Einfach weiter arbeiten oder Beschäftigungsverbot möglich?

    • (1) 18.03.19 - 16:57

      Hallo,
      ich bin in der 8.SSW mit Zwillingen schwanger und hatte letztes Jahr eine Fehlgeburt. Mein FA meinte ich könnte alles wie bisher machen und auch ohne Einschränkungen weiter arbeiten. Ich arbeite mit psychisch kranken Eltern und verhaltensauffälligen Kindern (z.B. Wutausbrüche, ADHS, Entwicklungsstörungen) von 1-12 Jahren, mache Hausbesuche, unterstütze die Familien bei allem was anfällt: Haushalt/Einkäufe, Arztbesuche, kranke Kinder behandeln, Konflikte lösen, Krisengespräche führen, Kitagespräche etc.
      Ich bin seit 3 Wochen ständig müde, mir ist andauernd schlecht, ich bin extrem geruchsempfindlich, schlafe schlecht und kriege immer wenn ich lange unterwegs bin ein Ziehen im Bauch. Den Zwergen geht es gut aber ich habe große Angst, dass der ganze Stress zu einer erneuten Fehlgeburt führen kann. Eine Kollegin von mir hatte ein Beschäftigungsverbot aber mein FA scheint das nicht für nötig zu halten. Ich bin echt ratlos.
      Wie kann ich mich verhalten?

      Vielen Dank für eure Antworten

      • (2) 18.03.19 - 16:59

        Dein FA hat recht, er ist überhaupt nicht zuständig für deine Arbeitsbedingungen. Dein AG muss mit dir eine Gefährdungsbeurteilung ausfüllen und feststellen, ob du noch arbeiten kannst, ggf. wirst du ins Büro versetzt etc. Kann er das nicht, bekommst du vom AG ein BV und nicht vom Gyn.

        Weiß dein AG überhaupt von der Schwangerschaft?

        Er ist zuständig.

        • Mein direkter Vorgesetzter weiß es schon. Ein Gespräch mit dem Chef steht nächste Woche an. Deshalb wollte ich mich vorab informieren :-)

          Man liest ja überall was anderes... Auch von BV die von FÄ oder Hausärzten ausgestellt werden.

      Dein Arzt kann nur das BV aus medizinischen Gründen ausstellen. Wenn es um die Arbeit geht, muss Dein Chef (und oder der Betriebsarzt, wenn ihr einen habt) eine Gefährdungsbeurteilung schreiben und sehen, ob er Arbeitsbedingungen schaffen kann, die für Dich vertretbar sind, sodass Du weiter arbeiten kannst.

      Alles Gute Dir!!

      Lieber Gruß 💜
      Elli

      Deinem FA sind wirklich die Hände gebunden. Aber sprich unbedingt mit deinem AG. Vielleicht kann er dir einen anderen Arbeitsbereich zuteilen und wenn das nicht geht, ein BV geben.

      Dein Arzt kann dich wegen deiner Symptome höchstens krank schreiben leider...

      Ich hoffe natürlich, dass es dir einfach bald besser geht :)

      Alles Gute dir!! :)

    • Hallo,

      für ein BV ist in erster Linie der Ag zustänig. Sobald er von der Ss weiß muss er mi dir zusammen eine Gefährungsbeurteilung erstellen. In dieser wird festgelegt was du noch machen darfst und was nicht. Wenn dein Ag die einen Mutterschutzgrechten Arbbeitsplatz bieten kann, dann musst du weiter arebietn. Sollte er dir keinen mutterschutzgerechten Arbeitsplatz bieten können, dann muss er dir ein BV austellen.
      (siehe Mutterschutzgesetz: https://www.gesetze-im-internet.de/muschg_2018/)

      Ein Arzt darf nur ein BV ausstellen, wenn durch die Ausübung der Arbeiet die Gesundheit oder das Leben von Mutter und oder Kind auf dem Spiel steht. Frühe FG spielen dabei keine Rolle. Es geht nur um den Gesundheitszustand in der aktuellen Ss.

      LG Morgain mit Krümel (29+0) im Bauch

      • Vielen Dank für eure Antworten! :-)

        In der letzten SS hat mein AG eine solche Einschätzung nicht gemacht, nur gesagt ich soll auf mich aufpassen und sagen wenn mir was zu viel wird :-(
        In das nächste Gespräch gehe ich auf jeden Fall anders und spreche die Gefährdungseinschätzung an!

        • Mach das! Da eine deiner Kolleginnen auch ein BV hatte, ist ja die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du auch eins bekommst. Eine Bekannte arbeitete als Psychologin in einer Justizvollzugsanstalt, eine Freundin in einer Behindertenwerkstatt - beide haben sofort ein BV bekommen, weil das Verhalten der Patienten nicht vorhersehbar ist und auch gewalttätig sein kann.

          Aber: Alle die ich kenne, die ein BV hatten waren nach ein paar Wochen totunglücklich, ihnen ist die Decke auf den Kopf gefallen, es war öde, sie haben (dadurch?) überdurchschnittlich viel zugenommen,... Alle haben irgendwann ihren AG angefleht, wieder kommen zu dürfen und irgend welche unkritischen Aufgaben übernehmen zu dürfen. Es kann daher Sinn machen deinem AG gleich anzubieten, dass du z.B. Innendienst in Teilzeit machen möchtest, dass du ein Teil-BV gut fändest, etc.

          • (10) 18.03.19 - 19:53

            Das kann ich nur bestätigen. Ich hatte in der 1. Schwangerschaft ein BV und habe mich zu Tode gelangweilt.
            Jetzt hatte ich bis zur 29. Keines und danach ein TeilBV und das war echt gut so.

            Man bietet es dem AG nicht an, er MUSS diese Option (alternative Tätigkeiten) zuerst in Betracht ziehen, bevor er ein BV ausspricht!

            • Das stimmt. Die Erfahrung zeigt aber, dass viele AGs dann gerne ein volles BV aussprechen, weil es das für sie einfacher macht eine Vertretungskraft einzusetzen. Zudem gibt es auch viele Frauen, die sich über ein volles BV freuen und der AG daher denkt er tut damit einen Gefallen. Daher macht es ggf. Sinn explizit zu äußern, dass man gern weiter arbeiten würde.

        Hallo,

        dein Chef MUSS eine Gefährungsanalyse machen, das sagt das Gesetz. Wenn er sich weigert wende ich an die Aufsichtsbehörde, die leider von Bundesland zu Bundesland unterschiednlich (in NRW Gewerbeaufsichtsamt). Diese Behörde kann bei Weigerung oder nicht Einhaltung des Mutterschutz hohe Geldbusen verhängen.

        LG Morgain

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