Chef von SS erzählt, wie mit Reaktion umgehen?

    • (1) 29.08.19 - 12:32

      Hallo zusammen,

      ich bin schon den ganzen Vormittag wahnsinnig wütend und traurig zugleich, würde am liebsten einfach nach Hause fahren :-( Zur Situation:

      Ich habe Anfang letzten Jahres die Stelle gewechselt und wurde eingestellt für einen Kollegen, der wahrscheinlich (Stand heute) 2022 in Rente gehen wird. Bis dahin soll ich ihn unterstützen und er mich einarbeiten (ursprünglich wollte er frühe in Rente, macht es aber doch nicht). Als ich den Vertrag unterschrieben habe war ich 30 Jahre alt, hatte bereits meinen Sohn (jetzt bald 6 Jahre) und befand mich in einer Partnerschaft. Kinder waren aber kein Thema, wir waren noch nicht so lange zusammen.

      Zwischenzeitlich sind wir zusammen gezogen und alles lief wunderbar und läuft es auch jetzt noch. Nur kam bei uns beiden nun doch noch ein intensiver Kinderwunsch auf. Ich habe mir wochenlang den Kopf zerbrochen, weil ich der Meinung war, dass ich das nicht machen kann, wo ich doch eingestellt wurde um meinen Kollegen zu ersetzen. Letztlich musste ich einsehen, dass, wenn ich da nun Rücksicht auf meine Arbeit nehme, ich wohl keine Kinder mehr bekommen werde, da der Zeitpunkt nie richtig sein wird. Also haben wir unseren Kinderwunsch in die Tat umgesetzt und es funktionierte auch sehr schnell - ich bin nun mitten in der 8.SSW und überglücklich, bzw. war ich es bis heute Morgen.


      Ich war die letzten 7 Tage krank geschrieben wegen Kreislaufproblemen, Übelkeit usw. Spaßig fand ich das nun auch nicht und ich weiß, dass auf der Arbeit viel zu tun ist. Heute Morgen sollte ich dann im Büro des Chefs antanzen, der wissen wollte, was mit mir los ist, weil ich nun so lange (!) krank war. Ich habe ihm im Vertrauen gesagt, dass ich schwanger bin und mit den typischen Beschwerden zu kämpfen habe, es mir heute aber schon wieder wesentlich besser geht. Und dann war es rum:

      "Na, das hat mir ja gerade noch gefehlt! Sie wissen aber schon, dass ich Sie für den Kollegen eingestellt habe und meine Planung damit hinüber ist?"

      Ich darauf: "Das weiß ich und da der Kollege erst 2022 in Rente gehen möchte ist alles super, bis dahin bin ich doch wieder da."

      Er: "Nein, das ist alles andere als super, Sie sind mit dann zwei Kindern doch gar nicht mehr geeignet für diese Stelle. Ich kann mich doch dann gar nicht mehr auf Sie verlassen, weil Kinder ständig irgendwas haben."


      Ich: "Das hört sich fast so an als wollten Sie mich jetzt am liebsten kündigen."


      Er, lacht: "Na das wissen Sie doch sicher genauso gut wie ich, dass ich das nicht darf. Da werden wir uns wohl eine andere Lösung einfallen lassen müssen wenn ich aus dem Urlaub zurück bin."


      Das Gespräch war damit beendet. Seitdem kommen ständig dämliche Kommentare und plötzlich ist er auch mit meiner Arbeit nicht mehr zufrieden (was er sonst sicher war, ich habe die letzten Monate viele Boni und eine hohe Leistungszulage von ihm erhalten, weil er so zufrieden war).

      Ich bin fix und fertig und freue mich nun erst mal, dass er ab Morgen drei Wochen Urlaub hat. Aber was ist dann? Kann ich irgendwas gegen diese Schikanen unternehmen, falls das so weitergeht? Ich konnte mir denken, dass er sicher nicht begeistert sein wird, aber mit der Reaktion habe ich echt nicht gerechnet.


      Oh je, das ist ein langer Text geworden, ich hoffe, dass der eine oder andere bis zum Schluss gelesen hat :-)

      Viele Grüße

      • Hallo!

        Dein Chef ist ein Depp, aber ich fürchte, da kannst Du wirklich nicht viel machen. Entweder, er findet sich noch damit ab, oder Du schaust, ob du mit weniger tollen Aufgaben auch zufrieden bist - oder suchst dir nach der Elternzeit was anderes.

        • Vielen Dank für Deine Antwort :-)

          Ja, das ist er wohl und wird sich auch nie ändern. Mir soll es relativ egal sein, wenn er mir nun andere Aufgaben geben möchte oder mich sogar auf eine andere Stelle versetzen. Wenn ich damit nicht glücklich sein sollte, werde ich mir nach der Elternzeit wohl was anderes suchen.

          Mir geht es da momentan mehr um die Monate bis zum Mutterschutz und die Befürchtung, dass er so weiter machen könnte wie heute und ich glaube, dass ich das psychisch nicht durchstehen würde. Normal bin ich nicht so empfindlich, aber da gehen wohl einfach die Hormone mit mir durch und ich muss ständig heulen #schmoll


          Werde es wohl auf mich zukommen lassen müssen...

          • Ganz ehrlich: ein gesundes Leck-mich-am-Arsch-Gefühl. Du hast nur noch ein paar Monate, davon ab geht noch Urlaub, Kranktage etc., dann bist Du sowieso länger auf Elternzeit, und danach schaust du weiter.

            Nimm es Dir nicht zu Herzen, die meisten Chefs sind nicht besonders erbaut wenn eine Mitarbeiterin schwanger wird (schließlich sind sie weder Verwandte noch Freunde, sondern müssen mehr an ihre Firma denken als an einzelne Mitarbeiter), aber irgendwann wird er sich damit abfinden.

            Überempfindlichkeit macht es dir nur schwerer, mit ihm auszukommen.

            • Vielen Dank nochmal #blume

              Nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe geht es mir schon viel besser, leider hat es mich gestern den ganzen Tag über noch sehr beschäftigt, aber jetzt geht es.

              Du hast natürlich Recht und zudem wird meinem Chef nichts anderes übrig bleiben, als sich damit abzufinden.

              • Hallo!

                Nachdem Du mittlerweile für die geplante Stelle sowieso überqualifiziert bist, solltest du vielleicht auch ein Gespräch eine Etage weiter oben in der Firma suchen, gerade wenn er dir nachdem Urlaub weiterhin Sprüche reindrückt - schreib sowas unbedingt auf mit Datum, Uhrzeit, eventuellen Zeugen.

                Eigentlich hätte er dich eher loben sollen, dass du bei einem streikenden Drucker eben nebenan druckst, statt 10 Minuten am Papierstau rumzufummeln und dann noch einen zeitraubenden Neustart zu machen.

                Wenn Du den Studienabschluss in der Tasche hast, bist Du dann von der Qualifikation her mit dem auf einer Stufe, dann sollte er den Umgang ohnehin überdenken, er scheint ja stark hierarchisch zu denken.

      Hey. Das ist ja ein starkes Stück! Was ein Idiot.

      Du hättest die Möglichkeit, das ist aber auch eine Sache des Frauenarztes, bei schwerer psychischer Belastung, in ein BV zu gehen, wenn es deiner oder der Gesundheit des Babys schaden könnte.

      Ist zwar nicht optimal, aber dann kannst du nach der EZ kündigen und gut.

      • Danke für Deine Nachricht :-)

        Und danke für den Hinweis. Ich denke da werde ich einfach abwarten müssen wie sich die nächsten Wochen entwickeln wenn er aus dem Urlaub zurück ist. Ein BV möchte ich eigentlich gar nicht haben, das wäre wohl der letzte Ausweg falls er sich weiter so benehmen sollte.

        • (9) 29.08.19 - 17:22

          Ich würde ihm auch Zeit geben, das erst einmal sacken zu lassen. Natürlich unprofessionell ohne Ende von ihm, das ist klar. Aber vielleicht lässt es sich doch noch zum Guten wenden.
          Sprich in Ruhe mit ihm, wenn er aus dem Urlaub kommt, erkläre ihm deinen Plan und wozu du bereit bist. Vielleicht ist es für ihn dann doch attraktiv, weil er nicht jemanden neuen suchen muss, sondern das intern überbrücken kann.
          Und wenn er weiter blöd ist, würde ich ihm auch ganz sachlich sagen, dass er gerade unprofessionell ist. Viel zerstören kannst du dann ja eh nicht mehr.

          • (10) 30.08.19 - 08:00

            Ja, das stimmt!

            Ich warte nun einfach ab bis er aus dem Urlaub zurück ist und dann sehe ich ja, inwiefern er sich wieder beruhigt hat.

            Werde auch nochmal das Gespräch mit ihm suchen, allerdings nur, wenn auch sein Vorgesetzter, also der Abteilungsleiter, auch dabei ist. Es stand sowieso noch ein Gespräch aus, in welchem wir zu dritt überlegen wollten wie es weiter geht, da ich mittlerweile für meine jetzige Stelle überqualifiziert bin (habe noch studiert neben der Arbeit, schreibe gerade meine Abschlussarbeit). Über kurz oder lang wäre sein toller "Plan" also sowieso nicht aufgegangen.


            Mir geht es heute Morgen schon viel besser und ich werde es nun einfach auf mich zukommen lassen :-)

      (11) 29.08.19 - 20:21

      Eine blöde Reaktion auf für ihn schlecht Nachrichten und schon kommt hier das BV ins Gespräch?
      Dann hat der AG ja völlig Recht. Ausgefallen wegen Schwangerschaftsbeschwerden ist die TE schon, da kannman ja auch gleich ein BV ins Auge fassen....

      • Die TE hat gefragt was sie machen soll wenn es nicht aufhört, sondern evtl schlimmer wird. Und das war meine Antwort dazu.
        Keine Ahnung was du so reininterpretierst, aber es war nicht die Rede davon bei einem blöden Spruch ins BV zu gehen. #augenroll

      Niemand hat hier vor wegen einer blöden Reaktion ins BV zu gehen... Es ging da jetzt (so habe ich das verstanden) mehr um die Schikanen seinerseits und was man machen könnte, wenn er diese nicht sein lässt.

      Habe ja schon dazu geschrieben, dass ich das eigentlich nicht möchte, sondern nach anderen Lösungen suche.

      • In dem Beitrag, auf den ich mich bezogen habe, gab es aber keinen anderen Vorschlag als das BV, deshalb meine Antwort.

        Sorry, zu früh abgeschickt.
        Du warst bewusst nicht angesprochen aber ich verstehe dennoch nicht, welche nennenswerten Schiksnen Du gemeint hast. Hat er geszern Deine gesamte Arbeit rückwirkend kritisiert, oder bemängelt, was Du gestern erledigt hast?
        Grundsätzlich würde ich erstmal davon ausgehen, dass Ihr beide überreagiert hsbt.

        • Genau das hat er getan. Nach der Nachricht mit meiner Schwangerschaft war an kein vernünftiges Zusammenarbeiten mehr zu denken.

          Ich sollte z.B. schnell ein Bild ausdrucken, wo dann aber blöderweise der Drucker gestreikt hat und ich spontan den anderen im Nebenbüro nutzen musste. Das hat gereicht für ein "Das mit dem Drucken müssen wir wohl nochmal üben, das sollten Sie schon können."

          Anschließend haben wir ein Arbeitspaket gemeinsam in seinem Büro besprochen. Da meinte er dann: "Da fällt mir gerade ein, ich wollte Ihnen noch sagen, dass mir aufgefallen ist, dass Sie gar nicht mit dem Programm XXX umgehen können." Ich habe ihm geantwortet, dass ich das sehr wohl kann und wollte wissen, wie er zu der Meinung kommt, also ob ich irgendwo Fehler gemacht habe. Dazu meinte er dann, dass er das gerade auch nicht so genau weiß, er wollte mir das nur gesagt haben.

          Ich kann ja durchaus mit Kritik umgehen, solange sie angebracht ist, und lerne gerne dazu, aber mit so ungenauen und unqualifizierten Aussagen funktioniert es nicht. So entsteht bei mir der Eindruck, dass diese Aussage reine Schikane war. Zumal er mich sonst so für meine Arbeit lobt (die im wesentlichen im Umgang mit besagtem Programm besteht).

          In einer Projektbesprechung quatschte er gestern ständig dazwischen mit Aussagen wie "Moment, Frau XXX war ja lange nicht da..." oder "Frau XXX weiß jetzt sicher gar nicht über was wir reden...". Die Aussagen könnte ich mit viel Wohlwollen ja noch als nett gemeint abtun, aber das fällt mir schwer nachdem was er sonst so von sich gegeben hat gestern.

          Das waren so die Sachen, die gestern Vormittag nach dem Gespräch waren, als ich ihm von der Schwangerschaft erzählt habe. Das hat sich über den Mittag und Nachmittag fortgesetzt und ich war einfach froh, als endlich Feierabend war.

          Ich warte nun einfach mal ab ob er sich wieder beruhigt, er ist ja nun erst Mal im Urlaub und dann sehe ich weiter. Momentan zweifle ich allerdings daran. Wenn bei ihm mal jemand unten durch ist, dann ändert sich das auch nicht mehr (dafür ist er in der Firma bekannt).

          • Lass den Chef erst einmal runterkommen und mit der neuen Situation klar kommen. Sicher, seine Reaktion ist alles andere als professionell und an sich sollte jeder Chef wissen, dass man als junge Frau durchaus immer nochmal einen Kinderwunsch haben kann. Schätze für ihn selbst ist es jetzt erst mal blöd, weil er noch keinen Plan hat, wie er dich jetzt ersetzt. Ist halt ja auch immer mit Arbeit verbunden. Entweder er besetzt nicht nach, wo du in Elternzeit bist und die Arbeit bleibt liegen oder verteilt sich auf andere, oder eben er muss schon wieder jemand neues suchen und einarbeiten. Der wird sich wieder beruhigen. Und wenn nicht, würde ich ihm sachlich vortragen, dass du das Verhalten nicht angemessen findest und auf die vorherigen Boni etc. verweisen.

            Aber trotz allem muss ich echt sagen, dass ich wenn ich so was lese, unheimlich dankbar für meinen Chef bin. Er wusste quasi genau, dass wenn er uns junge Frauen (ist noch eine weitere in meinem Alter in der Abteilung) einstellt; dass das Kinderthema kommt. Aber er hat schon immer die Einstellung gehabt, dass dies niemals ein Grund ist, einen nicht einzustellen. Weil er wusste, wie schwer es seine Frau damals hatte wieder einzusteigen mit dem Kind etc.

Lass ihm Zeit es sacken zu lassen.;-)
Der kriegt sich schon wieder ein. War wahrscheinlich nur der "Anfangsschock".;-)

  • Sehe ich auch so! Sprich ihn nach dem Urlaub an und sag ihm ruhig, dass dich seine Reaktion verletzt hat. Du bist doch jetzt mit einem Kind eine super Mitarbeiterin (siehe Boni, Prömien, etc) und wirst es dann mit 2 Kindern genau so sein. Dein Leistungswille wird nicht weniger und wir leben in modernen Zeiten, auch dein Partner fängt es mit auf, wenn mal mit den Kindern ist.

    Sollte er selbst Töchter haben, ggf. schon erwachsene kannst du ihm da mal nen ironischen Seitenhieb geben a la: Sie würden doch auch nicht wollen, dass ihre Töchter nur wegen einer privaten Familienplanung beruflich aufs Abstellgleis geschoben werden!

    • Genau diesen Punkt verstehe ich eben nicht. Er weiß genauso gut wie ich, dass ich bisher nicht einen einzigen Kind-Krank-Tag brauchte, da ich immer alles irgendwie anderweitig organisiert bekommen habe. Es kam bisher zwei Mal vor, dass der Kindergarten angerufen hat und ich meinen Sohn früher abholen musste, was aber auch nicht meine Arbeit beeinträchtigt hat, da wir flexible Zeitkonten haben. Daher weiß ich gar nicht was er mit dieser total dämlichen Aussage will.

      Ich dachte eigentlich, dass er mich mittlerweile gut genug kennt und auch weiß wie es um meinen Ehrgeiz und Leistungswillen bestellt ist. Ich habe neben der Vollzeittätigkeit und meinem Sohn nun bald noch ein weiteres Studium abgeschlossen und er stellt mich (gefühlt) so dar, als würde ich ständig wegen meines Kindes fehlen, nichts leisten und bald gar nicht mehr zur Arbeit kommen, wenn dann noch ein zweites Kind da ist. Evtl. weise ich ihn auch einfach mal darauf hin, dass er doch bitte mal nachschauen soll, wie viele Ausfallzeiten ich im letzten Jahr wegen meinem Kind hatte... #augen

      Er hat tatsächlich zwei Töchter in meinem Alter, aber ihm so einen Spruch zu drücken würde ich mich wahrscheinlich nicht trauen :-D

Danke, werde ich so machen :-)

Top Diskussionen anzeigen