Pflegegeld bei ADHS?

    • (1) 27.08.19 - 18:56

      Hallo,

      vorhin habe ich mich mit ein paar Müttern unterhalten. Es ging hauptsächlich um ADHS. Die Söhne der anderen Mütter haben ADHS und sie sagten, dass die Kinder einen Pflegegrad haben und sie Pflegegeld bekommen. Ist das tatsächlich so? Mein ältester Sohn hat ebenfalls ADHS, aber ganz ehrlich, ich wüsste nicht, für was man da Pflegegeld bräuchte. Man pflegt doch gar nicht. Oder haben mir die beiden Frauen einen Bären aufgebunden? Bevor jetzt kritische Stimmen kommen, nein, ich habe nicht vor Pflegegeld zu beantragen 😜. Ich frage aus reiner Neugier.

      LG
      Michaela

      • Ja man kann einen pflegegrad beantragen und der mdk entscheidet dann inwieweit das zutrifft.

        Pflegegeld kann zb auch zur kostenabdeckung bei Betreuung hilfreich sein. Es kommt halt immer drauf an wie aufwendig/eingeschränkt diese Person ist

        (3) 27.08.19 - 20:06

        Bei ADHS weiß ich jetzt auch kein Beispiel.

        Meine Schwiegertante hat Pflegegrad 1 bekommen. Damit hat sie im Monat bis zu 125 Euro zur Verfügung, die sie für Hilfsmittel etc. ausgeben kann. Sie bezahlt davon eine Haushaltshilfe. Das Geld wird allerdings nicht direkt an sie ausbezahlt. Es müssen erstmal Rechnungen eingereicht werden, dann gibt es eine Erstattung.

        Hallo.

        Das ist ja interessant. Davon habe ich bisher auch noch nix gehört. Hab grade mal dahingehend etwas gegoogelt. Scheinbar ist das tatsächlich möglich, wobei bei den betroffenen Kindern wohl schon größere Baustellen vorliegen müssen, wie mir scheint.

        Mein Sohn hat ADS. Außer Konzentrationsproblemen kommt er (und damit auch wir) ganz gut zurecht. Aber wegen der mangelnden Konzentration braucht er Mathenachhilfe, die echt ins Geld geht. Das ist das einzige, was mir einfällt, was da evtl. drunterfallen könnte. Allerdings kann ich mir kaum vorstellen, dass diese Kosten übernommen werden würden (zumindest anteilig). #zitter

        • Ich habe jetzt auch mal gegoogelt. Hier ist es auch die Mathenachhilfe, die monatlich mit 75,- ins Geld geht. Auch wegen der Konzentration. Den Stoff versteht er problemlos. Da er mittlerweile schon in der 11. Klasse ist, kann ich ihm da nicht mehr helfen. Blicke ich zurück, hat uns die Konzentrationsschwäche schon viel Zeit und Nerven gekostet. Soweit habe ich gar nicht gedacht.

      (6) 27.08.19 - 20:29

      ADHS ist nur eine Diagnose. Das sagt gar nichts darüber aus, wie stark das Kind wirklich betroffen ist.

      Es ist ungefähr so, als ob du fragst, ob jeder Brillenträger Anspruch auf Blindengeld hat. Es kommt tatsächlich immer auf die Ausprägung an. Bei der Begutachtung auf den Pflegegrad wird geprüft ob die Person bestimmte Tätigkeiten selbstständig, größtenteils selbstständig/mit ständiger Aufsicht/durch Anleitung, größtenteils unselbstständig oder gar nicht ausführen kann. Außerdem fließen Arztbesuche/Therapeutenbesuche oder Hilfsmittel und Medikamente ebenso mit ein.

      Nach meinem Verständnis der Pflegegrade würde ich es aber so einschätzen:
      Da ein ADHS-Kind zwangsweise seelisch behindert ist, gibt es garantiert Punkte in den Modulen 2/3 (gewertet wird das Modul mit den meisten Punkten). Wenn jetzt noch Medikamente oder Therapien/Arztbesuche dazukommen, was ja üblich ist, dann gibt es Punkte im Modul 5. Ich kenne gar kein Kind, welches in den Modulen 2/3 Punkte hat und dann im Modul 6 nicht. Letztendlich sollte also mindestens der PG1 drin sein, eher jedoch PG2.
      Ohne ADHS-typische Auffälligkeiten gäbe es keine ADHS-Diagnose. Der PG ist also schon gerechtfertigt.

      • Ich bin der Überzeugung, dass es viel auf das Bundesland ankommt.

        Meine Tochter hat Dyskalkulie und leidet sehr darunter. Wir sind bis vors Gericht gezogen, um eine spezielle Lerntherapie für sie zu erhalten (bzw. die hohen Kosten dafür erstattet zu bekommen). FEHLANZEIGE! Vor Gericht haben wir gnadenlos verloren.
        Und weißt du warum? Weil das Kind noch viel zu wenig leidet!!!!! (lt. Ansicht des Jugendamtes und des Gerichtes)

        Wir hätten VIELLEICHT eine Chance gehabt, wenn wir nicht wahrheitsgetreu ausgesagt hätten, dass unsere Tochter eine gute Freundin hat, mit der sie sich ab und an treffen kann. Zudem verweigert sie die Schule nicht, hat keine Selbstmordgedanken und ist nicht hochgradig depressiv. Ergo: Das Kind leidet nicht! :-[

        In anderen Bundesländern wird in solch Angelegenheiten kein großer Aufriss gemacht. Es werden Lerntherapien übernommen und auch die Gerichte urteilen anders.

        Drum kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich auch nur einen Cent der 140 Euro/Monat für die Nachhilfe erhalten würde. #rofl

        • Muss mich korrigieren. Es sind 160 Euro....#hicks

          Was hat jetzt der Pflegegrad für ein Kind mit adhs mit den Leistungen der Eingliederungshilfe, wohl bemerkt einer KANN-Leistung, für ein Kind mit LRS zu tun? (Mein Ältester hat auch LRS und das Jugendamt hat die Lerntherapie nicht übernommen. Es hat Jahre gedauert, bis ich wusste warum.)

          Der Pflegegrad ist eine Versicherungsleistung, die einem unter bestimmten Umständen zusteht. Die Voraussetzungen sind klar im Gesetz definiert und nicht Auslegungssache.

          • (10) 28.08.19 - 19:40

            Leider sind sie doch sehr MDK-abhängig, also Auslegungssache. Aber grundsätzlich hast du Recht, normalerweise müßte es bundesweit einheitlich laufen.
            Da es aber z.B. ADHSler ohne groß Therapien gibt (max Medis), gibts für die tatsächlich keinen PG. Ob die Therapie bei diesen Kindern richtig ist, kann ich natürlich nicht beurteilen.

            • (11) 28.08.19 - 22:09

              Tja, aber selbst Medikamente reicht sich ein Kind nicht selbst. Da gehört Überwachung durch einen Erwachsenen dazu. Das sieh mal auf die ganzen Tage und schon kommt einiges zusammen. Daher wird die Medikamentengabe auch beim Pflegegrad berücksichtigt. Das ist nicht „nur“ Medikamente.
              Medikamente kommen auch irgendwo her. Das Kind muss also auch regelmäßig zum Arzt, der diese Medikamente verschreibt. Auch das wird im Pflegegrad berücksichtigt.
              Es mag ja sein, dass nicht alle ADHSler Therapien bekommen, aber dafür gibt es eben nun auch unterschiedliche Ausprägungen. Definitiv gibt es Kinder, die Frühförderung, Ergo und Co. erhalten.

              ...ich sag ja, als Mutter/Vater wird man schnell betriebsblind was man für das eigene Kind so alles tut, was eigentlich längst nicht mehr altersgerecht ist.

              Ich weiß nicht, ich habe 2 schwer mehrfachbehinderte Kinder. Ich bin mehrfach umgezogen und habe an mehreren verschiedenen Wohnorten in mehreren Bundesländern sowohl vom MdK, als auch von MEDICPROOF Begutachtungen für den PG, bzw. damals noch für die PS durchführen lassen - ich kann nicht behaupten, dass ich je auch nur einen Gutachter hatte, der falsch begutachtet hätte oder Fragen weggelassen hat.

              • (12) 28.08.19 - 22:09

                Die Fragen selbst sind vorgeschrieben.

                (13) 28.08.19 - 22:34

                Aus beruflichen Gründen bin ich da im Thema drin und habe bundesweiten Austausch. Da gibts leider enorme Unterschiede der Begutachtungen. Da wird teilweise ein Unsinn bewertet (in beide Richtungen).
                Beim ADHS kenn ich mich so genau aus. In der Regel höre ich von den "schwierigeren" Fällen im Umkreis. Aber der Sohn meiner Freundin bekommt 1 Tablette am Tag, geht 1x/Quartal fix beim Facharzt vorbei - das wars. Da wäre ein Pflegegraf ein Witz. Allerdings kann ich nicht beurteilen ob die Therapie so richtig/ausreichend ist.

                (14) 28.08.19 - 22:39

                Wirst du auch bei jeder Befragung ausführlich zur Schwangerschaft befragt? Das hat der MDK (egal wer kommt) hier super drauf, auch wenns nix zur Sache tut. Finde ich übergriffig, je nach Situation sogar absolut unmöglich, da Mütter nicht immer über teils traumatische Situationen reden wollen. Lustig ist auch die Dokumentation von Beatmungsstunden, obwohl die nichts mit der Erkrankung zu tun haben.

                • (15) 29.08.19 - 10:12

                  Meine Kinder haben ursächlich eine schwere Vergiftung mit Medikamenten in der SS. Die Valproatembryopathie ist schon eine Diagnose, die seit 9 Jahren, in denen sie Leistungen erhalten, mit im Gutachten steht.
                  Also ja, natürlich wurde ich zur SS befragt...aber nur einmal. Seit bekannt ist, es hat die Ursache in der SS, wird nicht mehr gefragt.

                  (16) 29.08.19 - 10:40

                  Es gibt GESETZLICH VORGESCHRIEBENE (!) Fragen, die der Gutachter stellen MUSS. Diese Fragen kann man sich im Internet schon vor der Begutachtung anschauen. Es werden zu 100% diese Fragen kommen. Der Gutachter arbeitet die nur ab. Er MUSS das machen. Es ist eben deutschlandweit bei allen Begutachtungen gleich.
                  Dazu gehören auch Fragen zur Beatmung oder ob sondiert wird. Die Module sind für ALLE Pflegebedürftigen gemacht. Sie müssen also auch alle Erkrankungen berücksichtigen.
                  Dem Gutachter ist es eigentlich egal, ob die Mutter eine traumatische Erfahrung bei der Schwangerschaft hatte. Er kommt wegen dem Kind. Wenn Sie keine Auskunft geben kann, sollte sie dort nicht sitzen, sondern der Vater...oder sie bittet eine andere Person ihr zu helfen.

                  Das mag jetzt etwas hart klingen. Meine Kinder sind 11 und 13 - beide seit Geburt behindert. Ich spreche ständig mit Menschen, die nur defizitorientiert denken und mit Menschen, die nur das Positive sehen. Aber mit Gutachtern der Kasse hatte ich echt noch nie ein Problem. Viel schlimmer sind Ämter.

                  • (17) 30.08.19 - 16:31

                    Wenn von 30 Minuten Gespräch 15 Minuten über SS und Geburt gesprochen werden ist das nicht zielführend wenn es nicht zufällig eine Behinderung durch die Geburt ist (und auch dann nicht)!
                    Welche Aussagekraft haben Beatmungsminuten von vor X Monaten in der Klinik bei Entwicklungsverzögerung und Trinkschwäche bei einem respiratorisch fittem Kind? Keine!
                    Bei der Begutachtung muß die Pflegeperson dabei sein! Also in der Regel die Mutter. Übrigens sind auch Väter manchmal traumatisiert.
                    Ich weiß, dass es theoretisch einen Standard gibt. Leider wird trotzdem regelmäßig nicht erfaßt wo der Pflegeaufwand ist, teils wird er sogar einfach als lapidar hingestellt. Glaub mir, ich hatte da schon einige Diskussionen. Auch habe ich schon öfter ein Gutachten erfolgreich zur Wiederbegutachtung gebracht.
                    Es gibt Regionen in D da ist die Chance auf einen Pflegegrad z.B. bei einem Säugling schlecht. Da sind die Kollegen erstaunt über unsere hohe Pflegegradrate. Die Kinder dort sind gewiß nicht gesünder.
                    Auch in anderen Abteilungen des MDK erlebe ich bundesweit große Unterschiede.

                    • (18) 30.08.19 - 16:49

                      Wie stellt man bei einem SÄUGLING(!) ADHS fest?
                      Ich würde doch mal stark ausschließen, dass ein Säugling wegen AUSSCHLIESSLICH ADHS einen PG erhält. Einmal kann das in dem Alter nicht getestet werden und zum anderen ist der erhöhte Pflegebedarf gegenüber Gleichaltrigen gleich Null.

                      Die Chance bei meinen Kindern auf eine PS als Säugling war gleich Null, weil kein Arzt die gravierenden Behinderungen praktisch aller Körperteile erkannt hat. Mit 1bzw.3 Jahren haben wir den Kinderarzt gewechselt. Danach ging es vorwärts. Mein Jüngster hat seine PS seit er 2 ist, der Große seit er 3 ist. Die Erfahrung mit Begutachtungen bei Säuglingen habe ich also nicht.

                      • (19) 30.08.19 - 17:04

                        Es ging bei meiner Antwort an dich um die angeblich genormte und zielgerichtete Begutachtung durch den MDK! Diese stelle ich begründet in Frage. Es ging nicht um ADHS!
                        Bei ADHS hat man in der Regel auch keine Beatmung oder eine Magensonde (diese Punkte hast du in deiner Antwort aufgeführt).

              (20) 29.08.19 - 07:57

              Zur Medikation: es ist wohl auch eine Menge und Einstellung.

              Im Umkreis: Kinder 1x täglich eine Tablette, 1x im Quartal zum Arzt (Überwachung, Einstellungsprüfung der Dosierung) + Rezept, 1-2x zusätzlich ein Rezept abholen. Termin Dauer jeweils 15 Minuten; 5 Minuten Rezept abholen, kurzer Weg.

              Kieferorthopädische Behandlung braucht bei manchen da erheblich mehr Aufwand.

              Bei mir ist es schon etwas mehr
              2x täglich 1 Tablette, 1x im Quartal zum Arzt mit Rezept, 4 Stunden Fahrtweg


              Da, wo ich dir zustimme, dass Medikation definitiv mehr Aufwand ist
              - Dosierung ändert sich mit jedem Entwicklungsschub
              - Präparat muss zwischendurch gewechselt werden
              - lange Anfahrtswege
              - mehrmals täglich Medikation (weil 1x täglich nicht ausreicht)
              - verschiedene Tabletten (bspw. morgens retard, nachmittags ohne retard)
              - Besprechung mit der Schule, wie die Dosierung am Nachmittag von statten geht
              .- Medikation auf Ausflügen (wer gibt es, wer darf es geben, was passiert, wenn das Kind es nicht bekommt; kann das Kind es schon selbst nehmen, wer ist für den Transport verantwortlich, ist das Kind in der Lage selbst daran zu denken (Jugendliche teilweise) oder muss das Kind erinnert werden, wie ist die rechtliche Situation, muss ein Elternteil zum Ausflug dazu kommen, um das Medikament zu geben)

              - kann das Kind die Tablette einfach schlucken oder braucht es konstante Betreuung, bis es geschluckt ist.
              - die Zeit bis die Medikation wirkt (bei manchen geht es, bei manchen erhöhteste Unfallgefahr)



              Zur Begutachtung:

              mein Vater hatte einen Schlaganfall, war Gehbehindert, konnte alleine keine Treppen steigen, konnte sich selbst nichts zu essen machen, saß teilweise im Rollstuhl (nach dem ersten Großen und jeweils nach kleineren Folgenden). Körperpflege alleine ging nicht mehr.

              Gutachter: KEIN Pflegegrad
              15 Minuten für ALLES würden ja ausreichen. Kochen, beim Essen helfen, waschen. Das sollte ein Familienmitglied ja wohl schaffen.
              Die Treppe musste er im Beisein des Gutachters gehen. Hat locker 20 Minuten gedauert und nur mit Unterstützung.

              Arzt hatte uns vorgewarnt. Auch mit eindeutigen Befunden müsste man mindestens 1x in Widerspruch gehen. Bei manchen auch häufiger. Er hatte auch schon Patienten, die den Rollstuhl gar nicht mehr verlassen konnten bzw. bettlägrig waren. Antwort der Gutachter sei wohl auch gewesen: nur zu faul zum Aufstehen. :-[

              • (21) 29.08.19 - 10:31

                Ja, ältere Leutchen wollen dem Gutachter immer beweisen, dass sie es irgendwie doch noch können und merken nicht, wie sie sich selbst nur schaden. Kenne ich auch von meiner Oma, die trotz 100%iger Bettlägerigkeit nur PS1 hatte. Aber die Begutachtung nach PG ist eben total anders und ich muss gestehen...meine Mama hat auch nie aufgepasst bei der Begutachtung.
                Meine andere Oma bekam übrigens nach Schlaganfall schon nach Aktenlage ohne jegliche Begutachtung PS1 - sie brauchte eine PS damit sie in das Pflegeheim durfte. Die tatsächliche Begutachtung gab es nie - sie starb zuvor.

                Der Kieferorthopäde ist in den allerallerwenigsten Fällen wirklich behinderungsbedingt. Auch mein Jüngster hat einen Kieferorthopäden, aber sämtliche Besuche dort, obwohl natürlich medizinisch notwendig (Platzmangel im Unterkiefer), haben mit dem PG nichts zu tun. Das hätte ein gesundes Kind einfach auch. Genauso gelten Besuche beim Kinderarzt nicht.
                Bei meinem Jüngsten zählen Besuche beim Orthopäden, Neurologen, Psychiater, Augenarzt, Autismustherapiezentrum. Außerdem nimmt er 2 mal täglich Medikamente. Logo und Ergo hatte er bis zum Ende der 4. Klasse - jetzt haben wir damit aufgehört. Es ist einfach zu stressig sonst.

                • (22) 29.08.19 - 10:41

                  Er wollte es dem Gutachter nicht beweisen! Er sollte die Treppe hochgehen, damit der Gutachter die Zeit stoppen konnte. Alleine dafür brauchte er über 20 Minuten MIT Hilfe.

                  Körperpflege sollte er nicht vormachen.
                  Die halbseitige Lähmung war offensichtlich und da hätte es auch nichts zum Vormachen gegeben.

                  Der Gutachter sah es, wusste auch, sah auch, dass mein Vater zum Medikamente nehmen Hilfe brauchte.

                  Ergebnis war trotzdem KEIN Pflegegrad: weil 15 Minuten Zeitaufwand für ALLE Hilfestellungen am Tag ausreichen würden.

                  Es würde ausreichen, wenn die Kinder morgens vor der Arbeit einmal kämen, Medikamente geben (die er 3x täglich zu nehmen hatte, u.a. Spritze, was er mit einer Hand nicht alleine konnte), ihn waschen, ihn füttern
                  nach 15 Minuten entspannt zur Arbeit fahren und wenn sie guter Laune sind, abends noch mal kurz vorbei schauen könnten.

                  Dass er in Zeiten des Rollstuhls nicht mal aus dem Bett kam
                  und Zeiten, in denen er wieder Treppen "gehen" konnte, aber dafür häufig stürzte, sei nicht Problem des Gutachters. Er könne ja im Bett bleiben, bis die Kinder KURZ vorbei sehen würden. 15 Minuten Gesamtaufwand würde ja reichen.

                  Mein Vater war zu dem Zeitpunkt bereit Hilfe von außen anzunehmen. Er zeigte das, was er realistisch noch konnte/nicht mehr konnte. Gutachter legte es als Faulheit aus.
                  Bzw. die Kinder könnten das ja alles so nebenbei leisten. Weil es ja kein Aufwand sei.




                  Das mit dem Kieferorthopäden war nur ein Vergleichsbeispiel.
                  Es gibt ADS/ADHSler, da ist der Zeitaufwand für die Medikation sehr viel geringer, als bei Kieferorthopäden oder anderes.
                  Da kann ich schon verstehen, wenn viele gar nicht erst über einen Pflegegrad nachdenken.


                  Bei denen, die wie beschrieben noch andere Baustellen haben bzw. der Umfang des Medikamente gebens wie beschrieben enorm ist, finde ich es durchaus gerechtfertigt, dass es in die Pflegestufe miteingerechnet wird. Da ist ja dann auch der Gesamtaufwand zu sehen, der eben enorm groß ist.

(23) 28.08.19 - 23:27

Schreib doch einfach mal auf welchen Aufwand du bei deinem ADHS-Kind hast, der bei den anderen Kindern nicht herrscht. Z.B engere Begleitung beim waschen/anziehen/Hausaufgaben.... Medikamente, Ärzte, Therapien.....
Evtl kommt da doch einiges zusammen und auch euch stünde ein Pflegegrad zu! Das Geld kannst du anlegen, in bes. Therapien, Auszeiten für dich, Putzfrau oder Lottoscheine investieren. Zusätzlich gäbe es ein paar Euro für die Betreuung deines Kindes.
Eine Freundin hat z.B mehrere "Betreuungskinder" die stunden- und tageweise bei ihr urlauben und die Eltern können mal durchatmen. Alle drei Parteien profitieren davon.
Wer pflegt darf auch "entlohnt" werden!

(24) 29.08.19 - 07:33

Die Frage habe ich mir selbst auch schon gestellt.

Da ich selbst ADHS habe, komme ich immer wieder in Kontakt mit anderen Betroffenen und Eltern von Betroffenen.

Manche kommen super mit ADS/ADHS klar. Sowohl mit Medikation, als auch ohne.
Andere sind ohne Medikation zu nichts in der Lage.
Manche sind mit Medikation zu etwas in der Lage, aber brauchen zusätzlich viel Pflege, Zeitaufwand etc.

Ohne Medikation kam ich über viele Jahre zurecht. Einigermaßen. Ich habe mein Leben so angepasst, dass es funktioniert hat. Mit Medikation habe ich höhre Kosten, verdiene aber auch mehr/spare auch mehr. Vor allem spare ich mir sehr viel mehr Zeit und Energie.
Mit Erziehung, Tipps, Tricks kam ich im Leben zurecht. Mal mehr, mal weniger.


Dann kenne ich einige mit Asperger und ADS. Mit erfahrener Erziehung, starken Nerven der Eltern, guter Schule und einiges mehr, kommen sie gut im Leben an. Es ist schwieriger als anders, aber machbar.

Und dann kanne ich ADS/ADHSler bzw. deren Kinder, die so extrem ausgeprägt sind, da reicht mehr Zeit im Alltag nicht aus.
- Medikation (bewirkt eine Machbarkeit der Situation)
- Krankenhausaufenthalte/stationäre Diagnostik/stationäre Behandlungen (auch um die schulische Seite zu verbessern/überhaupt erst möglich zu machen)
- viele Zusatztherapien
- kein Schulbesuch an einer Regelschule
- Schulbegleiter kann helfen, kann aber auch nicht ausreichend sein
- spezielle Schulen, die Fahrtkosten/Fahrtwege mit sich bringen
- Therapien, die von der Krankenkasse nur spärlich übernommen werden, aber viel bringen (bspw. 1x im Monat bezahlt die Krankenkasse; damit es wirkt braucht es über einige Monate 1-2x in der Woche)

Je nach ausgeprägt es ist, kann ein arbeiten gehen, schwierig werden. Zeitaufwand ist sehr unterschiedlich.


Dann gibt es ja noch die Möglichkeit bei Kindern über das Jugendamt Zusatztherapien genehmigt zu bekommen. Dann wenn die Zuschüsse der Krankenkasse nicht ausreichen. Um das zu bekommen, müssen wiederum einige Punkte erfüllt sein.

So, dann schiebt die Krankenkasse zum Jugendamt, Jugendamt zur Krankenkasse, Krankenkasse zur Rentenversicherung (Reha), Rentenversicherung zum Jugendamt....
und irgendeiner in der Rundkette gibt den Tipp, dass es vielleicht Pflegegeld geben könnte, weil einige Familien bis dahin schon selbst finanziell einiges an Zusatztherapien gestemmt haben (wenn sie etwas bringen) und ein/beide Elternteile so am Zahnfleisch gehen, dass es sinnvoller erscheint, wenn einer das Geld für die medizinische Versorgung bereitstellt/erarbeitet und der andere die Termine abarbeitet, zusätzlich zur Erziehung.


Bei mir ist es zwar durchaus deutlich da. Mein Vorteil ist jedoch, dass ich zu meiner Verwandtschaft flüchten kann, bei denen es unter großer Wahrscheinlichkeit viele haben. Unterschiedliche Ausprägungen. Dort falle ich nicht auf. Dort ist alles so organisiert, dass es zu ADS/ADHS passt. Die meisten arbeiten, ein paar einzelne werden von der Verwandtschaft mitgetragen, weil sie ihr Leben so allein nicht leben können.

Allerdings ist eines sicher: die Schule heute, würde ich ohne Medikation nicht schaffen! Damals ging es.


Wie das mit Pflegegrad festgestellt wird, weiß ich nicht.
Bei meinen Eltern, Pflegefälle (Schlaganfall mit Gehbehinderung/Rollstuhl) wurden mehrere Termine anberaumt und es gab keinen Pflegegrad. Der Arzt hatte uns aber schon vorgewarnt, dass auch bei offensichtlichen!!! Beeinträchtigungen erst einige Anträge und Widersprüche gestellt werden müssten.

Diesen langen Atem muss man erst mal haben.
Wer im Alltag einigermaßen zurecht kommt, macht es dann wohl auch so weiter (gibt irgendwann auf). Wenn der Leidensdruck hoch "genug" ist, zieht man das mit den Geldstellen auch noch durch. Wobei dann ja oft schon Krankenkasse, Rentenversicherung, Jugendamt, Therapeuten/Arztbesuche etc. vorliegen und endlich etwas passieren MUSS.

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