Lehrerberuf empfehlenswert?

    • (1) 07.08.19 - 16:22

      Huhu,

      ich habe eine gute medizinische Ausbildung und arbeite eigenverantwortlich in einer Arztpraxis (derzeit in Elternzeit).

      Ich habe Abitur gemacht aber niemals studiert und überlege, mich mittels Studium nochmal umzuorientieren wenn die Kids größer sind. Ich bin erst 29.

      Nachteil meines jetzigen Berufes ist die fehlende Vereinbarkeit mit der Familie. Es gibt kaum Stellen, ich muss knapp 1 Stunde fahre (einfacher Weg), muss oft bis 18 Uhr arbeiten weil nachmittags einfach die größte Nachfrage ist und kindkrank/selber krank melden ist sehr umständlich, da es keine Vertretung gibt und mein ganzer Tag abgesagt werden müsste. Ich habe noch mind. 35 Berufsjahre vor mir und überlege, nochmal was Neues zu wagen.

      Ich komme aus einer Lehrerfamilie, fand die Vorstellung schon immer interessant und verlockend. Aber die letzten Jahre hat sich so viel verändert und ich habe großen Respekt vor der Belastung des Lehrerberufs. So viele Lehrer bekommen Burn Out. Ich habe etwas Angst, vom „Regen in die Traufe“ zu kommen.

      Daher ein paar Fragen, die ich mir stelle.

      - Studium mit 2 Kindern - überhaupt zu schaffen? Sie sind nächstes Jahr beide betreut (Kita) mein Mann ist dann im neuen Job und meist nachmittags ab 15 Uhr zuhause. Aber ist die Belastung eh zu groß?
      - Man ist so von der Schulbehörde abhängig, und weiß nicht, wo man landet. Das ist schwer vorzustellen für mich. Wie war das bei euch?
      - Wie sieht der Alltag aus, ist das vereinbar mit 2 Kindern?
      - kann ich mir die Stundenzahl aussuchen oder kann ich wenn ich Pech habe mit der maximalen Stundenzahl irgendwo landen ohne Mitspracherecht? Ich kann mir mit zwei kleinen Kindern keine Vollzeitstelle vorstellen.
      - Kann man heutzutage nur noch Lehrer sein als eigene Berufung? Das habe ich schon oft gehört, dass man den Beruf einfach lieben muss um ihn machen zu können. Ich weiß ja noch gar nicht, wie sich Lehrersein anfühlt für mich. 😉

      Das waren die wichtigsten Dinge. Eventuell ergänze ich noch. Ich würde mich sehr über paar Antworten freuen.

      • (2) 07.08.19 - 16:38

        - Wenn du Vollzeit studierst, brauchst du im Idealfall knapp 6,5-7 Jahre bis du das Referendariat fertig hast. Vollzeit studieren kannst du im Endeffekt mit Vollzeit arbeiten gleich setzen. Dein Mann muss dich dann mehr unterstützen, z.B. geht er dann in Teilzeit. Studierst du in Teilzeit, weil du z.B. noch weiter arbeitest, kannst du mit 8-10 Jahren für das Studium rechnen.

        - Ich konnte mich direkt an meiner Schule bewerben, aber das kommt auf das Bundesland an.

        - Natürlich ist der Alltag vereinbar mit 2 Kindern, wie bei jedem anderen Job. Man muss sich halt organisieren und umstellen. Stell dir allerdings nicht vor, dass du jeden Tag um 11 Uhr zuhause bist. Es gibt immer mehr Ganztagsschulen, da kann es auch sein, dass du an drei Tagen die Woche erst um 16:30 Zuhause bist und dann noch zu arbeiten hast.

        - Stundenzahl kann man sich, zumindest wenn es aus familienpolitischen Gründen ist, faktisch aussuchen. Du kannst aber nicht davon ausgehen, dass dein Stundenplan zu 100% deinen Vorstellungen entspricht, sondern es kann dann halt sein, dass du nur noch an zwei statt an drei Tagen bis 16.30 hast. Das Problem mit "Vollzeit bei kleinen Kindern" hast du dann aber sowieso nicht mehr, weil deine Kinder dann sowieso schon Jugendliche sind.

        • (3) 07.08.19 - 17:08

          Danke für die Antwort.

          Genau, das es mind. 6 Jahre dauert, hatte ich auch schon recherchiert. Mir war klar, dass ich das nicht nach 3 Jahren in der Tasche habe wie eine Berufsausbildung. Aber ob ich den Stoff stemmen kann, frage ich mich schon. Da habe ich echt Respekt vor.

          Ansonsten danke für den Input, das hilft mir schon.

      (4) 07.08.19 - 16:57

      Ich komme ebenfalls aus einer Lehrerfamilie. Mein Opa war Realschullehrer, mein Vater Berufsschullehrer und meine Mutter hat in der Erwachsenenbildung unterrichtet.

      Ich würde mir erstmal überlegen, welcher Bereich in Frage kommt. Grundschullehramt ist ein deutlich kürzeres Studium als die anderen.
      Es kommt auch sehr auf Deine Persönlichkeit an. Als "verhuschtes Mäuschen" wirst Du in dem Job nicht viel Freude haben.
      Es ist wichtig, dass man sich Respekt verschaffen kann, Durchsetzungsstärke steht an oberster Stelle.
      Sonst tanzen Dir selbst Grundschulkinder auf der Nase rum, von älteren Schülern mal abgesehen.

      • Ach so, und vergiss nicht, Du musst in Deiner "Freizeit" Unterricht vorbereiten, Elternabende organisieren und abhalten, es gibt Elternsprechtage und ab und an eine Fahrt ins Schullandheim.

        (6) 07.08.19 - 17:05

        Danke für deine Antwort.
        Wenn, dann würde Grundschullehramt in frage kommen.

        Da ich in meinem derzeitigen Job auch mit Kindern aller Altersklassen arbeite und zwar so, dass ich verschiedene Untersuchungen machen muss (ich MUSS einen Befund haben, sonst kann ich nicht behandeln), kann ich denke ich schon behaupten, dass ich mich durchsetzen kann und mir bisher kein Kind auf der Nase rumgetanzt ist.

        Trotzdem ein guter Einwand, das werde ich nochmal genauer reflektieren.

(11) 07.08.19 - 17:30

Einige Fragen kann man nur beantworten, wenn man weiß, aus welchem Bundesland du kommst. In NRW bewirbst du dich direkt bei den Schulen und kannst mit zwei Kindern auch nicht gegen deinen Willen ganz weit weg versetzt werden. Für die Grundschule werden auch gerade viele Lehrer gesucht. Es gibt Statistiken, die den Bedarf für bestimmte Schulformen in den nächsten Jahren ermitteln. Schau doch mal für dein Bundesland, wie es da aussieht.
Da du deine Stundenzahl selbst festlegen kannst, lässt sich der Beruf gut mit Familie kombinieren. Allerdings gibt es eben keine "geregelten" Arbeitszeiten, wie oben schon beschrieben wurde.
Kind-Krank und selber krank melden finde ich aber auch immer schwierig. Kann nicht einschätzen, wie das im Grundschul-Bereich ist, aber am Gymnasium steht fast immer etwas Wichtiges an (Klassenarbeiten, Abiturvorbereitung), so dass man oft das Gefühl hat, jetzt gerade nicht ausfallen zu dürfen.
Ich wünsche dir alles Gute für deine Entscheidung.

Für mich ist Grundschullehrer (m)ein Traumberuf! Und zwar nicht wegen der Arbeitszeiten, sondern wegen der Vielseitigkeit.
Ich würde dir unbedingt empfehlen vorher noch ein Praktikum zu machen, wenigstens ein paar Tage reinschnuppern, damit du überprüfen kannst, ob deine Vorstellungen realistisch sind. Seit der eigenen Schulzeit hat sich viel verändert.

Zu deinen Fragen:
- Das Studium ist machbar. Mit 2 Kindern wird es dennoch sicher nicht leicht. Informiere dich auch dort gut, wie lange es in deinem BL ist. Ich habe nur 3,5 Jahre studiert + 2 Jahre Referendariat. Das gibt es heute so nicht mehr...
- Abhängig ist man schon vom Schulamt o.
ä. aber bei 2 Kindern + Mann (+ Haus) wird schon gut Rücksicht genommen. Dennoch kann es schon mal sein, dass man "verplant" wird. Ich wurde schon mehrmals abgeordnet (bis zu + 30 Min. Fahrtweg) aber mich hat es nie gestört, ich lerne gern andere Schulen kennen... Insgesamt ist das Risiko nicht so groß, kommt aber sicher auchvauf die Gegend an.
- Stundenzahl muss man beantragen und muss genehmigt werden. Aber wenn du nicht gerade nur 12 Stunden gehen willst, wird es wahrscheinlich klappen - ist aber auch ortsabhängig. Wenn die Zahl einmal steht, kann sie dir mMn niemand verwehren...
- Arbeitszeit hängt von der Stundenzahl ab. Ich arbeite 27 Stunden, also voll. D.h. meistens von 7.30 - 13.30 Uhr (minus 3h verteilt auf die Woche). Ich bleibe meist bis 15 Uhr in der Schule zur Vor- und Nachbereitung. Gelegentlich abends noch 1-3 Stunden Vorbereitung u.ä. Das ist der einfache und sehr familienfreundliche Teil des Jobs. Schwierig wird es mit Projekten, Festen, Dienstberatungen und Konferenzen nachmittags. Wir müssen da immer ziemlich rudern, um eine Betreuung zu finden, aber das scheint ja bei euch machbar mit den Arbeitszeiten deines Mannes. Die Ferien sind natürlich toll aber nicht so "frei" und selbstbestimmt, wie viele glauben.

Fazit: Man muss es schon wollen. Es gibt Vorteile und Nachteile wie in jedem Job. Ein Studium mit 2 Kindern ist sicher in keinem Bereich leicht. Ich kann dir nur nochmals zu einem Praktikum in deinem BL raten, wo du vieles konkreter erfragen kannst als hier. Und ich denke, du erkennst dort in wenigen Tagen, ob es etwas für dich ist...

  • Vielen Dank! Der Gedanke an ein Praktikum kam mir auch beim Schreiben des Textes oben. 😉

    Das werde ich mal für nächstes Jahr planen wenn die Kleine in die Kita kommt (habe einige Monate für die Eingewöhnung eingeplant bevor ich wieder anfange. Da kann ich bestimmt mal 1-2 Wochen schnuppern)

    Alles Gute für dich! ☀️

    • (14) 07.08.19 - 19:26

      Ja, meine Tochter hat im Frühjahr an einer Grundschule ein Praktikum gemacht. Seitdem kommt der Beruf für sie nicht mehr in Frage.
      Ähnlich ging es einer Bekannten von uns.

      (15) 07.08.19 - 20:02

      Einige MONATE für die Eingewöhnung? Die Eingewöhnung in der Kita dauert 1-3 Wochen. Was willst du denn da mehrere Monate machen?

      (16) 07.08.19 - 20:03

      Einige MONATE für die Eingewöhnung? Die Eingewöhnung in der Kita dauert 1-3 Wochen. Was willst du denn da mehrere Monate machen?

      • (17) 07.08.19 - 21:15

        Das kann ja zum Glück jeder selber entscheiden. 😉 mir wurde geraten, mindestens 6 Wochen einzuplanen, gerade Krippenkinder werden in der Anfangszeit oft krank und werden zurück geworfen in der Eingewöhnung.
        Außerdem eröffnet unsere Kita erst nächstes Jahr im Sommer....noch ist fraglich, wann genau und ob das Datum auch gehalten werden kann (wird noch gebaut), das kann sich also bis weit in den Herbst verschieben.
        Zum Dezember werde ich ganz sicher nicht einsteigen, da ist eh immer so viel los, somit habe ich lieber einen glatten Einstieg zum neuen Jahr.
        Wenn alles bestens läuft, bin ich halt „zur Not“ noch 1-2 Monate zuhause und kann mich in Ruhe auf den Wiedereinstieg vorbereiten. Wenn es schlecht läuft, habe ich keinen Stress und keine Probleme und genug Zeit eingeplant.

        Aber darum geht es hier ja gar nicht.

        • (18) 07.08.19 - 21:31

          Bei meinem Sohn hat die Eingewöhnung übrigens 4 Wochen gedauert. Eingeplant waren genau 4 Wochen, das war echt knapp.

          Ein anderes Kind in der Gruppe hat fast 12 Wochen gebraucht bis er ohne Tränen da bleiben konnte mit immer neuen Anläufen.

          Ein Cousin hat die Eingewöhnung super gemacht aber wurde zwei Mal krank und das auch immer mind. 1 Woche, sodass die Eingewöhnung auch knapp 6 Wochen gedauert hat.

          Lieber zu viel als zu wenig Zeit einplanen, wird eigentlich immer von allen Seiten so empfohlen.

In welchem Bundesland lebst du?

Es gibt noch andere Jobs an Schulen.

Was denn? Hausmeister oder Schulsekretärin?

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