BV-wenn man plötzlich weg ist

    • (1) 27.07.19 - 09:47

      Guten Morgen,

      Wir möchten ein zweites Baby. Nun habe ich erfahren, dass ich wohl bei einer zweiten Schwangerschaft vom Arbeitgeber direkt ins BV geschickt werde. Bei meiner ersten Schwangerschaft war das noch nicht so, da habe ich bis zum Schluss gearbeitet.
      Ich arbeite in einer JVA und selbst in die Verwaltung kommt man nicht ohne Gefangenenkontakt.

      Da ich Therapeutin bin und dementsprechend natürlich intensive Prozesse laufen stelle ich mir die Frage, wie ich das am besten gestalte. Ich möchte eine Ss erst nach 3 Monaten bekannt geben, ich habe also dann zumindest ein paar Wochen Zeit, meinen Schreibtisch in Ordnung zu bringen und Übergabeprotokolle zu schreiben.
      Aber mit meinen Klienten werde ich gar nicht oder nur noch kurz sprechen können. In der letzten Ss konnte ich meinen Weggang und auch eine Vertretung besser planen, das würde nun nicht mehr gehen.
      Bei uns sieht es auch personell schlecht aus, die Klienten würden erstmal niemanden haben.

      Gibt es hier Erfahrungen? Wie habt ihr euch gut verabschiedet? Habt ihr z. B. einen Brief geschrieben?
      Ich weiß natürlich, dass es so ist wie es ist, aber für die Klienten ist es schon richtig blöd, wenn die Therapeutin ohne Ersatz erbricht und dann noch so plötzlich.

      Lg

      • (2) 27.07.19 - 10:04

        Wann Du es sagst, ist natürlich Deine Entscheidung. Ich persönlich finde allerdings, dass es bestimmte Bereiche gibt, in denen es nicht möglich ist, sich über mehrere Wochen vor den tatsächlich risikobehafteten Tätigkeiten "zu drücken", indem man z.B. eine Kollegin einweiht und sie dann übernimmt, was die Schwangere nicht mehr tun sollte. Dein Bereich gehört aus meiner Sicht und anscheinend aus Sicht Deines AG dazu, sonst gäbe es ja kein sofortiges BV.

        Zu Deinem Problem mit der Übergabe und den Klienten, die nicht weiter betreut werden, gibt es vermutlich keine Lösung. Da geht es ja auch um persönliche Beziehungen und Vertrauen, selbst wenn Ersatzpersonal Gewehr bei Fuß stünde, gäbe es ja einen Bruch. Da musst Du einfach entscheiden, wer oder was Priorität hat.

        • (3) 27.07.19 - 10:54

          Danke für deine Antwort.
          Ich werde wohl meine Arbeit in den ersten 3 Monaten ganz normal weiter machen, eine Kollegin übernehmen lassen geht auch in meinem Fall gar nicht. Es schon vorher zu sagen ist für mich eigentlich auch keine Option (es sei denn ich muss aus gesundheitlichen Gründen), denn es gibt nichts schlimmeres für mich, als eine Fehlgeburt mit meinen Klienten besprechen zu müssen. Dem will ich mich nicht aussetzen. Ich weiß, dass auch später etwas passieren kann, aber die Wahrscheinlichkeit ist doch deutlich geringer.

          Lg

          • Ein volles Beschäftigungsverbot ist weder wünschenswert noch immer notwendig, auch wenn es in Foren immer so dargestellt wird. Zwischen normal arbeiten und komplett ausfallen, kann ganz individuell abgestuft werden.

              • Permanent? 100% der Zeit? Es gibt keinerlei Anpassungsmöglichkeiten, die den Gefangenkontakt auszuschalten und trotzdem nicht komplett auszufallen?

                Mir fehlt da manchmal die Fantasie. Es ist aber dennoch ihr gutes Recht darauf zu pochen, dass ein Komplettausfall vermieden wird.

          (8) 27.07.19 - 12:05

          Und eine Fehlgeburt zu erleiden, weil einer Deiner Klienten Dich angegriffen hat wäre weniger schlimm?

          • (9) 27.07.19 - 12:22

            Ich weiß schon was du meinst. Natürlich wäre es schlimm bzw die Konsequenzen für mich und auch andere wären weitaus dramatischer.
            Ich möchte es trotzdem nicht sofort sagen. So habe ich es auch in der letzten Schwangerschaft gemacht. Da habe ich es erst nach der Nackenfaltenmessung gesagt. Und den Gefangenen sogar noch später, weil man den Bauch auch erst spät gesehen hat.
            Wenn es nach mir ginge würde ich auch bis zum mutterschutz weiterarbeiten, aber das geht wohl dieses Mal nicht.
            Und für meine eigentliche Frage ist der Zeitpunkt ja auch unerheblich.

        Wieso solltest du eine Fehlgeburt mit deinen Klienten besprechen müssen?

        • Naja, zumindest würden sie das bei mir ansprechen.
          Wenn ich plötzlich weg bin wegen Schwangerschaft und dann wieder da bin ist die Sache ja klar. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass Personal Sachen in unserem Haus nicht geheim bleiben, die Gefangenen wissen alles relativ schnell.

          • >>>Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass Personal Sachen in unserem Haus nicht geheim bleiben,<<<

            Dann ist an dieser Stelle wohl der Hund begraben.
            Wobei ich mir nicht so recht vorstellen kann, wie in einer JVA der Flurfunk funktionieren sollte.

            Wenn der Fall einträte (ist ja nur hypothetisch), wärst du als Therapeutin doch sicher in der Lage, das mit wenigen Worten abzuhandeln.

            • Naja so wie überall denke ich. Bedienstete unterhalten sich laut im Dienstzimmer, die Gefangenen stehen direkt davor mit großen Ohren z. B.
              Und die Gefangenen sind ja nicht blöd.

              Natürlich kann man so ein Gespräch abbiegen, nur weiß ich aus Erfahrung, dass man nach so einer Fehlgeburt nicht unbedingt emotional auf der Höhe ist und wenn dir dann ein Klient mit hohem PsychopathieScore gegenüber sitzt, ist das anstrengend.
              Viele Klienten haben da Spaß dran und in dem Fall möchte ich das nicht auf meine Kosten. Auch Therapeuten sind Menschen mit eigenen Gefühlen.

              • >>>Naja so wie überall denke ich.<<<

                Ganz sicher nicht. Dass es das gibt, weiß ich.
                Das ist für mich aber ein Zeichen, dass ein "Laden" nicht gut geführt wird.
                Personalangelegenheiten haben den Raum nicht zu verlassen, in dem sie bearbeitet werden.

                >>>Natürlich kann man so ein Gespräch abbiegen<<<

                Ich schrieb nichts von "abbiegen", du wirst dich doch wohl positionieren können.

(16) 27.07.19 - 14:33

Hey du.
Arbeite auch im Vollzug, allerdings im aVd. Was genau bist du denn für eine Therapeutin? Physio? Psycho?
"Ich arbeite in einer JVA und selbst in die Verwaltung kommt man nicht ohne Gefangenenkontakt."
Wie ist denn eure Verwaltung konzipiert? Bei uns sind 0,0 Gefangene in der Verwaltung. Wieso auch? Viel zu sensible Daten etc pp.
Bei uns läuft es wohl so ab, dass schwangere Kolleginnen besonders in die Verwaltung" versetzt" werden, eben damit sie keinen Gefangenkontakt mehr haben.
Übergriffe sind total selten. Da gibt es Statistiken drüber. Klar, hört man in den Medien dann mal was, aber Usus ist es deffinitiv nicht. Und ich gehe mal davon aus, dass "bestimmte" Gefangene eh nicht ohne aVd bei dir sind :). Wenn, dann gibt es immer mal "verbale" Übergriffe. Ich denke damit kommst du gut zurecht, wenn du dort Therapeutin bist.
Ich verstehe deinen Wunsch und würde es so machen an deiner Stelle. Der Gefangenenkontakt ist ja begrenzt und hochagressive würdest du eh nicht allein zu dir gesetzt bekommen.
Wieso wird es denn keine Vertretung für dich geben für BV, Mutterschutz und EZ? In welchem BL bist du tätig?
Liebe Grüße und eine baldige intakte SS.

  • Ich habe dir für details eine Pn geschickt.
    Bei uns gibt es tatsächlich keinen Ort ohne jeglichen Gefangenenkontakt, auch nicht die Verwaltung.
    Wir sind personell schlecht aufgestellt, so dass mit meinem Fehlen erstmal niemand meine Klienten übernehmen kann.

Da du ja nicht giftigen Stoffen oder körperlich schwerer Arbeit ausgesetzt bist und es "nur" um den Gefangenenkontakt geht, gibt es bestimmt Möglichkeiten die Übergabe gut zu regeln.
Ich musste wegen eines Ringelröteln- Falles in meiner ersten Schwangerschaft von heute auf morgen für 5 Wochen ins BV - bin Lehrerin. Es war eine Katastrophe für mich. Ich war in den ersten 2 Wochen fast täglich nachmittags in der Schule, als die Kinder weg waren und hab mit den Kollegen gesprochen und Dinge vorbereitet. Die nächsten 3 Wochen reichten Telefonate.

Nur weil du ins BV geschickt wirst, hast du ja kein Kontaktverbot. Vieles lässt sich doch sicher telefonisch oder schriftlich mit den Kollegen klären... Ob du die ersten 3 Monate auf eigene Gefahr arbeitest, bleibt dir überlassen. Ich hab es in meiner zweiten Schwangerschaft auch getan - aber aggressive und kranke Kinder sind ja nochmal eine andere Sache...

(19) 28.07.19 - 00:35

Seltsamer Thread 🤔

  • (20) 28.07.19 - 00:47

    Ja, irgendwie eiert die TE nur rum.
    Und WAS für eine Therapeutin sie ist, mag sie auch nicht beantworten.

    • Ich sehe nicht, wo ich rumeiere?
      Ich habe einfach eine Frage gestellt, wie andere das mit ihren Klienten gelöst haben, wenn sie von heute auf morgen weg sind. Es beschäftigt mich eben. Ich bin übrigens Psychotherapeutin.
      Es geht mir nicht um die Frage, wann ich sage, dass ich schwanger bin oder ob ich ein BV kriege oder nicht.

      • (22) 28.07.19 - 10:55

        Naja, im Grunde ist der Zeitpunkt, an dem Du Deine Schwangerschaft mitteilst, völlig hupe. Ob nun in der 5. oder 13. SSW. Also für Deinen Arbeitgeber und Deine Klienten. Ich würde an Deiner Stelle schon jetzt anfangen, alles so zu dokumentieren und vorzubereiten, dass eine Übergabe möglichst verlustfrei gewährleistet ist. Im schlimmsten Fall machst Du Dir damit ein paar Monate unnötige Arbeit (wobei ich eh davon ausgehe, dass Du jeden Pups dokumentieren musst), im besten Fall kannst Du jederzeit und auch schon vor Ablauf der ersten 12 SSW übergeben. Vielleicht wird es ja notwendig, auch wenn man das niemandem wünscht.

(23) 28.07.19 - 01:24

Was findest du seltsam?

(25) 28.07.19 - 14:49

Ich arbeite zwar in einem etwas anderem Bereich, aber auch bei mir gibt es permanent persönliche Gespräche und entsprechende Prozesse. Zudem spielt natürlich auch die Beziehungsebene eine große Rolle.
Die Frage ist, wie du dokumentierst und ob ggf. eine dritte Person - deine Vertretung - Zugriff auf deine Dokumentation haben darf.
Bei uns läuft es so, dass ich eine Vertretung habe, die auch meine Urlaubszeit oder Kranktage auffangen soll. Auch was die Schweigepflicht angeht, so ist bei uns sichergestellt, dass diese Person Zugriff haben darf. Jedoch ist die Vertretung bei uns kein Problem, es gibt das entsprechende Personal, wobei die Intensität der Gespräche während meiner Abwesenheit immer abnimmt, hat die Vertretung doch auch noch andere Klienten und natürlich ist nicht sofort eine produktive Vertrauensebene da.

Ich versuche immer, meine Dokumentation, die eignentlich nur im Falle einer externen Prüfung überhaupt von jemanden anderen gelesen wird, so anzulegen, dass eine dritte Person möglichst bruchlos einsteigen kann, falls ich ausfalle. Zudem bespreche ich gerne noch, ggf. auch telefonisch, die einzelnen Klienten. Manches lässt sich im Gespräch besser klären. Allerdings gibt es bei dir diese Vertretung ja nicht unbedingt, wenn ich dich richtig verstanden habe.

Was den Umgang mit deinen Klienten angeht, so finde ich die Idee mit dem Brief gut, sofern du kein persönliches letztes Gespräch führen kannst. Plötzlich ins Nichts zu verschwinden wäre auch nicht mein Weg und der ein oder andere Klient dürfte dadurch ziemlich enttäuscht sein.

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