als früher?

    • (1) 29.04.18 - 11:23

      Hallo,
      Ich arbeite in einem großen Unternehmen als Bereichsleitung, meine Abteilung umfasst.ca.60 Mitarbeiter, 80 Prozent davon Frauen.
      Natürlich sind auch immer mal wieder Schwangere dabei, was mir auffällt ist, dass bin.zum Mutterschutz fast keine Frau mehr arbeitet.
      Manche haben es mit dem Kreislauf, andere müssen ständig kotzen, Rücken, Ischias,....und werden dann monatelang krank geschrieben.
      BV gibt es nicht, da hier keine Arbeiten verrichtet werden die Mutter oder Kind schaden können.
      Ich frage mich, wie diese Frauen im.Alltag klar kommen?
      Wer kümmert sich um die schon vorhandenen Kinder, wer schmeißt den Haushalt?
      Denn wer nicht mal mehr am PC sitzen kann, der kann doch zu Hause auch nix mehr machen.
      Nach der Elternzeit wollen diese Frauen dann Sonderbehandlung, Credo: ich bin Mutter, ich hab da ein Recht drauf.
      Ich habe den Eindruck,dass viele nach dem Jahr nur wieder kommen, weil sie es finanziell müssen, am liebsten aber zu Hause wären.
      Dauernd fehlen sie, Kind krank, Kita zu, Ferien, für die Eingewöhnung in die Krippe werden mehrere Wochen veranschlagt, wo sie nicht arbeiten können oder erst später kommen wollen und nach zwei Stunden wieder gehen.
      Vollzeit will keine mehr arbeiten, am besten nur noch von 9 bis 12 mindestens bis das Kind die Grundschule verlässt.
      Wenn ich das so umsetzen.würde, wäre ab 12 Uhr die Hälfte der Belegschaft weg.
      Die Kollegen aus anderen Bereichen berichten Ähnliches.
      Mittlerweile ist es ein.offenes Geheimnis, dass Bewerberinnen mit Kleinen Kindern oder kinderlose Frauen zwischen 25 und 40 nur bei top Qualifikationen eingestellt werden und auch nur wenn sich kein männlicher Bewerber findet, der aber auch wesentlich schlechter qualifiziert sein darf und den Job trotzdem bekommt.
      Mich ärgert das, aber unsere Personalabteilung möchte das so umgesetzt haben.
      Ist das nur hier so?

      • Die Schwangerschaften sind nicht anstrengender, es wird aber eben mehr auf den Mutterschutz geachtet als früher. PC-Arbeit kann zB ja trotzdem Stress bedeuten (Termindruck etc.) und massiver Stress ist schlecht fürs Baby. Dazu kommt das stundenlange Sitzen vor dem Bildschirm , da hatte ich auch ohne Schwangerschaft schon so meine Problemchen 😉 ich habe zwar bis zum Mutterschutz gearbeitet, aber mir ging’s auch relativ gut trotz 20kg Wassereinlagerungen usw...
        Euer Unternehmen zeichnet es nicht grade aus, wie ihr mit dem Thema umgeht.
        Ich bin selbst Abteilungsleiterin, kann aber für die meisten Fälle Verständnis aufbringen.
        Vieles kannst du vielleicht nicht nachvollziehen, weil du selber keine Kinder hast (?).
        Wenige Schwangere werden das BV wohl ausnutzen, aber die meisten wollen arbeiten! Es sei denn, man sieht sich Anfeindungen von Chefs und Kollegen ausgesetzt, nur weil man ein Wunder erwartet.

        • Doch, mein Sohn ist 15 und gerade deshalb fällt es mir auf.

          • Dann hättest du evtl Glück mit der Schwangerschaft, bist sehr belastbar, hättest evtl keine betreuungssorgen?
            Ich will damit nur sagen, dass man grade als Führungskraft nicht immer zu viel verlangen kann. Und wenn jemand bei euch schon Angst haben muss, ausgegrenzt und abgestempelt zu werden, erhöht das nicht grade die Motivation.

            • Ich sehe die Problematik schon dass hier viele Mütter Rosinenpickerei betreiben, und das im Team für massive Konflikte sorgt zwischen den Eltern und denjenigen ohne Kinder.
              Für mich ist es schwierig da die Wogen zu glätten und im letzten Jahr haben zwei gute, kinderlose Frauen gekündigt weil sie keine Lust mehr hatten ständig auf die Frauen mit Kindern Rücksicht zu nehmen, länger zu machen, fast nie über Feiertage und in den Ferien frei zu bekommen( die Männer waren Lehrer).
              Das ist für mich dann unmöglich da noch für Verständnis zu werben.
              Außerdem kommt die Ansage von oben. Ich muss das jetzt umsetzen und die Mütter werden jetzt keine Sonderausstellung mehr bekommen.

              • Dann ist das wohl so. Ein Unternehmen, in dem ich als hochqualifizierte Mutter gerne nicht mehr arbeiten würde bei so viel Unverständnis. Bei der Urlaubsplanung bin ich mit dir eins - die muss auch positiv für die Nichtmütter ausfallen, aber du kannst nicht verallgemeinernd sagen, dass Schwangere und Mütter ansonsten nur Nachteile bringen. Und das tut euer Unternehmen anscheinend, das finde ich schade. Es liegt am Unternehmen, gute Arbeitsbedingungen für alle zu schaffen.

    Ja das ist nur bei euch so...
    Ich arbeite in einem großen Konzern. Alle Mütter sind nach einem Jahr wieder da - mit fertig eingewöhntem Kind. Oder - wie bei mir - eben noch mit dem Papa zu Hause, weil der Kitaplatz zu spät kam.
    Ich habe bisher auch noch die 10 Kindkranktage ausgenutzt und auch die Mütter in meiner Nähe teilen sich ein krankes Kind mit dem Vater. Hier sind viele Vollzeit zurück gekommen, einige auf 30h. Einzig meine direkte Kollegin hatte beim zweiten Kind fast zwei Jahr Elternzeit und arbeitete dann irgendwann nur noch 24h, aber im Notfall lässt auch sie nicht den Stift fallen oder arbeitet eben zu Hause.
    Vielleicht liegt es an der Region? Wir leben im Osten. Hier bei uns in der Nähe von Berlin sind die Wohnungen teuer, ja auch ich bin aus finanziellen Gründen nach einem Jahr wieder ran, aber das hat nichts an meinem Einsatz geändert. Ich mag meinen Job und entsprechend zeige ich Einsatz.

(12) 29.04.18 - 14:15

Mütter, die in Teilzeit gearbeitet haben, gab es früher auch schon.
Nur waren es da wenige. Jetzt sind es sehr viel mehr. Die Gründe sehr verschieden.

Anfahrtswege sind oft sehr viel länger.
Großeltern arbeiten teilweise noch Vollzeit oder sind verstorben.
Nachbarn haben keine Zeit mehr, arbeiten selbst Vollzeit.

In meiner Kindheit gab es im Umfeld viele, die schon in Rente waren oder Mütter, die zu Hause waren. Da konnten Kinder überall hin, wenn es mal eng wurde.

Die wenigen Teilzeitstellen konnten oft flexibel nach den Wünschen derer gerichtet werden, die sie brauchten.

Heute brauchen viele Teilzeit vormittags.
Nachmittags gibt es oft auch mehr Termine. Schulisch, Ärzte und co.
Nachbarschaftshilfen und Ehrenämter fallen oft weg. Somit haben viele Familien neben ihren Kindern noch Termine für und mit ihren Eltern, die nicht mehr so können, wie sie wollen.

In einigen Betrieben ist chronische Unterbesetzung. Fällt eine Person aus, sollen halt die anderen auch übernehmen. Geld sparen auf Kosten der Gesundheit.
Wozu sich dann noch anstrengen oder sich kaputt machen? Wer wegfällt wird sowieso nicht ersetzt. Entweder trifft es einen selbst oder seine Kollegen. Aus den Augen aus dem Sinn.

Bei einer Freundin im Betrieb werden auch viele nicht Schwangere krank. Einfach weil der Druck zu hoch ist. Wer arbeitet bis zum Umfallen, wird ab dem Umfallen verpönt und ist danach auch raus. Gesundheit kaputt. Wer krank geschrieben wird, wird verpönt, aber kann wenigstens um die Gesundheit kämpfen.

Es gibt auch Betriebe, wo es Schwangeren gut geht. Damit meine ich, dass sie als Mensch respektiert werden. Als Arbeitskraft Mensch. Nicht als Arbeitskraft jetzt musst du noch mehr leisten, weil du sowieso bald ausfällst. Gutes Betriebsklima führt häufig zu mehr Motivation und gerne weiter arbeiten.

Was zugenommen hat, sind häufig auch Alter der werdenden Mutter und Vorerkrankungen (unabhängig des Alters).

Hallo!

Oft sind die Frauen deutlich älter und schon alleine deswegen weniger belastbar als mit Mitte 20. Und ja, mit richtig schlimmem Ischias kann man keine acht Stunden am Tag sitzen - Stehtische zum Wechseln wären hilfreich.

Ob viel oder wenig gearbeitet wird nach der Elternzeit hängt deutlich von den verfügbaren Kitas ab. Haben die 7-17 Uhr geöffnet und die Kinder fühlen sich nach sanfter Eingewöhnung rundum wohl, ist längeres Arbeiten kein Problem. Ebenso können eben die Schließzeiten der Kita zwischen 15 und 35 Tagen im Jahr liegen.

Wenn es dem Arbeitgeber das wert wäre könnte er ja auch eine Betriebskita aufmachen. Mit guten Betreuungszeiten und passenden Schließzeiten.

  • GM

    Also hier muss ich dir deutlich widersprechen.

    Ich bin eine "ältere" Mutter, zwischenzeitlich 50, Kind fast 12.

    Ich habe bis 4 Wochen vor der Geburt Vollzeit und sofort nach Ende des Mutterschutz (Elternzeit im heutigen Format gab es damals noch nicht) Teilzeit gearbeitet.

    In den nun fast 12 Jahren hatte ich keinen einzigen Fehltag wegen Krankheit des Kindes

    Hatten einen Kiga mit Ende 13.30 h und eine Grundschule ohne Ganztagesbetreuung.

    Ich selbst war seit über 3 Jahren nicht mehr krank.

    Was mir aber zunehmend auffällt ...

    Die jungen Kollegen/-innen sind weitaus weniger belastbar. Was die Kranktage haben ist unglaublich, vorzugsweise montags und immer so lange, dass es keiner Krankmeldung bedarf. Beim ersten Huster, bei Periodenschmerzen, bei einer laufenden Nase - es wird sofort nach Hause gegangen.
    Ich empfinde es eher so, dass die Nachfolgegeneration weniger belastbar und verweichlicht ist.
    In naher Zukunft werden wohl einige Schwangerschaften anstehen, dann wird man sehen ...

    LG

Ich habe früher in einem Unternehmen gearbeitet, in dem es ca. 100 Angestellte gab, 90% davon Frauen.
Es waren und sind immer welche davon schwanger.
Der Chef hat auch irgendwann feststellen müssen, dass am Vormittag alle Mütter da waren, es aber nachmittags kaum noch Personal gab.
Zu dem Zeitpunkt hat er beschlossen, dass die Mütter in Teilzeit zukünftig nur noch nachmittags arbeiten sollen, um das Gleichgewicht wieder herzustellen.

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