Thema Umschulung (lang)

    • (1) 03.02.19 - 09:54
      Liebergrau

      Hallo liebe Community!
      Ich habe eine Frage zum Thema Umschulungen. Wann und wie wird das vom Arbeitsamt unterstützt?

      Zum Verständnis muss ich leider etwas weiter ausholen und die ganze Geschichte erzählen: Es ist so, das es meinen Mann beruflich im Moment sehr schlecht geht! Er (34) hat ein abgeschlossenes Studium (Social Media Studies, Abschluss Bachelor of Arts) mit dem er leider nicht wirklich was anfangen kann. Er hat seit seinem Studienabschluss nicht in seinem Beruf gearbeitet, sondern sich seinen Lebensunterhalt in einem großen Konzern verdient (möchte den Namen nicht nennen!), die viele ungelernte Leute einstellen. Vor etwas mehr als drei Jahren hatte er in diesem Konzern die Chance, sich beruflich zu verändern, da sie jemanden fürs Büro gesucht haben. Voll motiviert hat er die Stelle angetreten, und es lief auch alles wirklich gut! 👍 Der Arbeitstag ist lang, schlecht bezahlt und er muss eigentlich ständig erreichbar sein, um den Leuten zu helfen. An sich hat mein Mann kein Problem damit, nur raubt es ihm mittlerweile den Schlaf und er wälzt nur noch Probleme und bringt viel Arbeit mit nach Hause!

      Letztes Jahr hat er dann aber einen neuen Vorgesetzten bekommen, und die Probleme nahmen ihren Lauf! Der junge Mann hat wenig Erfahrung mit Menschenführung und haut oft mit der Faust auf den Tisch, wo es gar nicht Not tut! Außerdem ist meinem Mann mittlerweile generell der Umgang der Konzernführung mit den Mitarbeitern echt zuwider (Leute werden genötigt Urlaub zu nehmen, obwohl sie krank sind/einen Arbeitsunfall hatten usw...). Er kann und will dieses Verheizen der Leute nicht mehr unterstützen und steht einfach nicht hinter der Art und Weise wie die Leute behandelt werden! Alles zusammen genommen: er will da unbedingt weg! Seit über einem Jahr schreibt er ständig Bewerbungen, bekommt aber nur Absagen. Er wird auch zu Bewerbungsgesprächen eingeladen, so ist es nicht! Nur heißt es dann immer sinngemäß "Sie sind ein prima Kerl, menschlich passt es sehr gut, aber leider haben Sie nicht die notwendigen Qualifikationen!"... Auf der Arbeit wird es derweil immer schlimmer für ihn, mittlerweile geht es schon in Richtung Mobbing von seinem Chef (und ich benutze diesen Begriff eigentlich nicht sehr gern, wird er doch mittlerweile recht inflationär benutzt!). Letzten Sommer hatte mein Mann seinen ersten psychischen Zusammenbruch und er war zwei Wochen krank geschrieben. So kenne ich ihn gar nicht, und er erkennt sich selber nicht mehr wieder! Es wurde danach auch etwas besser, er hat ein sehr offenes Gespräch mit seinem Chef geführt und scheinbar hat es gefruchtet. Scheinbar deswegen, weil sich mittlerweile rausgestellt hat, das sein Chef das gesamte Gespräch an die Führungsetage weiter gegeben hat, und sie meinen Mann daraufhin quasi abgeschrieben haben. Nun ja, das Jahr ging zu Ende und mein Mann hatte erstmal zwei Monate Elternzeit. Eine gute Zeit, in der er wieder mehr er selbst war! Seit er aber wieder da ist, wird es von Tag zu Tag immer mieser! Mein Mann schläft kaum noch, isst kaum noch, nimmt immer mehr ab, ist oft so gestresst das er nur am meckern ist und wir oft streiten. Kurzum: ich kann dabei zusehen, wie der Mensch den ich liebe verschwindet! 😔

      Jetzt will er die Reißleine ziehen und kündigen, da er einfach nicht mehr kann! Ich unterstütze ihn auch darin, denn ich denke es wird nicht besser werden! Er kündigt also, ohne einen neuen Job zu haben. Er möchte gerne eine Umschulung angehen, damit er auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen hat, denn wir können uns keine lange Arbeitslosigkeit leisten! Gerne möchte er im kaufmännischen Bereich bleiben, oder so etwas wie Fachinformatiker werden. Wie stehen da generell seine Chancen? Und vor allem: würde das Amt ihn theoretisch in einer Umschulung unterstützen, oder würden sie erstmal ne Weile versuchen, ihn so irgendwo unter zu bringen? 🤔 Er kündigt ja von sich aus eine feste Stelle, kann es da passieren, dass das Amt sagt Pech gehabt!? (von der Arbeitslosengeldsperre wissen wir). Ich weiß, dass uns vieles natürlich das Arbeitsamt selber erklären wird! Aber ich habe eben heute Nacht viel gegrübelt und dachte mir, ich versuche schon mal vorab ein paar Infos zu bekommen.

      Vielen Dank an alle, die es bis hierher geschafft haben zu lesen! 🙏 Vielleicht kann mir jemand was zu dem Thema erzählen!

      • (2) 03.02.19 - 11:19

        Was mich wundert ist, dass Dein Mann zum Vorstellungsgespräch geladen wird und er dann eine Absage wegen mangelnder Qualifikationen erhält. Die Qualifikationen stehen schon in der schriftlichen Bewerbung. Wenn sie nicht passen, dann wird der Bewerber nicht eingeladen.
        Ich würde jetzt überlegen, ob man ein Gespräch mit einem Coach trainiert, um sich besser zu verkaufen.

        Er hat einen Bereich studiert, in dem viele arbeiten wollen. Nur es gibt nicht so viele Stellen.
        Macht eine Liste, was kann Dein Mann gut und worin hat er Spaß. Dann welche Berufe gibt es dazu und wie kann man den Beruf erlernen? Wie finanziert man diese Umschulung? Willst Du ihn unterstützen, indem Du eher arbeiten gehst und das Kind betreuen lässt?
        Jeder Job hat auch seine Schattenseiten. Kommt er damit zurecht? Kann er sich anpassen?

        • (3) 03.02.19 - 14:34

          Danke für deine Antwort!
          Genau das fragen wir uns auch! Wieso wird er eingeladen, obwohl er augenscheinlich nicht die entsprechende Ausbildung/Qualifikation hat, und dann aus diesem Grund abgelehnt wird! Macht eigentlich keinen Sinn! 🤷‍♀️ Wie ich in der anderen Antwort auch geschrieben habe, derzeit sucht mein Mann nicht direkt eine Stelle in seinem studierten Bereich, da diese Stellen bei uns ziemlich rar gesät sind! Bisher hatten wir erst eine passende Stelle dieser Art, dort wurde er zwar eingeladen, dann aber auch nicht ausgewählt.

          Ein guter Freund von uns ist Kommunikationstrainer und macht entsprechende Schulungen. Er hat mit meinem Mann trainiert, wie man sich bei einem Vorstellungsgespräch geben sollte, und laut ihm klappt das so weit sehr gut!

          Deine Fragen möchte ich auch gerne beantworten! Wie finanziert man diese Umschulung? Ja, genau das ist ja meine Frage! Unterstützt einen das Arbeitsamt bei so etwas gar nicht? 😕
          Ich würde definitv eher wieder in meinen Beruf einsteigen, und das Kind betreuen lassen, wenn ihm damit geholfen ist!
          Mit den Schattenseiten der Berufe kommt er so weit zurecht. Er weiß ja, das nicht überall eitel Sonnenschein herrscht. Er hat ja jetzt auch nur langsam die Nase voll, da sein jetziger Arbeitgeber wirklich extreme Methoden an den Tag legt, und er das einfach nicht mehr vertreten kann und will! Wie gesagt, er arbeitet hart, ist oft 12 Stunden im Büro und zu Hause ständig erreichbar, bringt Arbeit mit nach Hause etc... Es ist nicht so, das er nicht stressresistent wäre, aber diese Zustände dort gehen ihm mittlerweile ziemlich an die Substanz! Geht im übrigen nicht nur ihm so, viele der Angestellten in den "niedrigeren" Positionen, bleiben nur wenige Monate dort, bevor sie das Weite suchen!

          • (4) 03.02.19 - 18:53

            Je länger das Studium her ist, desto schwieriger wird es in diesem Bereich Fuss zu fassen.
            Wenn er in dem Bereich arbeiten möchte, dann sollte er sich überall bewerben und umzugsbereit sein.
            Wenn er nicht umzugsbereit ist und es keinen Job in seinem Bereich gibt, sollte er sich fortbilden, umschulen, denn sonst wäre er immer eine ungelernte Kraft. Da müsste er aber wissen, als was er arbeiten möchte.

      Hallo!

      Mich wundert wirklich, dass dein Mann nichts findet, was seinem Studium entspricht. Mittlerweile hat jede größere Firma ein Social Media Team, dass auf Facebook und Twitter das Unternehmen repräsentiert, Beschwerdemanagement macht und Marketing. Da werden sicher auch Menschen mit einschlägigem Studium gesucht.

      Wenn er von der Arbeit krank wird, kann er sich das auch vom Arzt attestieren lassen und damit eine Arbeitslosengeldsperre umgehen. Insbesondere wenn er schon länger in psychiatrischer Behandlung ist. Das ist auch wichtig, mit Medikamenten erst mal in wieder stabilisieren. Wenn das nicht geht, könnte er auch nochmal Elternzeit nehmen, oder?

      Dann kommt er auch bei Vorstellungsgesprächen wieder besser an, im Moment kann es sein, dass er wie ein total inkompetenter Typ wirkt, der einfach aufgrund seiner psychischen Lage nicht in Frage kommt.

      • (6) 03.02.19 - 14:20

        Danke für deine Antwort!
        Ich muss vielleicht dazu sagen, das mein Mann sich nicht auf eine seinem Studium entsprechende Stelle bewirbt, da es hier bei uns auf dem Land kaum solche Stellen gibt! (Umziehen ist für ihn leider keine Option, das hatte ich auch schon angeregt, er ist da sehr stur!). Das ist ja auch der Grund, warum er bisher noch nicht in seinem studierten Bereich gearbeitet hat! Er hatte jetzt bisher nur ein Gespräch bei einer Firma die jemanden fürs Marketing suchten, aber sie haben sich halt für jemand anderen entschieden! 🤷‍♀️

        Er bewirbt sich auf Stellen in dem Metier, in dem er jetzt tätig ist. Zur Zeit ist er Personaldisponent, die werden zwar immer wieder gesucht, allerdings reicht seine bisherige Berufserfahrung von dreieinhalb Jahren anscheinend nicht aus, da alle Firmen immer einen ausgebildeten Kaufmann suchen! Ich verstehe ehrlich gesagt auch nicht mehr, wieso sie ihn dann überhaupt einladen! Sie wissen doch, das er diese Ausbildung nicht besitzt 🤔

        Mein Mann kommt nicht inkompetent rüber, das muss ich ganz klar verneinen! Außer mir und seinen beiden besten Freunden weiß auch niemand wie schlecht es ihm geht! Er ist wirklich extrem gut darin, seine Maske aufrecht zu erhalten! Und er bereitet sich auf jedes Vorstellungsgespräch intensiv vor, er geht also definitv nicht unvorbereitet hin. Er bekommt auch immer, wenn die Absage dann kommt, gesagt er wäre ein sehr sympatischer Mensch, der halt leider einfach nicht die nötigen Qualifikationen hat, und sie hätten keine Zeit ihn so intensiv einzuarbeiten! Dabei ist mein Mann ein Typ, der eine extrem gute Auffassungsgabe besitzt, und sich Dinge super schnell selber aneignen kann! In seiner jetzigen Position hat ihn auch keiner eingearbeitet, er hat sich alles selbst beigebracht! Es ist einfach eine Schande, das ihm niemand eine Chance gibt!

        • Es sind halt Positionen, für die er fehlqualifiziert ist - eigentlich zu gut qualifiziert, aber dummerweise wenig Erfahrung für das, wo er sich bewirbt. Und dabei zu unflexibel, um in seinem Bereich unterzukommen. Habt ihr schon mal geschaut, welche Städte er vielleicht mit der Bahn gut erreichen könnte? Manchmal kommt man da in einer Stunde Bahnfahrt 70km weit, und das geht ja noch von der Pendelzeit her.

          Oder er könnte noch versuchen einen Master zu machen, wenn Präsenzuni nicht geht, dann vielleicht eine Fernuni? Hagen ist sehr günstig, aber es gibt auch viele private Anbieter, die leider etwas teuer sind, aber er hätte da Chancen auf Aufstiegs-Bafög? Vielleicht was im BWL-Bereich, Richtung Marketing oder Personalmanagement ausgerichtet, damit dürfte er auch auf dem Land was finden. Das geht auch schneller als eine Umschulung in einem niedrigeren Bereich.

          Eine Umschulung heißt eben, dass er um Ausbildungsplätze konkurriert mit 18jährigen frisch aus dem Abi, und eigentlich wäre das auch eine total unlogische Entwicklung im Lebenslauf, erst studieren und dann noch eine Ausbildung in einem niedrigeren Bereich, da kommt ein Master oder ein Bachelor in einer anderen Richtung wesentlich besser. Wenn er sich später vorstellen würde, wäre sonst eben immer die Frage im Raum - erst lange studiert, dann nicht in dem Bereich gearbeitet, dann eine niedriger qualifizierte Ausbildung, das ist echt schwer zu vermitteln.

          Jetzt tue ich mir schon schwer bei Vorstellungsgesprächen, weil ich lange meinen Vater gepflegt hatte und deswegen ein paar Jahre nur rumjobben konnte. Schon das wird immer hinterfragt und muss erklärt werden. Dabei ist der Rest meines Lebenslaufs konsistent und kontinuierlich. Aber sowas wird eben immer hinterfragt, auch wenn es 10 Jahre her ist.

    Ich wüsste nicht, wo hier die Voraussetzungen für eine Umschulung vorliegen.
    Wenn er nach seinem Studium eine Ausbildung machen will, soll er sich einfach für einen Ausbildungsplatz bewerben.

    Leistungen vom Staat erhält er natürlich nicht.

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