Hebammenausbildung mit Kind?

    • (1) 29.08.19 - 12:10

      Hallo zusammen,

      Ich bin Mitte 30 und in meinem Beruf recht unzufrieden. Seit jeher ist es mein Traum, Hebamme zu werden. Nun überlege ich, tatsächlich Nägel mit Köpfen zu machen und mich für einen Studienplätze zu bewerben. Ich habe jedoch ein kleines Kind, was bald auch in den Kiga kommt, aber mache mir eben so meine Gedanken, wie sich das mit einer Vollzeitausbildung im Schichtdienst vereinbaren lässt...

      Gibt es hier (werdende) Hebammen, die ein bisschen erzählen können? Gern auch einfach nur über die Ausbildung bzw. den Job allgemein.

      LG Juppie

      • Hallo.

        Ich bin zwar keine Hebamme aber es ist ja wohl klar, dass du das nur wuppen könntest, wenn du eine absolut sichere Betreuung für dein Kind hast. Aber das weißt du ja selber. Es ist ja nicht damit abgetan, dass das Kind tagsüber im Kiga ist. Du musst die Nachmittage/Abende/Nächte ja auch abdecken können i. S. Betreuung.

        Wenn das alles gewährleistet ist, kannst du dich ja mal bewerben. Mach dir allerdings nicht allzu große Hoffnungen, gleich genommen zu werden. Meine Nachbarin ist Hebamme und von ihr weiß ich, dass die Anwärterlisten im Gegensatz zu den offenen Schulplätzen immens sind.... #zitter

        Alles Gute! #winke

        (3) 29.08.19 - 17:30

        Wenn Du keine zuverlässige Betreuung für die Randzeiten hast (frühmorgens, spätabends, nachts, Wochenende) ist das meiner Meinung nach gar nicht zu machen.

        Eine Bekannte von mir hat die Ausbildung mit Kindern gemacht. Die ersten 2 Jahre hat ihr Mann die Randzeiten abgedeckt, aber das ging ihm auf die Nerven und er hat sie verlassen. Weitermachen konnte sie nur, weil ihre Mutter in Rente ging und rund um die Uhr zur Verfügung stand.

        Es geht ja nicht nur um die Ausbildung. Danach werden die Arbeitszeiten nicht besser. Und nur mit Kinderbetreuungszeiten kompatibler Vor- und Nachsorge verdient eine Hebamme einfach nicht genug, um davon leben zu können (sagt zumindest meine Bekannte).

        Inwieweit hast Du denn praktische Erfahrung im medizinischen / pflegerischen Bereich?
        Der Hebammenberuf hat ja nicht nur die 'Oh das Wunder des Lebens!' Seite mit süssen Babys und euphorischen Müttern.
        Genauso gehören Totgeburten dazu, Spätabtreibungen schwerbehinderter Kinder, drogenabhängige Mütter deren Neugeborene erstmal einen Entzug machen müssen. Und Mütter und Väter die Du einfach nur kolossal unsympathisch findest und die Du trotzdem emphatisch und freundlich betreuen musst.
        Bist Du Dir sicher, daß Du das hinkriegst? Ich könnte es nicht.

        Grüsse
        BiDi

        Hallo

        Das kannst du nur machen, wenn du eine Betreuung für Nachts, Wochenenden, Feiertage, Früh und Spätdiendienste hast. Ohne das wird es nicht klappen.

      • (5) 29.08.19 - 19:12

        Was ist mit deinem Mann?

        Hallo Juppie78,
        jetzt antworte ich dir mal als Hebamme und Mama.
        Ich habe, damals sehr jung, vor 20 Jahren, meine Ausbildung gemacht.
        Die Bedingungen waren sehr hart, wir hatten 3 Mamas im Kurs, nur eine hat ihr Examen gemacht und deren beiden Kinder waren schon im Schulalter.
        Ich weiß nicht, ob es jetzt im Studium leichter ist, aber die Schulleitung hat auf Mütter keine Rücksicht genommen. Obwohl der Beruf doch äußerst sozial und menschlich ist, waren die Bedingungen für uns alles andere als das.
        Wir kinderlosen jungen Frauen haben praktisch 3 Jahre nur für unsere Ausbildung gelebt. Bewerber gab es genug, so dass wir jeder Zeit ersetzbar waren.
        Nun habe ich selber 2 kleine Kinder und beginne demnächst wieder mit ein paar Nachdiensten, weil ich meinen Beruf wirklich liebe. Ich glaube es ist aber mehr ein bezahltes Hobby und falls meine Familie darunter leidet, hat diese Vorrang und ich verabschiede mich schweren Herzen aus diesem tollen Beruf, der sehr schlecht bezahlt wird und manchmal auch richtig an die Substanz geht.
        Um es abzuschließen. Ich bin froh diesen Beruf gelernt und ausgeübt zu haben.
        Hätte ich gewusst wie anstrengend und schlecht bezahlt er tatsächlich ist, ich würde mich nicht nochmal dafür entscheiden.
        Vor allem schon gar nicht, wenn meine Familie dafür zurück stecken müsste.
        Alles Gute für deine Entscheidung!

        • Hallo Lieschenmarie,

          Lieben Dank für deinen Beitrag, der mich definitiv zum Nachdenken anregt.

          Hart was Arbeitszeiten und Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeht, stelle ich mir die Ausbildungszeit vor. Mein Mann arbeitet Vollzeit ohne Schicht, hat aber evtl die Möglichkeit mehr Home Office zu machen. Eltern und Schweigereltern können evtl. In die Betreuung einbezogen werden. Nach der Ausbildung würde ich wohl ohnehin nur Teilzeit arbeiten wollen.

          Was heißt, du hast nur für die Ausbildung gelebt? Hast du sehr viele (unbezahlte?) Überstunden machen müssen? Die Zeiten während der Theoriephase waren aber normale Schulzeiten, also max. 8 Zeitstunden, oder?

          Weißt du, wie die Bewerberlage zur Zeit für eine Ausbildung oder ein Studium ist? Ausgelernte Hebammen werden ja überall händeringend gesucht. Kommt es für dich auch in Frage, freiberuflich zu arbeiten?

          Keine leichte Entscheidung - muss noch über 30 Jahre arbeiten und kann mir das in meinem Beruf nicht vorstellen. Auf der anderen Seite habe ich jetzt einen sicheren und mit der Familie gut vereinbaren Arbeitsplatz und eine wohl bessere Bezahlung als die einer Hebamme.

          Liebe Grüße
          Juppie

          • (8) 30.08.19 - 16:58

            Hi!

            Also ich kenne echt viele Menschen die eine Ausbildung in der Pflege oder im Hebammenwesen gemacht haben und alle (!) hatten eine gute Zeit mit viel Spaß wenn die Ausbildung in der kinderlosen Zeit gemacht wurde.
            Natürlich hat man einen Vollzeitjob im Schichtsystem und muß sich ständig in verschiedenen Bereichen einarbeiten. Dazu ordentlich Lernstoff und lange Schultage. Da sind die Hebammen aber im Vergleich zur Pflege noch gut dran, der Ausbildungsbereich ist nämlich deutlich begrenzter.
            Aber es war immer Zeit für durchfeierte Kneipennächte, Wohnheimpartys usw.
            Klar, in Studiengängen an der Uni /FH ist es deutlich entspannter, aber aus dem Partyalter bist du ja raus 😉

            Grundsätzlich brauchst du einen Partner der zu 100% die Betreuung der Kinder stemmen kann. Natürlich hast du Zeit zum Bringen/Abholen. Aber erstmal mußt du dich nach dem Dienstplan der Klinik richten. Je nach Fahrtweg können auch die Schultage lang werden.
            Insgesamt brauchst du ausreichend Zeit zum Lernen neben dem Vollzeitjob.
            Ob du danach in der Klinik arbeitest (Schichtdienst, Wochenende, Feiertage) oder nur Vor-/Nachsorge und Kurse machst ist deine Sache. Als Teilzeitjob verdient man mit Vor-/Nachsorge schon ausreichend Geld. Aber ich als Mutter wollte keine Hebamme die eigentlich keine Berufserfahrung hat. Da ist der Klinikdienst und der Austausch mit den Kollegen im Dienst sehr wertvoll.

            Ich wünsch dir eine gute Entscheidung!

            LG,
            Hermiene

            • Hallo Hermiene,
              da ich selber sowohl Kinderkrankenschwester als auch Hebamme bin, muss ich dir leider widersprechen.
              Das Hebammenexamen war deutlich schwerer, also kein deutlich begrenzter Stoff.
              Woher kommst du zu diesem Wissen?
              Mit Teilzeit Vor und Nachsorge kommt man leider nicht mehr über die Runden weil die Versicherungen, gerade für Freiberufler, wahnsinnig teuer geworden sind.
              Auch ist es mit unter sehr anstrengend eigentlich rund um die Uhr für die Patientinnen erreichbar zu sein. Abrechnen kann man dann einen Hausbesuch für ca 35€, Versicherung, Steuer, Auto... gehen davon noch weg.
              Spaß hatten wir trotz der anstrengenden Ausbildung und meistens auch Freude bei der Arbeit, sonst würde ich nicht zurückkommen. Allerdings angestellt und versichert an einer Uniklinik...

              • Komischerweise sind da die Aussagen bzgl. Verdienst bei Vor- und Nachsorgen einiger deiner Kolleginnen gegenteilig! Ich habe klar vom Zuverdienst geschrieben, nicht vom ernähren einer Familie!
                Auch die 24h-Verfügbarkeit ist tatsächlich Einstellungssache und wie man sich die Mütter "erzieht". Das bestätigen mir sowohl Hebammen (die sich abgrenzen können), zusätzlich sehe ich es im beruflichen Alltag bei welchen Familien Hebammen Nachsorge machen, obwohl es deutlich reduzierter oder garnicht nötig wäre.
                Wenn du dir die Einsatzplanung einer Hebammenschülerin und eines Pflegeschülers (egal ob Erw. oder Kinder) anschaust, die Hebammenschüler haben in der Regel weniger unterschiedliche Orte und die meisten haben mit Geburt, Schwangerschaft, Wochenbett zu tun. Bedeutet, ich muß mich nicht so oft umorientieren, springe nicht von der Neo in die Onko und dann in den OP. In der Kinderkrankenpflegeausbildung werden sie zusätzl noch mit vollkommen unnötigen Einsätzen im Erwachsenenbereich zugeballert.
                Keine Ahnung wo du gelernt hast, aber sowohl in RLP, Hessen wie auch in BW haben Hebammen- und Pflegeschüler ein Leben neben der Ausbildung.
                Natürlich ist es mit Kindern echt heftig, da diese auch fordern und man sich teilen muss. Aber sogar das schaffen viele. Die mir bekannten Hebammen sogar alle, vermutlich weil sie unbedingt wollten und auch schon reifer waren.

          Hallo Juppie,
          einige Kliniken bieten schon Studiengänge an, manche noch die klassische Ausbildung.
          In Österreich wird schon seit einigen Jahren studiert. Da müsstest du dich erkundigen, was für dich in Frage käme.
          Ich habe noch eine Ausbildung gemacht.
          Schule und Frauenklinik in einem Haus, gewohnt dort im Wohnheim.
          Unterricht war meistens in Wochenblöcken, pro Tag 8h, aber mussten viel auf Prüfungen lernen, Referate und Facharbeiten vorbereiten.
          Überstunden wurden in der Ausbildung nicht bezahlt, wenn wir einen ganzen Dienst eingesprungen sind, dann hatten wir einen freien Tag gut.
          TZ lohnt sich nur wenn du angestellt bist, sonst arbeitest du praktisch um deine Versicherung zu bezahlen.

          • Hey,

            ist die Versicherung auch für freiberufliche Hebammen, die keine Geburten betreuen so wahnsinnig teuer? Dachte immer, das betrifft nur die, die auch Geburten durchführen...
            Ich werde wohl erst einmal versuchen, einen Praktikumsplatz im Kreißsaal zu bekommen. Frühester Studienbeginn wäre ohnehin erst in einem Jahr. Wenn ich denn überhaupt eine Chance hab. Hab zwar ein gutes Abi, aber außer der Geburt meiner eigenen Tochter keine relevante Erfahrung. Arbeite nun im ganz anderem Bereich...

            Liebe Grüße

            • Bei uns war es leistungsgesteuertes Losverfahren, Abi deshalb sehr von Nutzen, Praktikum gut für die eigene Erfahrung, aber nicht relevant was das Auswahlverfahren betroffen hat. Krankenschwestern und Kinderkrankenschwestern konnten auf 2 Jahre verkürzen.
              Auch die Freiberuflichkeit ohne Geburtshilfe ist deutlich teurer geworden was die Versicherung betrifft, allerdings günstiger als mit Geburtshilfe.
              Die meisten möchten aber gerade gleich nach der Ausbildung der Geburtshilfe schon noch etwas treu bleiben.
              Wenn du dir noch unsicher bist, könntest du jetzt noch ein Praktikum machen.
              Falls dich diese Richtung Beruf reizt, du aber nicht „unbedingt“ gleich Hebamme möchten werdest.
              Es gibt noch die Geburtsvorbereiterin, Doula oder Wochenbettspflegerin.
              Vielleicht wäre da auch was dabei?
              Lg und alles Gute!

    (14) 30.08.19 - 05:26

    Ich arbeite aktuell im Schichtdienst mit 2 kleinen Kindern. Betreuung ist mit Mann und kiga sowie netten AG (keine spätdienste) gesichert.. aber es ist schon ätzend in vollzeit.

    Abends gibt es oft tränen weil ich zur Arbeit muss.. morgens oft tränen weil ich weg bin bevor sie wach werden.

    Wenn man nach der Ausbildung nur Teilzeitarbeit macht geht es wahrscheinlich iwie.. aber ich bin froh hoffentlich bald wieder im Büro zu sein mit normalen Zeiten

    (15) 30.08.19 - 13:04

    Hallo,

    ich bin keine Hebamme, arbeite aber kreisssaalnah und unter den selben Bedingungen. Auch wenn du die Ausbildung bzw. das Studium unter den Hut bekommst, sind die Arbeitsbedingungen auch danach an der Grenze das Zumutbaren! Wir arbeiten alle 2-3 Wochenenden, bei den Feiertagen darfst du dich zwischen Pest und Cholera entscheiden, gerne auch alle Feiertage, alle Schichten durcheinander. Wenn ich Spätdienst habe, sehe ich meine Familie morgens vor der Schule! Dabei habe ich nur wenig Schlaf bekommen. Nachtdienst ist kein Zuckerschlecken, zumindest für die meisten nicht. Vollzeit mit Familie macht kaum jemand und bei Teilzeit sieht dein Gehalt eher traurig aus, dafür, dass man sein Ganzes gibt. Freiberuflich kann man arbeiten, dann darfst du aber kaum Einkommen erwarten. Die Politik hat die Hebammerei in den Ruin getrieben, Geburten sollen in den Händen der Ärzte sein! An sich ist der Beruf ganz toll, aber momentan unter den Bedingungen eher nicht!
    Das ist meine Sicht der Dinge, nach 20 Jahren in der Klinik. Vielleicht bekommst du ja noch positives zu lesen

    Liebe Grüße 🙂

(17) 30.08.19 - 19:38

Was du noch überlegen solltest: hast du schon gearbeitet mit Kind? Vollzeit? Weißt du wie das ist?
Denn von null auf Vollzeit im 3-Schicht-System ist echt heftig. Und du mußt es dann durchziehen!
Außerdem kommen auch viele mit zunehmenden Alter schlechter mit dem Schichtdienst klar, obwohl sie es kennen und Strategien haben. Klar gibts ein paar "Naturtalente", aber die meisten (auch ohne Kinder) sind geschafft.
Außerdem würde ich mir das Ausbildungssystem genau anschauen. Bei den neueren Systemen ist nicht alles gut durchdacht. In der Pflege z.B. gibts an den Hochschulen durchaus auch Mangel an Dozenten, die müssen ja vorher studiert haben. An den normalen Pflegeschulen dürfen auch Pflegekräfte unterrichten die im Berufsalltag drin sind und dadurch oft praxisnaher.
Wenn dein Hintergrund stimmt (Familie) und du es wirklich willst, schaffst du es auch! Eine Freundin hat es mit Ü30 und 2 kleinen Kindern durchgezogen. Aber die ist auch hart im nehmen, mit flexiblen Kindsvater.
Das der Hebammenberuf nicht nur aus tollen Geburten mit Bilderbuchfamilien besteht wirst du garantiert wissen.

  • (18) 30.08.19 - 20:36

    Hey,

    Danke auch für deine kritischen Beiträge.
    Ja, ich arbeite seit dem 1. Geburtstag meiner Tochter. 27 Std. mit sehr flexibler Gleitzeit.
    Ich denke auch, dass ich - einmal angefangen - die Ausbildung durchziehen würde. So hart es auch wäre. Kann mich selbst gut motivieren und durchbeißen.
    Ja, ich weiß sehr genau, dass die Welt - auch im Kreißsaal - nicht rosarot ist. Ich hatte selbst eine für mich dramatisch empfundene Geburt und meine Tochter lag danach einige Wochen auf der Intensiv. Dadurch hatte ich aber viel Kontakt zum System Krankenhaus, zu Hebammen und Ärzten, was mein Interesse bestärkt hat.

    Liebe Grüße

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