Wie viel arbeitet ihr bei Vollzeit?

    • (1) 18.09.19 - 08:57
      Hilfe12

      Hallo zusammen,
      wir hatten bisher die luxuriöse Möglichkeit, dass wir beide Studenten waren. Diese Zeit ist nun aber zu Ende und ich glaube, mein Mann landet bald in der Nervenanstalt. Ich habe mein Referendariat (Lehramt) begonnen, arbeite mit allem 4 Tage von 8 bis 14 Uhr und einen Tag von 8 bis 17 Uhr. Ich finde es derzeit sehr entspannt, mache auch zu 100% Kinderbetreuung, Haushalt etc. . Mein Mann hat einen Job in der freien Wirtschaft. Er verlässt um 7:00 das Haus und ist gegen 19 Uhr zuhause. Also bevor mein Sohn aufgestanden ist und nachdem er schläft. Sobald er zuhause ist, ist er komplett mit den Nerven fertig. Er ist das gekochte Essen nicht auf obwohl er es lecker findet, ist am weinen, total unglücklich. Er sagt; er hasse so langes arbeiten, aber könne auch nicht direkt zum Berufseinstieg auf Teilzeit gehen. Job wechseln geht nicht so wirklich, er ist sehr spezialisiert und verdient auch entsprechendes Geld. Umschulung wäre 2 Jahre mindestens 600km von meinem Sohn und mir entfernt, wir können hier nicht weg.
      Ich bin zunehmend genervt, dass er absolut gar nichts im Haushalt macht, am Wochenende sich von der Woche erholen muss und einfach gar nicht mehr ansprechbar ist. Mein Sohn vermisst ihn riesig, aber er sieht ihn ja gar nicht mehr.
      Ich möchte ihn zum Arzt schicken, er verweigert das. Kündigen möchte er auch nicht. Merkt aber nicht, wie das an unsere alle Substanz geht. Er hat in den drei Wochen seit er arbeitet 10kg abgenommen, zuhause liegt er nur im Bett. Ich mache mir große Sorgen um ihn, vermutlich auch weil ich meinen Vollzeitjob als gar nicht stressig empfinde.
      Ist das normal bei 60 Stunden Woche? Gewöhnt man sich irgendwann an das Pensum? Wir haben derzeit nicht wirklich Alternativen und ich kann nicht einschätzen, ob mein Mann dringend Hilfe benötigt oder es bei einer Vollzeittätigksit normal ist, so fertig zu sein?

      • (2) 18.09.19 - 09:06

        Ich hatte zum Glück nie eine 60 Stunden Woche.
        40 Stunden ist echt gut machbar, aber ich kann verstehen, dass alles darüber stressen kann.
        Dennoch hat er doch noch was vom Abend, oder nicht? Und das Wochenende.

        Wäre es in seinem Beruf denkbar 1 Tag die Woche im Home Office zu arbeiten?

        • (3) 18.09.19 - 09:16

          Er steht derzeit gegen 6 Uhr auf weil er einen Anzug anziehen muss und dafür derzeit noch relativ viel Zeit braucht mit Krawatte etc. . Ja, theoretisch hat er genügend Zeit. Bis er sich aber ausgezogen hat, noch 2-3 Mails von der Geschäftsstelle beantwortet hat und was im Onlineserver eingetragen, ist es eher 20 Uhr. Er hat dann den kompletten Tag noch NICHTS gegessen. Ich versuche ihn dann was zu geben, dann ist es 20:30. Dann ist er halt einfach nur komplett fertig und liegt auf dem Bett und schaut Netflix. Und will dann um 21:30 schlafen um genügend Schlaf zu kriegen, liegt dann aber nach eigener Aussage noch 3-4 Stunden wach, weil er nicht abschalten kann. Da es ein Bürojob ist, sitzt er den ganzen Tag. Mein vorsichtiger Vorschlag zu Sport endet in riesem Streit, weil er nicht noch mehr Termine will.
          Homeoffice ist nicht möglich, er ist in einer hohen Position ist mit sehr vielen Leuten unter ihm, auf deren Informationen er angewiesen ist und für sie vor Ort da sein muss.

            • (5) 18.09.19 - 10:04

              Er hat eine Mittagspause. Er sagt selbst, er kriegt aber nichts runter. Ich persönlich kann von dem Problem nur träumen. Bei seiner Mutter ist es aber auch so - wenn sie gestresst ist sieht man es ihr sofort an, sie isst über Tage nichts und kommt noch mehr ins Untergewicht als sie eh schon ist. Wie gesagt- ich kann das nicht nachvollziehen, ich nehme in stressigen Phasen eher zu durch Frustessen. Sein Opa hatte ein OP, die gar nichts mit seiner Nahrungszufuhr zu tun hat. Er müsste dennoch über 4 Monate hinweg künstlich ernährt werden, weil er durch den Stress irgendwie nichts mehr runtergekommen hat. Ich denke, seine Essensverweigerung ist familiär bedingt.

              • (6) 18.09.19 - 11:14

                Oh wow... na ja, wenn er nicht einsehen kann, dass er Hilfe braucht, dann wird er wohl daran zu Grunde gehen. Und du kannst daran nix ändern.

                Das tut mir echt sehr leid.

          (7) 19.09.19 - 12:04

          Irgendwie kommt bei mir die Frage auf, ob Dein Mann ADHS hat. Das würde zumindest einiges erklären.
          Es ist keine 60 Stunden Woche und klingt nicht unnormal was die Zeiten angeht.

          Lg,
          Fina

          (8) 19.09.19 - 17:11

          Dein Mann hat als Berufseinstieg direkt eine Position mit Personalverantwortung? Das ist ungewöhnlich. Hat er entsprechende Schulungen und Weiterbildungen gehabt? Sonst scheint es ihn wohl zu überfordern.

          Bald braucht er nur noch 2 min für die Krawatte.

          Und ein Tipp: Arbeit nicht mit nach Hause nehmen, lieber länger im Büro belieben und alles erledigen, aber nicht zu Hause noch Mails schreiben, wenn man eh Schwierigkeiten hat abzuschalten.

    (9) 18.09.19 - 09:23

    33 Stunden ist kein Vollzeitjob und deine Zeiten sehr entspannt.
    Ich arbeite derzeit fast genauso wie du und finde es auch mit 3 Kids super zu handhaben.

    Aber um dich oder mich geht´s ja nicht. Dein Mann scheint ein massives Problem zu haben und das gehört gelöst.

    Fände es jetzt schwierig, nach 3 Wochen von einem "Burnout" zu sprechen. Die Umstellung fällt ihm aber auf jeden Fall sehr schwer. Das kann von allein besser werden oder auch nicht.

    "Normal" ist es jedenfalls definitiv nicht, nach der Arbeit zu weinen, nicht zu essen und nur noch im Bett zu liegen.

    Aber wenn alle Alternativen von Vornherein abgelehnt werden und dein Mann sich nicht helfen lässt.. was soll man dann raten??

    LG Claudi

    • Ähm, doch im Lehramt ist das eine volle Tätigkeit. Es kommt ja zu der Außer-Haus-Tätigkeit die Vor- und Nachbereitung. Und im Ref kommen da schon noch ordentlich Stunden zusammen, die man selbst organisieren muss.

      • Da sie "...arbeite mit allem..." schrieb, ging ich davon aus, dass das die Zeiten mit allem sind.

        LG

        • Stimmt. Das habe ich überlesen. Ich kenne in der Praxis aber keinen Ref, der 14 Uhr mit allem fertig ist.

          • *Ich kenne in der Praxis aber keinen Ref, der 14 Uhr mit allem fertig ist.*

            Ich bilde seit 12 Jahren Referendare aus und das kommt mir auch extrem seltsam vor. Was bei unseren verlangt wird, vor allem vom Seminar, ist definitiv ein Vollzeit Job. Und zwar von Anfang an.

            Ich kenne eine Mutter, die mit 3 Kindern und eine, die allein erziehend mit einem Kind Referendariat gemach haben. Die saßen beide in den Nächten am Schreibtisch.

    (14) 18.09.19 - 10:09

    Ich weiß es nicht. Wenn ich eine Lösung wüsste die ich mir raten kann, dann würde ich euch ja nicht fragen😄 Die sitution ist ziemlich aussichtslos. Vermurlich ist er wirklich im flschen job, will es sich aver nicht eigestehen. ich arbeite tatsächlich nur 33 Stunden in Schule / Seminar, habe durch meinen Sohn einen sehr guten Stundenplan und noch keine UBs gehabt. Aber geht ja auch nicht um mich.
    Aber du hast Rest-vielleicht ist es wirklich nur ein Umstellung und es wird bald besser.

(15) 18.09.19 - 09:28

Er arbeitet 60 Stunden die Woche und du fragst dich ernsthaft ob es normal ist dass man danach kaputt ausgelaugt und am Rand seiner Kräfte ist.
Er sxhlittert vermutlich wenn es so weiter geht auf Dauer in eine Überlastung Depression.
Ich würde mich mal ernsthaft mit ihm zusammensetzen und nach Lösung suchen. Das endet so nie gut. Früher oder später wird er gegen die Wand fahren!

  • (16) 18.09.19 - 10:14

    Er überlegt, seinen Job zu kündigen und Hausmann zu werden. Aber ich weiß, dass es ihn auch nicht glücklich machen würde, er ist, sorry da so angeberisch zu sein, sehr intelligent im mathematischen Bereich, sein Arbeitsfeld macht ihm riesen Spaß. Nur dieser Job in seiner Länge irgendwie nicht :/ er sagt selbst, dass er gerne um 16 Uhr zu Hause wäre und so was vom Tag hätte.

(19) 18.09.19 - 09:29

Dein Mann ist seit drei Wochen in der freien Wirtschaft. Das heißt, dass er eigentlich noch in der Ausbildung ist.
Wenn er um 7 das Haus verlässt und um 19 Uhr zurück kommt, dann hat er keine 60h Woche. Er ist 60h aus dem Haus.
Was er vor allem zu brauchen scheint ist Organisation. Das fällt vielen am Anfang schwer. Er weiß noch nicht was eigentlich von ihm erwartet wird und legt anscheinend voll Power los. Das geht nie lange gut.
1. Morgens besser organisieren. Anzug anziehen mit Krawatte dauert nicht länger als normale Klamotten, wenn man die Krawatten so bindet, dass man sie nur zu ziehen muss. Zudem sollte er sich abends etwas zu Essen für den Weg zur Arbeit machen.
2. Lernen was wichtig ist und was nicht. Der Prozess dauert bei einigen Angestellten ein paar Monate, andere lernen es nie. Warum muss er abends noch Sachen erledigen, wenn er schon zu hause ist? Sind das tatsächlich Sachen, die nicht bis zum nächsten Tag warten können? Plant er seine Tage realistisch? Plant er in seine Tagesplanung sein Mittagessen ein?

Wenn jemand drei Wochen in einem Unternehmen ist und schon so schwimmt, dann läuft in der Eigenorganisation etwas gewaltig schief. Das kann man lernen, dass muss man aber auch wollen.
Ich würde vermuten, dass er sich total überfordert fühlt und noch nicht weiß, wie man mit solchen Situationen umgeht. Er muss sprechen lernen. Nur Mitarbeitern die sprechen kann geholfen werden. Er sollte ja noch in der Einarbeitung sein. Also wird er wohl Ansprechpartner haben, die einen realistischen Workload mit ihm durchgehen können.
Aus der Überforderung heraus kommen schnell diese Schlappgefühle und diese von dir beschriebenen Verhaltensweisen raus.


Übrigens: Was sein Vollzeitjob in Stunden bedeutet sollte in seinem Vertrag stehen. Daran sollte er sich dann auch halten. Nicht angeordnete Überstunden muss er nicht machen. Wenn man erst drei Wochen da ist ist das auch Quatsch. Da ist man noch gar nicht in der Lage einzuschätzen, ob das sein muss.

  • (20) 18.09.19 - 10:26

    Danke, dein Beitrag ist sehr hilfreich.
    1) wird hoffentlich bald passieren. Er ist damit komplett überfordert. Ich muss seine Hemden waschen, bügeln, die Krawatte binden, selbst die Knöpfe vom Hemd zumachen. Er hat enorme motorische Probleme, war von Klasse 1-4 aufgrund dieser auf einer Förderschule. Er ist vom Kopf her mega intelligent aber in seinem Körper gefangen. Er schafft es nicht, sich selbstständig den Anzug anzuziehen oder Schuhe zu binden.
    2) er kann relativ wenig planen und muss viel reagieren. Ist immer wieder auf die Zuarbeit von Angestellten angewiesen weil er bestimmte Daten anfordern muss. Er hat eine Mittagspause, isst aber meistens nicht, die anderen arbeiten die Pause wohl einfach weiter.
    Die anderen fahren gar nicht nach Hause, die übernachten in Hotels, ca. 180-200 Tage im Jahr. Er geht also immer als erster und kommt als letzter. Da er aber derzeit "nur" eine Fahrzeit von insgesamt 4 Stunden hat, fährt er die, Anspruch aufs Hotel gibt es erst über 250km/einfache Strecke. Die Fahrzeit ist aber seine Arbeitszeit. Da kommt vermutlich dazu, dass wir bis zu seinem Job kein Auto hatten (Studenten halt) und er jetzt das erste Mal in seinem Leben wirklich Auto fährt. Das lange Autofahren macht ihn vermutlich auch fertig. Mit der Überforderung hast du vermutlich recht. Ich hoffe sehr, dass das die nächsten Tage besser wird.

    • (21) 18.09.19 - 11:31

      zu 1) und 2) habe ich keinen Rat.
      Vieles kommt mir bekannt vor. ADS/ADHS (habe es selbst und viele Verwandte, einige Freunde) sowie einige Freunde mit Asperger Autismus, wo der Unterschied zwischen Motorik und Intelligenz noch mal deutlicher ist. Gefangen im eigenen Körper trifft es da ganz gut.

      Die Überforderung mit der eigenen Intelligenz, das nciht umsetzen können, was mein weiß, aber nicht hingebekommt, kommt mir nur zuuuu bekannt vor.

      Tipp habe ich keinen!
      Erschöpfung ist eine häufige Folge. Flucht ins andere Extrem (dann eben gar nicht) auch.
      Da dann wieder die Überforderung mit dem eigenen wollen, aber nicht können. Man weiß, man könnte und bekommt auch das nicht hin. Je einfacher die Aufgaben, desto schwieriger wird es.



      Zur Fahrt:
      gäbe es da die Möglichkeit wenigestens für die Eingewöhnungszeit eine Alternative zu finden?
      Z.B. dass er für Zeitraum x, sich ein Hotelzimmer/Pension mit Frühstück nimmt?

      Mo-Fr.
      Frühstück dabei !! (sehr wichtig, so wie ich es gelesen habe)
      Dauer abgesprochen und begrenzt.

      Grund: damit er vorübergehend seinen Fokus aufs vor Ort sein legen kann.
      Damit er in der Firma angekommen kann.
      Wenn er das gewuppt bekommt, dass er dann die Fahrtzeit als zusätzliche Baustelle dazu nimmt.

      Fahrzeit kann an die Substanz gehen.
      Früher hat mir das nichts ausgemacht. Heute kann mich die Hälfte der früheren Zeit stressen.

      Öffentliche sind vermutliche keine Option?
      Manche entlastet es, wenn sie nicht selbst Autofahren müssen.
      Andere stressen öffentliche erst recht. Besonders, wenn dann noch schlechte Anbindungen dazu kommen.

      (22) 18.09.19 - 19:23

      Könnte er denn mit dem Zug fahren? Das wäre evtl stressfreier als mit dem Auto und er käme entspannter nach Hause.

      Ansonsten kann ich nur von mir aus sagen, bei mir war es ähnlich zu Beginn meiner Ausbildung. Ich war zwölf Stunden außer Haus und bin danach ins Bett gefallen. Aber irgendwann gewöhnt man sich an die Umstellung und ist nach dem Arbeiten nicht mehr so kaputt.

      (23) 19.09.19 - 04:41

      Es macht doch auch finanzielle überhaupt keine Sinn, dass er so weit auf Arbeit fährt. Er könnte vermutlich 1.000€ brutto weniger verdienen, wenn er in der Nähe arbeitet und Ihr würdet finanziell besser dastehen. Die Pendlerpauschale ist bei etwas über 4.000€ gedeckelt, was je nach Anzahl Urlaubstage/Arbeitstage ca 70km sind. Hinzu kommt noch der Verschleiß am Auto, Versicherung, Sprit etc. Das ist doch ein absolutes Verlustgeschäft. Habt ihr euch im Vorfeld darüber keine Gedanken gemacht?

(24) 18.09.19 - 09:30

Wie lange macht er das schon?

Für mich sieht das eher so aus, als wäre er mit dem Berufsleben noch überfordert, evtl. ist er auch zu hoch eingestiegen.

Er sollte anfangen seinen Tag zu strukturieren, Mittags ne Pause machen und nein, man profiliert sich nicht, nur weil man der Letzte abends ist, allerdings sind viele Leute der Meinung, gerade wenn sie neu sind.
Respekt verschafft man sich mit Qualität und nicht mit Quantität. Heißt nicht, dass man nicht mal Stress hat und ja, es gibt Jobs die sind stressig, aber ob es nun am Job oder an deinem Mann liegt, lässt sich schwer sagen.

  • (25) 18.09.19 - 10:35

    Ja, absolut. Er ist definitiv zu hoch eingestiegen. Aber jetzt zurück zu rudern ist auch schwierig...Er ist leider auch nicht der letzte der geht, im Gegenteil, er geht als erster. Wir haben extra ein familienfreundliches Unternehmen gesucht, aber das waren wohl leere Versprechungen 😥

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