Hochsensibilität und das Umfeld

    • (1) 27.02.19 - 06:00

      Meine Tochter (4) ist von Geburt an ‚extrem‘. Schlief immer wenig, schrie viel, wurde immer getragen, fing schon mit 9 Monaten an zu laufen. Mittlerweile ist sie immer noch impulsiv aber auch witzig ohne Ende. Sie scheint extrem sensibel zu sein, Socken erträgt sie nicht, weint beim Anziehen eigentlich immer weil ‚Kleidung weh tut‘. Wir lassen viele Freiheiten und sie darf hier im Urlaub zb nackt baden obwohl mir das eigentlich nicht gut gefällt... aber geschenkt. Sie darf ihre Clogs (einziges akzeptiertes Paar Schuhe, zuhause in Dtl Gummistiefel) immer tragen aber gestern wollte sie zur Kinderdisco und am Vortag fiel sie mehrfach hin mit den Schlappen. Ich hab zu ihrem Schutz gesagt sie kann nun nur noch mittanzen wenn sie andere Schuhe anzieht. Hab es ruhig erklärt und sie begleitet in ihrer Wut aber sie schrie so laut dass ich mitihr schließlich den Raum verlassen habe...andere Gäste haben ja auch ein Recht auf Ruhe. Beim Raustragen kreischte sie so schlimm, dass eine Frau anfing uns zu beschimpfen wie unmöglich sie ist (woraufhin ich leider etwas ungehalten wurde der Frau gegenüber- schließlich war ich ja schon über dem gehen). Naja jedenfalls grüble ich die ganze Nacht nun ob ich lieber alles durchgehen lasse damit meine Tochter sich nicht so reinsteigert oder ob ich bestimmte Dinge durchziehen muss- das Schuhwechseln war ja keine optische Entscheidung, wenn es danach geht würde ich ständig Grenzen setzen. Wir kommen öfters mal in Situationen wo das Umfeld völlig überfordert von der Intensität ihrer Emotionen ist (auch Freude - sie kann gleichaltrige zb so lieb haben und Freude im Spiel habrn, dass die Kinder nur noch hilflos schauen und sich ggf abwenden).
      Osteopathie waren wir. Kinderpsychologe will ich nicht. Sie soll nicht pathologisiert werden, ich kann die Extreme gut annehmen, hab nur das Gefühl die Gesellschaft kommt damit nicht klar. Aber manchmal muss ich halt bestimmte Dinge durchsetzen zb wenn es sonst zu Unfällen kommt oder Gefahr droht... oder was würdet ihr tun? Ich möchte auch dass sie lernt dass es in einer Gruppe nicht nur nach ihr gehen kann (5 Kinder wollen am Strand baden, sie im Pool- wenn sie mitspielen will, muss sie zum Strand, es müssen nicht die anderen immer so wie sie will). Grenzen möglichst nur zuhause wo ausflippen niemanden stört? Dickeres Fell ggü Blicken von außen? Kennt es jemand?

      Ps: es gibt übrigens noch einen kleinen Bruder der das komplette Gegenteil ist, sehr ruhig und ausgeglichen. Da ich beide gleichermaßen präge, lassen mich Erziehungsratschläge der Umwelt recht kalt, da ich sehe wie unterschiedlich Charaktere sind. Aber die Umwelt muss nicht alles so hinnehmen können wie ich oder?

      • (2) 27.02.19 - 07:48

        Kennst Du das Buch " Soviel Freude, soviel Wut" von Nora Imlau? Da werden genau gefühlsstarke und hochsensible Kinder beschrieben und sie gibt auch praktische konkrete Tipps für Alltagssituationen - wie z.B. bei Euch mit den Schuhen.
        Ich finde es toll, dass Du Deine Tochter so respektierst und auf ihre Bedürfnisse eingehst. Hochsensibilität wird von der Außenwelt nicht immer so gut verstanden. Und es ist nicht immer leicht, z.B. auch herauszufinden, was denn nun gerade nicht passt - Kleidung unangenehm, Schuhe hart etc.
        Bei zwei Kindern siehst Du ja auch genau den Unterschied, dass es nicht an Deiner Erziehung liegt.

        (3) 27.02.19 - 08:14

        Wie läuft es denn im Kindergarten?

        Da muss sie sich ja ggf mehr anpassen und auch die Erzieher können vermutlich nicht auf jede Situation so reagieren wie du.

        Dass sie ausflippt, wenn du ihr Grenzen setzt, ist nun einmal so und das kommt ja durchaus auch bei anderen Kindern vor. Nur dann vielleicht weniger häufig. Ich finde, dass es bereits Rücksichtnahme ist, wenn du dann mit dem schreienden Kind den Raum verlässt. Alles durchgehen lassen, wäre da für mich keine Option. In dem Fall ging es ja auch um das Verhindern von Verletzungen.

        Du hättest genauso einen Spruch ernten können, wenn du dein Kind mit Schlappen hättest tanzen lassen und es sich auf die Nase gelegt hätte. Also: Da wäre mir reichlich egal, was andere davon halten.

        Vermutlich solltest du dir tatsächlich ein dickeres Fell zulegen und auch in Blicke nicht allzuviel hinein interpretieren.
        Ein Blick kann soviel bedeuten, nicht nur das, was man sich gerade vorstellt.

        VG Isa

        (4) 27.02.19 - 08:22

        Hallo,

        geh doch mal im Kopf das Szenario "Ich lass ihr alles durchgehen, damit Ruhe ist" durch. Und zwar auf die nächsten 10 Jahre. Ich kann dir versichern, aus eigener Erfahrung, damit kommst Du definitiv nicht weit! Sie lernt so weder mit ihren übersteigerten Emotionen umzugeh3n, noch diese zu kontrollieren u. in geeignete Bahnen zu lenken! Außerdem solltest Du dir unbedingt vor Augen führen, dass es für euch als Eltern zwar schwierig ist, für eure Tochter aber ist es beängstigend, anstrengend, ausgrenzend, vereinsamend. So wird sie weder Freunde finden noch im späteren Leben in der Gesellschaft bestehen. Glaubst Du, sie fühlt sich wohl? Ich denke Nein! Sie wird es dir nicht dank3n, dass Du sie nicht pathologisieren wolltest!

        Ein vernünftiger Kinder- u. Jugendpsychologe kommt nicht direkt mit Pillen u. ner vorgefertigten Diagnose! Da werden umfangreiche Tests gemacht, das Kind spielerisch an seine Emotionen herangeführt, gesehen, auf einer anderen Ebene als die zwischen Eltern-Kind wahrgenommen, es bekommt die Gelegenheit Strategien zu erlernen mit Emotionen umzugehen, diese zu kontrollieren. Und glaube mir, es wird mit eurer Tochter nicht besser je älter sie wird! Anders, das vlt., aber garantiert nicht besser! Die Probleme werden immer größer, immer mehr, immer schwerer. Du kannst es jetzt vlt. auffangen, aber garantiert nicht auf Dauer!

        Du solltest wirklich an die Zukunft denken, insbesondere deiner Tochter zuliebe! Du kannst die Gesellschaft "verurteilen" für ihren Umgang mit dem Verhalten deiner Tochter, aber Du lebst nunmal in dieser Gesellschaft. Und im übrigen- wenn ein Kind ständig solchen Terror betreibt, wäre ich als Dritte Person, die in Ruhe essen möchte, auch sehr genervt! Und ich habe selber ein äußerst schwieriges Kind.

        Viele Grüße

        • (5) 27.02.19 - 19:08

          Dieser Kommentar fast es wunderbar zusammen. Ich würde mich anstelle der TE au H mal mehr dahinter klemmen, denn so wird das Kind niemals glücklich. Lieben heißt auch Grenzen setzen. Und wenn ein Kind stark nach Grenzen fordert, dann sollte man diese auch geben, damit es halt finden kann. Ein Psychologe kann euch beraten, dabei wird ihr garantiert kein Stempel aufgedrückt.

      (6) 27.02.19 - 10:50

      Meine Tochter ist ähnlich, nicht ganz so extrem, aber war auch schon immer impulsiv, schrie die ersten 6 Monate nur. Wenn sie was neues lernte, war sie wirklich schwer zu ertragen ;-) Aber gerade deswegen, weil sie so ist, lasse ich ihr nicht alles durchgehen. Vor allem da, wo Gefahr im Verzug ist. Es gibt gewisse Regeln, wo sich Kinder dran halten müssen. An der Straße wird an der Hand gegangen, ohne Ausnahme! Das betrifft auch die Schuhe, im Stall wird festes Schuhwerk getragen, wer das nicht möchte, kann halt nicht mit und muss bei Oma bleiben. Ja, es ist hart, aber du fährst sicherlich nicht gut damit, dass sich alles um sie dreht. Sie ist ja nicht dumm und weiß ganz genau, was sie machen muss, damit sie bekommt was sie will. Ich finde es war bereits ein Fehler sie ohne vernünftige Schuhe damit hin zu nehmen. Ohne geht halt nicht und das kann sie mittlerweile verstehen. Natürlich kann man Kompromisse machen, aber es kann sich in einer Familie nun mal nicht alles um eine Person drehen, sondern alle Bedürfnisse jedes Einzelnen zählen.
      Ich bin froh das meine Tochter mit zwei älteren Brüdern aufwächst, die lassen nämlich nicht alles mit sich machen.

      LG

    • (7) 27.02.19 - 10:54

      Bist du sicher, dass du ihr nicht zu viel durchgehen lässt? Bist du sicher, dass sie hochsensibel ist und nicht (sorry) zu frei erzogen ?
      Vielleicht tun die Socken ja wirklich weh und sitzen unangenehm. Hattest du noch nie ein paar schlecht sitzende Socken?
      Ich würde deutlich Grenzen setzen. Egal ob sie schreit oder kreischt. Dahingehend brauchst du wirklich ein dickeres Fell. Sie ist ein Teil einer Gesellschaft, sei es eure Familie, Kindergarten, später mal Schule und Job. Man kann nicht immer haben was man will und muss lernen sich unterzuordnen und emotional anzupassen. Auch als "Hochsensibelchen".
      Ich denke eher, dass dir da eine kleine Prinzessin gewaltig auf der Nase rum tanzt.

      • Man merkt an deiner Antwort, dass du keine Erfahrung mit Hochsensibilität hast. Manchmal ist es in solchen Fall besser, kein Kommentar abzugeben.

        • (9) 27.02.19 - 11:09

          Danke für diese Belehrung. Das ist ein Meinungsforum. Ich habe meine Meinung kund getan. Das kannst weder du noch sonst wer mir verbieten.
          Ich sehe hier keine Hochsensibilität. Ganz einfach. Und solang die TE sich weigert mit Psychologen/Psychiatern zu arbeiten, hat sie nichts als ihre Eigendiagnose.

          • Du siehst keine Hochsensibilität? Du kennst das Kind der TE doch gar nicht!

            Außerdem ist Hochsensibilität kein Fall für den Psychiater. Hochsensibilität ist keine Krankheit sondern ein Persönlichkeitsmerkmal.

            Forum hin oder her. Man muss nicht zu allem seinen Senf dazu geben. Schon gar nicht, wenn man keine Ahnung hat.

            • (11) 27.02.19 - 11:46

              Und wer bist du, dass du mir den Mund verbieten darfst?
              Ein Psychologe kann Diagnosen stellen. Und helfen. Wenn diese tolle Hochsensibilität ein Persönlichkeitsmerkmal ist, warum geht man damit hausieren?
              Ich bin kreativ und geduldig, nehmt Rücksicht auf mich!
              Schwachsinn.

              • Es geht mir gar nicht darum, dir den Mund zu verbieten. Sondern darum, dass du abwertend über das Thema schreibst und das finde ich nicht okay.

                Ich zitiere nur „Hochsensibelchen“ „tolle Hochsensibilität“. Lass das doch einfach. Ist doch nicht fair.

        Da es hier explizit um die Reaktion des Umfelds bzw. der Gesellschaft auf ein "hochsensibles" Kind geht, sind gerade die Kommentare Außenstehender umso wertvoller...

(14) 27.02.19 - 13:07

Hi,
Meine Kinder sind deinen glaub aus der Beschreibung heraus sehr ähnlich. Was mich selbst überrascht. Mein Sohn zeigt mir immer das es nicht unbedingt an mir liegt das seine große Schwester so voller Emotionen ist.
Meine Tochter musste lernen kompromisse einzugehen mit mir, im Alltag, gegenüber ihrem Bruder und im Kindergarten. Sie hat sehr viele Freiheiten. Umso mehr ich sie begrenze um so mehr geht sie dagegen aber oft ist es einfach so das das Umfeld mehr sozialverhalten fordert. Darauf achte ich sehr, viele Freiheiten gegen mehr Rücksichtnahme. Es wird immer besser und sie integriert sich sehr leicht mittlerweile. Es kostet mich viel mehr Kraft als ihr alles zu lassen aber es lohnt sich, ansonsten kommt zum hochsensibel noch verzogen dazu, das wollt ich nicht

(15) 27.02.19 - 14:13

Hast du schon mal was von taktiler Wahrnehmungsstörung gehört? Hört sich von der Beschreibung her so an, für mich.

Google doch mal in dieser Richtung. Ich denke Ergotherapeuten sind dann da die richtigen Ansprechpartner.

Verstehen kann ich allerdings nicht, dass du es nicht „kategorisieren“ willst. Das ist ja nun erst mal nichts schlechtes, wenn man „offiziell“ weiß woran man ist. Dann kann man sich auch die nötigen Hilfen holen. Wenn sie hochsensibel ist, ist es doch nur fair ihr die nötigen Hilfen mitzugeben, wie sie lernt sich besser zu kontrollieren und dass man sich eben auch oft einer Gruppe anpassen muss. Wie soll sie das in so jungen Jahren selbst lernen?

LG

  • (16) 27.02.19 - 15:09

    Hallo ihr Lieben! Danke für eure unterschiedlichen Antworten.
    Ich habe die Sorge vorm Psychologen weil ich als Sozialarbeiterin arbeite und in meiner Schule gern Kinder mit ihren Diagnosen hausieren gehen und jegliches Verhalten als Symptom behandelt wird und ich denk dann oft da fehlt die Bereitschaft an sich zu arbeiten... also ich habe eben zwar Verständnis wenn sie ausflippt, aber kann es nicht tolerieren und sie weiter rumkreischen lassen (zuhause als Schutzraum finde ich es in Ausnahmefällen ok, vielleicht ist das wirklich mein Fehler gewesen, aber man kommt schon seit Geburt nicht an soe ran wennsie richtig in Rage ist). Früher hab ich mich wirklich oft gefragt was ich tue, weshalb sie nicht auf mich hört und auch einfache Ansagen wie m: Stopp, Straße - komm zu mir an die Hand, da sind Autos. Fast nie ankamen, sie lernte es selbst aber nicht selten mussten wir sie kreischend wegtragen. Mit meinem Sohn gab es obwohl er schon einJahr läuft nie solche Situationen, er kommt einfach an die Hand und hört auch auf wenn ich ihn bitte etwas zu lassen.

    Zu den Socken... wir haben schon sämtliche Varianten probiert, mittlerweile trögt sie sie auf Links, aber auch nur wenn es extrem kalt ist und sie friert.

    • (17) 28.02.19 - 08:25

      Allein die Situation mit der Straße sagt mir: ab zum Psychologen. Wenn deine Tochter eine Störung hat, dann ist das KEIN DRAMA! Aber sich vehement dagegen zu wehren, kostet deine Tochter wertvolle Zeit, in der schon längst daran gearbeitet werden könnte, das sie besser mit ihrem Umfeld zurecht kommt und zwar SELBSTÄNDIG. Ihr steht ihr nicht immer zur Seite und könnt sie vor allem abschirmen. Geb deiner Tochter die Chance, zu lernen und mach dich auf den Weg, das abzuklären. Dein Kind wird nicht glücklich, die Probleme werden größer, je älter sie wird. Handle jetzt und lass dir nicht die Sicht von deiner Arbeit vernebeln! Du bist nicht die Mutter anderer Kinder, du musst die Angelegenheit deiner Tochter nirgends breit treten. Aber wenn du weiterhin nichts machst, wird sie spätestens in der Schule kollidieren und dann wird es von anderen breit getreten.

      Ich finde es schrecklich das Eltern sich so dagegen wehren, das ihr Kind mal angeschaut wird, um danach genau die passende Unterstützung zu bekommen, die es in seiner Entwicklung benötigt. Als Mutter oder Vater ist man eben kein Fachmensch, dafür sind diese Leute doch da, um zu helfen! Und dein Kind ist nicht weniger wert, nur weil es da war oder im Anschluss evtl Maßnahmen in welcher Form auch immer hat, die sie bei ihrer Entwicklung unterstützen!

      Auch Kinder mit therapiehintergrund sind ebenso liebenswerte Kinder, wie welche ohne therapiehintergrund!

      (18) 28.02.19 - 12:41

      Aber Diagnosen als Ausrede zu benutzen o. als Grundlage um daran zu arbeiten ist ein riesiger Unterschied! Grad als Sozialarbeiterin solltest Du doch Vertrauen in das System haben, von dem Du doch ein Teil bist!

      Ich weiß, dass viele z. B. die Diagnose ADHS als Ausrede benutzen um ihre Kinder nicht erziehen zu müssen. Deshalb explodieren ja auch die "Erkrankungsquotrn". Dasselbe mit Lese-/Rechtschreibschwäche - dann muss ich nicht dafür sorgen, dass das Kind lernt. Gibt ja schließlich die Diagnose für die Schule

      Aber das kommt ja aus dem Elternhaus. Es liegt doch an euch, wie ihr damit umgeht. Außerdem ist ja nicht gesagt, DAS eure Tochter etwas diagnostizierbares hat. Nur dann weißt Du Bescheid!

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