Mein Papa kann nicht mit Geld umgehen

    • (1) 22.09.18 - 13:03

      Hallo Zusammen,
      so langsam weiß ich nicht mehr weiter. Mein Vater hatte sich schon immer um die Finanzen meiner Eltern gekümmert und meine Mama ihn auch leider machen lassen.
      Da mein Vater nicht mit Geld umgehen kann, kamen im Laufe der Jahre immer mehr Schulden zusammen. Als ich noch bei meinen Eltern wohnte, war es noch nicht ganz so schlimm und ich habe davon auch nie wirklich was mitbekommen.

      Vor knapp 2 Jahren kam dann überhaupt erstmal Alles raus. Mein Mann und ich heirateten und 1 Tag vor der Hochzeit sagten uns meine Eltern, dass sie uns nichts schenken könnten, weil sie kein Geld mehr hatten.
      Mein Vater hatte 2 Monate vor unserer Hochzeit einen Kredit über 2000 € aufgenommen und uns das komplette Essen zu zahlen. Blöderweise hat er das gesamte Geld in den 2 Monaten ausgegeben....ich habe wirklich gedacht, ich spinne.

      Aber das war noch nicht Alles. Es wurden endlich mal alle Karten offengelegt. Meine Eltern hatten mittlerweile 4 Kredite mit einer Gesamtsumme von mehr als 60.000 €.
      Sie baten uns tatsächlich um Hilfe, dass wir uns um die Finanzen kümmern sollen.
      Die nächsten 1 1/2 Jahre liefen super. Wir stellten einen Plan auf, wieviel Geld sie im Monat für Haushalt etc zur Verfügung haben und haben es innerhalb 1 Jahres geschafft, den Dispo von -1500 € auf 0 zu bekommen und 500 € zu sparen.
      Desweiteren haben wir meinen Eltern 3000€ geliehen, damit sie einen Wucherkredit mit über 20% Zinsen loswerden.

      Irgendwie überkam meinen Dad dann aber das Gefühl, dass er sich wieder selbst drum kümmern will. Er meinte, er wüsste ja jetzt wie es geht. Naja Fakt ist, im 1. Monat waren wir wieder bei 500€ im Minus, im 2. sogar bei 800€.
      Es gab natürlich eine Menge Stress...plötzlich wollte er sich nicht mehr vorschreiben lassen, was er zu machen hat. Meine Mum redete immer wieder auf ihn ein, dass er uns das weitermachen lassen soll. In knapp 4 Jahren wären wir alle Schulden los.

      Jetzt ist vor 4 Wochen meine Mama plötzlich gestorben und wir sind am Boden zerstört. Noch dazu bin ich aktuell im 4. Monat schwanger.
      Ich habe wirklich gehofft, dass man Dad sich endlich mal zusammenreißt, aber nix.
      Jetzt hat er noch wesentlich weniger Geld als vorher, da meine Mum auch noch zusätzliche Rentenversicherungen hatte und es reicht vorne und hinten nicht. Statt mal Geld zu sparen, gibt er jetzt plötzlich 80€ für Lotto aus, 130 € Haushaltsgeld für sich allein usw. Wir haben die Rate schon gekürzt, die er an uns zurückzahlen muss, damit er mehr übrig hat, stattdessen gibt er es nur für Mist aus.

      Vorhin war er bei mir und ich versuchte ihm zu erklären, dass er sparen müsste, weil das Geld sonst hinten und vorne nicht reicht. Je nachdem wieviel Geld fehlt, muss er evtl sogar umziehen in eine kleinere Wohnung. Er ist aber wie immer einfach nur stur und direkt wieder abgezischt mit den Worten: Lass mich doch einfach machen, wenn ich am Ende nix mehr habe und im Ruin bin, kann es dir ja egal sein...

      Ja logisch...ich schau dabei zu, wie mein Vater kaputt geht...aber ehrlich gesagt, bin ich das Thema leid. Gerade auch durch die Schwangerschaft hab ich keine Lust, mir die Nerven kaputt zu machen.Er versteht nicht, dass wir ihm nur helfen wollen. Ich weiß aber einfach nicht was ich machen soll...klar kann mir Alles egal sein, aber ehrlich gesagt, hätte ich auch gerne noch meine 2000 € wieder, die er mir schuldet.
      Vielleicht hat einer von Euch eine Idee?!

      Danke schonmal und sorry für den langen Text.

      • Hallo

        Dein Vater scheint beratungsresistent.
        Manche müssen erst ganz tief fallen, um aufzuwachen.
        Ihr habt schon genug geholfen, anscheinend will er das alles nicht.
        Zieht euch erstmal zurück.

        Die 2000 Euro, die er dir schuldet, kannst du abschreiben. Das ist ein Tropfen gegen das was da abgeht. Und ich kann es nachvollziehen, wie sehr das einen ärgert.

        Wenn er so weitermacht, geht er in die Privatinsolvenz, dann wird sein Konto gepfändet und ihm verbleibt ein jämmerlicher Rest zum Leben. So geht das mit den Leuten, die mit Geld um sich werfen.

        Die Privatinsolvenz dauert x Jahre, bis man wieder Zugriff auf sein Einkommen hat.

        Was dich betrifft, wirst du jedenfalls nichts mehr erben und am Ende die Beerdingungskosten tragen, auch rund 3000 bis 5000 Euro.

        Entweder er gibt die Finanzen konsequent ab, oder er geht baden.

        Grundsätzlich: über 60 000 Euro an reinen Konsumschulden sind schon eine Nummer.

        Um das abzubauen, fehlt es deinem Vater offenbar am Willen. Und das wäre eine absolut notwendige Voraussetzung!

        Wie hoch ist sein Einkommen? Kann er seine Schulden denn absehbar überhaupt zurück zahlen?

        " Lass mich doch einfach machen, wenn ich am Ende nix mehr habe und im Ruin bin, kann es dir ja egal sein..."

        Tja, leider muss man sagen, dass er - bis vielleicht auf den letzten Teil mit dem egal - gar nicht einmal Unrecht hat. Zumindest so lange er die Nerven für Dinge wie Pfändungen etc hat. Zum reinen Überleben wird ihm immer genug übrig bleiben.

        Wenn er allerdings die Miete nicht mehr bezahlen sollte wird irgendwann die Kündigung erfolgen. Ist ihm das egal?

        Wenn du dein Geld zurück haben willst, dann möglichst schnell. Sein Kartenhaus wird zusammen brechen, wann auch immer.

        Eigentlich wäre eine Insolvenz für ihn ein Thema, es wird zwar gepfändet (wird bei ihm früher oder später allerdings sowieso der Fall sein), alte Schulden los, Neustart und fertig. Wenn er aber ständig zu viel ausgibt und neue Schulden macht ist das sinnlos.

        So lange er nicht einsichtig ist, kannst du leider nichts tun. Manche lernen es erst wenn sie mit der Nase nicht nur am Boden sind, sondern regelrecht mit der Nase den Boden pflügen.

        Und: kein Geld leihen, gar nix, niemals.

        Alles Gute

      • Lass jemanden von außen ran.

        1. Helfen ja, aber nur wenn er wirklich darum bittet!
        2. wenn er dann um Hilfe bittet: ihn zu einem Schuldnerberater und anderen Stellen begleiten.

        Ihr habt ihm gezeigt, wie es geht.
        Alleine schafft er es nicht.
        Innerhalb der Familie ist das auch oft mit Scham besetzt, Versagen oder so.

        Daher informiere dich, welche Stellen es bei euch in der Nähe gibt, welche Hilfsmöglichkeiten etc.
        um dann, wenn er wirklich darum bittet, zu wissen, was es gibt.


        Evtl. noch herausfinden, wie ihr Schadensbegrenzung betreiben könnt.
        Also so, dass er Freiheiten hat und die Möglichkeiten Schulden zu machen, sich nicht gegängelt fühlt... aber dennoch irgendwas, dass er zwar auf den Boden fallen kann (braucht man manchmal um aufzuwachen), aber dass der Boden nicht zu tief kommt.


        Mit Geld umgehen kann er ja nicht.
        Aber vielleicht gibt es Grenzen, die man mit seinem Einverständnis machen kann, damit es nicht zu tief runter geht.

        z.B. Kontoüberziehung nur bis Betrag x. nicht erst bei Betrag x.000

        Da würde ich mich aber auch von außen beraten lassen.
        Familienintern ist es oft unangenehm, Scham, Gefühl von versagen

        aber auch, falls noch was dahinter steckt.
        das theoretische Wissen habt ihr ihm vermittelt. Das Gespür für die Praxis, kommt oft von innen heraus oder mit erfahrener Begleitung, die familienintern oft nicht vermittelt werden können.

        So leid es mir tut aber dein Vater ist wohl mit einem Alkoholiker vergleichbar. Solange die sich nicht helfen lassen wollen und einsehen das sie ein Problem haben wird es nichts.
        Hier ist es wohl nicht anders. Vor allem war er ja offenbar schon immer so. MIr tut es leid das deine Mutter stark und das sie Zeit ihres Lebens kein schönes Leben sondern immer diese Geldsorgen hatte weil dein Vater sie mit reinzog.
        Dein Vater wird wohl weiterhin nicht einsehen das er ein PROBLEM hat. So gesehen wird er, wenn du nicht hilfst anderen vielleicht erzählen du läßt ihn im Stich. Doch das sollte dir egal sein. Ich rechne zumindest mit solchen Äußerungen.
        ABer wie auch immer du kannst ihm nur Hilfe anbieten, annehmen muss er sie selbst. Will er das nicht weil er sich bevormundet fühlt dann soll er auch selbst dafür gerade stehen. Möglicherweise wird er dann wach auch wenns dir weh tut hier zuzusehen.

        Ela

      • wenn er – ein Rentner (?) ohne Einkommen – 60.000 Euro Kreditschulden hat, er eher +/– null auf seinem Konto hat, welche Bank gibt ihm noch 2000 Euro Kredit, oder einen Dispo in Höhe von 2000,00?

        Er müsste dann umziehen in einer kleinere Wohnung sprich er hat kein Eigentum....wo die Banken Sicherheiten drauf haben, um damit die Kredite abzusichern?

        lisa

        Hallo Nicole,
        das lästige Thema kenne ich. Die eigenen Eltern werden auf einmal Mega anstrengend😫! Für mich habe ich inzwischen einen Weg gefunden damit umzugehen. Wenn es dich interessiert melde ich mich gerne nochmal über PN.
        Vg Elda

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