Neuer Kollege ist schwierig..

    • (1) 12.02.19 - 12:55

      Hallo,

      vielleicht könnt ihr mir sagen, wie ich mit dem Problem umgehen soll?
      Ich habe einen neuen Kollegen. Er ist schwierig.

      Wann immer ich mit einem Kollegen Fachliches bespreche, steht er von seinem Schreibtisch auf, stellt sich dazu und kritisiert meine Arbeit/meine Aussagen. Er hat mit meiner Arbeit nichts zu tun. Er hat auch keine Ahnung davon und erzählt bei solchen Gelegenheiten fast ausschließlich Stuss - aber immer im Brustton der Überzeugung und mit dem Tenor: "Frau X hat keine Ahnung."
      Bisher habe ich immer sachlich und inhaltlich gekontert, aber das fällt mir zunehmend schwerer. Zuletzt habe ich nur noch gesagt: "Dich hat keiner gefragt!"
      Lerneffekt gleich null. Wenn ich ihn zurechtweise, ist er entweder eingeschnappt oder belächelt mich. Aber er macht so weiter.

      Er hat vor Kollegen einen Spruch gebracht, der auf mein Gewicht abzielte. Als ich ihn später darauf ansprach, begann er zu stottern und verließ fluchtartig den Raum.

      Er hat die Organisation einer Projektgruppe von einem anderen Kollegen übernommen. Ich war in der Gruppe. Seine erste Amtshandlung war, mich auszuladen. Als ich ihn fragte, warum, meinte er, derzeit ginge es um nichts, was für mich von Interesse wäre.
      Ein anderer Kollege hat ihn darauf angesprochen und gebeten, mich wieder einzuladen, weil ich die Infos haben müsste und intelligente Fragen stellen würde, die die Gruppe voranbringen. Herablassende Entgegnung: "Die brauchen wir nicht!"

      Zuletzt habe ich erfahren, dass er mir Informationen vorenthält. Ein Kollege hat ihm Infos für uns beide per Mail zukommen lassen und war sehr erstaunt, dass ich keine Ahnung vom Thema hatte: "Ich natürlich, er gibt die an dich weiter!" Pustekuchen.

      Das waren jetzt nur Beispiele. Herablassende oder aggressive Sprüche kommen bei jeder Gelegenheit, die er findet. Er stellt meine grundsätzliche Befähigung für den Job laut in Frage, macht sich über meinen Bildungswerdegang lustig, äußert sich abfällig über meinen früheren Job

      Wie gehe ich damit um? Eine Kollegin meinte, ich sollte direkt mit dem Chef sprechen. Unser gemeinsamer Chef ist allerdings dick mit ihm. Sie bringen ab und zu Sprüche über Frauen. Das ist vorgeblich witzig gemeint, aber es verunsichert mich.

      Rede ich mit dem Kollegen direkt nochmal? Er gibt mir in solchen Gesprächen immer das Gefühl, dass ich alles falsch verstehe und überempfindlich bin..

      Danke für eure Ansichten!

      • Das ist ja ein ganz feiner Herr...
        Selbst wenn du "alles falsch verstehst" ist es nun mal das was bei dir ankommt und muss aufhören. Ich würde mit ihm in Ruhe unter vier Augen sprechen und fragen was für ein Problem er mit dir hat und dass du dich an den Chef wenden wirst wenn das nicht aufhört. Ist es ein kleines oder großes Unternehmen? Gibt es noch einen Chef darüber oder einen Betriebsrat, Gleichstellungsbeauftragten oder jemand anderen an den du dich wenden könntest wenn es nicht aufhört? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass solche Typen nur aufhören wenn man kontert und ihnen die Plattform nimmt. Und das so schnell wie möglich den je mehr gestänkert wird, desto mehr leidet das Selbstbewusstsein obwohl man weiß dass an dem Gerede nix dran ist.

        Alles Gute für dich und zeig ihm wo der Hammer hängt 🤗

        • Es ist ein kleines mittelständisches Unternehmen mit ~350 Mitarbeitern.
          Wir haben keinen Betriebsrat und keine Gleichstellungsbeauftragte, niemanden, der sich um Probleme unter Kollegen kümmert. Das macht entweder der jeweilige Abteilungsleiter oder die Personalabteilung, wobei die gerne solche Gespräche erstmal zurück an die Mitarbeiter verweist.
          Es gibt darüber noch den Geschäftsführer, aber puh, da traue ich mich mit solchem "Kleinvieh" echt nicht hin.

          • (4) 12.02.19 - 16:18

            350 Mitarbeiter, keine Gleichstellung und keinen Betriebsrat?

            Dann würde ich vorschlagen, dass du die Gründung eines Betriebsrats voran treibst.

            • (5) 12.02.19 - 16:42

              Wie fange ich das an?
              Es gab vor einigen Jahren den Versuch. Bei der Stimmenabgabe lehnten 95% der Mitarbeiter die Wahl eines Betriebsrats ab.
              Heute könnte das natürlich anders aussehen...
              Blöde Frage: inwiefern könnte mir der Betriebsrat bei diesem Problem konkret weiterhelfen?

              • Hallo!

                Der Betriebsrat hat eine Vermittlungsfunktion zwischen Geschäftsleitung und Mitarbeitern. Wenn es Probleme gibt, dann kann man den Betriebsrat etwa als Zeugen zu Gesprächen einladen, und Betriebsräte werden dabei soweit von den Gewerkschaften in Arbeitsrecht geschult, dass sie sehr genau wissen, was geht und was nicht.


                Sie werden auch bei Einstellungen und Kündigungen gehört, und haben da ein gewisses Mitspracherecht - etwa wenn ein Azubi nicht übernommen wird, aber gleichzeitig jemand mit genau diesem Beruf extern gesucht wird, würde der Betriebsrat einschreiten.

                • Ich verstehe. Und Betriebsräte übernehmen auch vermittelnde Funktion bei Problemen unter Kollegen?
                  Genau das bräuchte ich jetzt.
                  Auf meinen Chef kann ich nicht zählen. Der ist leider tendenziell desinteressiert, was seine Mitarbeiter angeht.

                  • Ja, genau. Sie sind neutral bei dem Streit, haben aber in aller Regel gute Möglichkeiten, sich zu Mobbing fortzubilden bei der Gewerkschaft.

                    Nachdem ihr keinen Betriebsrat habt würde ich Dir dringend empfehlen, Gewerkschaftsmitglied zu werden und Dich zu erkundigen. Du brauchst die Gewerkschaft als Hilfe, außerdem bieten die auch kostenlosen Berufsrechtschutz, wenn es nötig werden sollte.

                    Chefs finden die Idee einem Betriebsrat Rede und Antwort zu stehen, oft nicht so toll, und wehren sich intensiv, also sei vorsichtig.

                    • Danke für den Tipp! Ich hab grad geschaut, die IG Metall, die zuständig wäre, bietet ihren Mitgliedern ja wirklich viel.. darauf bin ich gar nicht gekommen. Ist ein gutes Gefühl, nicht allein dazustehen.
                      Findest du denn auch, dass es Richtung Mobbing geht?

                      • (10) 12.02.19 - 20:54

                        Das ist für mich kein Mobbing.

                        (11) 13.02.19 - 10:00

                        Ja klar geht das Richtung Mobbing, schließlich sorgt er systematisch dafür, dass du dich nicht mehr wohl fühlst, bei deiner Arbeit behindert wirst, und offenbar sorgen die internen Strukturen in der Firma dafür, dass Dir auch keiner hilft - die Kollegen verweisen ihn auch kaum in die Schranken (wenn er sich in Gespräche drängelt, dann könnten sie ja auch was sagen etc.), der Vorgesetzte ist dicke mit ihm und macht mit, und du traust dich kaum, dich zu wehren.

                        Eigentlich sollte das auch die Geschäftsführung interessieren, denn schließlich geht Arbeitszeit und Energie dafür drauf, sich über den Kollegen zu ärgern, Du kannst das Projekt nicht weiter mit deinen Ideen unterstützen, und wenn dir Infos vorenthalten werden, kannst du ja auch nicht effizient arbeiten. Aber leider ist es viel bequemer, einfach wegzuschauen.

                        Aber es wäre wenigstens einen Versuch wert, den Weg über den obersten Chef zu gehen, insbesondere bei den Punkten, die deine Arbeit behindern.

      (12) 12.02.19 - 13:27

      Wenn er keinerlei Weisungsbefugnis für Dich hat, dann solltest Du ihn ganz, ganz schnell sehr direkt in seine Schranken verweisen.
      Dass, was Du hier als Beipsiele aufzählst, ist ekeliges Macho/Männergehabe, was schon an Mobbing grenzt und Dir über lange Sicht beruflich schaden wird, wenn Du nichts unternimmst. Und jedes Ignorieren macht es wohl nur noch schlimmer. Lass Dich nicht klein machen und in eine Ecke drängen! Sprich ihn jedes mal direkt darauf an, wenn er einen Spruch bringt.
      Wenn er sich ungefragt in ein Gespräch drängt, dann bitte Deinen Gesprächspartner, dass ihr euch einen Meetingraum sucht, in dem ihr unbgestört reden könnt und lass Deinen Kollegen einfach stehen. Gerne auch mit der Bemerkung, dass er sich nicht einmischen soll in Sachen, die ihn nichts angehen.
      Hier testet einer wohl, wie weit er gehen kann und jedes ignorieren, schönreden oder entschuldigende Harmoniesuchen mit diesem Kollegen wird ihn nur noch darin bestärken, dass er mit Dir machen kann, was er will.
      Versuche darüber hinaus bei allen Arbeiten, wo ihr zwingend zusammen arbeiten müsst, alles zu dokumentieren. Sichere Dich ab, mach Dir Notizen, damit Du im Zweifelsfall Beweise hast.
      Einfach zu Deinem Chef hinzugehen und Dich zu beschweren, wird Dich nicht weiter bringen ohne handfeste Beweise, erst Recht, wenn der Neue gut befreundet ist mit Deinem Chef.
      Ich kann Dir noch etwas Literatur empfehlen: Peter Modler "Das Arroganzprinzip" - manchmal etwas überspitzt, aber doch sehr einleuchtend und anschaulich erklärt, wie einige Männer im Beruf ticken und was Frau dagegen tun kann.

      • Danke für deine praktischen Tipps und deine Einschätzung! Ich war echt unsicher, wie ich dieses Verhalten bewerten soll, weil mir das so noch nie untergekommen ist.
        Nein, er hat mir gegenüber keinerlei Weisungsbefugnis. Unsere Arbeitsfelder haben auch nur entfernt miteinander zu tun.

        Ich werde ab jetzt alles dokumentieren - auch jeden Spruch.
        Er hat wohl generell ein Problem mit Frauen und noch mehr mit Frauen in "Männerberufen" wie seinem. Meine Kollegin spielt stilles Mäuschen und verschmilzt mit der Tapete. Sie lässt er meist in Ruhe.

        Das Buch bestelle ich mir. Wär ja gelacht, wenn der Typ mit seiner Nummer durchkommt!

    (14) 12.02.19 - 17:50

    ...hab ich seit neustem leider auch auf Arbeit.

    Ich habe sogar alles dokumentiert und bin jedes Mal damit zum Chef. Er hat kurz überlegt ihn während des Probehalbjahres zu kündigen. Leider hat er aufgrund erheblichen Personalmangels diesen Schritt nicht gewagt. Nun werde ich den mein ganzes Arbeitsleben an der Backe haben.

    Mittlerweile ignoriere ich den Menschen komplett und lasse jegliche Kommunikation über den nächst höheren Vorgesetzten laufen. Ist für die zwar mehr Aufwand, aber wenn man so jemanden behält müssen die halt durch. In meinem Fall eckt besagter Typ aber mit jeder Kollegin an.

    Personalrat kann auch nicht wirklich was machen, außer während des Probehalbjahres die Kündigung nahe legen. Aber danach ist der Zug abgefahren. Bei uns gibt es viele solcher Vorfälle. Leider hat man bei den Meisten die „Chance“ verpasst sie rechtzeitig gehen zu lassen und nachher jammern alle rum.

    Ich mag das Betriebsklima auch nicht mehr, aber leider wird man solche Menschen früher oder später immer wieder haben. 10 Jahre ging es gut und der Job hat Spaß gemacht. Nun haben wir leider solch ein Exemplar bekommen.

    • (15) 12.02.19 - 19:02

      Tut mir sehr leid für dich, dass du auch so einen Ätzer an den Hacken hast!
      Bei uns liegt es wohl auch am Personalmangel, dass sie ihn behalten, obwohl es von verschiedenen Seiten bereirs Beschwerden über ihn gab.
      Ja, das Arbeitsklima leidet darunter. Ich will mir gar nicht vorstellen, mit dem Typen noch jahrelang in einem Büro zu sitzen. Eher wechsel ich den Betrieb.

      • Hast du die Möglichkeit das Büro zu wechseln? Ansonsten kann ich mich dem was bereits gesagt wurde nur anschließen. Schade, dass so wenig auf ein gutes Betriebsklima geachtet wird. Da bin ich froh, dass es bei uns anders ist. Klar gibts auch mal Reibereien, aber so ein Verhalten würde bei uns nicht geduldet werden.

        • Eigentlich wird das familiäre Klima immer betont und ist der Geschäftsleitung auch wichtig. Aber irgendwie läuft es nur darauf hinaus, dass Konflikte totgeschwiegen werden und niemand die Leute, die sich daneben benehmen, mal auf den Pott setzt.

          Das Büro darf ich nicht wechseln. Hab ich auch gefragt. Erstens gebe es keinen Platz und zweitens seien wir eine Abteilung und müssten deswegen zusammensitzen.

          Ich erstelle jetzt ein Gedächtnisprotokoll und wende mich an... keine Ahnung. Die beste Anlaufstelle war bisher immer der Leiter einer benachbarten Abteilung, der sich ganz toll um seine Leute kümmert. Zu denen gehöre ich nur leider nicht, er hat sich aus reinem guten Willen um meine Belange gekümmert. Ansonsten wäre es wohl entweder mein Chef oder die Personalabteilung. Da sind meine Erwartungen gering.

          • Ganz ehrlich, wenn der direkte Chef nichts macht, würde ich zum Geschäftsführer gehen. Ich arbeite auch in einem ähnlichen großen Betrieb und kennt das Problem "Angst vorm GF" von Kollegen. Da kam auch oft, den kann ich doch nicht ansprechen. Warum nicht? Auch ein GF ist nur ein Mensch und sollte daran interessiert sein, dass der Laden läuft. Wenn die Arbeitsqualität unter der Art des Kollegen leidet, sollte das bekannt sein. Ich habe sehr viel mit unserem GF geklärt und auch mit dem Senior Chef der den Laden aufgebaut hat. Und keiner hat mir je den Kopf abgerissen 😉
            Gerade wenn der Kollege einen guten Draht zum direkten Chef hat, wird er umso erstaunter sein, wenn du zum "richtigen" Chef gehst

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