Quereinstieg Lehramt - Wer hat es gemacht?

    • (1) 16.09.19 - 23:02

      Hallo ihr Lieben,

      Während meine fast 6 Monate alte Tochter neben mir liegt und selig schläft, liege ich wach und mache mir mal wieder Gedanken um die Zukunft. Da mein befristeter Arbeitsvertrag mitten in der Elternzeit ausläuft (Ende Dez. 2019), muss ich mich bald auf die Suche nach einem neuen Job machen. Bisher war ich (promovierte) wissenschaftliche Mitarbeiterin (Uni) im Bereich Biotechnologie. Da ich seit Beginn des Mutterschutzes zu meinem Mann in eine ländliche Gegend gezogen bin, kann ich mit größter Wahrscheinlichkeit aufgrund von Arbeitgebermangel nicht mehr in meinem Beruf arbeiten. Deshalb muss ich mich beruflich anderweitig orientieren...
      Mein Mann sieht das alles relativ locker ("es wird sich was ergeben..."), aber ich stehe gedanklich in der Hinsicht vor dem Nichts... mir graut es davor vielleicht für längere Zeit nicht mehr arbeiten zu können,... einfach weil ich nicht weiß, als was...
      Die einzige Möglichkeit, die ich habe ist meiner Ansicht nach der Quereinstieg als Lehrer, evtl. für Biologie, Chemie o.ä. Hier in der Gegend werden wohl tatsächlich bald sehr viele Lehrer gesucht. Ich bin mir jedoch unsicher, ob man "so einfach" Lehrer werden kann. Ich bin eher der ruhige, beständige, geduldige Typ Mensch und weiß nicht, ob ich von Typ her als Lehrer geeignet wäre... ich habe Studenten unterrichtet, aber Kinder sind bestimmt eine ganz andere "Hausnummer".
      Deshalb meine Frage: Hat jemand hier den Quereinstieg ins Lehramt gewagt? Welchen Beruf habt ihr vorher ausgeübt? Wie gefällt euch der Lehrberuf?

      Lg, babyelf

      • (2) 17.09.19 - 05:06

        Ich habe den Schritt vor 4 Jahren gewagt und mache derzeit das Referendariat.
        Vorher habe ich journalistisch gearbeitet und Deutsch als Fremdsprache unterrichtet.
        Es ist möglich, aber du musst bedenken, dass Quereinsteiger oft an Brennpunktschulen oder auf Oberschulen landen, obwohl das Gymnasium eher geeignet wäre. Meine Schüler sind eher im Hauptschulniveau angesiedelt und dafür bin ich fachlich überqualifiziert, pädagogisch ist es dafür herausfordernd. Ich liebe den Job und meine Schüler- ich denke, das ist das Wichtigste. Nur zum Geld verdienen, weil man nichts anderes findet, ist es nicht das Richtige. Stell dich mal beim Schulamt vor.

        • (3) 17.09.19 - 07:48

          Vielen lieben Dank für deine Antwort und deine Erfahrung! Toll, dass du es geschafft hast! Hat man dir angeboten das Referendariat zu machen? Hast du dich auf eine ausgeschriebene Stelle beworben oder einfach das Schulamt kontaktiert?

          Ich habe an der Uni sehr gerne unterrichtet, darum denke ich, dass mir auch der Schulunterricht Spaß machen könnte. Ist natürlich nochmal was ganz anderes teilweise unwillige Kinder und Jugendliche zu unterrichten 😅. Finanziell wäre es nicht nötig, aber ich brauche eine Aufgabe, der ich mich widmen kann.

          • (4) 17.09.19 - 17:45

            Ich bin damals im Zuge der Flüchtlingskrise als DaF-Lehrerin angestellt worden. Dorthin habe ich mich auf eigene Initiative beworben und weil sie mich behalten wollten, bin ich an eine Schule als Deutschlehrerin gekommen. Studiert habe ich Deutsch und Philosophie auf Magister.
            Das Referendariat wurde mir nicht direkt angeboten, da musste ich mich bewerben. Manchmal wird das abgelehnt, dann einfach immer wieder bewerben.
            Du hast ja schon Unterrichtserfahrung, das ist ein Vorteil. Frag mal bei deinem Schulamt nach.
            Seiteneinsteiger sind nicht unbedingt schlechter, als “richtige“ Lehrer.

        (5) 17.09.19 - 22:00

        Äh, jeder Lehrer ist rein fachlich überqualifiziert, oder denkst du, dass das Fachwissen von Lehrern anderer Schulformen ausschließlich auf dem Schulbuch basiert? Könnte brechen, wenn ich sowas lese

    Warum hast du dich sehenden Auges selber ins Aus geschossen?

    • Wir haben ein großes Haus hier geerbt, die Kinderbetreuung ist super, die Gegend ist wunderschön, mein Mann hat einen tollen Job usw. Die Liste der Gründe ist lang 😊.

      Mein Mann meint, ich solle Zuhause bleiben, aber ich gehe wahnsinnig gern arbeiten. Ich mag es auch zu unterrichten, habe aber bisher nur Studenten unterrichtet.

      Lg, babyelf

(8) 17.09.19 - 06:50

Hallo,

probiere es doch über die Schiene Nachhilfe aus. Da merkst du sicher schnell, ob du grundsätzlich mit Kindern arbeiten kannst (klar ist es noch ein Unterschied zu einer ganzen Klasse, aber schon mal ein Indikator).

Ist dein alter Arbeitsplatz so weit entfernt? Eventuell ergeben sich da nach Gesprächen auch Teilzeitmodelle wie 2 Tage Vollzeit vor Ort, der Rest Online von zuhause?

VG
B

(9) 17.09.19 - 07:46

Hallo,

am wichtigsten an dem Beruf finde ich, dass man mit einer Horde u.U. wenig motivierter Kinder oder Jugendlicher klar kommt. #schwitz

Studenten sind etwas anderes. Die sitzen da, weil sie etwas lernen wollen und, zumindest grundlegend, Interesse an Biologie und Chemie haben.

Ich habe den Lehrer-Beruf für mich schonmal gleich ausgeschlossen, weil mich schon ein Kindergeburtstag an meine Grenzen bringt, von Teenagern mit ihren Allüren mal ganz zu schweigen, und die Teenager, die ich näher kenne, sind noch eher harmlos... #schwitz
Mit einzelnen Kindern komme ich gut zurecht, aber nicht mit einer Gruppe.

Ein guter Lehrer muss vor allem eine gute Führungskraft sein. Der muss die Schüler einerseits motivieren, aber auch streng werden können, falls nötig. Er muss geduldig sein und Verständnis für das Verhalten der Schüler aufbringen. Nicht jeder bockige Schüler ist schlecht erzogen und will seinen Lehrer ärgern. Die sind teilweise auch aus anderen Gründen frustriert oder durch ADHS oder sonstwas eingeschränkt. Da muss man individuell gucken, wie man damit umgeht.

Ideal wäre es, wenn Du ein Praktikum an einer Schule machen könntest. Ich weiß aber nicht, ob das so einfach geht.
Ansonsten würde ich mich mal in einem Lehrer-Forum umhören.

Pädadogisch unfähige Lehrer sind jedenfalls ziemlich übel. Die sind schlimmer, als Lehrer, die fachlich nicht so viel drauf haben.
Unser Sohn hatte in der Grundschule eine Quereinsteigerin als Klassenlehrerin, die zwar drei eigene Kinder hat, aber überhaupt nicht mit irgendwie aufmüpfigen oder leistungstechnisch nach oben oder unten abweichenden Kindern klar kommt und dann herum brüllt und ungerechte Strafen verteilt. #aerger
Sie kommt aus einem Beruf, wo man wenig Zeit für die Familie hat. Das war wohl ihr Motiv Lehrerin zu werden.
Ich schätze, sie merkt selbst, dass es schlecht läuft, kommt aber aus der Nummer nicht mehr raus.

Eine Bekannte von mir ist dagegen als Lehrerin bewusst in eine Brennpunktschule quer eingestiegen, weil sie diesen Jugendlichen helfen wollte. Dass da die Wissensvermittlung nicht an erster Stelle steht, war ihr von vorneherein klar. Ihr gefällt es dort sehr gut.

Was man auch zum Lehrerberuf sagen muss, ist, dass Lehrer heutzutage häufig über die Sommerferien entlassen und danach vielleicht wieder eingestellt werden. Das gilt sogar für Lehrer in Mangelfächern. Der, den ich kenne, unterrichtet Physik am Gymnasium.
Da jedesmal zittern zu müssen, ist alles andere als angenehm.

LG

Heike

(10) 17.09.19 - 11:04

Ich würde mich Richtung Sek. II oder Berufsschule orientieren.

(11) 17.09.19 - 13:59

Ich kenne ein paar, die das gemacht haben und ein paar die es durch den üblichen Weg wurden.

Bei Quereinsteigern, würde ich mich zunächst an der Schule infomieren oder beim Schulamt. Ich wieß nicht mehr wo, sie mit den Informationen angefangen haben.

Sie haben sich durchgefragt bis zu der Stelle, die zuständig war, sich dort beraten lassen,
Informationen gesammelt, ob sie die Qualifikationen mitbringenn
und dann auch, wie es ablaufen würde. Bedarf, Bewerbung (wann, wohin), Ablauf was auf sie zukommt uvm.

Ein paar wenige haben es durchgezogen, einige nicht. Die Gründe waren sehr unterschiedlich.

Zu beachten ist, dass es von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ist.
Eine befreundete Lehrerin (studiert) darf nicht in einem anderen Bundesland unterrichten, weil dort ihre Fächerkombi nicht anerkannt wird.
Eine andere wird zu den Sommerferien arbeitslos und nach den Sommerferien wieder eingestellt. ALG bekommt sie in der Zeit nicht, weil sie keine 12 Monate am Stück gearbeitet hat. Ob sie wieder neu eingestellt wird, erfährt sie kurz vor knapp.

Am sinnvollsten wäre wohl beim zuständigen Schulamt zu fragen, wer zuständig ist, dir die notwendigen Informationen zu geben.
Passend zu dem Bundesland, passend zu deinen Fächern, passend zu dem, was du kannst/was gebraucht wird.

Es nicht machen, kannst du dann trotzdem noch. ;-)
Es versuchen kannst du nur, wenn du den ersten Schritt gehst und dich informierst. Also nicht nur hier, sondern bei den offiziellen Stellen.

Fest wird es ja erst, wenn du den Vertrag unterzeichnest. Bis dahin, erfährst du einfach vieles und prüfst für dich, ob du dich weiter informierst oder merkst, dass es doch nicht passend ist.

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