Selbstständigkeit und Schwangerschaft

    • (1) 29.05.18 - 15:52

      Hallo ihr Lieben,

      da wir fleißig am KiWu basteln, wollte ich mal fragen, ob es hier Selbstständige gibt und was sie speziell in der "heiklen Zeit" kurz vor Geburt und nach der Geburt geregelt haben bzw. welche Erfahrung sie da haben?!
      Muss ich da bei Anträgen sonderlich viel anders beachten als bei einem normalen Arbeitnehmer?

      Zu mir, ich bin Freiberufler und habe mir vorgenommen rund 3 Wochen nach der Geburt wieder zu arbeiten. Beispielhaft dafür eine Kollegin, bei der es 14 Tage nach der Geburt wieder los ging. Home Office, natürlich reduziert halbtags. Ich kann mir das ja selbst einteilen.
      Würde mich über eure Erfahrung freuen.

      Grüße

      • Zu den Anträgen kann ich jetzt nicht viel sagen.

        Ich hab auch vom Home Office kurz nach der Geburt wieder gearbeitet, aber es ist schon nicht so einfach. Ganz am Anfang, wenn sie viel schlafen mag es noch gehen, aber je mobiler sie werden, desto schwieriger wird es.
        Ich weiß nicht, wie deine weitere Planung ist und ob du zeitlich flexible am Tag arbeiten kannst. Wir wollten unser Kind nicht sofort in Fremdbetreuung geben und konnten beide im Home Office arbeiten und waren vom Aufgabenfeld zeitlich nicht gebunden, so dass ich dann halt auch Abends wenn sie schon geschlafen hat nachgearbeitet habe. Da wir Mitarbeiter haben, die das "Tagesgeschäft" übernommen haben, hatte ich den Rücken auch frei, wenn es mal gar nicht ging, weil Baby krank war oder nen Schub hatte und sehr knatschig war und ich nicht zum Arbeiten gekommen bin.
        Also es geht schon, erfordert aber viel Organisation und ggf. auch nen Plan B, wenn es mal nicht so läuft wie geplant.

        Die Anträge unterscheiden sich nur geringfügig, beim Elterngeld füllst du einfach eine andere Anlage aus und führst natürlich andere Nachweise (das zurückliegende Kalenderjahr vor Geburt als Basis), aber das ist ansonsten auch nicht aufwändiger.

        Bezüglich des Wiedereinstiegs direkt nach Geburt: das kann gut klappen, hängt aber von vielen Faktoren ab. Daher würde ich mit alle Optionen offen lassen und mich nicht darauf versteifen, dass das klappt.
        Eine meiner Kolleginnen ist einige Wochen nach Geburt wieder eingestiegen und ihr Pensum auch abgeleistet - aber die Qualität ihrer Arbeit hat spürbar nachgelassen im Vergleich zu vorher. Sie hat sich damit wenig Gefallen getan...
        Meine Freundin, auch Freelance, ist beim ersten Kind ganz schnell wieder drin gewesen, bei Nummer 2 hatte sie dann eine schwierige Kaiserschnittgeburt mit langen Nachwirkungen - da wäre die ersten Monate an Arbeiten nicht mal zu denken gewesen.

        Ich bin selbst Freiberuflerin und bei meinem Sohn nach 16 Wochen wieder eingestiegen, bei meiner Tochter 2,5 Jahre später hatte sich unsere Betreuungssituation verändert und ich habe schon vor Geburt beschlossen, bis zum Krippenstart nicht zu arbeiten - und das war diesmal auch gut so. Denn ohne Betreuung mit Kind zuhause zu arbeiten funktioniert, aber ist oft auch nicht einfach. Fachlich hochqualitative Arbeit kann man oft einfach mit Kind im Hintergrund nicht leisten. Bürokram und Co. kein Problem, aber geschäftskritische Telefonate führen während das Baby gerade aufwacht ist schwierig. Kommt auf die Art der Tätigkeit an!

        Du solltest in jedem Fall beachten, dass alle Einkünfte während des Elterngeldbezugs angerechnet werden und dabei auch aufpassen, dass Aufträge, die du vor Geburt ausführst, die aber erst danach bezahlt werden, ebenfalls angerechnet werden, da nicht Rechnungsstellung, sondern Zufluss maßgebend ist. Das ist ein Aspekt, den ich persönlich als Benachteiligung der Selbstständigen empfinde, da viele sicherlich bis (knapp vor) Geburt arbeiten, da es keinen Mutterschutz mit entsprechender Fortzahlung gibt, aber genau diese Einkünfte dann oft schon in den ersten LM des Kindes fallen 🤔. Das ist wirklich ärgerlich und man muss seine Rechnungen versuchen, klug zu stellen, um Abzüge zu vermeiden.

        • Vielen Dank schonmal vorab.:-)

          Zum Glück ist in meinem Fall telefonieren gar nicht nötig. Das wäre natürlich verständnlich gewesen, dass es nicht geht.

          >>Du solltest in jedem Fall beachten, dass alle Einkünfte während des Elterngeldbezugs angerechnet werden und dabei auch aufpassen, dass Aufträge, die du vor Geburt ausführst, die aber erst danach bezahlt werden, ebenfalls angerechnet werden, da nicht Rechnungsstellung, sondern Zufluss maßgebend ist<<

          Das mit dem Elterngeld wird sicherlich nochmal so eine Sache, wo wir uns beraten lassen müssen. Ich bin Selbstständig, mein Mann normaler Arbeitnehmer.
          Generell: Muss das Elterngeld auch versteuert werden? Heißt, am Ende des Kalenderjahres auf meine Einkünfte gerechnet werden?
          Schätze, wir werden uns da dann tatsächlich direkt beraten lassen um keine falschen Entscheidungen zu treffen.

          • Jein. Es wird insofern berücksichtigt als es dem Progressionsvorbehalt unterliegt.

            Dennoch finde ich den Aspekt, dass Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit während des Bezugszeitraums auf das Elterngeld angerechnet werden fast relevanter, da man gut überlegen sollte, welche Variante man wählt, wann man was abrechnet etc. Das kommt aber natürlich ganz auf die Art deiner Tätigkeit an und auf welche Höhe von Einkünften und welche Stundenzahl du gerne kommen würdest.

            Je nachdem, wie du versichert bist, könntest du dir auch durchrechnen, ob sich der Abschluss einer Krankentagegeldversicherung lohnen würde, die im Mutterschutz leistet bzw. den Wechsel in einen entsprechenden Tarif.

            Und ich würde vorsorgen für den Fall, dass eine Aufnahme deiner Tätigkeit nicht möglich ist, damit du ggf. Kunden schnell umleiten kannst, ohne sie ganz zu verlieren. Elternzeit und Kundenbindung ist m.E. etwas, wo man im Vorfeld schon einiges an Planung investieren sollte.

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